Anekdote #63: Alles im Lack

Ich wäre nicht ich, wenn ich mich ab und zu total aufregen würde. (So viel zum Fazit meines letzten Posts. Haha.). Und ich habe euch noch gar nicht die Story erzählt, was mir auf dem Flug nach Deutschland abgenommen wurde. Das habe ich nur mal grob als Notiz festgehalten.

Wir waren rechtzeitig am Flughafen in Shanghai angekommen und erstaunlich gut in der Zeit. Wenn man die Koffer aufgibt, werden die erst durch so ein Röntgengerät (oder sowas) geleitet, bevor die aufs Band fahren. Koffer eins geht also durch und ich zeige dem aufgeregten Felix, wie der weiter aufs Gepäckband transportiert wird, Koffer zwei geht durch, Koffer drei geht… ‚rein… und… braucht ’ne gefühlte Ewigkeit. Irgendwann leuchtet dann eine Signallampe auf. Rot. Äh… Was ist denn da los?

Der Koffer wird erst noch mal zurückgenommen und Pascal muss mit einem Sicherheitsbeamten mitkommen und verschwindet in einem abgetrennten Zimmer. Mir wird erstmal heiß und kalt und ich stehe da verdattert mit Felix auf dem Koffertrolley und überlege fieberhaft, was denn da bloß drin ein könnte und was überhaupt da drin ist.

Mir fällt nichts Schlimmes ein und ich sehe unseren wunderbaren Zeitplan verpuffen und überhaupt, unsere ganze Reise. Ich tendiere da ein klitzekleines bisschen zum Drama, auch wenn ich in dem Moment weiß, dass das albern ist. Oder es zumindest hoffe.

Pascal braucht eine gefühlte Stunde da drin, auch wenn es tatsächlich nicht mal fünf Minuten sind und ich komme mir total fehl am Platz vor. Sollen wir jetzt woanders hin oder da stehen bleiben…? Wir sind ja noch nicht fertig mit dem Einchecken und überhaupt, vielleicht kriege ich ja Ärger, wenn ich jetzt weggehe, weil ich jetzt gesucht werde und, äh, wie gesagt, ein leichter Hang zur Dramatik ist durchaus vorhanden. Felix will zu Papa, aber glücklicherweise haben wir vorher mehrfach das Pixibuch „Ich habe einen Freund, der ist Pilot“ gelesen und wir können uns ausführlich über das Koffertransportsystem unterhalten.

Mein Mann kommt endlich wieder, rollt ein bisschen mit den Augen und zeigt Richtung Schalter. Wir können weitermachen. Uff.

„Was war denn los…?“ frage ich ihn. Der Beamte hat wohl sehr zielsicher in meinen Kulturbeutel gegriffen und dann meinen Nagellack entfernt. „Warum denn ausgerechnet den Nagellack?“ frage ich entgeistert und schnaube. Erstens habe ich den schon mehrfach mitgenommen und zweitens ist der ja schließlich im aufgegebenen Koffer und nicht im Handgepäck. Und drittens habe ich lauter Lacke von „p2″ und „essence“ und wie die alle heißen und vier „teure“ Nagellacke: 2x „essie“, 1x „Sally Hansen“ und ein Nagelaufbaulack einer anderen Firma. Ratet, welche ich mitgenommen habe? Tja, ich habe jetzt nur noch drei teure Nagellacke und keinen Aufbaulack mehr. Grrrrr!

Ich wurde für die Formulierung „teure Nagellacke“ übrigens im Real Life schon ausgelacht, weil das ja nun wirklich keine Luxusmarken seien. Püh! Die haben zusammen (mit Versand innerhalb Deutschlands, weil mir die wer mitgebracht hat) über 30 Euro gekostet! Das ist echt viel Geld für zwei blöde Lacke! Und die waren beide noch so gut wie voll! Und schön! Und überhaupt!

Außerdem hat mir die ja schließlich auch wer mitgebracht und den einen hatte ich Weihnachten schon mal mit?

Auch, wenn es eigentlich eine Kleinigkeit ist, habe ich mich fürchterlich geärgert, mir in Deutschland neuen – günstigeren – gekauft und den nun bei meinen Eltern zwischengelagert. Dann benutze ich ihn halt nächstes Jahr weiter. Mitnehmen habe ich nämlich nicht getraut und es ist ja nicht so, als hätte ich hier nicht noch anderen. Ebenfalls importierten, denn sowas gibt’s hier ja nicht günstig und dennoch qualitativ gut.

Aber hilft ja alles nix. Dann muss ich den anderen halt mal aufbrauchen oder ganz Expat-Tussi-like immer ins Nagelstudio. ;)

Viele Grüße aus Shanghai,
Mareike

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4 Gedanken zu “Anekdote #63: Alles im Lack

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