Von allerlei Obst und Gemüse

Vor einer ganze Weile schon stöberte ich in einer Buchhandlung und kaufte Felix das Buch, was ihr hier seht. Das war gar nicht teuer und kostete nur knapp 17 RMB und damit etwa 2,30 EUR.

Es ist total hübsch und hochwertig aufgemacht und darin sind ganz viele Obst- und Gemüsesorten abgebildet. Die sind dann mit chinesischen Schriftzeichen, Pinyin (also der chinesischen Lautschrift) und Englisch beschriftet.

Ich fand das auf Anhieb super. Das ist nämlich auch für Erwachsene sehr praktisch. So lerne ich beim Angucken gleich was mit. Felix kann „Apfel“ und „Banane“ auf Deutsch nicht korrekt aussprechen, auf Englisch geht so und auf Chinesisch überraschenderweise sehr deutlich. Zumindest, wenn man ihm es vorher einmal vorsagt. Das hat mich echt verblüfft, weil er in unserer Gegenwart sonst kaum Chinesisch spricht und selbst wenn, könnte ich das dann eh nicht kontrollieren.

Aber ich greife vor. Felix fand das Buch lange nicht besonders spannend und das lag hier herum.

Bis Vorgestern, da fiel es ihm in die Hände und er wollte es unbedingt angucken. Gesagt, getan. Wir sahen uns alles an und er benannte Einiges, wollte wissen, wie dies oder jenes heißt – wie man das eben so macht. Ich las ihm die englischen Begriffe vor und übersetzte simultan ins Deutsche. Natürlich waren ihm die Schriftzeichen nicht entgangen, doch ich sagte ihm, dass ich das Chinesisch nicht richtig vorlesen könne. Da stünden zwar die Worte in Pinyin, jedoch wolle ich ja nicht, dass er sich das falsch einpräge. Ob er denn wisse, wie das hieße?

Anstatt zu antworten, schlug er ganz aufgeregt vor, die Ayi könne ihm das ja später vorlesen, wenn sie kommt. (Das hat sie noch nie gemacht! Normalerweise ist sie nämlich gar nicht für die Kinderbetreuung zuständig, auch wenn das hier meist so üblich ist. Sie spielen zwar schon mal ein bisschen was, aber eher wenig.)

Ich fand den Vorschlag toll. Nachmittags wollten wir eigentlich los, als die Ayi kam. Doch da hatte ich die Rechnung ohne Felix gemacht, der wollte das Buch natürlich mit ihr ansehen. Also saßen wir zu dritt in der Küche und gingen diverse Obst- und Gemüsesorten durch. Dabei bestätigte sich, was ich schon vermutete hatte: Sie spricht (anscheinend) super deutlich und ohne Dialekt oder so. Alles, was sie sagte, klang wie aus dem Lehrbuch, das fand ich sehr faszinierend und angenehm.

Da dieses Buch ja jetzt nicht sooo viel Text enthält, beschloss ich, die deutschen Begriffe jeweils daneben zu schreiben. Bei einigen musste ich nämlich länger überlegen und bei sehr vielen hatte ich keine Ahnung, was das überhaupt war. Interessant fand ich, dass die Mango oder die Litschi auf Chinesisch und Deutsch nahezu gleich heißen. Der „Chinakohl“ heißt auch auf Englisch „Chinese Cabbage“, „Rotkohl“ hingegen „Purple Cabbage“. Was ja eigentlich logisch ist, ich finde auch, der ist eher lila als rot.

Abends setzte ich mich dann hin und notierte erstmal die deutschen Bezeichnungen, die ich problemlos wusste. Das waren zum Glück schon mal einige. Dennoch gab es viele Dinge, die mir total fremd waren und viele, die ich so auch nicht auf Anhieb nicht finden konnte. Das war echt nervig.  Weiterlesen

2016/01/30: Ich habe endlich ein Messer gekauft!!!

Ich weiß, ich habe ganze drei Ausrufezeichen in der Überschrift verwendet. Doch glaubt mir – ich hätte vor lauter Aufregung fast noch mehr verwendet!

