A never ending Story: Eine neue Ayi. Schon wieder.

Treue Leser wissen, dass wir gefühlt (und tatsächlich) alle Nase lang eine neue Ayi haben und wollen immer mal wieder wissen, wie das denn nun alles war beziehungsweise ist. Ich versuche nun, alles so komprimiert wie möglich niederzuschreiben. Achtung, es wird seeeeehr lang und frustrierend.

Einige Details weiß ich schon gar nicht mehr so genau. Es ist eine never endig Story, die sich nun schon anderthalb Jahre hinzieht. Und es macht mich wahnsinnig. Dabei bin ich gar nicht mal perfektionistisch, was den Haushalt angeht, sondern nachsichtig und dazu noch eine gute Arbeitgeberin.

Aber der Reihe nach.

Als wir beim „Look and See“-Trip hier waren, trafen wir eine Kollegin von Pascal und die erzählte, ihre Ayi käme an jedem Werktag für mehrere Stunden und es wäre so schade, dass sie nur ab und zu anstatt regelmäßig am Wochenende da wäre. Hier würde es immer so schnell schmutzig, das wäre ganz anders als in Deutschland.

Ich lächelte höflich während ich innerlich amüsiert lächelte und dachte mir, naja, ich bin schließlich nicht pingelig, was soll’s. Und außerdem war deren Ayi auch für die Kinderbetreuung zuständig und mit Kleinkind und Baby ist das ja noch mal was anderes, als wenn man nur fürs Putzen bezahlt wird.

Süß, wie naiv ich da noch war.

In Deutschland hatte ich auch schon eine Putzfrau, die kam ein Mal die Woche für drei Stunden und danach war die ganze Wohnung blitzblank UND sie bügelte sogar noch. Mir war schon klar, dass die besonders effizient ist und in Deutschland arbeitet. Sowas ist in China nun mal ne andere Nummer, da dauert sowas einfach länger. (Sorry, aber isso, das sagen die Chinesen selber und Ayis arbeiten übrigens angeblich auch lieber für Expats, weil die besser bezahlen und oft nicht so krass sind. Aber da steht auf einem anderen Blatt.)

Dazu ist es hier meiner Meinung nach schlicht und ergreifend schneller dreckig. Staub ist hier anders als in Deutschland und ich finde, der ist… Tja… Dichter und öliger? Die Luftverschmutzung ist nicht wegzudiskutieren. Durch die nicht allzu dichten Fenster kommt also auch Smog durch. Dazu läuft an den meisten Tagen die Klimaanlage. Im Sommer, weil es sonst sehr warm ist und im Winter, weil damit geheizt wird. Die verteilt den Staub noch mal großzügiger als ein gelegentlicher Luftzug oder ein Heizköper.

Ich dachte mir so, die ersten Tage schaffen wir das auch erstmal ohne Ayi. Wir hatten ja erstmal nur eine spärlich möblierte Wohnung und ein paar Koffer, da würde ich nicht sofort eine Reinigungskraft brauchen. Das war aber schon mal die erste falsche Annahme.

Als wir hier ankamen, war die Bude schmutzig. Das war nicht schön. Seit unserer Besichtigung von vor sechs Wochen hatte keiner mehr durchgewischt und es lag überall ein fieser Staubfilm. Eigentlich hätte man sich das ja denken können, wir aber nicht. Denn wir hatten die Wohnung bis zum Eintreffen unserer Wohnung eigentlich als möbliertes „Service Appartement“ gemietet, in dem normalerweise auch eine Reinigung gehört. „Normalerweise“ heißt aber nicht, dass man sich darauf verlassen kann, auch wenn das vorher schriftlich festgehakten wurde.

Wir beschwerten uns also und kauften zusätzlich zu dem ganzen anderen Kram, den wir am ersten Tag brauchten (Handtücher. Bettwäsche. Besteck. Geschirr. War ja alles da. Nicht. Grrrr! Doch auch das ist eine andere Geschichte.) Putzmittel und Lappen und so Zeug. 

Am nächsten Tag schickte man uns eine Ayi vom Management, die alle Möbel ab- und ansonsten alles durchwischte. Das Badezimmer ignorierte sie weitestgehend. Dort wedelte sie einmal über die Verkleidung rund ums Waschbecken, moppte den Boden und das war’s. Diese Vorgehensweise deckte sich nicht mit meiner (beziehungsweise unserer) Vorstellung von „putzen“ und wir waren ein bisschen ratlos. Da sie aber am nächsten Tag wiederkommen sollte, dachten wir, naja, vielleicht macht sie das ja morgen und die Zeit hat nicht gereicht. Also theoretisch hätte sie schon gereicht, aber nicht in ihrem Tempo. Und diesbezüglich waren wir vorgewarnt worden.

Am nächsten Tag kam noch mal jemand, aber eine andere und auch erst, nachdem wir noch mal nachhakten. Und auch sie putzte wieder alles, außer dem Badezimmer. Tja. Äh…?

Wir überlegten, ob man das vielleicht extra buchen müsse und waren weiterhin verwirrt. Nach einem Gespräch mit der Kontaktperson widmete sie sich nun also auch den gekachelten Räumen, allerdings nicht mal ansatzweise so hingebungsvoll wie dem Sideboard und den sonstigen Wohnzimmermöbeln. Ich meine, ja, ich putze auch lieber dies als eine Toilette, allerdings krieg ich eh kein Geld dafür und… Ach, was soll’s.. 

Das war nur eins der vielen Dinge, über die wir uns so wunderten und mit denen wir zu kämpfen hatten.

