Kinderkram oder: „Let’s Go To The Mall“, Part 4.796

Wir waren gestern in einer Mall in der Nähe, in der wir bisher noch nicht gewesen sind. „Plaza 96“ heißt die, falls es wen interessiert. Sie ist so halb offen angelegt und enthält ungefähr vierzig Millionen Fresstempel. Die halb offene Architektur war ein bisschen blöd, weil die Luft immer noch recht schlecht war und da, wo die wie so Sonnensegel-Dächer hatten, war es unheimlich stickig. Aber nun ja. Wir waren ja nicht ewig da.

Nun wissen wir auch, wo die Wagas-Bestellung wohl herkommt, wenn wir über Sherpa (das ist ein Essen-Lieferdienst) bestellen. Und da diese geilen Wraps frisch einfach besser schmecken, weiß ich jetzt, wo ich in der Nähe dafür hin kann. Hurra! (Und ja, dass ich Wagas geil finde, ist voll das Expat-Klischee, aber das IST halt super da!)

Außer den Restaurants gibt es auch verrückte Sachen wie einen H&M und vor allem einen riesigen Bereich mit Kinderkram. Wir hatten von weiter oben nur einen Laden gesehen und als wir rein gingen, entpuppte sich die gesamte untere Etage als Kinderparadies. Geiler Scheiß! Weiterlesen

Ein typisch deutsches Gespräch

Flughafen Frankfurt. Morgens um etwa viertel vor sechs. Wir befinden uns das erste Mal seit Monaten auf deutschem Boden und wie könnte man das besser zelebrieren als mit einem Milchkaffee aus nicht-importierter Milch und einem belegtem Brötchen oder Sonstigem, was die deutsche Bäckerskunst zu bieten hat? Eben.

Der erste Shop, den wir passieren, offeriert belegte Brote der Sorte „Superfancy Panini mit Trallala“, die 5,95 EUR kosten. Ja, das ist unglaublich teuer. Aber in Shanghai würde sowas für 59 RMB angeboten. (1 RMB = etwa 1,50 EUR. Könnter selbst ausrechnen…). So gesehen ist das für mich schon fast ein Schnäppchen.

Da die Herren aber gerne ein Schokocroissant oder sowas hätten, steuern wir einen Bäcker an. Bei dem sind die Preise meiner Meinung nach normal. Vor allem für den Frankfurter Flughafen im großen Sicherheitsbereich, wo man nicht raus kann.

Ich sabbere die Auslage an und freue mich, dass ich bald an der Reihe bin.

Vor mir steht eine Frau an der Theke und bestellt ein Körnerbrötchen. Nach einigem Zögern ihrerseits – man merkt richtig, wie sie mit ihren Moralvorstellungen kämpft – entwickelt sich folgender Dialog mit der Verkäuferin:
„Haben Sie auch stilles Wasser?“ 
„Ja.“
„Wieviel ist denn da drin?“
„0,5 Liter.“
„Hmm. Was kostet das?“ 
Preis hab ich vergessen, war aber nicht günstig. Flughafen halt. Und Vio oder so.
„Und das ist nur Wasser?“
Nee. Dreißig Jahre alter Whiskey. Gemischt mit handgepflückten Teeblättern aus biologischem Anbau . KLAR IST DAS WASSER! Danach hast du doch gefragt!! 
„Das ist aber teuer.
(lange Pause.)
Dann nicht.

Seufz.

Ich meine, erahnen zu können, wie die Verkäuferin für einen kurzen Moment mit den Augen rollt.

Also jetzt mal ehrlich. Bei der ersten Frage hat doch jeder schon gewusst, dass die Frau das Wasser nicht kaufen wird. Warum also dieser sinnfreie Dialog, der allen nur Lebenszeit raubt…?

P.S.: Und bevor da wer mit anfängt: Das deutsche Leitungswasser kann man bedenkenlos trinken, die Frau wird nicht verdursten müssen. Wir befinden uns im Sicherheitsbereich des Flughafens, sie scheint also auf der Durchreise zu sein und hat ja anscheinend mindestens Geld für zwei Flüge gehabt. Ich bin mir sicher, dass da keine herzzerreißende Geschichte hintersteckt. Das ist einfach nur Geiz.

