Anekdote #62: Lost in translation, Part Vierzigtausendsiebenhundertdreiundfünfzig. Oder so.

Wir haben wieder eine neue Ayi. Die Überschrift „Part Vierzigtausendsiebenhundertdreiundfünfzig. Oder so.“ könnte sich eigentlich auch darauf beziehen, doch darum geht es gar nicht.

Nachdem sie ihren ersten Einsatz gemeistert hatte, tauschten wir WeChat-IDs aus. Das ist hier DAS Kommunikations-Tool, mit dem man auch bezahlen kann und so. Vor allem ist aber extrem praktisch, dass das auch in die jeweils eingestellte Muttersprache übersetzen kann. Der Fahrer schreibt mir manchmal also Dinge auf Chinesisch und ich ihm auf Englisch (wobei ich das theoretisch auch auf Deutsch formulieren könnte) und das Programm übersetzt das automatisch. Aber nur, wenn man das anklickt. Sonst wäre das auch nervig.

Diese Funktion ist echt praktisch und man braucht nicht immer eine extra App dafür zu öffnen, die gegebenenfalls auch noch lange lädt. Natürlich sind die Übersetzungen so wie bei allen automatischen Varianten immer etwas holprig, aber man kann aus dem Zusammenhang eigentlich meist erkennen, worum es geht.

Ich schrieb der Ayi also, ob sie morgen wieder um dieselbe Zeit kommen würde und sie antwortete mit einem chinesischen Schriftzeichen, das anscheinend „Gut!“ bedeutet.

Danach tippte sie mehrere Zeichen ein und sah mich erwartungsvoll an. Ich klickte auf „Übersetzen“ und muss sehr doof geguckt haben.

Denn WeChat sagte, es hieße folgendes:

„Heute werde ich erste Gottesdienst gehen [Smile]“.
(Das „[Smile]“ beschreibt den Smiley, das wandelt der automatisch um.)

Tja. Ich guckte also äußerst blöde aus der Wäsche und dachte nur „Aha….. Und?“.

Die Ayi schien so ganz nett, war aber sehr schüchtern und kann schätzungsweise ungefähr so viel Englisch wie ich Chinesisch: Nur ganz wenig. Es erschien mir also unwahrscheinlich, dass sie nun gerade Smalltalk mit mir beginnen wollte. Zumal das Thema „Religion“ hier normalerweise gar nicht angesprochen wird, schon gar nicht beim Smalltalk.

Um zu zeigen, dass ich die Antwort merkwürdig fand, runzelte ich demonstrativ die Stirn und kopierte den Text in eine andere App. Die übersetzte mir das in „Heute werde ich in erste Anbetung gehen [Smile]“. Was nun prinzipiell dasselbe ist.

Nun war ich ratlos. Schön, dass sie das tun möchte, aber… Also… Ähm…. Was geht mich das an und warum erzählt sie mir das…?

Wahrscheinlich guckte ich immer noch selten dämlich und sagte hilflos „Zàijiàn!“, also „Tschüß!“ und winkte ihr zu. Lächeln und winken ist ja eine sozial akzeptierte Taktik, hab ich gehört. ;) Da sie nämlich eigentlich schon auf dem Weg zur Tür war, passte das auch. Irgendwie zumindest.

Einige Zeit später ging mir das immer noch nicht aus dem Kopf und ich leitete die Originalnachricht an eine chinesische Freundin weiter. Ihr schilderte ich meine Verwirrung.

Sie schickte einen Smiley zurück, der sich vor Lachen am Boden wälzt und ich konnte mir ihren Gesichtsausdruck dabei bildlich vorstellen.

Die Nachricht lautete nämlich „今天我就先走了拜[Smile]“. Wer die Sprache beherrscht, darf jetzt schon lachen. Also wahrscheinlich.

Das letzte Zeichen, „拜“ bedeutet wohl eigentlich „Gottesdienst“, steht im Shanghainesischen Dialekt (so habe ich das zumindest verstanden) jedoch für „Tschüss!“. (Vermutlich ist das ähnlich wie „Grüß Gott!“?) Der Rest bedeutet auch nicht „Heute gehe ich zuerst“ (wie der Google Übersetzer es mir zum Beispiel vorschlägt), sondern „Ich geh dann jetzt, tschüß!“.

Tja.

Eigentlich wollte die Ayi sich einfach nur noch mal verabschieden und rätselte wahrscheinlich genauso wie ich, warum ich da nun so komisch reagierte. Schließlich war die vereinbarte Zeit ja vorüber, was stellte ich mich also so an?

Wahrscheinlich schreibt die jetzt heimlich bei Weibo oder so, dass sie jetzt bei so ’ner ganz komischen neuen Familie arbeitet. ;)

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4 Gedanken zu “Anekdote #62: Lost in translation, Part Vierzigtausendsiebenhundertdreiundfünfzig. Oder so.

    • Ach………………………….. Ich muss diese never ending story unbedingt mal verbloggen. Die Zeiten waren blöd, aber da sie vorher und nachher woanders arbeitete, war sie unkonzentriert und hat so viele blöde Sachen gemacht.

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