Sonntagsausflug in den Century Park

Wir haben heute mal was ganz romantisches familiäres gemacht und waren im Century Park. Das ist der größte Park in Shanghai und viel los. Bisher sind aber noch nie da gewesen, weil immer irgendwas war und wir bei den Luftwerten nicht so lange raus wollten. Inzwischen ist unsere Luftwertsakzeptanzsgrenze aber deutlich gesunken. Äh, gestiegen? Naja, jedenfalls fanden wir die Werte heute gut genug und das Wetter lud zu einem Parkbesuch ein.

Der Century Park ist echt groß und kostet Eintritt. Das hatte uns immer abgeschreckt, da nur für einen eher kurzen Zeitraum hinzugehen. Inzwischen wussten wir allerdings, über welchen Betrag es tatsächlich geht. Es sind 10 RMB pro (erwachsene) Person. Der Euro ist schon wieder schwächer geworden, deswegen sind das aktuell ziemlich genau 1,50 EUR. Wenn ich da also mal wieder meinen berühmten Starbucks-Vergleich anbringen dürfte: Das entspricht für zwei Erwachsene einem halben Vanilla Latte. So gesehen fand ich es also durchaus ok, da auch nur für einen geplanten Zeitraum von anderthalb Stunden hinzugehen. Weiterlesen

We’ll do it the chinese way #5: OK, it’s done!

Irgendwas ist ja immer und so gab es hier in der Wohnung schon das eine oder andere Problem und Problemchen. Fernsehen funktionierte mehrfach nicht. Internet ebenfalls. Einen Sonntag knallte es plötzlich, als die Spülmaschine an war und es begann, fürchterlich verbrannt zu stinken. Einen Samstagabend fiel meinem Mann die Zugangskarte in den Aufzugschacht. Eines anderen Tages stellten fest, dass die tiefe Fuge rund um die Badewanne nicht verputzt ist und da Wasser reinlaufen kann (was jetzt nicht so eilig ist, aber auch nicht ewig so bleiben sollte). Und bestimmt noch ein paar andere kleine Sachen, die ich inzwischen vergessen habe.

Gestern Abend wollten die beiden Männer in die Badewanne gehen, doch plötzlich hatten wir kein Heißwasser mehr. Da es aber schon recht spät war (also in Kleinkind-Zubettgehzeit betrachtet), entschieden wir uns, erstmal abzuwarten. Heute Morgen bestand das Problem aber immer noch. Gegen 08:15 Uhr schrieb Pascal unsere Kontaktperson an, die uns sagte, dass da jemand noch „in the morning“ käme. Der kam, machte ein paar Minuten irgendwas und um 09:20 Uhr war die Sache erledigt.

Wie cool ist das denn bitte? Da, wo ich ganz früher gewohnt habe, hatten wir auch einen Hausmeister, der alle Kleinigkeiten zeitnah erledigt hat. Aber der hatte ein (verdientes) Wochenende. Und wenn was war, das von einer externen Firma gemacht werden musste, dauerte das halt seine Zeit.

Hier kommt meist nicht nur einer noch am selben Tag, sondern meist noch in derselben Tageshälfte. Sogar Sonntags, als die Spülmaschine durchbrannte, konnten wir die am selben Tag wieder benutzen.

Da darf ich mich aber nicht zu sehr dran gewöhnen. ;)

It’s getting hot in here…

…so take off all your clothes. Ähm. Oder so. Kürzlich schrieb ich folgenden Tweet:

Ich werde mich in den nächsten Monaten wohl mehrfach täglich fragen, wie jemand wie ich so blauäugig in diese Klimazone ziehen konnte.

Das stellt tatsächlich ein Problem dar. Denn Hitze ist nichts für mich. Und ich definiere „Hitze“ sehr großzügig, alles über 25 Grad ist mir viel zu warm und auch darunter werde ich schnell mal unleidlich. Ich schwitze extrem flott und ausgiebig. Das ist ziemlich blöd. Ich bin geruchsempfindlich und bei Wärme riecht alles noch mal viel extremer. Außerdem ekel ich mich vor Insekten.

Was ich aber am allermeisten hasse, ist Schwüle. Das finde ich nicht nur widerlich, weil ich dann in Windeseile schweißgebadet bin, nein, mein Kreislauf kann das nur schlecht verarbeiten und ich bin zu nicht viel zu gebrauchen. Weiterlesen

Sightseeing: Wie das Shanghai in den 1930er Jahren. Oder so.

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Meine Eltern hatten neulich etwas über eine unterirdische Straße gelesen, in der das Shanghai der 1930er Jahre nachgebildet worden sei und wir fanden, das sollten wir uns doch mal ansehen.

Natürlich handelte es sich dabei um eine Einkaufsstraße – was auch sonst.