Vor einiger Zeit schrieb ich einen Text mit dem Titel „Vom Messerkauf“ (*klick* um den noch mal zu lesen). Seit Monaten scheiterte ich immer wieder daran, ein Küchenmesser bei Ikea zu kaufen. Weil das erstaunlich schwierig ist.

Heute habe ich es endlich geschafft und ich bin ein bisschen stolzer, als es angebracht wäre.

Seit etwa zwei Wochen oder so, musste bereits ich zu Ikea, um was zu besorgen. Ja, „musste“. Ich brauchte einen Hocker und wollte ein paar Sachen ordentlicher verstauen und brauche dazu bestimmte Kisten, damit die zum Rest passen. Ach, ich will euch nicht mit Details dazu langweilen, das ist hier ja kein Interieur-Blog. (Wenn, wäre der echt öde!)

Jedenfalls kam ich nicht dazu und es war auch schon klar, dass es nächste Woche auch nichts werden würde und dann steht auch schon Chinese New Year vor der Tür und alles hat ein paar Tage zu – und überhaupt, wenn ich schon mal unbedingt was aufräumen will, sollte ich die Gelegenheit beim Schopfe packen.

Also tuckerte ich heute Nachmittag zu Ikea. Alleine. Ich wollte ja nur „mal eben“ ein paar Kleinigkeiten kaufen.

Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Nicht, dass ich nicht gerne zu Ikea ginge. Ich gehe da gerne hin. Und da die „meine“ Filiale in Pudong in den letzten Monaten immer wieder aufgehübscht haben, inzwischen sogar wirklich gerne. Unter der Woche ist da auch gar nicht so viel los und man kann da ganz in Ruhe shoppen.

Heute ist allerdings nicht unter der Woche, sondern Samstag. Dö-dö-dö-dööööööö *bedeutungsvoller Tusch*.

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Anekdote #41: Von Smog und Selbstironie

Quelle: Screenshot der App „Shanghai Air Quality“, http://aqicn.org

Naja, eigentlich ist es eher eine ganze Sammlung kleiner Anmerkungen, aber was soll’s. ;)

Die Air Quality ist, gelinde gesagt, beschissen. Es ist der höchste Wert seit vier Jahren oder so langem (Danke an Fledermama für die Korrektur). Wir hatten heute Werte im Bereich „300+“. Danach geht die Skala nicht mehr weiter (siehe Screenshot).

Im Laufe des Tages sank der Wert immerhin in den violetten Bereich, aber das ist immer noch miserabel. Normalerweise schränken wir unsere Aktivität draußen schon ab roten Werten stark ein. Die beginnen bei 150. Heute hatten wir über 300, also mehr als doppelt so schlecht. Die Luft ist gelbgrau und man kann sie wahrscheinlich wortwörtlich schneiden. Und von Luft und Liebe allein leben. Hahaha.

Ihr seht, der Galgenhumor ist mir noch erhalten geblieben. Das liegt aber auch daran, dass es über Weihnachten nach Hause geht und ich die Tage herunterzählen kann.

Da ist der belegte Geschmack auf der Zunge, als ob man letzte Nacht sehr lange in verrauchten Bars auf den Tischen getanzt und gesoffen hätte, noch erträglich. Den Brummschädel gibt’s – zumindest bei mir – gratis dazu. Bisschen doof ist es nur, das mir die Partynacht im Vorfeld fehlt. Und damit meine ich keine alkoholbedingte Erinnerungslücke. Buuuh! Weiterlesen

Mein erstes Mal im Transrapid. Oder: Was für ein Tag! Uff.

Neulich bin ich das erste Mal Transrapid gefahren. Wobei der ja hier gar nicht „Transrapid“ heißt, sondern „Maglev“. Das ist übrigens nicht russisch oder so, „Maglev“ steht für „Magnetic Levitation Train“ und wiederum bedeutet „Magnetschwebebahn“. Das habe ich extra für euch recherchiert. Wenn ihr mehr Details wollt, könnt ihr das hier bei Wikipedia selber machen: https://de.wikipedia.org/wiki/Transrapid_Shanghai.