Da uns ja nun vor Augen geführt wurde, wie das hier anscheinend läuft, buchten wie für die Folgezeit buchten wir über das Management eine Ayi, die zwei Mal in der Woche für ein paar Stunden kommen sollte. Ich meine, es waren jeweils vier oder fünf – ich weiß noch, dass ich die Stundenzahl als lang empfand, man mir aber eindringlich dazu riet. Bis diese Dame aber Zeit hatte, hatten wir für eine Woche oder so noch eine als Übergang, aber ich glaube, das war dieselbe wie die Tage davor. Hier bin ich mir überhaupt nicht sicher, wir hatten so viele Baustellen auf einmal, dass ich mich daran nicht mehr recht erinnere. 

Diese Ayi war eine ältere Dame, die schätzungsweise nicht mehr lange bis zur Rente hatte. Erst fand ich das nicht so schlecht (schließlich hatte sie dann Erfahrung), aber sie war echt langsam. In den zwei Mal pro Woche vier oder fünf Stunden schaffte sie nicht immer alles. Dazu muss man sagen, dass wir da noch kaum Möbel und generell Zeug in der Wohnung stehen hatten, weil die Seefracht noch nicht da war. Sie kümmerte sich ausschließlich ums Putzen und auch ums die Wäsche, weil ich an der Waschmaschine verzweifelte. Die ganze Story kann man hier nachlesen: *klick*. Sie sollte auch Waschen, gegebenenfalls Bügeln und die Sachen wegräumen.

Dazu sollte man erwähnen, dass ich Bügeln für die meisten Sachen als unnötig finde und das auch klar kommuniziert habe. Bügeln kommt hauptsächlich für Pascals Arbeitsklamotten in Betracht. Der Großteil davon besteht aus Hemden. Klar KÖNNEN wir das auch selber machen, aber warum? Sie bügelte die Hemden nicht perfekt, aber hey, immerhin im gut akzeptablen Bereich. Das hätte ich vielleicht besser selbst gemacht. Doch: Das ist halt nun mal ihr Job und sie wurde auch gar nicht mal so schlecht bezahlt.

Sie konnte nur Chinesisch und ich leider nicht. Einiges funktionierte mit Hand und Fuß, aber es war schwierig. „Damals“ habe ich noch kaum über Apps mit automatischen Übersetzungen kommuniziert, aber ich schätze, das hätte auch nicht viel geholfen. Alle meine sonstigen Versuche, Chinesisch zu sprechen oder ihr entsprechende Zeichen zu zeigen, schlugen nämlich grandios fehl und so telefonierten wir öfters mit der Management-Dame, die übersetzte und was sehr müßig war.

Die Ayi machte komische Sachen. So bügelte sie zum Beispiel stundenlang das 180x200cm-Spannbetttuch trocken, das zwar nicht mehr tropfnass, aber noch sehr feucht war. Ich empfand das als eine Mischung aus Energieverschwendung und Beschäftigungstherapie, aber hey, andere Länder, andere Sitten und überhaupt. Mittlerweile weiß ich, dass die Ayis hier Handtücher und Bettwäsche – also etwas, was bei uns fast ausschließlich in den Trockner wandern würde – aufhängen, weil der Trockner so wenig Power hat, dass das ewig dauern würde. Dafür werfen sie alle möglichen anderen Kram da rein, bei dem ich oft nicht hingucken kann. Genauso, dass sie die Sachen aus der Spülmaschine nahm und per Hand spülte, aber hey, je nach Spültempo geht das flotter, als die Maschine ein- und auszuräumen. 

Ich drückte meistens eins, oft auch beide Augen zu, stockten zwischendurch noch um eine Stunde auf und ich dachte mir, ich kann mich halt auch nicht um ALLES kümmern. Da waren wir nun mal gerade erst in ein sehr fremdes Land gezogen, das darf man nicht unterschätzen.

Im Großen und Ganzen war ich zwar nicht begeistert, aber es lief ganz gut und ich hätte sie vermutlich erstmal behalten. Dann musste ich allerdings operiert werden (nichts Dramatisches eigentlich, aber ich möchte hier nicht weiter drauf eingehen) und es war klar, dass ich ein paar Wochen nicht so recht beweglich sein würde und Hilfe bei der Kinderbetreuung bräuchte. Felix geht nur bis zum frühen Nachmittag in den Kindergarten und bis mein Mann Feierabend hat und sich durch den Verkehr gequält hat, kann man Zweijährige ja schlecht auf sich selbst gestellt lassen. Was ich zum Beispiel gar nicht konnte, war Wickeln.

Wie der Zufall es so wollte, ging die Familie rund um Pascals Kollegin zurück (dieselbe, die wir im Vorfeld getroffen hatten) und sie empfahl uns ihre Ayi. Diese lernte ich kennen, ich fand sie gut, sie konnte sogar so gut Englisch, dass wir uns gut verständigen konnten – es passte also.

Die Ayi begann, bei uns zu arbeiten. Das muss im März gewesen sein und wir waren zum Jahreswechsel gekommen. Da sie bei einer Agentur beschäftigt ist, machten wir einen Vertrag. Sie bekam dadurch anständige Sozialabgaben und war versichert und pipapo. Ich glaube, das war bei denen vom Management auch, aber da musste ich meinen Pass nicht kopieren, es fühlte sich zumindest noch mal wesentlich offizieller an. Vielleicht suggeriert man da auch nur, dass es das ist, ich habe keine Ahnung. 

