Ein paar Worte (und Bilder) zum Seefracht-Disaster

Über die Ankunft der Seefracht habe ich nicht ausführlich gebloggt. Ich dachte, ich hätte mal was begonnen, kann das aber nicht finden. „Damals“ hatte ich noch nicht so viele Follower auf Twitter (also nicht, dass ich jetzt viele hätte – aber ihr wisst schon…), doch die habe ich live an meiner Verzweiflung teilhaben lassen. Leider kriege ich die entsprechenden Tweets nicht mehr angezeigt, dafür sind die Bilder recht leicht zu finden.

Fangen wir mit was Lustigem an, was ich einige Tage später zeigte:

Zur Erklärung: Das ist eine Halloween-Maske und quasi der Kopfteil eines Morphsuits!

Das war vom ersten Umzugstag. Da wurden die Möbel und Kisten noch größtenteils ‚reingetragen und alles stand voller Zeug. Nur in der Küche begann jemand, schon mal auszuräumen. Abends knipste ich dieses Foto und fand das noch äußerst amüsant. Da wusste ich ja noch nicht, dass das so bleiben würde.

Die Schränke waren übrigens „voll“, sagte der Typ. Vom Inhalt habe ich nun kein Foto, aber das war so lächerlich, da wusste ich auch nicht mehr, was ich da sagen sollte. Da standen ungelogen ein Teller und zwei Gläser im Regal und dann passte da nichts mehr ‚rein. Ich wünschte, ich würde übertreiben. Stattdessen war es offensichtlich wesentlich leichter, alles auf große Stapel zu balancieren.

Schön war übrigens auch, dass er (extra einzeln in Luftpolsterfolie eingepackte!) scharfe Küchenmesser, Sparschäler und sondergleichen auspackte und mit anderem Zeug wie Pfannenwendern in eine viel zu tiefe große Schublade warf. Als ich das erste Mal da ‚reingriff, waren meine Worte alles andere als jugendfrei. Ich bin eigentlich gar nicht so der nachtragende Typ, aber ich habe große Teile des Zeugs einfach so da drin gelassen. Und hoffe, dass derselbe Typ das wieder ausräumen muss und sich da die Finger aufschlitzt.

Dazu muss man sagen, dass die Umzugsleute das ganze Zeug aus den Kartons räumen mussten. Aus Versicherungsgründen. Da wirklich sehr viel kaputt ging oder beschädigt wurde, war das sehr frustrierend. Hier mal ein kleiner Auszug, was die Möbel betrifft:

Zwar haben wir was erstattet bekommen, aber wir bekamen nur die kaputten Dinge ersetzt. Für die beschädigten Sachen bekamen wir 25 Prozent des Anschaffungswertes. Dass die Möbel dennoch sehr abgewertet wurden und das nur ein schwacher Trost war, brauche ich euch wahrscheinlich nicht zu sagen.

Komplett zerstört wurde zum Beispiel ein Nachttisch und unser Couchtisch. Jetzt hatten wir Glück, dass der Nachttisch noch recht neu war und von Ikea und Ikea China den da hatte. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich, denn erstens gibt es die Produkte ja auch nicht für ewig und zweitens haben die beiden Länder teilweise ein anderes Sortiment. Ich frage mich, was gewesen wäre, wenn es den nicht mehr gegeben hätte? Es wäre ja schon nett, wenn beide Nachttische zusammen passen, ne? Naja. (Dem Couchtisch weinte ich glücklicherweise keine Träne hinterher. Allerdings mag ich unseren neuen sehr, hoffentlich übersteht der den Rücktransport.)

Dazu gingen viele kleine Dinge kaputt, weswegen ich teilweise sehr traurig war. Vieles bekommt man einfach nicht mehr und wenn ich zum Beispiel passende Salatschüsseln habe und eine ist hinüber, dann ist das blöd. Egal, ob die eigentlich kaum was gekostet hat, da geht es ja auch um den ideellen Wert.

Unsere Klamotten wurde in Düsseldorf in ordentlichen Stapeln in Kartons gepackt und ich erwartetet selbstverständlich NICHT, dass die Möbelpacker mir da einen Pinterest-liken Kleiderschrank einräumen und alles thematisch sortieren und immer genau wissen, was meinem Mann gehört und was mir. Allerdings fand ich es nicht zu viel verlangt, diese Stapel aus den Kisten raus und einfach in die Schränke rein zu verfrachten. Stattdessen haben sie einfach alles wild ineinander verknüllt und in den Schrank gestopft.

(Das obere Regelbrett, was man so gerade noch erkennt, beinhaltete Sachen, die ich im Koffer dabei hatte. Deswegen sind die gefaltet.)

Meiner Meinung nach sind die Fotos zwar schon schlimm genug, bilden aber nicht das ganze Grauen ab. Man muss sich das so vorstellen, dass wir die Kartons zwar auch nicht selbst packen durften, aber die schon ganz sinnvoll gefüllt waren. Das hätte man relativ einfach auspacken können. Stattdessen haben die im Prinzip alles ausgekippt.

