Anekdote #74: Gewissenhaft

Mein Mann und ich führten einen Tag vor dem Umzug noch folgenden Dialog:
„Meinst du, wir sollten die Spülmaschine auch besser markieren?“ *kicher* – „Ach, nee, da räumt keiner was raus?“ – „Bist du dir sicher?“ – „Klar!“ und dann abschätzig: „Also bitte, wer räumt denn dreckige Sachen aus der Spülmaschine in Umzugskartons?“.

Tja.

Ich weiß nicht, wie es dazu kommen konnte, dass ich da nicht noch mal „Haha, ja, voll die absurde Idee. Aber markiere die trotzdem bitte!“ sagte. Wahrscheinlich, weil das rote Klebeband, dass wir für diesen Zweck gekauft hatten, zur Neige ging.

Dabei sollte man doch denken, ich sei nach dem letzten Umzusgerlebnis ein gebranntes Kind und außerdem habe ich den „Witz“, dass jemand beim Umzug volle Mülleimer beziehungsweise volle Mülltüten mitnahm, schon zu oft aus erster Hand gehört.

Aber wie gesagt: Tja.

Morgens dachte ich noch, ich stelle die Spülmaschine sicherheitshalber mal an, auch wenn da nur ein paar Sachen drin sind. Man weiß ja nie. Und Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. (In diesem Zusammenhang noch mal ein kleiner Gag im Gag.) Irgendwie tat ich es dann aber doch nicht.

Tja…

Ich schätze, ihr ahnt, worauf es hinausläuft, ja?

Die Umzusgsleute waren unglaublich professionell und irgendwann stand ich auch nicht mehr die ganze Zeit am Kücheneingang, weil ich mir blöd vorkam. Denn der machte alles prima und legte zwischen alle Teller eine Lage Papier und so weiter. Also sah ich nur ab und zu bei ihm vorbei.

Bei einer Kontrolle stellten wir dann fest, dass die Spülmaschine leer war. Und seufzten.

Wir sprachen die Koordinatorin drauf an und sie fragte den Umzugstypen. Der meinte aber, das Zeug da drin wäre sauber gewesen.

Punkt eins: Ich hoffe, die ganze Zeit, er hatte Recht. Es waren ja nur wenige Sachen drin und ich bin mir relativ sicher, dass mindestens eine Müslischale dabei war. Allerdings bin ich mir genauso sicher, dass ich die vorher ausgespült habe. Denn das kann sich vom Geruch her ja schon gut entwickeln. Immerhin sind es keine 30 bis 40 Grad mehr.

Also rede ich mir das schön und bin einfach mal optimistisch, dass alles nicht so schlimm ist.

Weil, ne…? Was anderes bleibt mir ja auch nicht übrig.

Punkt zwei: Gestern stellte ich dann fest, dass da doch Dinge drin waren, die wir eigentlich bewusst hierbehalten wollte. Mein Mann und ich verwenden „Erwachsenen-Teller“ aus Porzellan und das Kind meistens einen bunten aus Plastik oder Melamin. Zwei große und zwei kleine Teller pro Tag hätten also theoretisch reichen können. Aber von Hand spülen ist auch blöd, also vier. Außerdem kommen meine Eltern noch mal.

Dummerweise war aber einer der großen Teller in der Spülmaschine. Gnaaaah. Also leihen wir uns dann während des Besuchszeit einen aus.

Und also ob das nicht reichen würde, hier noch Punkt drei: Als ich gestern die Spülmaschine befüllen wollte, fiel mir auf, dass was fehlte. Den Tag davor war mir schon am Rande aufgefallen, dass noch etwas nicht stimmte, aber das war nur ein flüchtiger, nicht greifbarere Gedanke.

Der Umzusgtyp war leider ganz gewissenhaft und hat wirklich alles aus der Spülmaschine eingepackt und deswegen haben wir da jetzt auch keinen Besteckkorb mehr.

Tja.

Es gibt zwar eigentlich ALLES auf Taobao, auch, was es nicht gibt, aber: Gnaaaaah.

Viele Grüße aus Shanghai,
Mareike

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Ein Gedanke zu “Anekdote #74: Gewissenhaft

  1. Ich fühle mit dir! Als ich den Beitrag gelesen hab da kam alles von unserem Umzug wieder hoch und ich hab vor lauter Ärger Herzrasen bekommen. 🙈
    Scheinbar muss man den Packern wirklich permanent über die Schulter schauen. Aber wie soll man das machen? Am besten in jedem Zimmer einen Aufpasser hinstellen. Aber dann kommt man sich ja auch blöd vor.. Oder einfach echt ALLES markieren…

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