Anekdote #7: Lost in translation

Der Fahrer und ich kommunizieren über WeChat miteinander. Das ist hier DAS große Ding, ähnlich wie WhatsApp, nur cooler. (Irgendwann schreibe ich auch den Blog-Artikel darüber mal zu Ende. Ganz bestimmt.) Das ist ganz cool, denn da können wir beide was schreiben, im selben Tool auf „Übersetzen“ klicken und dann die Nachricht in der hinterlegten Muttersprache lesen.

Ich verwende das allerdings selten, denn bei dem, äh, fantasievollen Englisch, das der Fahrer mir schreibt, hilft mir das überhaupt nicht. Bei der Interpretation dessen wird hauptsächlich meine Abstraktionsfähigkeit gefragt. Manchmal schickt er mir auch was in chinesischen Schriftzeichen, da erleichtert es mir WeChat natürlich sehr.

Ansonsten übersetzt er das, was er sagen möchte, meist in einem eigenen Programm, welches das Ergebnis auf Wunsch auch von einer Computerstimme vorlesen kann. Da hilft es häufig, dass er dabei das Smartphone zu mir herüber hält. Denn so kann ich gleichzeitig lesen, was die App übersetzt hat. Das geschriebene Wort hilft mir persönlich meist mehr.

Gestern wollte er mir sagen, dass er mittags um soundsoviel Uhr meinen Mann im Büro abholen muss, um ihn zum anderen Standort zu fahren. Zum Glück wusste ich das schon. Sein Smartphone machte daraus nach der Uhrzeitangabe „Have to get Mr.“. Die automatische Stimme sprach „Have to get M. R.“ und betonte „Mr.“ als einzelne Buchstaben. Ohne Text hätte ich vermutlich lange gerätselt, was „MR“ sein soll und ob ich damit was zu tun habe. (Warum „Mister“ überhaupt abgekürzt wurde, frage ich mich übrigens auch.)

Komplizierter wird es allerdings, wenn er immer mal wieder „Good morning. A few points.“ schreibt. Ich habe lange Zeit immer brav gewartet, weil ich davon ausging, dass er ein paar Punkte mit mir besprechen will und die danach aufgelistet werden. Daraufhin kam aber nie was. Also guckte ich höflich und sagte nichts, während er mich erwartungsvoll ansah. Irgendwann tippte er dann doch immer wieder was, aber ich wurde aus dem Satz nicht schlau.

Nachdem wir beide diese Szene nun mehrfach – inklusive akward silence versteht sich – durchgespielt haben, traf mich heute endlich die Erkenntnis, was es damit von mir will. Er startete nämlich noch zwei Versuche mit anderen Formulierungen und er möchte mich damit anscheinend fragen, wann ich abgeholt werden möchte. Zumindest habe ich mir das so zusammen gereimt. Aaaaaah! Sag das doch gleich! ;)

Warum die Übersetzung davon „a few points“ lautet, ist mir zwar trotz Online-Recherche weiterhin völlig unklar, schätze aber, dass es sich dabei um irgendeine Redewendung handelt. Ist auch egal. Hauptsache, ich weiß jetzt endlich, was er damit meint und muss nicht jedes Mal blöd aus der Wäsche gucken.

Nichtsdestotrotz bin ich über dieses technische Feature sehr froh, denn es erleichtert die Kommunikation doch erheblich. Und man gewöhnt sich ja an alles. Naja, vieles zumindest.

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4 Gedanken zu “Anekdote #7: Lost in translation

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