Dazu kamen, dass die sich unmöglich benommen haben. Selbst der Supervisor hat irgendwann aufgegeben und einfach nur noch alle Schäden dokumentiert. Als er in meinem Beisein vorher noch mal alle nach und nach zusammentrommelte und ein ernstes Wörtchen mit denen redete, wurde ich von den Leuten sehr böse angeguckt und beleidigt. Mein Chinesisch mag zwar schwach sein, aber allein von der abschätzigen Aussprache her war mehr als offensichtlich, dass ich besser nicht wusste, was das konkret bedeutete.

Außerdem haben die zum Beispiel so Sachen gebracht wie einen alten Karton als Mülleimer mitten im Flur aufzustellen und dann immer mal wieder drumherum zu stehen und da ‚reinzusetzen. Dazu muss man sagen,d ass die dabei auch gerne mal von ganz tief unten und dann die Fäden mit den Fingern… Und dann meine Sachen weiter einräumen. Da wird mir immer noch schlecht, wenn ich dran denke.

Damals hatte ich die meisten Tweets als Gedankenstütze für diesen Blogpost kopiert und präsentiere ich die hiermit als Zitate (teilweise waren das mehrere Tweets hintereinander, die habe ich zusammengefasst):

  • Ich kann unser Besteck bisher nicht entdecken, genauso die ganzen Pfannenwender und so. Das wäre blöd. Wenigstens sind Pfannenwender, Schöpfkelle und Schneebesen der Kinderküche da. Im Zweifelsfall nehm ich die. ;)
  • Die Klamotten, die ich bisher inspiziert habe, riechen alle ganz normal und ich muss nicht alles durchwaschen. Hurra!
  • Endlich wieder Handtücher zur Auswahl und nicht diese Dauerrotation der selben paar Stück!
  • Wir stellen gerade fest, dass die Küchenschränke bereits eingeräumt sind. Zwar sehr sinnfrei und großzügig, aber tja.
  • Fun fact: Die Unterschränke in der Küche sind übrigens zu mindestens 90% leer. #kannstedirnichtausdenken
  • Als ich gerade sehr schwer seufzte, weil eine schöne Schale kaputt ist, zeigte man mir, dass auch ein hässliche kaputt ging. #fair #najafast
  • Ich habe mit meinem Mann telefoniert und meine Stimme hat sich nur noch überschlagen. Aber jetzt geht’s wieder. #einatmen #ausatmen
  • Ich KANN das ganze Zeug nicht selbst einräumen, ich hab immer noch ne frische OP-Narbe. Dann bleibt das halt so.
  • Meine Eltern sollen das übernächste Woche nicht machen, mein Mann soll sich dafür nicht frei nehmen und… Nein, ich rege mich nicht auf! Ich bin ganz Zen. Sollen die die Scheiße erstmal auspacken und im Zweifelsfall muss halt morgen oder die Tage noch mal wer kommen. So.
  • Momentan räumen die nämlich nur munter das Zeug aus und es sieht aus wie auf dem Küchen-Foto von gestern. Sagt der Typ „Das ist aber nicht unsere Aufgabe.“ – Ich so „Äh, das haben wir aber so zugesagt bekommen?!?“. Und jetzt telefoniert mein Mann mit der Firma.
  • Ich bräuchte sehr dringend einen Schnaps.
  • Unser Ansprechpartner von dem deutschen Umzugsunternehmen klemmt sich jetzt dahinter und war etwas geschockt von den Bildern, die ich ihm geschickt habe.
  • Nein, natürlich braucht man eine Tischplatte nicht anschrauben. Wenn sich mein Kind daran abgestützt hätte, ne? Ok, JETZT bin ich pissig. Safety first!
  • Wenigstens sieht das so, wie wir das im Wohnzimmer geplant haben, gut aus.
  • Ich habe aufgegeben. Sollen die die Sachen irgendwo unterbringen. Ich kann nicht mehr. Wie soll ich das bitte machen?
  • Ich hatte bis zuletzt gehofft, jemand würde „Verstehen Sie Spaß?“ oder „You got punk’d!“ rufen. Tja.
  • Äh, also die Liste der kaputten Gegenstände ist aber langsam etwas lang für meinen Geschmack.
  • Für fünf Monate hatte ich jetzt ein schönes Bowle-Set.
  • (Einen Tag später.) Wir haben uns gestern entschieden, das lieber nach und nach selber mit der Haushaltshilfe zusammen einzuräumen. Sonst flippen wir aus. Zumindest die Küche und die Klamotten. Und der Rest muss halt warten und nach und nach passieren.
  • Und weil ich ja eigentlich eine Rheinische Frohnatur bin, habe ich am Ende des Tages wenigstens Folgendes geschrieben: „Ich sitze auf MEINEM Sofa!!! #hach“

Schätzungsweise könnte ich noch stundenlang weiter über den äußerst unglücklichen Lauf schreiben, den wir da erwischt haben. Aber nun ja. Bleibt zu hoffe, dass es auf dem Rückweg alles gut läuft! „Think pink!“ und so. :)

Viele Grüße aus Shanghai,
Mareike

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2 Gedanken zu “Ein paar Worte (und Bilder) zum Seefracht-Disaster

  1. Oh, das macht mir ja Mut für unseren anstehenden Auslandsumzug! Allerdings gibt es keine Seefracht und es packen wahrscheinlich die gleichen Leute aus wie ein… hoffentlich erinnern die sich!

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