Von Namen

Chinesen haben normalerweise zusätzlich zu ihrem chinesischen Namen noch einen westlichen. So heißen sie also zum Beispiel „Jack“, „Jason“, „Sarah“, „Alice“, „Lucy“, „Sam“, „Lee“ und so weiter. Meist ist das ein eher schmissiger kürzerer Name.

Teilweise haben die Eltern diesen Namen ausgesucht, teilweise geben sie sich den selbst. Soweit ich das verstanden habe, sind die westlichen Namen nicht im Pass oder sonstwo eingetragen und man kann sich nennen, wie man möchte. So kommt es wohl auch oft vor, dass bei einem Jobwechsel auch der westliche Vorname ein anderer ist, weil einem der momentane einfach nicht mehr zusagt und ein Neuer her muss.

Manchmal empfinde ich die Wahl als amüsant. So fand ich die Kellnerin namens „Doris“ besonders niedlich und dass die Kindergärtnerin eines befreundeten Kindes „Candy“ heißt. Das klingt für mich persönlich immer nach einem Strippernamen. Das ist nicht böse oder abwertend gemeint!

So ähnlich ergeht es mir bei „Star“, „Priscilla“ und „Velvet“.

Als wir hier ein Konto eröffneten, lernten wir einen Bankangestellten namens „Kevin“ kennen. Soweit nicht ungewöhnlich, da viele Namen dem englischen Sprachraum entnommen sind. Seine Eltern haben den für ihn ausgesucht und finden den toll.

Jetzt hat Kevin aber Deutsch studiert und leider in diesem Zusammenhang von dem Phänomen des „Kevinismus“ (auch als „Chantalismus“ bekannt) gehört und war deswegen ganz niedergeschlagen. Er fragte uns, ob das denn wirklich so sei. Mein Mann und ich sind beide sehr nett, jedoch auch ehrlich und bestätigten das. Allerdings mit der Ergänzung, dass „Kevin“ halt auch nur ein Name ist und ein ganz schöner dazu.

Ein weiteres Beispiel: Wenn man bei Starbucks zu diesem Counter geht, an dem Strohhalme, Servietten, Zucker und so weiter stehen, findet man dort auch einen kleinen Visitenkartenständer vor und mir springen die Namen der Manager ins Auge, weil die deutlich auf den Karten prangen.

Die Manager meiner bevorzugt besuchten Filialen heißen „Rainbow“, „Spring“ und „Sky“. Ich meine, auch schon mal „Sunny“ gelesen kann. In diesem Zusammenhang habe ich mich gefragt, ob Starbucks sich das wünscht, dass man möglichst positiv klingenden Namen annimmt oder man einfach generell ein sonniges Gemüt hat, wenn man dort arbeitet.

Eigentlich waren die Starbucks-Namen immer meine Favoriten, aber dann stand ich neulich bei H&M in der Schlange. Vermutlich erwähnte ich das schon öfter, dass man da eigentlich immer ein Snickers dabei haben sollte, weil das länger dauert.

Während ich da so meditativ ein- und wieder ausatmete, sah ich den beiden Angestellten bei der Arbeit zu. Auf der linken Seite kassierte Jason, wie ich seinem Namensschild entnehmen konnte. Rechts von ihm faltete seine Kollegin die Kleidung in die Tüten. Diese hieß „Fancy“.

Fancy!

Als Angestellte in einem Klamottenladen!

Ich wüsste nicht, wie man das noch toppen soll, bin aber weiterhin gespannt.

Viele Grüße aus Shanghai,
Mareike

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5 Gedanken zu “Von Namen

  1. Ich kenne das aus dem Sprachkurs an der Uni in der amerikanischen Uni. Da hatten wir viele Chinesinnen und Taiwanesinnen. Und die männlichen Pendants dazu. Die hatten auch alle einen westlichen Namen. Zwei meiner taiwanesischen Mitbewohnerinnen im Studentenwohnheim hießen Ruby und Daisy (weil sie Daisy Duck so toll fand). Mir wurde gesagt, dass es diese Namen gibt, weil die chinesischen Namen für uns Westler oft schwierig auszusprechen sind. (Faszinierend war allerdings, dass die japanischen Damen keine westlichen Namen hatten.) Mir hat es das ganze erleichtert, weil sich mein Chinesisch auf „Guten Tag“ und „danke“ beschränkt. ^^;

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