Überall nur Langnasen. Oder auch nicht.

Während Deutsche die Chinesen als „Schlitzaugen” bezeichnen, sind wir im Gegenzug die „Langnasen”. Beides nicht sehr schmeichelhaft, wenn auch irgendwie treffend. Einige Expats bezeichnen sich daher selbstironisch ebenfalls als „Langnasen”.

Oft lese ich in Restaurant-Bewertungen oder ähnlichem „Boah, geil, da waren wir die einzigen Langnasen!”. Zumindest sinngemäß. Dann bin ich immer irritiert. (Ich beziehe mich auf niemand Konkretes, das ist mir ganz allgemein mehrfach aufgefallen.)

Wir wohnen in einem ziemlich großen Compound, in dem viele Europäer und wohl auch Amerikaner wohnen. Allerdings auch sehr viele Asiaten. Es ist meiner Meinung bunt gemischt. Spätestens, wenn ich den Compound verlasse, ändert sich das Mischungsverhältnis aber drastisch.

Ich habe vor einiger Zeit das lustige „Such die Langnase!”-Spiel erfunden, dass ich allerdings ganz einsam vor mich hin spiele. Es verbraucht auch nicht allzu viel Kapazitäten, denn es ist eigentlich ziemlich lahm. Ob ihr es glaubt, oder nicht – ich sehe selten andere Westler. Bisher gibt es zwei Orte, die ich regelmäßig besuche und die meine Statistik kaputt machen: Die Kita und das „Kerry Parkside”-Einkaufszentrum. Bei letzterem besonders das „Baker & Spice”, aber nur vormittags unter der Woche. Nicht mal im „Paulaner“ treffe ich auf viele! Es sei denn natürlich, es findet das Frühstück des Deutschen Clubs statt.

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Schnipp Schnapp, Haare ab!

Ich war beim Frisör. Und es war so aufregend! Ähm, ja. Also für mich. ;) Wem diese zwei Sätze schon zu tussi sind, der sollte ab hier vielleicht nicht weiterlesen.

Zwar bin ich kein allzu eitler Typ, dennoch hatte ich so meine Bedenken. Ich habe selbst in meiner Muttersprache meine Probleme, zu erklären, wie ich mir einen Haarschnitt vorstelle. Beziehungsweise ich denke immer, ich habe mich klar ausgedrückt – aber irgendwie schnippeln die ja dann doch, wie sie meinen. Das wird mit Sprachbarriere nicht besser.

Normalerweise bin ich da nicht so und vertraue darauf, dass die Gegenseite weiß, was sie tut. Bisher bin ich damit auch immer gut gefahren und hatte nur zwei Mal richtig desaströse Haarschnitte. Da war ich zwar noch ein Teeanager, aber beide „Unfälle” fanden vor wichtigen Anlässen statt, deren Bilder man gern immer mal wieder heraus kramt. (Ich bin über dreißig, damals, als ich noch jung war, wurden Fotos noch für eine nicht unbeträchtliche Menge Geld entwickelt. Deswegen machte man nicht zwei Millionen Fotos zwischendurch.)

Außerdem hatte ich im Vorfeld unschöne Geschichten gehört. Ich hatte mir mehrfach von verschiedenen Leuten sagen lassen, ich solle bitte UNBEDINGT zu einem Frisör gehen, der sich mit europäischem Haar auskennt. Chinesisches Haar ist wohl viel dicker, hat eine andere Struktur und überhaupt. Dazu dürfen die Frisöre wohl auch nichts ablehnen und ach… So viel zu „die Gegenseite weiß, was sie tut.” Ich war skeptisch. Sehr sogar.

Pascal bekam hier nun schon zwei Mal die Haare geschnitten, aber der ist ja auch ein Mann. Das war also keine große Hilfe. Er erzählte, dass „sein” Figaro beide Male eine Pailettenjacke getragen hätte, das war schon mal ein erheiternder Gedanke. Im Zweifelsfall bringt es mir nur leider nichts, wenn ich eine witzige Geschichte zu meiner Frisur erzählen kann. Und als Gegenleistung wegen meines Spiegelbildes unglücklich bin, weil der Mopp aufm Kopp schlimmer aussieht als zuvor.