Der erste Besuch back in Germany

Ich war in meiner Heimatstadt. 💞 Details folgen. #duesseldorf #rheinufer

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Nach acht Monaten Shanghai waren wir nun für ein paar Tage in Deutschland. Das war schön, anstrengend und vor allem eins: Komisch. Bisher habe ich den Besuch noch nicht so richtig verarbeitet, aber lasst mich meine Gedanken stichwortartig, alles andere als vollständig und völlig willkürlich zusammenfassen:

  • Düsseldorf ist immer noch schön.
  • Düsseldorf hat drölfzig tausend Baustellen, die mich nach wie vor wahnsinnig machen.
  • Düsseldorf ist plötzlich klein.
  • In Düsseldorf gibt es wirklich so leckeres Essen, wie ich es in Erinnerung hatte.
  • Deutsche Drogeriemärkte sind ebenfalls so super, wie ich sie in Erinnerung hatte.
  • Ich habe die frisch gepressten Säfte vermisst. Früher hätte ich es nie für möglich gehalten, dass ich mal regelmäßig einen Mix namens „Mama said“ trinken würde, der aus Apfel-, Karottensaft (!!) und Ingwer besteht. Ich kaufte einen fertigen Smoothie mit Karotte und Mango. Der war auch ganz lecker, aber nicht dasselbe. Machste nix.
  • Alles ist so günstig! Ich war in einem Bio-Supermarkt, der eigentlich eher kostenintensiv ist. Mir kamen alle Produkte wie Schnäppchen vor. Shanghai ist einfach so teuer!
  • Ich bin eh nicht so der Fleisch-Esser, hier in Shanghai habe ich mir das jedoch weitestgehend abgewöhnt. In Deutschland aß ich plötzlich relativ viel: Schweine- und Rinderfilet (wenn schon, denn schon!), Bifi (als Kontrast, ähem), Currywurst, kalten Braten als Brötchenbelag (hmmmm!), Leberwurstbrot… Und wahrscheinlich noch mehr.
  • Ich habe unbewusst immer nach einem Hygiene-Smiley gesucht, wenn ich in ein Restaurant oder so ging. Das habe ich mir hier so angewöhnt.
  • So viele tolle Leute habe ich getroffen.
  • Natürlich hat sich einiges verändert, das ich nicht mitbekommen habe. Aber im Großen und Ganzen waren alle Widersehen gar nicht komisch oder so. Hach! Davor hatte ich wirklich Schiss!
  • Es ist trotzdem scheiße, wenn Familie und Freunde so weit weg sind.
  • Felix liebt seine Familie sehr und vermisst sie schrecklich.
  • Mir war nicht klar, dass ich Small Talk beim Einkaufen vermissen würde.
  • Plötzlich verstehen einen alle und ich verstehe auch alle anderen.
  • In Düsseldorf wohnen mehr Chinesen als es mir vorher bewusst war und ich hatte ständig (ehrlich!) Chinesen hinter mir in der Schlange und so, die sich in ihrer Sprache unterhalten haben.
  • Gefühlt war mindestens jeder Zweite auch mal in China. Zumindest habe ich drölf Millionen Small Talks darüber gehalten, wenn das zur Sprache kam.
  • Felix und ich sind viel Bahn gefahren und auch mal Bus. Das fand er toll!
  • Außerdem waren wir auf deutschen Spielplätzen. Die sind schon toller.
  • Überall ohne VPN surfen! Voll gut!
  • Was es aber auch überall gab: Wespen. So viele! Die vermisse ich echt mal so gar nicht!
  • Eine Vielfalt an belegten Brötchen und Kuchen ist was Tolles.
  • Ich habe Leitungswasser zu mir genommen.
  • Ich musste mir nie Gedanken über die Luftwerte machen.
  • …Wohl aber, ob das alles überhaupt in die Koffer passt, was ich eingekauft habe.
  • China ist zwar sehr kinderfreundlich, aber Deutschland hat sich in der Hinsicht von seiner allerbesten Seite gezeigt.
  • Dass die Chinesen im Pyjama auf die Straße gehen, mag uns zwar befremdlich erscheinen, aber…. Also wenn man sieht, was die Deutschen manchmal tragen… Da fällt mir auch nichts mehr ein. ;)
  • Wenn ich aus meinem Leben in China erzählte, fühlte sich das surreal an. An so Vieles habe ich mich gewöhnt und an Manches nicht. Es ist so, wie ich fürchtete: Die Probleme sind hier andere, die kann man nur verstehenm wenn man auch gerade hier wohnt.
  • Das Wetter war unglaublich wechselhaft. Von langer Hose, langem Oberteil, Socken, geschlossenen Schuhen und Jacke bis Flip Flops mit ärmellosem Kleid war alles dabei. In dem kurzen Zeitraum!
  • Wenn es heiß war, fand ich das unangenehmer als hier in Shanghai. Dass ich das mal sagen würde!! Durch die Klimaanlagen kann ich das hier besser aushalten. Ich weiß, dass spätestens, wenn ich nach Hause komme, es kühl sein kann. In Deutschland fand ich es drinnen dann dagegen unerträglich heiß und stickig.
  • Deutsche wissen es oft gar nicht zu schätzen, wie gut sie es haben.
  • …to be continued.

