Anekdote #48: Helle Aufregung

Helle Aufregung heute morgen im Kindergarten.

Hier werden die Kinder von der school nurse, also der Krankenschwester in Empfang genommen. Die sitzt am Eingang und alle Kinder bekommen mit einem Infrarot-Fieberthermometer die Temperatur gemessen. Außerdem bekommen alle einen Klecks Desinfektionsmittel auf die Hände, das sie dann selbstständig verreiben.

Ich finde das ja ziemlich gut. Aber darum geht’s jetzt gar nicht.

Heute morgen waren nur zwei Kinder vor uns und ich hörte, wie das Kind vor uns seiner Mama aufgeregt was mitteilte. Ich kannte die Sprache nicht, aber es bezog sich wohl auf irgendwas von der Nurse.

Im gleichen Atemzug rief mein Sohn aufgeregt „Mama! Guck mal, ein lila Fieverthermometer (so eine niedliche denglische Wortkreation!) is das! LILA!“.

Offensichtlich gibt es ein neues Gerät und die Leute an der Rezeption lachten schon, weil ganz viele Kinder das kommentierten.

Denen entgeht aber auch nix! Nicht mal montags.

Von einem anderen Alltag

Als wir das letzte Mal in Düsseldorf waren, waren wir unter anderem Tanken, in der Autowaschanlage und bei der Post.

Das klingt jetzt nur so mittelmäßig aufregend, aber für Felix war das alles ziemlich spannend. Als wir Deutschland verließen, war er gerade zwei. In den ersten zwei Jahren habe ich oben erwähnte Tätigkeiten oft gemacht und das Kind auch zwangsläufig dabei gehabt. Da war er ja noch nicht in der Kita und kam halt fast überall hin mit.

Dennoch gehört das alles mittlerweile nicht mehr zu seinem Alltag und daher fand er das faszinierend.

Es fing ja schon damit an, dass Papa Auto gefahren ist und kein Fahrer. (Ich übrigens deswegen nicht, weil es sich preislich nicht gelohnt hätte, mich auch als Fahrer bei dem Leihwagen eintragen zu lassen. Bevor einer fragt.)

Tanken macht der Fahrer immer ohne uns. Es ist übrigens ganz faszinierend, dass Tankstellen hier das Stadtbild kaum prägen. Das kenne ich aus Deutschland ganz anders. Ich weiß, dass hier um die Ecke eine ist, aber ansonsten sind die wohl schon mal öfter unten in Hochhäusern drin, hat man mir gesagt. In Deutschland undenkbar.

Das Auto waschen bekomme ich schon mal mit (*klick für eine schöne Anekdote dazu*) und außerdem ist in der Seitenstraße schräg gegenüber unserer Compound-Ausfahrt eine kleine Waschanlage, die Felix immer mal wieder mit Begeisterung ansieht. Das ist aber keine, wie man sie an deutschen Tankstellen oder „Mr. Wash“-Parks findet, sondern im Prinzip eine große Garage, und er einzelnen Autos abgespritzt und poliert werden. Kein automatisches Trallala, bei dem man teilweise mit im Auto sitzt.

Und dann die Post. Im Sommer war ich alleine da, weil ich dachte, das ist zu langweilig fürs Kind, da gehe ich ohne ihn hin. Nach Weihnachten „musste“ ich Felix jedoch mitnehmen und siehe da – er fand das toll! Das Schlange stehen natürlich nur bedingt, aber die war zum Glück nicht so lang und so konnte ich ihm alles erklären, was man sah. Im Kindergarten war das Thema „Post“ kurz davor Thema gewesen, das wusste ich noch aus dem Newsletter und kommentierte alles. Als ich unsere Paketaufkleber beschriftete genauso, als andere das machten. Oder ein Paket abholten. Oder, oder, oder.

Die anderen Leute fanden das wohl eher seltsam und fühlten sich beobachtet. Weiterlesen

Andekdote #47: Von Gurken. Oder: Warum ich beim Gurken schneiden immer an meine Schwiegeroma denken muss

Hier seht ihr ein Foto von zwei Gurken und einem Tomatenmesser. Letzteres kann übrigens auch Gurken schneiden und ich habe es einfach so für wenig Geld im Laden gekauft. Ohne komplizierte Anschaffung. Dafür schneidet es aber auch nicht ganz so sensationell gut wie die von Ikea.

Der aufmerksame Beobachter hat sich eventuell nicht nur von der Schönheit des Messers sowie der fröhlichen Schneideunterlage ablenken lassen und sich auch die Gurken angesehen.

