In China isst man mit Stäbchen

Die Tage las ich einen Bericht über eine Rundreise in China, die auch in Shanghai Halt machte. Der Autor erwähnte nicht nur, sondern erklärte ausführlich, dass man in China IMMER mit Stäbchen esse. Darüber sollte man sich im Klaren sein, wenn man in ein Restaurant geht. Und auch in einem Reiseführer über Shanghai las ich ähnliches.

Huch! Das ist ja… Also wer hätte das gedacht? Mit STÄBCHEN…? Sowas Verrücktes machen die Chinesen? Das war mir gänzlich neu. Wusste das jemand von euch? Wie ist das eigentlich mit Reis, wird der hier gegessen oder eher nicht so? ;)

Ich bin ja nun weit davon entfernt, eine China-Expertin zu sein, aber ich musste lachen. Ich maße mir nach wie vor nicht an, sagen zu können, wie der Hase hier läuft. Schließlich kann ich euch von meinen persönlichen Eindrücken berichten. Dazu kommt noch, dass Shanghai nun mal nicht repräsentativ ist für China.

Aber Spaß beiseite: Dass man hier zur Nahrungsaufnahme Stäbchen verwendet, sollte keinen überraschen. Es sei denn, man lebt hinterm Mond.

In Shanghai ist es in internationalen Restaurants durchaus üblich, Besteck zu bekommen. Zu Burgern oder Pizza werden hier KEINE Stäbchen gereicht. Meist gibt es wenigstens ein asiatisches Gericht auf der Karte, das wird meistens mit welchen serviert, aber ansonsten ist das Quatsch.

Außerdem sind in internationalen Restaurants ja nicht nur Expats unter sich, da sind sehr viele Asiaten. Gerade in Shanghai sind die Leute nämlich äußerst experimentierfreudig, was Essen angeht. Dieses Wochenende erst waren wir in einem pickepackevollen „Johnny Moo“ (Burger, Hot Dogs, Milchshakes etc. – hmmmm!) und waren die einzigen Langnasen.

Normalerweise bekommt man einen Löffel oder sogar Messer und Gabel, wenn man fragt. Wie gesagt, Shanghai ist nicht typisch für China und ich bin ein bisschen etepetete und esse nicht in so kleinen Kaschemmen, aber… Naja.

Ich kann es nicht leiden, wenn das mit Stäbchen essen so dramatisiert wird. Ich kann selbst nur eher mittelmäßig damit umgehen und auch an guten Tagen sieht das bei mir unbeholfen aus. Aber das geht! Genauso können die Leute hier auch mit Messer und Gabel umgehen. Das ist mitunter – gerade bei älteren Leuten – zwar schon mal extrem niedlich. Jedoch ist es ja nicht so, als wären das hier alles Neandertaler, die fragend auf diese silbernen Dinger gucken, sich gegenseitig vor Freude anstupsen, weil es so hübsch im Licht glänzt und sich grunzend am Kopf kratzen.

Genauso stellen manche sich aber anscheinend an, wenn sie mit Stäbchen essen sollen. Wie albern! Ich lache ja dann auch meistens, doch der Ton macht die Musik. Wenn euch das zu peinlich ist, bestellt ’nen Löffel oder bleibt einfach gleich zuhause.

Manchmal frage ich mich schon, was für Leute einem da eigentlich Reise-Tipps geben wollen.

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7 Gedanken zu “In China isst man mit Stäbchen

  1. Hab mich köstlich amüsiert! Ja, in China isst man mit Stäbchen, und ja, was ist daran so außergewöhnlich? Aber viele Menschen, die mal 2 bis 3 Wochen durch China gereist sind, halten sich für Experten. Manch einer von ihnen schreibt ein ganzes Buch, nicht über die Reise sondern über China. Ich kann da nur noch müde drüber lächeln…

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  2. Ja, das ist so wahr…und ich finde, wenn man schon in ein solches Land reist, in dem nun einmal traditionell mit Stäbchen gegessen wird, sollte man das wenigstens versuchen. Allerdings frage ich mich auch immer, für welche Hinterwäldler manche Reiseführer eigentlich geschrieben wurden…ich mein, bestimmte Tipps sind gut (bei uns stand zum Beispiel im NYC Reiseführer, wie viel Prozent Trinkgeld für welche Branche angemessen ist, was zu wenig ist und was übertrieben wäre und so…), aber manche Sachen sollte man doch wohl wissen, oder? Allerdings habe ich mich in Griechenland mal wieder darüber gewundert, wie wenig manche Menschen über das Land wissen, in das sie da reisen :D

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  3. Manchmal frage ich mich schon, was für Leute einem da eigentlich Reise-Tipps geben wollen.