Aber eigentlich heißt er trotzdem „Transrapid“. Hilft euch aber nix, weil auf den Schildern „Maglev“ steht. In Amerika wird das übrigens auch bald so sein, ich habe nämlich gelesen, dass dort eine Strecke gebaut werden soll, die Los Angeles und Las Vegas miteinander verbindet. Eine prima Idee, wie ich finde. Und ein bisschen witzig, dass der dann nicht nur zwei Mal außerhalb Deutschlands gebaut wird, sondern auch noch auf zwei anderen Kontinenten.

Egal. Zurück zur Story. Vorletzte Woche war es mal wieder soweit, ich brachte Besuch zum Flughafen. Mit Viktor habe ich übrigens gleich zwei neue Sachen angeguckt. Darüber muss ich auch noch bloggen, aber wie das halt so ist, hat mein Tag nun mal auch nur 24 Stunden.

Der Weg zum Flughafen Pudong ist, obwohl wir auch in Pudong wohnen, von uns aus relativ lang und dauert bei normalem Verkehr etwa eine dreiviertel Stunde oder etwas mehr. Ich plane immer eine Stunde ein und bin damit bisher gut gefahren. (Einen Euro in die Wortspielkasse, bitte!)

Ich mag unseren Fahrer ansonsten sehr, aber an dem Tag nicht ganz so. Er war nämlich nicht ganz auf der Höhe und  fuhr ziemlich scheiße. Die Brückenbegrenzung kam zwei Mal ganz schön nah. Mir blieb nicht viel übrig, außer ihn ein paar Mal anzuschnauzen, denn ich hoffte auf das Adrenalin. Anhalten und Aussteigen war leider keine wirkliche Option. Streckenweise ist da nicht viel Drumherum und da ein Taxi bekommen, erschien mir eher aussichtslos. Selbst fahren war ebenfalls keine Alternative, ich habe nämlich keinen chinesischen Führerschein. Weiterlesen

50 Shades of Smog

Vorhin bekam ich folgenden Artikel zugeschickt: „Feinstaub-Fotos aus China: Ist da noch Licht am Ende des Smogs?“. Der ist heute erschienen und somit brandneu. Ich möchte hier gerne ein paar Gedanken dazu loswerden.

Die Fotos sind super, keine Frage. Sie vermitteln eine gespenstische Atmosphäre und verfehlen ihre Wirkung nicht. Die meisten davon sollen Shanghai zeigen und ich gehe mal davon aus, dass das auch der Fall ist. Man sieht ja meistens nicht so viel. ;)

Mir persönlich fehlt eine Angabe, in welchem Zeitraum die entstanden sind. Ich wohne seit Dezember hier und wir haben nun Mitte April. Meiner persönlichen Erfahrung nach sind die Bilder alles andere als repräsentativ. Klar ist die Air Quality nicht die Allerbeste. Aber es ist nun wirklich nicht so, als würde es hier ständig so aussehen wie auf den Fotos. Das wird mit dem Artikel aber suggeriert und ich finde das nicht fair. Weiterlesen

Ein Geldbeutel voller Hunnis

Ich gehöre zu den Leuten, die eher wenig Bargeld dabei haben. In Deutschland kann ich die Gelegenheiten, an denen ich mal einen Hunderter dabei hatte, wahrscheinlich an einer Hand abzählen.

Hier laufe ich aber dauernd mit einem Geldbeutel voller Hunderter herum. Also gefühlt.

Wir hatten öfter Probleme, was am Geldautomaten abzuheben und mein Mann und ich besprachen, dass ich an dem, von dem wir wussten, dass es klappt und an dem ich sowieso vorbei kam, mal zweitausend abholen sollte. Huiui! Das Gerät spuckte aber nur tausend aus. Dieses Bündel Geld steckte ich dann zu den zwei Hundertern, dem Fünfziger und dem Zehner, die ich eh noch im Geldbeutel hatte und kam mir irre reich vor. 1.260! Whohoo! Bei der Summe wurde ich direkt nervös.

Dummerweise handelte es sich dabei um RMB. Demnach trug ich 180,46 EUR herum. Klar ist das immer noch viel Geld, aber es relativiert sich dann doch recht schnell.