Thematisch passend befindet diese sich unterhalb des Museum für Stadtentwicklung. Das klingt übrigens prima, da möchten wir demnächst gerne hin. Außerdem ganz in der Nähe der Nanjing Road. Diese ist eine der größten Einkaufsstraßen der Welt weitestgehend Fußgängerzone und… joa… halt ne riesige Shoppingmeile.

Der Eingang ist mit großen Pfeilen und einer riesigen Werbetafel markiert. Dann geht es diverse Stufen um die Ecke hinunter. Die Treppe machte auf mich schon mal einen historischen Eindruck und ich witzelte, dass vor allem das abgewrackte Geländer vermutlich ein Original aus den 30er Jahren sei.

wpid-wp-1429362985913.jpegUnten angekommen ist es nett aufgemacht. Eine Fototapete, Aufsteller und eine alte Eisbahn (siehe oberes Foto) sowie ein paar metallene Statuen erzeugen einen Museums-Charakter. Gegenüber geht es dann direkt in den ersten Teil der Straße (siehe Foto rechts).

Ich hatte neulich schon im Vorfeld ein Foto davon gesehen und war auf den aufgemalten „Himmel“ vorbereitet. Dieser wird immer mal wieder mal heller und dunkler und so werden verschiedene Tageszeiten simuliert.

Wer von euch zufällig schon mal in Las Vegas gewesen sein sollte – so wie Pascal und ich, Felix gab es damals noch nicht – könnte ein deutliches Déjà-vu bekommen. Aber naja, das ist ja nichts Schlechtes. ;)

Es war relativ leer, dennoch nicht ganz so idyllisch, wie man vom Foto her denken könnte. Diverse Läden hatten blinkende Leuchtreklamen, viel Krempel – aber auch coole Klamotten – in der Auslage und es tönte überall Musik. Chinesischer Pop aus blechern klingenden Lautsprechern. Es hatte was von Kirmes. Es war also ganz authentisch und man bekam einen Eindruck davon, wie das 1930 in Shanghai so war. Weiterlesen

Anekdote #8: Wanna watch? Wanna bag?

Miss? Miss? Watch? Bag? Louis Vuitton? Watch, Miss? What do you want – bags, watches? Wanna look? Look! Miss, look! Wanna watch? Wanna bag?

Ich hasse es. Wirklich. Es ist herrliches Wetter mit guter Luft und ich dachte, ach, gehste mal auf die Nanjing Road und läufst da ein bisschen herum.

Die Nanjing Road ist eine der größten Einkaufsstraßen der Welt und DIE Shopping-Meile in Shanghai. Deswegen auch immer voll, selbst an einem Freitagvormittag. Unter anderem voller Leute, die mir ihre Sachen andrehen wollen und dabei aufdringlich sind.

Ich kann es nicht leiden, wenn mir ständig Zeug oder Zettel für Zeug unter die Nase gehalten werden. Wenn man mir dann auch noch hinterher läuft oder sich neben oder vor mich stellt, werde ich unleidlich.

„Wenn ich eine verdammte Watch oder eine verdammten Bag kaufen will, komm ich aus Prinzip schon nicht in DEINE Laden!“ brummel ich genervt in mich hinein.

Irgendwann fummel ich gerade was aus meiner Tasche und als ich wieder hoch gucke, steht einer mit seinen verfluchten Zetteln direkt vor mir. Also DIREKT! So mit zwanzig Zentimetern Abstand. Aaah!

Aber er ist anders. „Hello! Wanna watch?“ fragt er mich und ich gucke missmutig. Treuherzig strahlt er mich an und Stolz schwingt in seiner Stimme mit. „Wanna watch? It’s copy!“. Es ist irgendwie niedlich.

Ach so, und: It’s copy! Mir werden da also keine echten Rolex für einen Spottpreis geboten? Wer hätte das gedacht? Und ich muss grinsen. 

Anekdote #7: Lost in translation

Der Fahrer und ich kommunizieren über WeChat miteinander. Das ist hier DAS große Ding, ähnlich wie WhatsApp, nur cooler. (Irgendwann schreibe ich auch den Blog-Artikel darüber mal zu Ende. Ganz bestimmt.) Das ist ganz cool, denn da können wir beide was schreiben, im selben Tool auf „Übersetzen“ klicken und dann die Nachricht in der hinterlegten Muttersprache lesen.

Ich verwende das allerdings selten, denn bei dem, äh, fantasievollen Englisch, das der Fahrer mir schreibt, hilft mir das überhaupt nicht. Bei der Interpretation dessen wird hauptsächlich meine Abstraktionsfähigkeit gefragt. Manchmal schickt er mir auch was in chinesischen Schriftzeichen, da erleichtert es mir WeChat natürlich sehr.