Diese sind nämlich relativ dünn und vor allem stachelig.

Gurken zählen zu dem Gemüse, was hier ein bisschen anders ist.

In den Supermärkten, in die ich in Deutschland so gehe, bekommt man eigentlich immer Schlangengurken. Meistens sind die aus den Niederlanden. Die sehen halt aus wie Schlangen- oder Salatgurken so aussehen und sind eher selten dünn, sondern meistens etwas dicker. Deren Oberfläche ist relativ glatt und leicht gerillt.

Die Exemplare wie hier kannte ich auch. Eine Freundin (beziehungsweise sie und ihre Mutter, das ist schon einige Jahre her), hat die in ihrem Garten angepflanzt und mir eine geschenkt. Ich fand die sehr aromatisch und vor allem sehr kurios, weil diese so stachelig war. Das kannte ich bis dahin gar nicht. Auf dem Foto sieht man die pieksigen Auswüchse nicht, die sind hier vor dem Verkauf schon entfernt worden.

Im Online-Supermarkt werden die hier „Asian Cucumbers“, also „asiatische Gurken“ genannt. Im Gegensatz dazu gibt es „Dutch Cucumbers“, also niederländische Gurken. Diese sehen dann aus wie ich sie kenne, allerdings mit dem Unterschied, dass sie ziemlich klein sind. Vielleicht halb so groß wie eine Schlangengurke oder so wie eine große Gewürzgurke. Davon habe ich leider gerade kein Bild, die muss ich erstmal wieder kaufen. Weiterlesen

Anekdote #46: Mamas erste Wahl

Ihr erinnert euch eventuell noch an die „Anekdote #35: Lost in translation, Part 4.657″. Nicht? Das überrascht mich. Und macht mich ein wenig traurig. Ich dachte, ihr kennt meine Beiträge alle auswendig. ;) Wenn ihr den Titel anklickt, könnt ihr ihn nochmal lesen.

Da ging es um Waschmittel und Zeug, dass ich nicht näher identifizieren konnte, außer, dass es die Volleyball-Nationalmannschaft nutzt.

Heute war ich im Supermarkt und da gab es ein großes Wiedersehen. Naja. Wiederhören.

Diesen Spot habe ich schon etwa drölf Millionen Mal gehört, weil der ständig irgendwo als Werbung läuft. Heute habe ich mal ein Video gemacht. Dieses Filmchen bringt mich noch mal um den Verstand! DIE BRÜLLEN DIE GANZE ZEIT DASSELBE! AAAAAAAAAAAH!

Bisher war mir aber nie aufgefallen, dass es quasi das Produkt ist, was ich im November mal zu identifizieren versuchte.

Soweit ich das per Übersetzungs-App herausgefunden habe, wird die ganze Zeit penetrant „妈妈一选 / māmā yī xuǎn“ gerufen und das scheint im übertragenen Sinne „Mamas erste Wahl“ zu heißen. Die Frau auf dem Foto ist übrigens die Trainerin der Volleyball-Nationalmannschaft. Wird zumindest irgendwann eingeblendet.  Weiterlesen

Von Vorbereitungen. Eigentlich. Und uneigentlich auch.

Unsere Zeit hier ist Ende des Jahres ‚rum. Eigentlich ist es noch ganz weit weg. Uneigentlich rast die Zeit aber und das macht mich ganz wahnsinnig.

Vor Kurzem gingen zwei befreundete Familien zurück und eine weitere nächste Woche. Das ist ganz schön blöd. Führt es mir doch auch mal wieder vor Augen, dass unser Aufenthalt hier begrenzt ist.

Vorhin habe ich mich mit dem Thema „Kita“ beziehungsweise „Kindergarten“ auseinandergesetzt. Wir möchten gerne, dass Felix so schnell wie möglich in den Kindergarten kann,w ein wir zurückziehen. Optimalerweise natürlich in denselben, in der er schon in der U3-Betreuung war. Der ist nämlich sehr schön und er hat sich dort sehr wohl gefühlt.

Ich dachte eigentlich, ich wäre voll früh damit dran, wenn ich mich jetzt an die Einrichtung wende. Umeigentlich bin ich das aber gar nicht, weil wir uns ganz normal für das kommende Jahr bewerben müssen. Das im August beginnt. Und über dessen Platzvergabe Ende des Monats bestimmt wird.

Hahahahaha. Sie sehen mich leicht hysterisch lachen. In Düsseldorf läuft sowas nämlich zentral über den Kita-Navigator und… Ach, eigentlich will ich da gar nicht im Detail drauf eingehen. Uneigentlich wäre das nicht schlecht, weil ich so meine Gedanken sortieren könnte.