Ich wägte mich also in Sicherheit und dachte, das läuft nun alles. Felix kam gut mit ihr zurecht. Sie betüdelte ihn meiner Meinung nach viel zu viel, aber das sah ich nicht so eng. Sie half ihm zum Beispiel immer beim Trinken und hielt mit der einen Hand den Becher fest und die andere drunter oder fütterte ihn mit einem Löffel. Der Junge war da schon zwei Jahre alt und konnte sowas schon längst selber. Andererseits machte er das mit, es ging es um zweieinhalb Stunden pro Tag und es war ja klar, dass ich diesen Part nach drei, vier Wochen wieder übernehmen würde und ich dachte mir nur: Ach komm, was soll’s. Der Rest lief prima und sie ließ ihn außerhalb des Essens auch mal in Ruhe und alleine frei spielen. Also sollte es mir recht sein. 

Das Putzen und so weiter lief so lala. Nachdem wir ihr dann sagten, dass sie sich doch bitte mal mehr ums Badezimmer kümmern solle (aaaaaaaah!), anstatt täglich die Schränke und Türen abzuwischen, tat sie das auch. Man merkte, dass sie das nicht so super fand und das auf zwei Tage die Woche beschränkte, aber naja. Auch das war ok. Und immerhin wurde das Bad zwei Mal die Woche geputzt, also immer noch öfter, als früher in Deutschland. ;) 

Sie räumte die Klamotten oft fragwürdig ein, allerdings ging das noch so halbwegs. Zumindest habe ich das so in Erinnerung. Das große Problem war das Zeug in der Küche. Ich meine, wenn man eine Tasse aus der Spülmaschine nimmt und den Schrank öffnet und links flache und tiefe Teller stehen, daneben noch Tupperdosen und auf der anderen Seite dann Tassen und Gläser und man noch einen Besteckkasten hat… Wo würdet ihr Tassen hinstellen? Zu den Tassen oder doch lieber zu den tiefen Tellern? Oder vielleicht doch zu den flachen Tellern? Oder vielleicht zu den Tupperdosen? Naaa…? Alles davon ist richtig! Zumindest nach Ayi-Logik. ;) Im Besteckkasten war nur nicht genug Platz, sonst wäre das sicherlich auch noch gegangen.   

Hin und wieder kriegte ich einen Rappel und räumte das wieder ordentlich ein. Das war müßig, aber auch da galt für mich: Nun ja, es war nervig, aber es gibt wirklich Schlimmeres. Und ich hatte das von der Kollegin vorab schon als Schwachstelle erzählt bekommen. Mich störten also ein paar Dinge, doch im Großen und Ganzen lief es.

Mit der Zeit gewann ich den Eindruck, das sie allerdings unzufrieden war. Ich war frisch operiert und gleichzeitig kam die Seefracht (Timing? Kann ich!). Mein Mann musste trotzdem abends mal länger arbeiten und konnte auch nicht alles verschieben oder absagen. Wir hatten im Vorfeld besprochen, dass sie auch mal Überstunden machen müsse und das wirklich nur für einen begrenzten Zeitraum so ist und wir ihr das mindestens 24 Stunden eher sagen. 

Ihr war das jedoch wohl alles zu viel und sie teilte mir kurzfristig mit, dass sie nun nicht mehr kommen könnte. Ich glaube, es war ein Donnerstag, als sie mir sagte, dass Freitag ihr letzter Tag wäre. Yay! Nicht. Die Kündigungsfristen sind hier sehr kurz und der Vertrag bestand zwar, aber nun ja. Der Vorteil an der Agentur ist, dass ich umsonst Ersatz gesucht bekomme, wenn die Ayi geht und diese auch vorselektiert sind. 

Zum Glück ging es mir schon halbwegs besser, doch es war ein Schock und ich brauchte dringend jemand Neues. Es tat mir im Übrigen sehr leid für Felix, der sie mochte. Das muss im April gewesen sein und die Ayi, die mir ausdrücklich von jemandem, den ich sehr sympathisch finde, empfohlen wurde, war demnach nur vier Wochen da. Dazu kündigte sie mit der Begründung, dass ihr Mann schwer krank sei und sie nun deswegen gemeinsam in die Heimat müssten. Natürlich könnte das in ihrem Fall zugetroffen haben, genau wie viele andere Begründungen. Aber: Wenn man mal einschlägige Foren und so durchliest, ist es ein wenig zu oft der Fall, dass jemand aus der Familie krank ist oder ein Kind bekommt, um dass sie sich dann kümmern müssen und bloß eine fadenscheinige Ausrede. Wie dem auch sei, Schwamm drüber. 

Die Agenturdame schlug mir eine neue Ayi vor und ich fasse mich kurz: Die war der Hammer. Sie konnte relativ gut Englisch, war nett, lustig, hat alles super sauber gemacht. Dazu top gebügelt und als Sahnehäubchen echt gut aufgeräumt. Das ist hier nämlich auch so’n Ding: Viele wollen immer UNBEDINGT alles aufräumen, damit es besser aussieht, haben aber keine Logik dahinter und machen das nach dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“. Und dann hat man hinter allen Schranktüren und in den Schubladen totales Chaos und das nervt unfassbar.

Dazu haben wir an Kinderspielzeug zum Beispiel eine Kiste mit der Holzeisenbahn, eine mit Duplo, eine mit Stofftieren und eine mit Autos. Das war der (und anderen Ayis) aber völlig egal und dann ist es oberflächlich aufgeräumt, aber eigentlich ist es immer noch chaotischer. Da hab ich das lieber auf dem Boden liegen.  

Ich brauche nicht alles top weggeräumt, auch wenn es natürlich schön wäre. Ich muss vor allem Dinge wiederfinden können und nicht tausend Jahre nach jedem Kleinteil suchen müssen. Es ist auch echt nicht so, als hätte ich das nicht erklärt. Aber wie gesagt, bei dieser Ayi lief es. 

