Anekdote #69: Paket oder Päckchen?

Meine Erfahrungen mit der Post sind hier eher gering und beschränken sich normalerweise darauf, dass ich ab und zu zum Briefkasten gehe, da meistens nicht drin ist und dann immer gleich diverse Briefe auf einmal. Liebster Postbote ich schrieb das schon mehrfach, aber: Wenn du keinen Bock hast, dann such dir doch mal einen weniger offensichtlicheren Weg.

Im Briefkasten befinden sich normalerweise Rechnungen und ganz selten mal ein persönlicher Brief. Außerdem bekommen wir viel Pakete, weil wir jede Menge Zeug online bestellen.

In die Verlegenheit, selbst was zu verschicken, kam ich bisher aber nicht. Wenn es mal eine Retour gab, kam meistens ein Bote, um das wieder abzuholen. Und als wir einmal Postkarten verschickten, als Besuch da war, gaben wir die einfach dem Fahrer, damit der sich darum kümmert.

Jetzt kam ich die Tage aber mal in die Verlegenheit, selbst was verschicken zu wollen, Hier gibt’s halt diverse Kurierdienste, der bekannteste heißt wohl „Kuaidi“ oder so, damit verschicken die meisten in den Verkaufsgruppen hier. Da kann man wohl anrufen und es kommt wer vorbei.

Man kann aber auch was am Empfang unten abgeben und das über die abwickeln. Das war mir lieber und das sollte ganz einfach sein. Hatte ich gehört. (An dieser Stelle kann man jetzt schon ahnen, dass es einen Haken gab!) War es allerdings tatsächlich auch, zumindest relativ.

Ich setzte also mein charmantestes Lächeln auf und ging zu der Rezeptzionistin, die mich eigentlich nicht besonders mag, deutete auf mein Paket und sie kramte direkt einen Auftragsblock aus der Schublade heraus, auf den ich die Daten notieren sollte. Begann schon mal prima, denn der Stift, den ich zu solchen Zwecken in meine Tasche mitführe, war ausgelaufen und ich saute erstmal alles voll. Also wirklich alles. ALLES! Mit so einer Tinte, die man kaum wieder abgewaschen bekommt. 

Während ich diese Sauerei und das zweisprachige (wie cool ist das denn?!) Formular händelte, nuschelte sie in ihr Telefon und forderte wohl wen an. Dann sprang sie auf und rannte nach draußen, um den abzufangen, weil der anscheinend vor der Hintertür stand. Ich war perplex, denn dazu muss man sagen, dass sie mich sonst oft ignoriert, egal, wie nett ich grüße und hierbei echt Einsatz zeigte.

Der Typ kam also an, war echt nett, wir verständigten uns mit Händen und Füßen und er konnte sogar die englische Adresse lesen. Das freute mich sehr, denn ich kann einfach nicht mal eben die Schriftzeichen abmalen und frage immer ungern andere danach. Weil auch die Chinesen bei den Adressen gefühlte Jahre schreiben. Ach ja, und vorbereiten konnte ich das auch nicht, weil unser Drucker kaputt war.

Der ganze Akt dauerte vielleicht fünf  Minuten, das Paket kam schnell und komplett an, es war nicht teuer – also hielt ich mich natürlich fortan für die Paketverschickerin von Welt und war super zuversichtlich, als ich heute Mittag noch mal was entsenden wollte.

Wieder charmant lächelnd traf ich dieses Mal auf die Empfangsdame, die mich bisher augenscheinlich mehr mochte. Die war aber außerordentlich muffig und kramte lustlos einen Auftragsblock heraus. Und zwar extra einen von einer anderen Firma als letztes Mal. Ich nahm an, dass es daran lag, dass das Paket größer und schwerer war als das andere.

Es gab tausende Ausfüllmöglichkeiten, doch und ich musste nur die Adressen und Telefonnummern eintragen. Da ich die des Empfängers nur auf Chinesisch hatte, reichte ich ihr mein Handy und bat sie, das für mich auszufüllen. Ganz charmant, wie ich nun mal bin. Sie rollte mit den Augen und schrieb die Adresse aber auf. Ich fragte sie per App, wie lange das ungefähr dauern würde, bis das ankäme und sie sah sichtlich genervt hin und antwortet nur mit einem 1a „Woche soll ich das denn wissen? Und überhaupt, war belästigst du mich mit sowas?*“-Blick: „I don’t know!“. (*Nun ja… Weil das zu deinem Job gehört, du Trulla. Und ich bin echt nett zu dir!) 

Vorher hatte sie auch wild telefoniert und dann… Warteten wir. Ich stand also am Tresen herum und wartete und wartete und… wartete. Es kam aber keiner und ich hatte eigentlich noch dringend was zu erledigen und musste aber genauso dringend dieses Paket verschicken und… Tja.

Ich tippte auf meinem Handy herum. Sie ignorierte mich eh und tat dasselbe auf ihrem.

Irgendwann, so etwa zehn Minuten später, nahm ich noch mal meinen Mut zusammen und ließ die App sowas wie „Kommt jemand?“ und „Kann ich Ihnen das Geld geben?“ übersetzen. Die Situation war mir unangenehm, weil wir uns ansonsten anschwiegen und dauernd allerlei Leute vorbeikamen. Bewohner. Ayis. Angestellte. Lieferanten. Makler. Sherpas (diejenigen, die von den Restaurants das Essen bringen). Nur der Paketbote nicht.

Irgendwann kam – wohl zufällig – der Typ von dem anderen Paketdienst von letzter Woche um die Ecke und sie hielt ihn an. Wir füllten also noch mal ein Formular für ihn aus und er notierte sich die Adresse dieses Mal selbst. Komischerweise war das Paket nun günstiger als das letzte Mal, obwohl es größer und schwerer war. Ich vermute, dass es vielleicht was mit der Entfernung beziehungsweise dem Bezirk zu tun hat, aber eigentlich ist es mir auch egal. Ich sollte 12 RMB zahlen (das andere Mal waren es 18). 12 RMB sind gerade mal knapp 1,60 und damit echt günstig.

Dummerweise hatte ich  aber kaum noch Kleingeld dabei und hatte gerade noch sieben oder einen Hunderter. Letzteren konnte er jedoch nicht wechseln. Ich erwäge kurz, nach oben zu fahren, um das zu holen (wir haben ein Döschen mit Kleingeld am Eingang stehen), aber ich hatte Sorge, dass er dann zwischendurch los muss und außerdem hätte das einfach ewig gedauert.

Glücklicherweise habe ich zwar (aus Gründen) kein Alipay, aber ein WeChat Wallet, das bedeutet, man kann mit dem Handy bezahlen und das geht ganz unkompliziert. Und er hatte das auch. Hurra!

Der ganze Vorgang hat mit mit allem Pipapo geschlagene 35 Minuten gedauert. Da denkt man sich „Hey, voll super, man muss nicht stundenlang an der Postfiliale in der Schlange warten, so wie man das aus Deutschland gewohnt ist und kann einfach bequem zur Rezeption im Erdgeschoss gehen“ – und dann steht man sich da die Beine in den Bauch.

Das wäre ja auch zu einfach gewesen. ;)

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2 Gedanken zu “Anekdote #69: Paket oder Päckchen?

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