„Lass das!“ oder: Wie man neue Worte im chinesischen Sprachgebrauch etabliert

Jeder kennt vermutlich den Witz, in dem alle Kinder gefragt werden, wie sie heißen. Alle sagen brav ihren Namen und ein Kind behauptet steif und fest, es hieße „Lass das!“. Die Kombination gibt es auch mit Vornamen des Kindes, also im Falle unseres kleinen Lockenkopfes also „Felix Lass das!“.

So ähnlich geht es mir hier nur mit dem Namen meines Sohnes. Wenn ich ihn unterwegs wegen irgendwas ermahne und er eigentlich schon weiß, warum, sage ich oft mit warnendem Unterton „Felix…!“. – Ja, die drei Punkte werden mitgesprochen. ;) Je nach Situation sage ich das auch mehrfach hintereinander. Oder in Kombination mit „Nein!“ oder tatsächlich auch schon mal „Lass das!“ oder „Lass es bitte sein!“.

Nun ist es öfters so, dass zufällig anwesende Chinesen den Kurzen ja eh schon wahnsinnig spannend finden und sein Tun genau beobachten. Das geht quer durch alle Altersklassen und Gesellschaftsschichten.

Dabei habe ich mittlerweile mehrfach erlebt, dass einige nachsprechen, was ich sage. Entweder leise für sich oder auch zu ihm, da sie ja merken, dass er darauf reagiert. So kam, es, dass neulich in einer Mall drei Reinigungskräfte neben uns standen und immer wieder amüsiert „Felix! Felix! Nein-nein-nein!“ verlauten ließen.

Ich kam mir dezent verarscht vor.

(Vor allem, weil ich dieses „Nein-nein-nein“ in dem Babysprachen-Singsang so nie verwende. Echt nicht, ich finde das furchtbar! Das müssen die irgendwo anders aufgeschnappt haben.)

Eine ähnliche Situation gab es kürzlich an einem Brunnen, an dem weiter weg noch andere Jungs spielten und sich dann nach einer Weile gegenseitig „Felix!“ zuriefen. Dabei äfften sie meinen Tonfall nach.

Hallo? Was soll das denn?

Der wunderbare Name meines Kindes ist erstens kein Schimpfwort, zweitens kein Ermahnungsruf und drittens ist es nun wirklich nicht so, als würde ich hier die ganze Zeit herumbrüllen und einfach jeden noch so kleinen Mucks verbieten. An manchen Tagen vielleicht. (Eltern kennen das vermutlich.) Dennoch… Pffft! Das ist einfach nicht wahr! Ich wollte es der Vollständigkeit halber gerne mal erwähnen.

Wenn ihr in Shanghai also demnächst mal mitbekommt, dass Leute sich gegenseitig anranzen und es wie „Felix…!“ klingt… Dann wollten sie das wahrscheinlich wirklich sagen und es ist KEIN chinesisches Wort, das nur so ähnlich klingt.

Hoffentlich wird das nicht wirklich zum geflügelten Wort. Das wäre ja grauenvoll! *Hände-überm-Kopf-zusammenschlag*

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2 Gedanken zu “„Lass das!“ oder: Wie man neue Worte im chinesischen Sprachgebrauch etabliert

  1. Das ist bestimmt auch für Linguisten in ein paar Jahren interessant, wenn sie sich wundern, woher das neue Schimpfwort in China kommt.
    Eine Freundin ermahnt ihre Tochter immer mit “Fräulein Schuster*“ (*also mit dem echten Nachnamen, nicht mit diesem rein fiktiven)
    Letztens wollte das MiniMi mit mir schimpfen und nannte mich auch “Fräulein Schuster“. Sie hat das chinesische Prinzip auch drauf.

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