Mir ist schon klar, dass Haare wieder wachsen. Allerdings weiß ich eben auch aus leidvoller Erfahrung (siehe oben), wie sch**** man in der Zwischenzeit aussehen kann. ;)

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Hürden beim Lebensmitteleinkauf #1 – Schriftzeichen

Über dieses Thema könnte ich in epischer Breite schwadronieren. Wahrscheinlich werde ich mich auch nicht daran hindern lassen. Schließlich ist das hier mein Blog. Muahaha. ;)

Teilweise ist Einkaufen recht einfach. Wenn man vor einem Regal voller Saft steht, kann man normalerweise davon ausgehen, dass wenn auf der Verpackung ein Apfel abgebildet ist, Apfelsaft drin ist. Und wenn man eine Zeichnung von einer oder mehreren Orangen drauf hat, ist das Orangensaft. Bei Trauben…. Genau. Und wenn Guave, Mango, Orange und Kiwi eine Verpackung im Saftregal zieren, wird es wohl ein Saft aus eben diesen Früchten sein.

Das Design hilft auch gut weiter. Besonders Getränkedosen wie beispielsweise die der großen beiden Cola-Anbieter und deren Limos sehen ähnlich aus wie in anderen Ländern auch und sind meist zweisprachig. „syoss“ zum Beispiel sieht genauso aus wie bei uns und ist nur eben in anderer Sprache bedruckt. Generell ist bei vielen Produkten zumindest eine englische Zeile dabei. Die hilft teilweise aber nicht. Mein Englisch ist zwar ganz gut, aber ich bin nun mal kein Native Speaker und das nötige Abstrahieren von eher eigenwilligen Bezeichnungen ist manchmal etwas schwierig.

Hier gibt’s beispielsweise oft „Mellow Milk Toast“. Weder Google, noch das Wörterbuch können mir das so richtig definieren. Es ist… *Trommelwirbel*…. Nun ja. Toastbrot. Es ist zwar im Verhältnis ein bisschen weicher und saftiger als 08/15-Toast, aber der Begriff „Mellow Milk Toast“ scheint im Englischen nicht geläufig zu sein. Weiterlesen

Unser täglich Brot

wpid-img_20150504_100848.jpgViele Deutschen vermissen im Ausland Brot. Toast oder weiche Brötchen sind ja ne feine Sache, aber auf Dauer ist das einfach nix. Und so führt der Heimweg aus dem Urlaub meist am Bäcker vorbei. Ohne will sich dieses „Home, sweet home!”-Gefühl nicht so recht einstellen.

Deswegen werde ich sehr oft besorgt gefragt, ob es denn hier auch „anständiges” Brot gibt. Und nein, „Whole Wheat”-Toast fällt nicht in diese Kategorie.

Ich kann euch alle beruhigen, denn die Antwort lautet: Ja.

Es gibt eine (anscheinend auch bei Asiaten recht beliebte) deutsche Bäckerei, die sogar mehrere Filialen hat. Zwar werden hier vor allem kleine Brötchen gebacken, aber es gibt sogar Mohn-, Sesam-, Roggen- und Laugenbrötchen sowie Brezeln. Und auch typische deutsche Leckereien wie zum Beispiel Käsekuchen oder Schwarzwälder Kirschtorte. Dazu gibt es bei „Baker & Spice”, ebenfalls eine Kette, Brot, das deutschen Wünschen gerecht wird.

Zudem bieten viele etwas internationaler ausgerichtete Supermärkte neben Toast auch Weizenmisch-, Mehrkornbrot oder Roggenbrot an. Es gibt außerdem in mehreren Läden dieses abgepackte, lange haltbare Vollkornbrot an. Ebenfalls Rührkuchen von „KuchenMeister” und nicht den von Bahlsen oder anderen Marken. Ich mag diese fertigen Kuchen ja und finde es unfair, dass der in Deutschland inzwischen eher verpönt ist.

Ich hatte mich in Deutschland schon mental drauf vorbereitet, ab und zu mal Brot zu backen und einzufrieren. Das war bisher aber gar nicht nötig. Preislich lohnt sich das für die eher normalen Sorten auch gar nicht. Denn Brot backt ja relativ lange und verbraucht damit einige Energie. Vor allem kostet hier das passende Mehl wahnsinnig viel Geld. Ich habe nun schon mehrfach gehört, dass welche sich Mehl aus Deutschland mitbringen ließen. Für eine Packung popeliges Dinkelmehl, das nicht mal super-duper-bio ist oder so, zahlt man hier gerne sechs Euro aufwärts.

(Anmerkung: Tonnenweise Mehl mit in die Seefracht zu packen und hier damit reich zu werden, war leider keine Option, da dort jegliche Lebensmittel verboten waren.)

