Anekdote #76: Kommen Sie, gucken Sie!

Dies ist eine dieser Geschichten, die ich immer schon mal aufschreiben wollte, aber nie tat. Weil ich auch noch mal ein Foto machen wollte und überhaupt. Nun habe ich immer noch kein Foto gemacht und werde das wohl auch nicht mehr tun. Weil ich das irgendwie eh nicht hinbekomme, wie ich es haben möchte und außerdem habe ich immer noch Hemmungen, dass man da Leute drauf erkenne kann. Deswegen gibt’s den Text nun einfach so. Man muss auch mal Fünfe gerade sein lassen können. ;)

Vor diversen Compound-Einfahrten – und dann besonders oft vor Ampeln – stehen meistens Leute. Diese tragen einen Anzug und stehen bei Wind, Wetter und Luft da. Wobei, naja, meistens nur bei halbwegs gutem Wetter.

Sie tragen große Pappschilder in der Hand, auf die jemand Zettel draufgeklebt hat. Dabei handelt es sich um schlechte Kopien. Wisst ihr, wie das aussieht, wenn man von einem Fax eine Kopie macht und diese dann noch mal kopiert und dann auch noch der Toner zur Neige geht? So ungefähr sieht das aus. Und weil man die Autofahrer ja auf seine Mitteilungen aufmerksam machen möchte, aber nur einen A4-Drucker hat, stückelt man die dann so zusammen, dass man mehrere Blätter auf einem Karton unterbekommt. Das muss aber nun nicht perfekt aussehen, so sind diese Zettel oft versetzt und man sieht Lücken dazwischen hervorblitzen und guter Kleber wird auch oft überbewertet.

Weil ihnen ihr Anliegen auch wirklich wichtig ist, springen sie auch gerne mal zu an der Ampel wartenden Autos und versuchen einem, wortreich Dinge durch die Scheibe zu erklären oder wenn die Fenster einen Spalt geöffnet sind, dann schieben sie ihre Kopien der Kopien mit dem wenigen Toner auch schon mal da durch. Dass die Drucke so blass sind KÖNNTE man natürlich auch auf Energiespardruck schieben.

Wenn diese Leute richtig übermütig sind, versuchen sie auch schon mal die Tür zu öffnen. Wenn man bei uns aus dem Haupteingang des Compounds herauskommt, drücken sie einem auch mal diese Zettel in die Hand oder versuchen, einen vollzuquatschen. Wobei das als Expat meistens noch ganz erträglich ist, da wird man ganz gut in Ruhe gelassen.

Nun die Preisfrage: Was machen diese Leute da und worum geht es?

Anfangs dachte ich, das sind vielleicht Demonstranten, die auf ihr besonders wichtiges Anliegen aufmerksam machen möchten. Nach einer Weile checkte ich dann aber, worum es geht. Das sind nämlich Makler. Beziehungsweise schätzungsweise die Praktikanten, die sowas anstatt Kaffee zu kochen tun. Die verkaufen Wohnungen! WOHNUNGEN! Manchmal geht es auch um Vermietung, normalerweise aber tatsächlich um den Verkauf.

Also ich will ja hier keine konkreten Zahlen nennen, aber alleine das Mieten so einer Wohnung hier ist unfassbar teuer. Das Kaufen kostet hier ein paar Milliönchen. Wer denkt sich denn, och, da hat mir wer an der Ampel ein schlecht kopiertes und knitteriges Blatt ins Fenster geschoben – na dem kaufe ich doch gleich mal ne Wohnung ab?

Offensichtlich scheint diese Methode ja zu funktionieren, sonst würde das ja keiner so machen.

Viele Grüße aus Shanghai,
Mareike

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