Anekdote #84: Eine Bahnfahrt, die ist lustig, eine Bahnfahrt, die ist schön…

Heute morgen bin ich mit der U-Bahn in die Stadt gefahren. Dieselbe Bahn fährt auch in die Gegend, in der seit einiger Zeit Huawei und wohl auch andere chinesische Firmen angesiedelt sind.

So kam es, dass in der Bahn überraschend viele Chinesen waren. Um mich herum saßen sogar ausschließlich Chinesinnen. Das fühlte sich ein bisschen surreal an. Vor allem waren die alle sehr ruhig und das verwirrte mich ein bisschen. Genauer gesagt, war ich zwar angenehm überrascht, aber es war so… Surreal eben.

Die gegenüber von mir telefonierte die ganze Zeit. Auch das tat sie in einer untypischen Lautstärke, nämlich eher gedämpft. Ich konnte alles hören, aber naja, auf einem Vierersitz ist das ja irgendwie offensichtlich.

Mein Chinesisch ist ja bekanntermaßen äußerst spärlich, aber sie sprach sehr deutlich, wie aus dem Lehrbuch. So schnappte ich ein paar Begriffe auf.

Zwischendurch sagte sie immer mal wieder „nicht mehr“, dann „eins, acht zehn“ und dann mitten im einem Satz auf deutsch das Wort „Steuerhinterziehung“. Das ist ja meistens so, dass in Gesprächen in einer anderen Sprache Begriffe fallen. Meist sind das aber Filmtitel, Eigennamen wie „Rossmann“ oder auch „Arbeitsamt“. Aber ausgerechnet „Steuerhinterziehung“…?

Das fand ich amüsant.

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Im Hellen ins Bett

Ich schrieb mal über „Im Dunkeln ins Bett“ (*klick*). Darin erzählte ich, dass die Sonne in Shanghai auch im Sommer relativ früh untergeht. Pi mal Daumen so gegen 19:00 Uhr. Das hatte für uns alle den riesigen Vorteil, dass Felix wusste: Oh, es wird langsam dunkel, bald wird es also Zeit fürs Bett.

Natürlich hat er dennoch regelmäßig Theater gemacht und wollte nicht, dennoch war es für uns sehr praktisch. In dem Artikel fragte ich mich, wie das wohl im Heimaturlaub aussehen würde, denn im Sommer ist es in Deutschland abends wesentlich länger hell. Zum Glück wurde es nicht so dramatisch, sondern es klappte immerhin so so lala. Da spielte der Jetlag noch mit rein und im Urlaub ist das auch was anderes, da kann man auch mal später schlafen gehen.

Mittlerweile wohnen wir wieder in Deutschland und die Tage werden immer länger. Spätestens seitdem die Uhren umgestellt wurden, ist Felix entrüstet, dass es schon Schlafenszeit sein soll. Schließlich ist es ja noch hell draußen! Was soll denn das?!?

Und auch ich tu mich damit etwas schwer. Gestern waren wir abends im Garten und ich hatte weder Uhr, noch Handy dabei, werkelte so herum und dachte irgendwann „Oh! Es müsste ja schon recht spät sein!“ und tatsächlich war es schon sieben und ich musste noch das Abendbrot vorbereiten.

Aber naja, auch daran werden wir uns bald gewöhnen und die Vorteile zu schätzen wissen.

Viele Grüße aus Düsseldorf,
Mareike

Anekdote #83: Und wann geht’s zurück?

Als ich für die vorherige Anekdote nach einem alten Tweet suchte, stieß ich auf diesen Verlauf, den ich Silvester gepostet hatte (und jetzt noch mal minimal ergänzt habe, denn da hat man ja immer nur 140 Zeichen):

„Und wann geht ihr jetzt wieder zurück?“  „Äh, also wir wohnen ja jetzt wieder hier in Deutschland.“ – „Aber ihr geht doch nochmal zurück?“ – „Wir sind doch jetzt zurück?“ – „Aber ihr geht doch nochmal ZURÜCK?“ – „Naja, also die Umzugsleute haben nicht umsonst das ganze Zeug bei uns ins Haus getragen…?“

„Jaja, aber ihr geht doch zurück?“ – „Nein, wir wohnen jetzt wieder in Deutschland.“ – „Jaja, ok, das habe ich ja jetzt verstanden – aber dann zieht ihr doch jetzt in ein anderes Land? Wohin denn?“ „Also wie gesagt, unsere Möbel und unser ganzes Zeug ist jetzt wieder im Haus, wenn wir woanders hinzögen, wäre das ja sinnlos…?“ – „Ja, aber ALLE, die um Ausland waren, ziehen danach woanders hin.“ – „Aha? Wer denn?“ – „Die Bekannte der Cousine der Nachbarin…“.