Felix liebte sie und alles war toll. Sie bekam ein bisschen mehr Geld als die anderen und das war absolut gerechtfertigt. Die Ayis und wir Kunden müssen zur Aufnahme eine Vermittlungsgebühr zahlen. Wenn eine kündigt, dann bekomme ich umsonst eine neue vermittelt, aber für die Ayi wird der Wechsel teuer. Der Betrag ist für beide Parteien nämlich derselbe und liegt bei knapp 100 Euro, glaube ich. Für mich ist das natürlich auch ne Menge Geld, aber nicht so viel wie für eine Ayi. So wähnte ich mich also in „Sicherheit“. 

Wir kamen sehr gut miteinander aus und ich bin absolut überzeugt, dass sie gerne bei uns gearbeitet hat und sich wirklich wohl fühlte. Leider gab es für uns kein richtiges Happy End. Sie hatte zeitgleich noch einen Job bei einer anderen Familie. Das wusste ich auch, das ist üblich und sie arbeitet ja nicht nur drei Stunden am Tag und den Rest nicht. Nach ein paar Wochen hatte die andere Familie irgendwas anders gemacht und sie fragte, ob sie die Uhrzeit tauschen konnten. So wechselte sie vom Nachmittag auf den Vormittag. Das war wegen der Kinderbetreuung blöd. Zwar war ich da schon wieder normal fit und hatte sie nur im Krankheitsfall dafür eingeplant, aber es ist immer beruhigend, im Hinterkopf zu haben, dass im Zweifelsfall wer da ist. Doch, auch wenn es langsam langweilig klingt: Auch das war ok und es lief gut. 

Ach was, es lief nicht gut – es lief super! Ich währte mich am Ende der Suche war mit der Ayi-Situation äußerst zufrieden. 

Leider kam dann im August die schlechte Nachricht, dass diese tolle Ayi ihren Job bei uns aufgegeben musste. Die andere Familie hatte ihr einen Vollzeitjob angeboten, der für sie natürlich eine bessere Option war. Ich weiß auch, dass das keine Ausrede ist, denn ich kenne die andere Familie und ab und zu treffen wir die Kinder mit ihr auf dem Compoundgelände. Ihr Wechsel ist für mich absolut nachvollziehbar, aber für mich – beziehungsweise für uns – war es scheiße. Sorry. Ich sagte ihr, wenn sie mal einen neuen Job bräuchte, solle sie mir bitte unbedingt Bescheid geben. Doch die andere Familie will einfach nicht zurückgehen oder so. Voll gemein! ;) (Ehrlich gesagt, sind die sehr nett, ich sagte ja, ich kenne die und gönne denen das, aber ich hätte die Ayi trotzdem lieber selbst.)

Anyway, sie vermittelte uns eine Nachfolgerin und die beiden waren auch einige Tage gemeinsam da, damit die Neue eingewiesen werden konnte. Ich fand sie auf Anhieb nicht so toll, aber ich dachte, gut, wenn die andere sie empfiehlt, wird das schon passen.

Doch das tat es nicht. Sie war schon älter und konnte kein Englisch, sollte aber dasselbe Gehalt bekommen. Das ist übrigens ein zusätzliche Punkt, dass sich der Gehaltsspiegel innerhalb dieses doch eher kurzen Zeitraums von anderthalb Jahren ganz schön nach oben geschaukelt hat. 

Aber – ihr ahnt es schon! – auch das war für mich soweit ok und ich nahm das so hin. Auch, dass sie die Vormittagszeit übernahm, denn in Sachen Kinderbetreuung erschien sie mir ungeeignet. Naja, wenn sie den Rest gut machte, sollte es mir egal sein.

Anmerkung zwischendurch: Wenn ich das alles so zusammengefasst (haha) aufschreibe, komme ich mir übrigens so geduldig vor – das glaubt ihr gar nicht. 

Der Rest war leider nichts. Sie war so langsam und das machte mich wahnsinnig! Ich war zu dieser Zeit viel zu Hause und arbeitete an einem Projekt. Es hat mich ganz kirre gemacht, dass sie immer wortwörtlich herumschlurfte. Dazu war sie immer so planlos, ich hatte immer das Gefühl, sie wischte hier mal was und da mal was und spülte eine Tasse und wenn sie eine neue fand, spülte sie die und… Orr!!! Dazu kam, dass sie mich immer irgendwie beäugte, wenn ich die ganze Zeit da saß und am Computer arbeitete.

Was mich allerdings am meisten nervte, war aber, dass sie ständig aufstieß. Also halblaut. Und Geruch. Und auch völlig frei von der Leber weg. Ich saß zwei Mal hintereinander im Wohnzimmer und hörte, wie sie aufstoßend das Bett machte (und glaubt mir – das dauerte lange!) und ich ekelte mich einfach nur. 

Ich hätte sie normalerweise nach wenigen Tagen ‚rausgeworfen, aber ich war zu dem Zeitpunkt schon seit Längerem dauerkrank und dadurch erschöpft und sehr kaputt. Es war mir zu anstrengend, schon wieder eine Neue anzulernen und ihre Eigenheiten festzustellen. Denn auch, wenn ich das bisher nicht so im Detail erwähnte: Ich bin ja hier keine Hausdame oder so und führe keinen Ayi-Ausbildungsbetrieb. Selbst bei der super Ayi (Suuuuper-Ayi. Wie Suuuuuperman! Hihi.) musste ich diverse Dinge erklären. Und das schlaucht.