Und die wichtige Erkenntnis: Ich freue mich, wieder zuhause zu sein. :) Das hatte mir im Vorfeld nämlich ein wenig Sorgen gemacht. Es hätte ja auch sein können, dass ich am liebsten in Deutschland bleiben wollen würde.

Fundstück: Expat-Weisheit

Höchstwahrscheinlich ist dieser Tweet nicht als Expat-Weisheit gedacht, aber er bringt das Problem an long-distance-Beziehungen auf den Punkt. Und das muss ja nicht unbedingt eine Liebesbeziehung sein, es trifft genauso auf die zwischen Freunden und Familienmitgliedern zu.

Auch wer miteinander chattet, skypt und so weiter – dieser Umstand ist oft ein Problem, wenn man sich nicht so oft sieht. Es gibt Freundschaften, die halten das problemlos aus und man macht beim nächsten Treffen einfach da weiter, wo man vorher aufgehört hat. Dann gibt es welche, die darunter leiden. Und dann gibt es welche, die daran zerbrechen.

Papierkram: Von (Kinder-)Reisepässen

Wir drei haben alle einen Reisepass. Was nicht weiter verwunderlich ist, sonst hätten wir in China gar nicht einreisen dürfen.

Damit gibt es aber nun zwei Probleme.

Zuerst habe ich beim Zoll erfahren, dass es nicht reicht, dass wir jeweils ein Visum in den Pass geklebt bekamen. Nein,  auch der darin eingetragene Wohnort muss von Düsseldorf nach Shanghai geändert werden. Derzeit sind wir nämlich nicht mehr in Deutschland gemeldet.

Gut, das klingt logisch. Aber ich habe nicht darüber nachgedacht. Hätte uns ja vielleicht auch mal einer von der (von Pascals Firma beauftragten) Agentur sagen können. Die haben uns sonst auch alles Mögliche erklärt. Das werde ich auf jeden Fall noch mal zur Sprache bringen, damit die anderen Expats, die nach uns kommen, keinen Ärger bekommen.

Diese Modifizierung kann ich bei der Deutschen Botschaft vornehmen lassen. Ich freu mich ja so! Nicht. Denn ich hasse Papierkram, Behördengänge noch mehr und das wird sicher wieder ein Riesenaufwand und kostet sicherlich auch nicht wenig.

Das zweite Problem ist ein anders. Felix hat seinen eigenen Reisepass schon, seit er etwa ein halbes Jahr alt ist. Seit 2012 sind Einträge im Reisepass der Eltern nicht mehr zulässig und das Kind braucht einen eigenen, sobald es Deutschland verlässt. Auch im europäischen Ausland. Also auch, wenn man mal eben nach Roermond zum Shoppen fährt, was kurz hinter der niederländischen Grenze liegt.

Auf dem Foto sieht er also noch recht babyhaft aus. Aber es ist biometrisch und das ist ja eigentlich mit der Witz an den biometrischen Bildern, dass man das Kind angeblich dennoch im weiteren Wachstumsprozess erkennen kann.