„Alle Expats gehen noch mal ins Ausland.“ – „Nochmal: Bei uns ist da nichts geplant und ich sehe das in naher Zukunft auch als eher unrealistisch.“ – „Jaja, komm, du willst es doch bloß noch nicht sagen!“.  

Ich bin so ein netter Mensch, ne? Aber diese Gespräche machen mich wahnsinnig!

Dieses Gespräch habe ich nun schon diverse Male. Und. Es. Nervt So. Aaaaaaaaaah!

Viele Grüße,
Mareike

Anekdote #82: Kein Anschluss unter dieser Nummer

Ach kommt, eine kleine Anekdote kann ich jetzt noch schnell erzählen, die mir schon lange unter den Nägeln brennt:

Wenige Wochen nachdem wir wieder da waren, schrieb mich jemand auf Facebook an. „Wie kann ich dich denn jetzt am besten erreichen???“ wurde ich gefragt. Da ich ehrlich gesagt sehr selten auf Facebook bin, war das reiner Zufall, dass ich das las. „Du kannst mir ja einfach weiter auf WhatsApp schreiben?“ antwortete ich und war ein bisschen verwirrt. Das hatten wir nämlich bisher immer getan. Darauf erhielt ich aber keine Antwort und ich machte mir keine weiteren Gedanken.

Dann fiel mir auf, dass besagte Person auffällig viel mit Pascal besprach, dachte mir aber nichts weiter dabei.

Beim nächsten Treffen sagte sie ganz bestürzt: „Ich versteh einfach nicht, unter welcher Nummer ich dich erreichen kann! Ich hab jetzt zwei?!“.

Ich antwortete: „Eine beginnt mit +86 und eine mit +49, nehme ich an?“„Ja!“„Dann nimm die mit der deutschen Vorwahl und lösch die andere…?“„Ja, aber ich hab doch jetzt zwei Nummern?“ – „Ja, und…?“„Aber ich habe doch jetzt zwei Nummern, welche ist denn die richtige???“„Naja, also dann guckst du in deinen Kontakten und guckst einfach, welche mit +49 und welche mit +86 anfängt und löschst die eine dann.“„Aber welche ist denn die Richtige? Nachher lösche ich die Falsche!!“„Eine hat die Vorwahl von Deutschland und eine die von China, dann löschst du einfach die mit der chinesischen Vorwahl! *Pause*. Also die, die mit +86 anfängt…?“.

„Ja, aber welches ist denn jetzt die richtige Nummer? Ich habe doch jetzt zwei! *theatralische Pause*. DAS VERSTEHT DOCH KEINER!!.

Puh. So ging das noch eine Weile hin und her.

Ich atmete irgendwann sehr tief durch, ließ mir freundlich, aber bestimmt, das Handy geben und löschte meine chinesische Nummer aus dem Telefon.

Und bekam dann Ärger, weil ich ja nicht zurückgerufen hatte. Denn die Festnetznummer, auf der man sicherheitshalber angerufen hatte („Ich wusste ja nicht, ob das nun WIRKLICH deine richtige Handynummer war, da habe ich das auf dem Festnetz versucht!“) war noch nicht wieder aktiv.

Viele Grüße,
Mareike


Nachtrag: Nein, die weiter oben beschriebene Person ist nicht sonderlich alt und eigentlich auch technikaffin. Und ja, das ist leider wirklich so passiert. 