Pascal arbeitete an einem Tag von zuhause aus und sagte anschließend, er hätte sie am liebsten schon nach zehn Minuten nach Hause geschickt, so sehr hätte ihn ihre Arbeitsweise genervt. Ich bat ihn (das hört sich jetzt aufgeschrieben blöder an, als es war, aber wie gesagt, ich war ganz schön ko), sich um die Kündigung und Ersatz zu kümmern. Denn ausnahmsweise war es mal nicht okay. Das war übrigens die Ayi, die die Wäsche nur mit Weichspüler wusch. Die Geschichte könnt ihr hier nachlesen: „Anekdote #53: Vom Waschen“ (*klick*).

So kam über die Agentur die nächste Ayi zu uns.

Diese sollte nun wieder nachmittags beginnen und als sie hereinkam, mochte ich sie direkt. Sie erinnerte mich an eine Ayi einer anderen Familie aus dem Kindergarten. Die Kommunikation lief nur schleppend, aber ich hatte das Gefühl, das würde schon werden. Felix war allerdings etwas skeptisch, während ich ihr alles zeigte und wo welche Putzmittel stehen und so weiter. Anstatt dass sie mit was anfing, wollte sie aber direkt Felix bespaßen, der das da aber noch gar nicht soweit war und das nicht wollte. Irgendwann taute er dann etwas auf und zeigte ihr stumm sein neues Bett und sie dachte wohl, er würde nun einen späten Mittagsschlaf machen sollen. Daraufhin war er total beleidigt, dass er ins Bett gehen sollte und auch nachdem ich das aufgeklärt hatte, weinte er in einer Tour nur, dass die Ayi gehen solle. Dabei klammerte er sich an mich. Da er normalerweise über eine erstaunliche Menschenkenntnis verfügt und das alles nicht gut lief, beschloss ich, diese nach Hause zu schicken und nach einer anderen zu fragen.

Und seufzte.

Am nächsten Tag oder so kam eine Neue. Ich hatte sie in der Lobby sitzen sehen und mir schon gedacht, dass sie das war und hatte ihr erkennend zugelächelt, sie nahm uns aber gar nicht wahr, obwohl sie ja wusste, dass ich dann eigentlich mit dem doch ziemlich charakteristischen blonden Lockenkopf kommen würde und um die Zeit sonst kaum einer da lang ging. Es ist schwer zu erklären, war aber irgendwie komisch. Nichtsdestotrotz fing sie bei uns an und… Es lief.

Auch hier war die Kinderbetreuung nichts wirklich vorhanden. Sie spielte zwar manchmal ein bisschen mit ihm, aber auch nur, wenn er sie explizit aufforderte und selbst dann wiegelte sie viel ab. Ich fand das nicht schlimm. Das hört sich jetzt vermutlich komischer an, als es war, aber naja. Wie die meisten anderen auch hat sie auch nie angeboten, mal zu wickeln oder so, was ich bisher immer seltsam fand. Denn wenn ich das bei anderen sehe, dann kümmern die sich halt immer um die Kinder und das Wickeln gehört halt dazu. Auch unaufgefordert. Darüber machte ich mir jedoch keine Gedanken, ich riss mich nicht darum, dass das jemand Anderes macht. (Außer, mein Mann ist da. Hehe.)

Dass Kinder jetzt nicht so ihr Ding waren, ist ja ok, aber dann soll sie sich halt nicht für so einen Job bewerben? Wenn wir Besuch mit Kindern hatten, versteckte sie sich immer in einem Zimmer und bügelte. Sehr kurios war das. Nun ja. Andererseits mochten Felix und sie sich schon und kamen gut miteinander klar. Und ich hatte sie in Sachen Betreuung eh nur als Back-up engagiert und hauptsächlich zum Putzen und für die Wäsche. Einen Nachmittag ließ ich Felix mit ihr für eine halbe Stunde allein, weil ich ganz schnell was abholen musste und das mit ihm sonst ewig gedauert hätte. Sie waren fröhlich und es lief wohl gut.

Dann waren wir zu einem Geburtstag eingeladen und es folgte die vermutlich merkwürdigste Szene ever. Pascal und ich wollten unbedingt mal zusammen zu einer Einladung hingehen und so fragten wir die Ayi, ob sie abends mal aufpassen würde. Die Party fand nur zehn Minuten zu Fuß entfernt statt und wir hielten das für einen guten Plan. Im Vorfeld gestaltete sich die Absprache, wann das denn soweit sein würde, etwas schwierig, aber hey… An dem Abend war sie da.

Ich ging schon mal vor und es war vereinbart, dass sie kurz mit Felix spricht und er Bescheid weiß, dass sie da ist und sie dann im Wohnzimmer wartet, während Pascal Felix ins Bett bringt und er anschließend hinterherkommt. Das hatten wir im Vorfeld mehrfach ausführlich durchgekaut und ich war der festen Überzeugung, dass das alles klar war. (Und ja, das war ein anstrengender Prozess.)

Während Pascal und Felix das Abendritual durchführten und Felix nach gefühlten dreitausend Jahren endlich schlief, ging Pascal aus dem Zimmer und… Die Ayi war weg. Er ging alle Räume ab und fand schließlich einen Zettel auf dem Tisch, auf dem stand, dass es ihr leid täte, aber sie müsse nun dringend gehen.

Tja.

Also: Tja.

Äääääääh…? Was war da los?

