2016/07/23: München

Kurz bevor ich gestern ins Bett ging (Zeitverschiebung!), las ich von einer Schießerei in einem Münchener Einkaufszentrum. Das war da aber noch ganz am Anfang und es gab kaum Informationen. Ich habe nicht weiter drüber nachgedacht.

Als ich heute morgen aufwachte, war das Thema allgegenwärtig. „Ich möchte den Facebook Safety Check niemals nutzen und auch nie checken müssen!“ habe ich noch gehofft, als der kürzlich gelauncht wurde. Auch, wenn ich das Konzept dahinter super finde. Tja, soviel dazu. Ich freue mich dennoch sehr, dass Einige den verwendet haben und angeklickt haben, dass es ihnen gut geht. Bisher ist allen in München lebenden, die mir einfielen, nichts passiert und ich hoffe sehr (SEHR!), das ändert sich auch nicht.

Ich bin echt froh, dass ich gestern dann doch so schnell eingeschlafen bin und nicht die halbe Nacht gebannt am Smartphone hing.

Nach der Erleichterung kam allerdings die Wut. Wenn irgendeiner der Meinung ist, meine Familie oder Freunde umbringen oder absichtlich verletzen zu müssen, ist mir das Motiv dahinter scheißegal. Dann hasse ich den so oder so.

Der Täter ist nach bisherigem Kenntnisstand ein durchgeknallter Irrer. Was er übrigens sowieso, völlig unabhängig vom Motiv ist. Denn keiner, der sich eine Pistole schnappt und einfach harmlose Passanten in einem Einkaufszentrum erschießt, kann noch alle Tassen im Schrank haben. Egal, ob er dabei religiöse Parolen brüllt oder nicht.

Ich finde es einfach ekelhaft, dass Leute eine solche Tragödie direkt für ihr braunes Gedankengut nutzen. Schämt euch! Als letzte Woche der Verrückte mit der Axt im Zug herumlief, forderte ein Minister direkt, den Flüchtlingsstrom deswegen zu bremsen. Ja klar. Und außerdem verbieten wir Äxte. Und Züge. Wenn keiner Zug gefahren wäre, wäre das so nicht passiert.

Nur weil der Typ anscheinend iranische Gene in sich trug und deswegen eine leicht dunkle Hautfarbe hatte, war es also gleich ein terroristischer Anschlag? Ach so. Bei komplett weißen Tätern waren es ja immer die Computerspiele. Ich will ja kein Korinthenkacker sein, aber: Das war anscheinend ein Amoklauf. Was es nicht weniger schlimm macht.

Lange Rede, kurzer Sinn: Allen, die jemanden verloren haben, drücke ich hiermit mein herzliches Beileid aus. Allen, die verletzt sind, wünsche ich gute Besserung. Allen, die „nur“ zusehen mussten, wünsche ich eine baldige und gute Verarbeitung dessen. Allen, die eine objektive Berichterstattung gewährleistet haben, danke ich herzlich. Allen, die gestern mitgefiebert haben, möchte ich sagen: Ich versteh euch so gut. Und allen, die nichts Besseres zu tun haben, als so ein Ereignis sofort für ihre rechte Propagandascheiße zu nutzen, zeige ich den Vogel. Das ist übrigens noch milde ausgedrückt.

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