Ansonsten übersetzt er das, was er sagen möchte, meist in einem eigenen Programm, welches das Ergebnis auf Wunsch auch von einer Computerstimme vorlesen kann. Da hilft es häufig, dass er dabei das Smartphone zu mir herüber hält. Denn so kann ich gleichzeitig lesen, was die App übersetzt hat. Das geschriebene Wort hilft mir persönlich meist mehr.

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50 Shades of Smog

Vorhin bekam ich folgenden Artikel zugeschickt: „Feinstaub-Fotos aus China: Ist da noch Licht am Ende des Smogs?“. Der ist heute erschienen und somit brandneu. Ich möchte hier gerne ein paar Gedanken dazu loswerden.

Die Fotos sind super, keine Frage. Sie vermitteln eine gespenstische Atmosphäre und verfehlen ihre Wirkung nicht. Die meisten davon sollen Shanghai zeigen und ich gehe mal davon aus, dass das auch der Fall ist. Man sieht ja meistens nicht so viel. ;)

Mir persönlich fehlt eine Angabe, in welchem Zeitraum die entstanden sind. Ich wohne seit Dezember hier und wir haben nun Mitte April. Meiner persönlichen Erfahrung nach sind die Bilder alles andere als repräsentativ. Klar ist die Air Quality nicht die Allerbeste. Aber es ist nun wirklich nicht so, als würde es hier ständig so aussehen wie auf den Fotos. Das wird mit dem Artikel aber suggeriert und ich finde das nicht fair. Weiterlesen

Sightseeing: Oriental Pearl Tower

wpid-wp-1428051652300.jpegWir waren letzte Woche auf dem „Oriental Pearl Tower”. Das war sehr cool, aber auch sehr anstrengend. Ich erwähnte vielleicht schon mal, dass der kleine Felix hier ständig – also wirklich STÄNDIG – fotografiert wird und an dem Tag war es besonders schlimm. Und wahrlich nicht mehr schön.

Hier erst einmal ein paar allgemeine Infos über den Tower. Der Oriental Pearl Tower ist eines der charakteristischen Hochhäuser, die das Stadtbild von Shanghai prägen, 468 Meter hoch und der fünftgrößte Fernsehturm der Welt. Er sieht futuristisch und funky aus, wird abends bunt beleuchtet und wir können ihn (also das obere Drittel zumindest) von unserem Fenster aus sehen und freuen uns immer über die farbenfrohen Animationen.

In Pudong befinden sich einige sehr hohe Gebäude wie zum Beispiel der „Flaschenöffner”, den wir ja auch schon besucht haben. Da der Pearl Tower inzwischen schon lange nicht mehr das Höchste ist, könnte man davon ausgehen, dass der gar nicht so beliebt ist. Stimmt aber nicht. Er sieht nämlich nicht nur cool aus, sondern hat auch einen geilen Skywalk, dazu aber später mehr.

Zum Glück war es an dem Tag nicht so voll, aber verdammt heiß. Meine Eltern waren zu Besuch und wir sind ohne nennenswerte Vorbereitung zum Kartenverkauf gegangen. Dort waren wir ein wenig mit den verschiedenen Ticket-Varianten überfordert. Man kann eine Böötchenfahrt dazu buchen, das wollten wir aber nicht machen. Felix hatte am Vortag Fieber gehabt und war ein bisschen müde, das war mir zu viel auf einmal. Dann gibt es noch verschiedene Varianten, die sich hauptsächlich darin unterschieden, ob man das „Space Cabinet“ besuchen möchte.

Nach einer Weile Rätseln warf ich also das VPN an und googelte. Meine Internetverbindung lahmte allerdings, irgendwas spiegelte sich immer in meinem Display, vor dem Kartenhäuschen war es sehr wuselig und ich sah aus dem Augenwinkel, dass die ganzen asiatischen Touris den Kleinen schon wieder ins Visier nahmen. Die Umstände waren also eher so mittel, um Infos einzuholen. Falls ihr mal hin wollt: Das „Space Cabinet“ ist eine Aussichtsplattform in der kleinen Kugel oben in der Spitze des Turms. Auf der Webseite des Turms (*klick*) sieht man zwei Fotos, das scheint ziemlich cool zu sein. Wir verzichteten darauf. Und hatten dennoch genug zu gucken.

