Anekdote #81: Ein neues Schloss

Vorletzte Woche oder so waren wir bei einem Playdate und die Ayi schrieb mir eine Nachricht. Das ist soweit schon mal echt ungewöhnlich. Sie fragte darin, ob ich denn Besuch erwarten würde. Ich war etwas überrascht und verneinte.

In der nächsten Nachricht stand sinngemäß, dass jemand mit einem Schlüssel da gewesen wäre und sie denjenigen nicht ‚reingelassen hat. Ich hatte zwar ein komisches Gefühl, war beim Playdate aber sehr beschäftigt, die Kinder zu beaufsichtigen und dachte zunächst an ein Missverständnis. Unser Vermieter arbeitet mit einem Hausmeisterservice zusammen. Die haben einen Schlüssel zu unserer Wohnung und da ein paar kleinere Reparaturen anstanden, ging ich davon aus, dass es einer von denen gewesen wäre.

Zwar wusste ich von Nichts, aber da mein Mann und ich parallel wegen verschiedener Dinge mit denen sprachen, ging ich von einem Missverständnis aus. Dennoch erschien es mir seltsam. Da die Ayi zuerst von einer Frau sprach, fragte ich die einzige Frau, die ich aus dem Team kenne und die antwortete, sie sei es nicht gewesen, aber sie hake mal nach.

Leider sind die Details etwas schwierig zu erklären, schlimmer Fall von „lost in translation“ und „andere um Hilfe fragen“. Nach einem langen Hin und Her kann ich es wie folgt zusammenfassen, dass eine Frau und mehrere andere Leute wohl im Flur standen, einen Schlüssel hatten und die Ayi sie nicht weiter ‚reingelassen hat. An dieser Stelle mal ein riesiges Lob an unsere Ayi, dass sie da so gut reagiert hat. (Und ja, natürlich habe ich ihr das auch selbst noch mal persönlich gesagt.)

Anfangs erwähnte Dame vom Hausmeisterservice vermutete, dass eine Immobilienfirma spitz gekriegt hat, dass wir ausziehen und einfach mal wem die Wohnung zeigen wollte. Mittlerweile war es Abend, ich brachte gerade Felix ins Bett und kriegte leichten Puls. Weil, äh, Moment…? Spricht man sowas nicht normalerweise ab, wenn da noch jemand wohnt…? Und vor allem: Warum hat irgendjemand anscheinend noch einen Schlüssel zu unserer Wohnung…?

Während meine Gedanken (leicht hysterische) Purzelbäume schlugen, schrieb sie mir, dass solche Termine selbstverständlich im Voraus abgesprochen werden und sie außerdem gerne das Schloss austauschen würden. Denn das wäre definitiv nicht in ihrem Sinne und auch nicht der des Landlords.

Einen Tag später kam jemand vorbei, der das Schloss austauschte und ich atmete hörbar auf.

Letzte Woche fanden dann übrigens drei Wohnungsbesichtigungen statt, die im Vorfeld sehr höflich und mit angemessenem zeitlichen Vorlauf angefragt wurden, schnell gingen und allesamt sehr angenehm waren. Lustiges Detail: Es waren alles Deutsche. Anscheinend haben wir unser Land würdig vertreten, hihi. ;)

Viele Grüße aus Shanghai,
Mareike

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2 Gedanken zu “Anekdote #81: Ein neues Schloss

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