Es ist kompliziert.

Eigentlich will ich auch noch gar nicht an unsere Rückkehr denken. Umeigentlich muss ich das aber gerade in letzter Zeit oft, weil eben einige aus meinem direkten Umfeld zurückgingen. Es ist ja auch nicht so, als würden wir uns alle nicht unterhalten. Da kommt man schon ins Grübeln. Machste nix. Weiterlesen

Anekdote #45: Von Urlaubsvertretung und Böllerei

Unsere Ayi hatte mir vor einer Weile mitgeteilt, dass sie über Chinese New Year länger weg sein würde und eine Urlaubsvertretung geschickt. Meine Begeisterung hielt sich sehr in Grenzen, da ich mit ihr mittlerweile wirklich zufrieden bin und  mit Ersatz-Ayi nicht so die besten Erfahrungen gemacht habe. Um es mal vorsichtig auszudrücken.

Im Geiste sah ich mich schon mehrere Wochen alles selbst machen. Doch man muss auch mal Glück haben: Nachdem die Ersatz-Ayi während der ersten Tage so gut wie nichts machen konnte, weil wir ja kein Wasser hatten, schickte ich sie jeweils nach Hause.  Dann entpuppte sie sich als echter Glücksfall. Sie kann zwar nur Chinesisch, aber das störte bisher gar nicht. Das Kommunizieren mit Hand und Fuß, ein paar Brocken Chinesisch und einer Übersetzungs-App funktionierte super. Dazu putzt sie total gründlich und in normalem Tempo. Vor allem ist sie eine sehr angenehme Person.

Kurz: Ich hatte schon ganz kurz überlegt, ob ich sie nicht behalten kann. ;) Weiterlesen

2016/02/14: So’n Tag.

Gestern war so’n Tag. So einer, an dem es irgendwie nur geht so läuft. Und das ist noch nett ausgedrückt.

Vielleicht bin ich momentan einfach sehr frustriert.

Wir hatten uns auf eine entspannte Woche Chinese-New-Year-Ferien mit super Wetter und vor allem guter Luft gefreut. Felix hat ein neues Laufrad und wir wollten damit mal wieder zum Flussufer, mit anderen Familien Karneval feiern und es uns gut gehen lassen. Nach dem ganzen Stress der letzten Wochen hatten wir uns das mehr als verdient.

Leider kam es anders. Pascal und ich fingen uns eine hartnäckige Erkältung ein und lagen die gesamte Woche über nahezu vollständig flach. Also soweit man das mit Kleinkind kann. Das war scheiße. Da ich zwei Tage Vorsprung hatte, ging’s mir am Samstag aber soweit schon wieder ganz gut, ich dachte ich wäre nur ein bisschen wackelig auf den Beinen.

Sonntag – also gestern – dachte ich, ich mache meinem Mann das romantischste Geschenk, dass man sich so zum Valentinstag vorstellen kann und gönne ihm eine Extraportion Ruhe.

Felix und ich zogen alleine los und fuhren ins Kerry. Das ist eine Mall in Pudong, in der unter anderem ein Kinderfrisör ist. Da sitzen die Kiddies in kleinen Booten oder Autos und dürfen Filmchen gucken, während ihnen die Haare geschnitten werden. Er geht da super gerne hin und müsste auch mal wieder. Wie das so ist, kam aber immer was dazwischen. Am Wochenende ist es oft sehr voll und unter der Woche ist es nachmittags mitunter terminlich schwierig und dann war der Kleine krank und überhaupt, man kennt das. Haare schneiden ist bei seiner Frisur auch nicht unbedingt Priorität A, er hat Locken, da fällt das überhaupt nicht so auf, wenn er mal länger nicht war.

Gestern wollte ich die Gelegenheit beim Schopfe (*Wortspiel, hihi*) ergreifen und Felix war auch schon ganz begeistert. Er erzählte mir immer wieder, dass er danach mit dem Parkhaus spielen würde. In dem Laden kann man nämlich auch Spielzeug ausprobieren und kaufen. Wie man das als geschäftstüchtiger Kinderfrisör halt so macht.

Im Kerry war es super leer, das war ein bisschen komisch. Ich hatte eigentlich gedacht, dass alle aus ihrem Chinese-New-Year-Schlaf erwacht wären, aber nichts da. Es war aber auch noch relativ früh und „erst“ halb elf. Die Atmosphäre war angenehm, fühlte sich jedoch auch merkwürdig an und verschlimmerte meine träge Müdigkeit. Weiterlesen