Netz-Fundstücke #7: Eine Tüte Gemischtes

Nachfolgend ein paar Links, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Auch wenn ich nicht mehr in China wohne, ist es ja nicht so, als würde mich nun nichts mehr dazu interessieren. :) In Kürze gibt’s hoffentlich auch noch mal ein paar Details dazu, wie wir uns eingelebt haben. Uns geht’s gut, wir haben nur immer noch viel zu tun. 


„Warum ein englisches Dorf von Chinesen überrannt wird“ (*klick* zum Artikel) – Ich will ja nicht in schönster Clickbaiting-Manier „Der Grund wird dich überraschen!“ schreiben, aber: Naja, also… Der Grund wird dich überraschen. ;) Ein wunderschöner Beitrag! Und wunderbar skurril.


A propos „skurril“: Hier die „Shanghaiist’s top 10 WTF moments of 2016″ (*klick* zum Artikel). Ich denke, die Überschrift ist selbsterklärend.


China verbinden viele immer noch mit billig produzierter Fließbandarbeit. Aber natürlich arbeiten nicht alle in Fabriken und fertigen da Plastikschrott an. Hier kann man was darüber nachlesen: „Chinas neue Arbeitswelt: Start-Up statt Fließband“ (*klick* zum Artikel).


Und wo wir gerade vor alten Klischees sprechen: „Handynutzung in China: Leben ohne Smartphone ist sinnlos“ (*klick* zum Artikel). Das Smartphone hat einen wesentlich höheren Stellenwert als in Deutschland.


„Warum Chinesen massenhaft Shampoo in Deutschland kaufen“ (*klick* zum Artikel) – Spoiler: Weil sie das teuer verkaufen können. Wer hätte das gedacht! Dennoch hat mich das Objekt der Begierde verwundert.


Zum Abschluss noch ein Artikel, der wirklich nachdenklich macht: „Lebensmittel aus China: Kann dieser Apfel mich vergiften?“ (*klick* zum Artikel). Ich könnte so viel dazu sagen, aber das lasse ich mal so stehen.


Viele Grüße,
Mareike

Anekdote #81: Ein neues Schloss

Vorletzte Woche oder so waren wir bei einem Playdate und die Ayi schrieb mir eine Nachricht. Das ist soweit schon mal echt ungewöhnlich. Sie fragte darin, ob ich denn Besuch erwarten würde. Ich war etwas überrascht und verneinte.

In der nächsten Nachricht stand sinngemäß, dass jemand mit einem Schlüssel da gewesen wäre und sie denjenigen nicht ‚reingelassen hat. Ich hatte zwar ein komisches Gefühl, war beim Playdate aber sehr beschäftigt, die Kinder zu beaufsichtigen und dachte zunächst an ein Missverständnis. Unser Vermieter arbeitet mit einem Hausmeisterservice zusammen. Die haben einen Schlüssel zu unserer Wohnung und da ein paar kleinere Reparaturen anstanden, ging ich davon aus, dass es einer von denen gewesen wäre. Weiterlesen

Anekdote #79: WeChat Payment

Eines der geilsten Features von WeChat ist, dass man da Geld verschicken und empfangen kann. Ich kann also an diversen Stellen damit bezahlen, aber wir können uns auch einfach so transferieren. Wenn du Das ist so unfassbar praktisch! Gerade für Kleinbeträge und weil man das auch gut nachvollziehen kann. Wenn zum Beispiel einer einer Sammelbestellung Bastelpapier macht und von jedem Dreieurofuffzig kriegt, dann muss man da nicht herumhantieren oder dran denken, wenn man sich sieht oder so, sondern überweist das schnell. Theoretisch kann man auch seine Rechnungen bezahlen und so, aber ich kann da nur mein Handyguthaben mit aufladen. Denn, und jetzt kommt’s: Meine Bankkarte ist nicht verbunden. Alles, was da drauf ist, bekam ich von Pascal oder Freunden überwiesen.

Soweit wäre das ja egal, könnte man meinen. Ist es aber nicht. Denn durch das Verknüpfen seiner Bankkarte bestätigt man seine Identität. Einigen Gruppen darf man gar nicht beitreten. Und vor allem ist diese Transferfunktion limitiert. Mit Beschränkungen, die man so nicht nachvollziehen kann. Weiterlesen