    Ja, diese „Reiseexperten“ konnte ich noch nie so ganz Ernst nehmen. Nicht erst seit dem es Blogs und Webseiten gibt – schon in den 90ern ist mir aufgefallen, dass es Menschen gibt, die z.B. vier Wochen nach Neuseeland reisen und anschließend ein Buch über die Sehenswürdigkeiten des Landes schreiben. Das sind dann wahre Neuseeland Experten.

    Reine Reiseblogs lese ich aus diesen Gründen nicht gerne. „Backpacken in Thailand“ oder „Backpacken in Australien“ und „Work and Travel in Neuseeland“. Selbst bei dem letzten Punkt arbeitet man im Grunde nur auf einer Farm zusammen mit anderen Ausländern um sich wieder zwei Wochen Urlaub zu gönnen. Und zu Touristen ist man immer freundlich, weil sie Geld mitbringen und hoffentlich auch etwas kaufen. Daher kann ich Touristen-Berichte eh nie so ganz Ernst nehmen.

    Ich bin ja nun weit davon entfernt, eine China-Expertin zu sein, aber ich musste lachen.

    Wie wird man eigentlich Experte eines Landes? Selbst habe ich schon ein Jahr in Taiwan gelebt und gearbeitet. Bin ich Taiwan-Experte? Wohl eher nicht. Aber sicherlich kann ich über das Land mehr erzählen als Harry der Wurstverkäufer von der Ecke. Und sicherlich kann ich auch mehr erzählen als Touristen, die nur wenige Tage oder Wochen dort sind. Und natürlich bringe ich meine eigene Kultur mit nach Taiwan und selbstverständlich habe ich nach einem Jahr in Taiwan einheimische Freunde gefunden und wir haben kulturell voneinander gelernt.

    Ich bin davon überzeugt: Ein anderes Land lernt man nur dann kennen, wenn man dort zusammen mit den Einheimischen arbeitet. Weil das Begegnungen auf Augenhöhe sind. Weil man zusammen ein Ziel erreichen muss und das über kulturelle Unterschiede hinweg. Weil der Mensch als Mensch in den Vordergrund rückt und nicht seine Religion, Sprache oder die Herkunft.

    Aus diesen Gründen ist mir dein Blog sehr sehr sympathisch. Weil mein Eindruck ist, dass du das alles ziemlich ähnlich siehst…

    Habe Dich auf jeden Fall in meinen Feedreader integriert. ;)

    Viele Grüsse aus der Schweiz
    Hier lebe ich zurzeit als Ausländer. :)

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    • In der Schweiz – wie exotisch! ;) Ich habe aber eine Freundin, die dorthin gezogen ist und war da ein paar Mal zu Besuch. Auch wenn sie in Zürich wohnt, darf man aber nicht vergesse, dass es da eben DOCH große Unterschiede gibt und es manchmal die kleinen Dinge sind. Ich las neulich einen interessanten Artikel (und dann noch einen und dann noch einen, wie das im Netz halt so läuft) über englischsprachige Expats, die in ebenfalls englischsprachige Länder entsandt wurden. Alle Beteiligten nehmend das gerne mal auf die leichte Schulter, aber nur weil sie dieselbe Sprache sprechen, kann man sie ja nicht in einen Topf werfen. Da gibt es sprachliche und kulturelle Unterschiede, die bei genauerem Hinsehen gar nicht mal so klein sind.

      Zu deinem Experten-Thema: Ich bin in Deutschland geboren und habe bisher immer dort gelebt – ich würde nie auf die Idee kommen, „den Deutschen“ beschreiben zu können. Ich sage auch immer, dass ich in Bayern oder auch Hamburg sicherlich wesentlich schlechter Anschluss gefunden hätte als hier in Shanghai. Nicht weil ich die Bayern oder Hanseaten blöd finde, aber die sind halt nun mal anders. Selbst in der Nachbarstadt hätte es schwer werden können. Viele haben das Vorurteil des „hochnäsigen Düsseldorfers“, mit dem ich oft konfrontiert werde und das ich gar nicht bestätigen kann. Und so reich, wie alle immer denken, sind die meisten auch nicht. Als ob die alle goldenen Wasserhähne hätten, aus denen Milch und Honig fließt.

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