Oft habe ich so um die vierhundert RMB dabei. Das sind etwas mehr als 60 Euro. Im Scheinefach sieht das aber oft total viel aus, weil ich gefühlt immer alles in Zehnern wiederbekomme. Also ist mein Geldbeutel im übertragenen Sinne nicht so prall gefüllt, wie er wirkt.

Was mich aber am meisten verwirrt: Der Hunderter ist der höchste Schein. Und zur Erinnerung: Der entspricht 14,31 Euro. Ich habe nun gelesen, dass es aus Geldfälschungsgründen keine größeren Scheine gibt. Die jetzigen werden deswegen aber viel gefälscht und auch entsprechend oft auch an der Kasse geprüft. Wäre es da nicht vielleicht einfacher und schneller, einen 200er oder einen 500er zur prüfen?

Bekannte erzählten uns, dass sie die Kaution im Wert von mehreren tausend Euro in RMB bar zahlen mussten. Die hatten dann wirklich einen Geldkoffer dabei. Wie in so nem Film!

Kuriose Klogeschichten, #1: Papier ist geduldig

Im Vorfeld wurden ja die wunderlichsten Geschichten über China im Allgemeinen und Shanghai im Konkreten an mich herangetragen. Unter anderem sagte man mir, es gäbe eigentlich nirgendwo Klopapier und das wäre auch ganz schwer zu kriegen. Und wenn, nahezu unbezahlbar. Und überhaupt.

Meine vorsichtige Frage, ob das denn auch für Shanghai gelte oder nur für eher dörflichen Regionen, wurde mit einem wissenden Lächeln und einem vieldeutigen „Das wirst du schon noch herausfinden…“ abgetan. Sowas kann ich ja nicht ab. Aber das ist ein grundsätzliches Ding.

Beim Look and See Trip hielt ich mich in mehr westlich orientierten Gefilden auf und lasst euch gesagt sein: Da gibt es ganz normale Toiletten und auch Klopapier. Ich war auch in einem einheimischen Lokal und von dieser doch äußerst faszinierenden Toilettenerfahrung muss ich euch noch mal separat erzählen. Aber selbst da wurde mir vorher ein kleiner Stapel Papierservietten in die Hand gedrückt.

Die Toilettenschüssel in unserer Wohnung ist auch eine ganz normale, ich würde sagen, eine eher amerikanische. Lustigerweise ist die ganz niedrig. Wenn der Kleine irgendwann mal trocken wird, braucht er nicht so weit nach oben klettern. ;)

Als wir am ersten Tag hier einkaufen waren, kaufte ich auch Klopapier. Im Carrefour (vergleichbar mit Real), gab es auch einen halben Gang voller Varianten. Das Zeug war zwar tendenziell etwas teuer und eher zweilagig, aber es gab so viel Auswahl, dass mein übermüdetes Ich völlig überfordert davor stand und sicherheitshalber zwei verschiedene Sorten kaufte. Zuhause stellten wir amüsiert fest, dass alle Rollen noch einmal separat in Folie gewickelt waren und schoben das auf die Luftfeuchtigkeit und den Schutz davor.

Jetzt kommt aber der Haken: Obwohl das Papier so dünn ist und wir zuhause eine westliche Kloschüssel haben und in so einem schon eher noblen Compound wohnen, ist die Kanalisation nicht dafür ausgerichtet. Ein bisschen Klopapier geht schon, aber dann ist auch Schluss und dann ist das verstopft. Also begannen wir schnell damit, das Papier in den kleinen Kosmetikeimer zu werfen, den wir als Badezimmer-Accessoire gekauft hatten. Dementsprechend klein ist der auch und muss häufig geleert werden. Da muss wohl noch ein größerer ran.

Das mag jetzt too much information für viele von euch sein, aber: Erstaunlicherweise riecht das bisher nicht. Aber es ist ja auch noch Winter und kein Hochsommer.

Ich habe das bisher so rausgehört, dass es sich hierbei um ein typisches Problem handelt. Erstaunlicherweise habe ich mich da schon sehr schnell dran gewöhnt. Aber es ist schon lustig: Da wohnste in so einem unfassbar teuren Appartement, musst dein benutztes Klopapier in nen extra Eimer werfen. Wie in so nem Schrebergarten.