Anekdote #55: Badetag

badezeit-0211021Anmerkung: Man beachte bitte, wie kunstvoll ich das Gesicht des Babys anonymisiert habe. ;)

Ich weiß noch, wie nervös ich die ersten Male war, wenn es darum ging, Felix zu baden. So ein Baby ist so klein im Wasser nun mal – Überraschung! – glitschig und überhaupt ist alles noch neu. Nicht, dass das Kind ertrinkt oder die Badetemperatur nicht angenehm ist oder überhaupt – nicht, dass wir ihm ein Trauma fürs Leben bescheren.

Daran musste ich bei der Szene auf dem Foto denken. Doch der Reihe nach…

Die Tage war ich in einer kleinen Mall über einem Blumenmarkt. Der ist grob in der Nähe vom „Science and Technology Museum“/Fake market. Da war ich zum ersten Mal. Meine Freundin und ich wollten mit unseren Kindern ein Geschenk für ein anderes Kind kaufen.

Beim Betreten der Kinderabteilung war ich mehr als fasziniert. Direkt am Eingang und gegenüber dem Kassenbereich sah man hinter einer großen Glasscheibe das Szenario auf dem Bild. Ich muss ehrlich sagen, dass ich den Mund kurz nicht zu bekam, weil ich das alles sehr befremdlich fand. Faszinierend zwar und auch nicht im negativen Sinne, aber eben befremdlich. Mittlerweile bin ich ja Einiges gewöhnt, aber das hier kann ich mir in Deutschland in der Form einfach so gar nicht vorstellen.

Beginne wir mal mit einer kleinen Bildanalyse. Wie gesagt, befindet sich diese Sachfensterscheibe direkt am Eingang. Wo also nicht nur alle Verwandten und Bekannten des Babys, sondern jeder Hinz und Kunz zugucken kann. Und – wie ich – ungeniert Bilder knipst. Weil hey, guckt mal, ein niedliches Baby!

Hinter der Fensterscheibe sieht man quasi kleine Aquarien. Nur dass da keine Fische drin sind, sondern ein Inlay aus Plastikfolie. Die jetzt auch nicht sonderlich straff gespannt ist. Ich meine: Plastikfolie! Es dient der Hygiene, aber: Auch wenn die dick ist, da kriegen die meisten Mütter schon ein bisschen Schnappatmung, weil das Baby die ja THEORETISCH einatmen könnte.

Wofür der Wasserball gedacht ist, bleibt mir schleierhaft. Denn das Baby weiter hinten hat eigentlich gar keinen Platz mehr, damit im Becken zu spielen und größere Kinder stellen sich da bestimmt nicht rein. Wobei… Man weiß es nicht.

Hinten in der Ecke (so nah dran habe ich mich dann doch nicht getraut, die Integration ist also noch nicht völlig abgeschlossen) sieht man, wie eine Frau und ein Mann vor so einem Becken stehen und darin ein Baby schwimmt. In einem Rettungsring. Das „Aquarium“ ist tief, das Kind soll ja nicht absaufen. Einerseits findet es das sicherlich gut, dass es mit den Beinen strampeln, wie im Mutterleib von Wasser umgeben ist und sich etwas bewegen kann. Andererseits hätte MEIN Kind da (verständlicherweise) voll den Anfall bekommen, eben weil es den Boden nicht spüren kann.

Die Frau auf dem Foot scheint tatsächlich die Mutter oder so zu sein, aber hinter ihr kann man noch eine weitere Frau erahnen, die eine typische Ayi-Kittel trägt. Das ist eine Art Schürze, die Ayis im Kindergarten haben dasselbe an. Unsere zuhause nicht, die trägt ganz normale Kleidung.

Diese Ayi nahm das Kind im Anschluss, wusch es dann noch mal in den (ebenfalls mit Plastikfolie ausgeschlagenen) Waschbecken und trug es dann zu einer Wickelstation in die Mitte des Raumes, wo es abgetrocknet und angezogen wurde. Das Baby zuckte übrigens die ganze Zeit nicht einmal mit der Wimper und weinte auch nicht. Es sei denn, die Verglasung ist auch noch relativ schalldicht. Falls nicht, wäre das zumindest noch eine Marktlücke. ;)

Ich hätte zu gerne gewusst, was dieser Service kostet, aber der Eingang für diesen Bereich war relativ weit weg und wir hatten die Kinder dabei und ich wollte nicht das Risiko eingehen, diese nochmal am Spielzeug vorbeizuführen.

Um das noch mal klarzustellen: Ich verurteile das nicht! Wenn ich an Felix Babyzeit denke, finde ich das ganz reizvoll. Wahrscheinlich würde ich mein Baby dort nicht laden lassen – vor allem der Zuschauer wegen. Mein Nachwuchs ist eh schon tausende Male fotografiert worden, das reicht schon, wenn das bekleidet der Fall ist.

Allerdings ist das mit deutschen Augen betrachtet, einfach sehr kurios.

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4 Gedanken zu “Anekdote #55: Badetag

  1. Hahahaha, das hätte ich während meiner Aupair Zeit mit 4 Kindern auch gerne gehabt! Obwohl die eigentlich ein bisschen zu alt dafür waren…aber ich musste teilweise 3 Kinder gleichzeitig baden, und zwei waren zwar 6 und 8, allerdings fanden die das nicht immer so toll, gleichzeitig in eine Badewanne zu müssen. Da wäre ein extra Paar Hände super gewesen, vor allem wenn man gleichzeitig noch der 2-Jährigen klar machen muss, dass rumzappeln gerade keine tolle Idee ist. Aber tatsächlich sehr kurios – ich frage mich, warum man so was mit Glasscheiben machen muss :D

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  2. Wir haben hier in Peking-Pinneberg in der Mall um die Ecke auch so ein „Kinderbadeparadies“, ich hab das bisher ein bisschen als Äquivalent zu den deutschen Babyschwimmkursen gesehen, da es hier zwar einige private/Hotel-/Compound-Pools gibt, aber in dem Sinne kaum öffentliche Schwimmbäder. Und vielleicht gibt es in chinesischen Wohnungen auch eher Duschen als Badewannen? Ich glaube, ich muss mal bei den Chinesinnen im Bekanntenkreis herumfragen! :)

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