Wir fluchten und überlegen, was wir tun sollten. Auch das klingt aufgeschrieben unglaublich, aber wie gesagt, das ist ja hier nur eine Zusammenfassung. (Obwohl es aufgrund all der Worte unglaublich erscheint.). So kamen wir zu dem Schluss, dass wir nun einfach Gras über die Sache wachsen lassen und sie ihr Gesicht nicht verliert, indem wir da nicht näher drauf eingehen und blablabla, lange Rede, kurzer Sinn: Sie halt nur noch Haushaltskram machen sollte und das Experiment „Ayi am Abend“ beziehungsweise „Babysitter für eine Date Night von Mama und Papa“ eben erstmal gescheitert wäre. Ich hatte im Vorfeld schon das Gefühl gehabt, dass sie total unsicher wegen dem Aufpassen gewesen war und nur zugesagt hatte, weil ich sie danach fragte. Dennoch hatte ich den Eindruck, dass es klappen würde. Und verdammt, wir wären ja echt nicht weit weg gewesen und wir wollten endlich mal als Paar zu einer Party.

Die große Frage war dann, ob die Ayi am Montag wiederkommen oder einfach wegbleiben würde. Spannend!

Der Montag kam und die Ayi auch. Es war alles wie immer und sie blieb. Sie war seit Anfang September da gewesen und dieser Vorfeld ereignete sich im November. da war sie also schon länger bei uns. Also in Ayi-Zeitrechnung zumindest.

Klingt völlig verrückt, war es auch, aber hey… Es war ok. Ich knirschte kurz mit den Zähnen, doch es war das kleinste Übel. Sie räumte ständig die Klamotten völlig wirr ein –es war wie die Ayi, die das Geschirr willkürlich in den Schrank stellte, nur eben mit Klamotten. Das Geschirr war hingegen immer verblüffend korrekt eingeräumt, zumindest meistens. Außerdem summte sie gerne beim Arbeiten, was mich persönlich sehr nervte. Aber ich fand es auch schwer, ihr das zu verbieten. Dazu muss man sagen, dass ich zu dem Zeitpunkt sehr viel Arbeit und generell sehr viel um die Ohren hatte und Weihnachten mit dem verbundenem Heimaturlaub vor der Tür stand. Ich war ordentlich gestresst und das war ja nur bedingt ihre Schuld, dass ich da so drauf ansprang.

Nach unserer Weihnachtsurlaubs-Rückkehr wurde es wieder wesentlich entspannter und es lief. Von dem Klamotten-Wirrwarr mal abgesehen. Man gewöhnt sich ja an alles. Ich hab ihr übrigens mehrfach gesagt, sie soll die Sachen doch bitte einfach nur zusammenlegen und mich das machen lassen, aber das geht wohl irgendwie gegen die Ayi-Ehre. Vor allem, wenn ich das nicht direkt erledigte, sondern erst einen oder zwei Tage liegen ließ. Doch das nur am Rande.

Wie gesagt, es lief soweit und wer nun aufgepasst hat, weiß: Aha! Da ist doch bestimmt was im Busch. Und *ding-ding-ding*, sehr gut geraten, denn das ist… RICHTIG!

Im Februar war Chinese New Year und dann ist das hier so wie in Deutschland an Weihnachten: Die meisten haben einige Tage frei und bekommen Weihnachtsgeld beziehungsweise einen Chinese-New-Year-Bonus. Ich hätte ihr anteilig für die Monate, die sie bei uns war, einen Bonus gezahlt und das wäre immerhin fast ein Monatsgehalt gewesen und das ist nicht unbedingt üblich.

Dazu muss man sagen, dass rund um CNY (= Chinese New Year) eine große Fluktuationswelle herrscht, da man am Feiertagstisch eventuell einen neuen Job angeboten bekam. Gerade bei so „niederen“ Arbeiten kehren viele einfach nicht zurück, sacken vorher allerdings noch den Bonus ein und fangen was Neues an. Das habe ich mir nicht ausgedacht und es sind keine Gerüchte. Googelt das ruhig.

Während ich also eines Tages drüber nachdachte, ob unsere Ayi nach CNY wohl noch da wäre, gingen nur wenige Tage ins Land, bis sie mir eines Donnerstags sagte, ab Montag wäre sie dann weg und käme erst Ende des nächsten Monats wieder. Ich glaube, das hatte ich hier mal erzählt, wer es findet, korrigiere mich bitte: Ich meine, es wären im Vorfeld fünf Wochen besprochen gewesen.

Vermutlich habe ich erst geschockt und dann müde geguckt, jedenfalls sagte sie, sie hätte aber Ersatz. Daraufhin sackte ich innerlich zusammen und sah mich schon wochenlang alles selbst machen. Wir erinnern uns? Der letzte Ersatz (die, die immer aufstieß und schlurfte) war so schlecht, da mache ich lieber alles alleine.

Montags kam sie dann mit dem Ersatz und Heureka, die alternative Ayi erschien mir patent. Sie konnte zwar gar kein Englisch, aber hey… Mit Händen und Füßen klappte die Kommunikation wunderbar, es war sauber, die Ayi arbeitete recht zügig, es war… Gut.

Ich wartete auf den großen Knall, aber es lief und lief und lief. Irgendwann kam dann die Zeit rund um das Datum, an dem die andere Ayi zurückkommen sollte. Da ich mir unschlüssig war, ob sie nun wirklich den 26. gemeint hatte oder das einfach nur nicht besser erklärt bekam, wartete ich noch ein paar Tage. Außerdem keimte in mir heimlich der Wunsch, diese hier doch einfach zu behalten.

Dann fragte ich die Ersatz-Ayi per App nach der eigentlichen. Ob diese denn noch mal wiederkommen würde oder sie nun bliebe? Zusammengefasst folgten ein paar Telefonate ihrerseits und ein Anruf von der Agenturdame. Diese sagte, also wenn ich mit ihr zufrieden wäre, würde die Neue nun für mich arbeiten. Ich freute mich, obwohl ich total überrumpelt war.