Die Schlange vor dem Ticketschalter war zum Glück nur sehr kurz. Nachdem wir das Gelände betreten hatten, standen wir erst einmal auf dem großen Vorplatz mit seinen Stufen. Dort finden auch schon mal Veranstaltungen statt. Wir ließen den Tower auf uns wirken und traten ein. Am Eingang befindet sich eine Sicherheitskontrolle und im Gegensatz zur U-Bahn nahmen die das auch ernst und wir mussten unser ganzes Zeug durchleuchten lassen. Innen war die Schlange auch relativ kurz, worüber ich sehr dankbar war. Diese Absperrungen, die einen im Zickzack-Kurs leiten (wir nennen sie immer „Phantasialand-Schlangen“, weil wir sie in Deutschland da zum ersten Mal gesehen haben), verlocken Felix nämlich immer, darunter durch zu laufen, sich daran zu hängen und so weiter und bedeuten für mich Stress.

Richtig anstehen mussten wir erst im Tower an sich und das klappte ganz gut und war auch von der Dauer her gut auszuhalten. Wir fuhren mit dem Fahrstuhl nach oben und befanden uns auf dem „Sightseeing Floor“ in der oberen kleinen Kugel. Dort kann man im Rundgang eine 360-Grad-Ansicht von Shanghai genießen.

Zum besseren Verständnis, wo sich welche Plattformen befinden, könnt ihr euch auf der offiziellen Webseite ein PDF mit den genauen Angaben ansehen.

wpid-photogrid_1428051507151.jpgDie Aussicht war toll! Der Tower ist auch hoch, aber nicht so extrem wie auf dem „Flaschenöffner“. Ich fühlte mich ein wenig an den Düsseldorfer Fernsehturm erinnert und ein vertrautes Gefühl kam auf. Das lag vermutlich daran, dass es auch abgeschrägte Fenstern gab, an denen an oben Hinweise standen, was man sehen kann, wenn man in die Richtung guckt. Außerdem hat der Oriental Pearl Tower ebenfalls ein „Rotating Restaurant“, so dass man auf einer Drehscheibe sitzt und während des Essens langsam weiterfährt und im Laufe der Zeit die komplette Aussicht genießen kann. Weiterlesen

Anekdote #6: Bitte lächeln!

Meine Eltern waren die letzten zwei Wochen zu Besuch. Am Flughafen verabschiedeten sie sich natürlich auch von unserem Fahrer, denn der hatte sie beziehungsweise uns ja die ganze Zeit durch die Gegend gefahren.

Währenddessen zückte der sein Smartphone, hielt mir das entgegen, stellte die Kamera an und deutete auf meine Eltern. „Ach, was für eine nette Idee, jetzt will er ein Abschiedsfoto von uns machen.“  dachte ich.

Tja. Dem war auch so – nur wollte er kein Foto von UNS machen, sondern ich sollte ihn mit meinen Eltern fotografieren. Hab ich auch brav gemacht.

Jetzt haben die drei ein rührendes Abschiedsbild, das er sich ansehen kann, bis sie uns ihn das nächste Mal besuchen. :D

Andere Länder, andere Fragen – vom Stillen in China

Milchpulver ist hier in China ein begehrtes Gut, gerade das aus Deutschland. Was mit ein Grund dafür ist, dass dort die Regale oft leer sind. Über die Hintergründe möchte ich an dieser Stelle aber nicht weiter eingehen, denn das ist ein Thema für sich.

Daher war ich bisher immer davon ausgegangen, dass es sich bei dem Thema „Stillen“ in China eher um ein tabuisiertes handelt und verpönt ist. Oder einfach nicht angesagt. Ehrlich gesagt, hatte ich mir aber insgesamt keine allzu großen Gedanken zu gemacht.

Seit ich hier bin, habe ich gesundheitsmäßig einen eher weniger guten Lauf und war schon mehrfach beim Arzt. Da man hier normalerweise in Gemeinschaftspraxen oder Krankenhäuser geht, haben die behandelnden Ärzte meist keine große Ahnung von der Vorgeschichte des Patienten und fragen alles noch mal ab. (Wobei man sagen muss, dass auch die deutschen Ärzte mich auch oft wieder und wieder gefragt haben, was eigentlich deutlich in meiner Kartei stehen müsste. Aber auch das ist ein anderes Thema.)

So kam es, dass ich jedes Mal routiniert gefragt wurde „Are you currently breastfeeding?“. Besonders beim ersten Mal war ich darüber verwundert. Da ging es im Gespräch darum, wann ich denn das letzte Mal diese Beschwerden gehabt hätte. Ich antwortete, das wäre in der Schwangerschaft gewesen und da mein Kind inzwischen schon zwei sei, wohl schon… *rechne*… *äh*… 2012 gewesen und damit eine ganze Weile her. Daraufhin wurde ich gefragt, ob ich Stillen würde und ich musste schief in mich hinein grinsen. Als Mutter eines zwei Jahre alten Kind gefragt werden, ob dies gestillt werde? Beim Allgemeinmediziner? In Deutschland wäre mir das wohl nicht passiert. Weiterlesen