Pascal isst am liebsten Weißbrot und auch gern als Toast, dem wäre die ganze Bot-Thematikrecht egal. Felix mag Mehrkornbrot, ist aber flexibel. Und ich bevorzuge Graubrot wie „Hannoveraner” oder „Paderborner”.  Letztere Varianten habe ich hier bisher nicht gefunden, falls also wer einen Tipp hat, immer her damit. ;) Bisher bin ich jedoch auch mit den anderen Sorten glücklich.

Macht euch also keine Sorgen. An Brot mangelt es uns nicht.

Anekdote #4: Katzen und Hunde

wpid-wp-1426521999433.jpegJede Rolle Toilettenpapier ist hier noch mal einzeln verpackt. Warum das so ist, weiß ich nicht genau. Ich schätze, es liegt an der hohen Luftfeuchtigkeit.

Das ist an sich schon ein bisschen kurios und der ökologisch korrekten Teil in mir hadert damit. Gleichzeitig kann ich die Vorteile nicht von der Hand weisen

Lustig ist aber, dass ich momentan welches mit niedlichen Hundewelpen und welches mit flauschigen Kätzchen in einem Badezimmerschrank aufbewahre.

Bisher haben die sich aber super vertragen und es gab noch keine Raufgeräusche. ;)

Anekdote #3: „Pain, please“

Nein, ich habe nicht zu viel „50 Shades of Grey“ gesehen. Ich bin anscheinend nur nicht so gut darin, Sprachen auseinanderzuhalten. Zumindest nicht nach den letzten, sehr anstrengenden Tagen.

Mittwoch twitterte ich folgendes:

Das allein ist ja schon verrückt – aber eben auch typisch für den kulturellen Schmelztiegel Shanghai. Wie oben bereits angedeutet, gehört die Bäckerei einem Franzosen und die dargebotenen Köstlichkeiten sind in französischer und englischer Sprache beschriftet. Den Chef sieht man zwar öfters, aber normalerweise bedient eine Chinesin. Und jetzt wird es mal wieder etwas tricky: Die kann kein Französisch. Ich wiederum konnte das mal gut, bin aber leider arg eingerostet.

Dummerweise macht das französische Drumherum meine Hirnzellen ganz weich und gaukelt mir vor, ich müsse mein Anliegen nun in der Sprache der Liebe formulieren. (Die ich nicht sonderlich flüssig beherrsche, aber das sei nur am Rande erwähnt.). Während mein Mund schon „Je voudrais un café au lait avec un tarte chocolat, s’il vous plaît.“ sagen will, ruft mein Kopf „Stop! English, please!“ und dabei geraten meine Gesichtszüge außer Kontrolle und ich gucke wahrscheinlich schon leicht dämlich.

Normalerweise gehe ich dort mit einer deutschen Freundin und unseren Kindern hin. Deswegen habe ich in dem Geschäft auch automatisch deutsche Gedankengänge, die zusätzlich in meinem Kopf quer schießen. Allerspätestens dann, wenn besagte Kinder parallel dazu noch durch die Gegend turnen, ist es bei mir völlig vorbei und es folgt nur noch wildes Gestammel.

Vor ein paar Tagen endete das so:

Die Chinesin verzog zum Glück keine Miene, aber ich hätte meinen Kopf gerne gegen die Ladentheke gerammt. naja, ich werde trotzdem immer wieder hin. ;)

Anekdote #2: Sprachverwirrung hoch drei

Es wird jetzt ein bisschen kompliziert, aber ich versuche, es so gut wie möglich niederzuschreiben.

Felix wächst momentan dreisprachig auf. Das war so nie geplant, hat sich aber nun aufgrund unseres Auslandsaufenthaltes so ergeben. Ob ihr das bemitleidenswert oder supergeil findet, dürft ihr selbst entscheiden. ;)

In der Kita wird Chinesisch und Englisch gesprochen. Zuhause – beziehungsweise natürlich auch, wenn wir als Familie unterwegs sind – kommunizieren wir auf Deutsch. Mit der Ayi (*klick*) spricht Felix zuhause Chinesisch und wenn wir alle drei miteinander reden, wechseln wir zu Englisch. Mama kann halt kaum Chinesisch.

Der Kurze redet prinzipiell noch nicht sooo viel, dafür plappert er fröhlich vor sich hin und versteht alle drei Sprachen soweit gut.

So viel zur Vorgeschichte. Manchmal machen besagte Sprachen auch einen flotten Dreier. Und ich sage bewusst nicht „Ménage-à-trois„, um nicht noch eine weitere mit ins Spiel zu bringen.

Eines der Worte, die Felix schon lange und gerne exzessiv verwendet ist das deutsche „mehr„. Ich denke, es spricht für sich, warum. Das ist im Alltag sehr vielseitig einsetzbar. ;)

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