Als die „Neue“ dann im Feierabend war, ordnete ich meine Gedanken. Hatte ich die alte Ayi jetzt versehentlich ‚rausgeworfen? Auch, wenn dass die mit dem Betreuungsdesaster war, fand ich das an dem Punkt unangebracht und wollte das gerne noch mal mit der Agentur besprechen. Es war aber schon abends und auch wenn man jemanden über WeChat 24 Stunden am Tag erreichen kann, finde ich, ist das nicht nötig und wollte das am nächsten Tag in Ruhe machen.

Ich versuchte, meine Verwirrung bei Twitter in Worte zu fassen und das war komisch, denn ich bekam ungewöhnlich viele Replys und die meisten fanden das nicht ok von mir. Daraufhin verteidigte ich mich, dass ich sie gar nicht ‚rausgeschmissen hätte, sondern nur überlegen würde, ob das nun ein Missverständnis war. (Und selbst wenn… Das wäre ja wohl dennoch gerechtfertigt gewesen, nach alldem, was sie gebracht hat!). Zusammengefasst war die vorherrschende Meinung, ich hätte der armen Frau nun gekündigt und das ginge ja mal gar nicht, denn ja, sie wäre nun einfach mal sechs Wochen nicht zur Arbeit erschienen, aber ein Teil davon wäre Chinese New Year gewesen, wenn sie eh frei hätte und außerdem hätte sie mir schließlich Ersatz besorgt. Was ich denn überhaupt wolle?

Diese Begründung finde ich nach wie vor merkwürdig. Den Job möchte ich sehen, in dem ich hingehen und sagen kann „Hey, Chef, ich bin fünf Wochen lang nicht da, aber das ist hier ist Ersatz. Ich hab dem gesagt, wo der Computer steht, das schafft er schon. Tschööö-hööö!“.

Naja.

Außerdem war ich das ja eh schuld, dass niemand bei mir bleiben will. Und überhaupt, ich hielte die Ayis ja wohl mal alle für total dumm.

Äh… Was? Nein…!?!

Ich solle die eh mal besser bezahlen.

Äh… Die hat überdurchschnittlich gut verdient und extra Leistungen bekommen…?

Ach so, und ich solle mich gefälligst selbst um meinen Scheiß kümmern.

Äh… Also…

Ach, was soll’s.

Am nächsten Tag schrieb ich also die Agenturdame an (telefonieren ist immer so ne Sache, wenn das zwei Leute machen und keinem von beiden die Sprache als Muttersprache hat). Es kam etwas Licht ins Dunkel. Die alte Ayi wäre jetzt eh gar nicht mehr in China, die wäre nach Amerika gezogen. Und wollte nicht zurückkommen.

Joa, na dann…Mir sollte es egal sein. Oder besser noch: Ich freute mich ein bisschen. Denn auch wenn die neue Ayi kein Englisch konnte, so klappte es mit ihr wunderbar. Klar gab es auch hier und da wieder tausend Kleinigkeiten, aber nichts, an das ich mich nicht gewöhnen konnte.

Das war Anfang März. Und seitdem lief es wieder und war… Genau!… Okay.

Bevor sie kurz vor Beginn des Monat Mai ankam und sagte, sie würde gerne die Zeiten tauschen, ob das ginge? Über die Mittagszeit wäre sie dann bei uns. Das passte mir aus diversen Gründen überhaupt nicht und ich sagte, es tut mir leid, aber das ginge nicht.

Am zweiten Mai (der Erste Mai ist hier ebenfalls ein Feiertag) kam sie dann aber einfach mittags und hatte damit also einfach so beschlossen, die Zeiten zu ändern. Ich fragte die von der Agentur und meinte so, äh, hallo? Das ginge doch nicht?!? Ging aber offensichtlich wohl, denn nun arbeitete sie vormittags und nachmittags bei einer anderen Familie und kam zwischendurch zu uns.

Jetzt hätte ich natürlich auf den Vertrag pochen können, das bringt aber leider gar nichts, außer, dass ich eben SCHON WIEDER eine neue Ayi bekommen hätte und dafür hatte ich sowas von keine Nerven, das könnt ihr euch nicht vorstellen. Obwohl mein Umfeld mir davon abriet, das mitzumachen und die Ayi zu feuern. Ich biss in den sauren Apfel und ließ die neuen Zeiten zu. 

Doch das passte einfach nicht in den Tagesablauf und das viel größere Problem kam erst noch: Dadurch, dass sie nun noch drumherum arbeitet, wurde sie zunehmend unkonzentrierter und das ging schließlich nicht mehr. Eine – zugegebenermaßen lustig klingende Anekdote dazu habe ich hier festgehalten: „Anekdote #59: Von Ohrstöpsel“ (*klick* zum Lesen). Dazu kam, dass sie dreckiges Geschirr aus der Spülmaschine wieder in den Schrank räumte. Die war zwischendurch schon an, aber alles war nicht richtig sauber. Wie auch, wenn man Kloreiniger anstatt Spülmaschinenreiniger einfüllt… Und noch viele weitere kleine Dinge, die ich erfolgreich verdrängte und über die ich gar nicht mehr reden will.

Eigentlich war es so geplant, dass sie während unseres Sommer-Heimaturlaubs durchbezahlt wird und sich so lange einen weitestgehend lauen Lenz machen kann. Doch ich kündigte ihr vorher. Weil so, wie es da lief, sah ich das einfach nicht ein. Irgendwann ist es auch bei mir mal gut.