Bei einer Passkontrolle in Frankfurt wurde uns allerdings näher gelegt, ein neues Foto machen zu lassen. Dafür wären die Seiten im Reisepass vorgesehen. Ich war etwas verwirrt, weil ich im Kopf hatte, dass der Kinderreisepass mehrere Jahre gültig ist. Allerdings sollten gerade die Beamten aus Frankfurt wissen, was gängige Praxis ist. Weiterlesen

Anekdote #26: Please say „Eight“

Der Fahrer tippt in sein Handy und die mir inzwischen vertraute weibliche Stimme der Übersetzungs-App sagt „Eight“.

Ich gucke leicht verwirrt und da er das Handy direkt danach wieder weg packt, belasse ich es dabei und halte es für ein Versehen.

Während ich einige Zeit später in einem Café sitze, schreibt er mir folgende, höchst rätselhafte Nachricht: „Hello Come here, please say 8, thank you!“.

Ich grübele eine Weile und frage mich, ob ich zurückkommen soll. Aber warum? Und warum sollte ich dann eine bestimmte Zahl sagen? Hä…? Was will er bloß?

Anscheinend war die Formulierung „A few points“, die mich sehr lange beschäftigte, doch noch nicht das Highlight unserer Sprachbarriere (*klick*). Schließlich schreibe ich „I don’t understand…?“ und bin gespannt.

Nach einer Weile kommt wieder eine Nachricht von ihm. Ich schätze, dafür hat er seinen Boss um Rat befragt, denn diese Abkürzungen klingen nicht nach App. ;) – „if next time u come to IFC, pls just tell me 8, i can understand. thanks a lot.“

Aaah! Mir geht ein Licht auf. Wenn ich zur ifc-Mall möchte, soll ich ihm einfach „Eight“ zurufen, anstatt ich meine Adressen-App zu zeigen.

Die Acht steht im Chinesischen unter anderem für „Wohlstand“ und ist ungefähr wie die Kö-Galerie. Ach was, noch um einiges nobler. Das ist so ein Glitzer-Palast, wo es Louis Vuitton und so gibt. Ich gehe da aber nicht regelmäßig hin, um mich da mit den neuesten It-Pieces von Chanel und Co. einzudecken, sondern um dort zu essen. (Baker & Spice! Pizza Express! Costa Coffee! Um nur Einige zu nennen.) Mittags ist es da teilweise brechend voll und es bilden sich nahezu überall super lange Schlagen.

Außerdem gibt es dort einen ganz gut sortierten Supermarkt. Zumindest war es, bevor sie ihn jetzt massiv umgebaut haben. Heute war ich primär verwirrt, weil alle Sachen einfach mal ganz woanders stehen. Dafür sind alle Regale fancy beleuchtet.

Ob er mir durch die Blume was mitteilen will oder ob die Shanghainer die generell so nennen, weiß ich zwar nicht, aber – hey, wir haben nun ein Codewort! Wie cool!

Von Telefonnummern

Der Name meines Blogs „von 0211 nach 021“ bezieht sich auf die Telefon-Vorwahlen von Düsseldorf und Shanghai. Ich finde das nach wie vor ziemlich faszinierend, dass die so ähnlich sind und ich muss oft lächeln, wenn ich die Vorwahl geschrieben sehe.

Ansonsten machen mich Schreibweisen von Telefonnummern hier meist wahnsinnig. Zumindest ein bisschen.

In Deutschland werden Nummern normalerweise spationiert. Das bedeutet, dass man die Zahlen in Grüppchen aufteilt, um die besser lesen zu können. Hier kann man sich die Regeln dazu durchlesen.

Bei Telefonnummern sind das normalerweise Zweiergrüppchen. Sollte eine ungerade Anzahl an Zahlen bestehen, ist eins der Grüppchen dreistellig. Manche lassen aber auch eine Zahl einzeln stehen.

Ich bin Fan davon, die Zahlen immer so zu gruppieren, wie sie am einfachsten zu merken sind.

Es gab mal eine Nummer für… äh… Also die Werbung dafür lief immer im Nachtprogramm und es war ganz schön teuer, dort anzurufen. Dier Jingle dazu war so eingängig, dass der in meinem Umfeld ständig geträllert wurde und bis heute ständig als Gag herhalten muss, wenn jemand eine Telefonnummer angibt.

(Da ich die so nicht nennen will, habe ich die Zahlen abgewandelt.) Weiterlesen