Nun habe ich seit Anfang der Woche eine neue Ayi. Endlich mal wieder. Yay! Seht ihr meine Begeisterung? Nein? Sie ist immerhin als Hoffnungsschimmer vorhanden.

Es läuft noch nicht rund, aber es wird. Wie das halt mit ’ner neuen Ayi so ist. Ich kenne mich da ja mittlerweile aus.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht unsere letzte sein wird. Aber hey, man gewöhnt sich an alles. Und das ist okay.

Vielleicht könnt ihr nun ein bisschen besser verstehen, warum ich dieses Gefühl, dass mir jeder auf der Nase herumtanzt, habe und ich – zu Recht! – echt gefrustet bin.

Man könnte auf die Idee kommen, dass die Agentur nichts taugt und mir immer dämliche Ayis schickt. So einfach ist das aber nicht. Wie ich zwischendurch schrieb, bin ich auch mit einer Empfehlung ordentlich auf die Nase gefallen. Ähnliche Geschichten habe ich schon des Öfteren gehört.

Meiner Nachbarin „übernahm“ von einer rückkehrenden Freundin eine Ayi, welche in den höchsten Tönen gelobt worden war. Die hat nach ein paar Tagen irgendwas mit einer Schere gemacht, diese auf den Boden gelegt und dann die beiden Kleinkinder (gerade Eins geworden) damit alleine im Raum gelassen. Das geht halt nicht. Punkt. Und solche Geschichten könnte ich stundenlang erklären.

Eine Empfehlung hilft also auch oft nicht. Da hab ich dann lieber eine über die Agentur, die mir dann wenigstens sofort eine andere besorgt und auch das Offizielle händelt. Und die ich bei Missverständnissen kontaktieren kann und so.

Immerhin kamen alle soweit zuverlässig, pünktlich, haben nichts entwendet und ich habe die nie in meiner Badewanne liegend vorgefunden oder so. Aber halt leider auch alle für einen nicht besonders langen Zeitraum.

Die Arbeit als solche war für sich betrachtet durchwachsen und schwankte bei den Meisten sehr stark. Ich hatte mich mal fürchterlich drüber geärgert, dass die eine Ayi (welche genau, ist eigentlich auch egal), zum Beispiel schon das Badezimmer putzt und das auch regelmäßig – aber nicht im Detail. So fiel mir eines Abends ein großer Zahnpasta-Fleck auf dem Wasserhahn auf und als das noch mal geschah, ließ ich ihn einfach da und wartete. Der Rest wurde immer wieder geputzt, auch in Ecken und so, aber dieser Fleck, der war da knapp drei Wochen. Ich meine… Den sieht man doch? Sowas ist doch auffällig? Dasselbe hatte ich mit einem Handabdruck auf der Duschtür.

Ich kann einfach nicht immer wieder jeden popeligen Schritt erklären. Man wird genügsam und gewöhnt sich an alles, aber… Uff.

Es liegt auch nicht an mir – beziehungsweise uns – als Arbeitgeber. Ich kann gut reflektieren und weiß das. Glaubt es mir einfach: Ayis haben bei uns ein gutes Leben. Sie werden sowohl gut als auch pünktlich bezahlt, bekommen anständige Arbeitsmaterialien, werden äußerst freundlich behandelt und erhalten auch kleine Features wie geschenkte Dinge.

Es begann damit, dass ich Klamotten und ein bisschen Zeug aussortiert hatte, das ich wie gewohnt spenden wollte. Ich war allerdings noch unschlüssig, wohin, weil ich mitbekam, wie sich Leute, die für den Compound arbeiten, Klamotten aus der Spendenbox ‚rausholten. Während das ein paar Tage so da herumlag, fragte die damalige Ayi mich, was ich damit machen wolle und ob sie das haben könne. Und ich dachte mir, wenn sie das bekommt und meinetwegen auch verhärtet, bringt mir das ja indirekt auch was, weil sie sich darüber freut. Also habe ich immer alles, was ich loswerden wollte, an die Ayi beziehungsweise die Nachfolgerinnen weitergab. Zwischendurch waren das auch Lebensmittel. Der Online-Supermarkt schickt zum Beispiel schon mal Sachen als Werbung mit, die wir aber gar nicht mögen und das geben wir dann weiter. Sowas halt. Darüber haben sich alle wirklich gefreut, sonst hätte ich denen ja nicht was aufgedrängt.

Wie man es dreht und wendet, wir gaben und geben uns Mühe, hatten dahingehend anscheinend wohl Pech. Wir sind ja auch nicht die Einzigen, denen es so geht, ich erwähnte bereits dass ich viele Geschichten von anderen erzählen könnte.

Und glaubt mir, ich habe gerade in den letzten Wochen gründlich darüber nachgedacht: Alles selbst zu machen, fällt einfach flach. Vor allem deswegen, weil wir hier seit der Ankunft wahnsinnig viel Krankheits-Ping-Pong spielten und ständig einer flach lag. Und wenn keiner flach lag, waren wir zumindest sehr ko. Es ist einfach nicht zu unterschätzen, wie anstrengend es ist, wenn man dauerkrank ist und in ein fremdes Land zieht und was das für ein empfindliches Magen-Darm-System wie das meine bedeutet. Die Wohnung ist dazu groß, man muss viel sauber machen. Ich hätte zwar theoretisch Zeit, sehe das jedoch nicht ein. Ich muss immer noch sehr viel selbst übernehmen, warum sollte ich darauf verzichten, dass mir wenigstens einer beim Putzen und Bügeln hilft? Eben.

To be continued… Seufz.

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