2016/04/13: Manchmal. Vom Shang-low.

Ich fühle mich hier echt wohl, aber manchmal, also manchmal mag ich einfach nicht mehr. Heute Vormittag war es so. Da hatte ich ein kurzes, aber fieses Shang-low.

„Ein was…?“ werdet ihr euch fragen. Nun, es ist so: „Shanghai“ klingt auch wie „Shang-high“ und dazu passend gibt es eben auch das „Shang-low„. Das habe ich mir übrigens nicht selbst ausgedacht, das waren andere. ;)

Falls ich hier übrigens mal Sachen doppelt erzähle oder Klärungsbedarf besteht, sagt Bescheid. Oft verliere ich den Überblick, ob ich euch das schon berichtet habe, ob ich das mal auf Twitter oder Instagram anmerkte oder ob ich das einfach nur schon drei Milliarden Mal im Gespräch erwähnte. 

Heute morgen war alles ein bisschen doof. Ich bin nach dem Aufwachen nicht in die Puschen gekommen und Felix und ich waren total spät dran. Das Wetter ist momentan ganz eigenartig und unberechenbar. Momentan ist dieser komische Jahreszeitenübergang, wo es direkt super warm ist, wenn die Sonne ‚rauskommt und morgens und abends noch kalt ist. Außerdem ist die Luftfeuchtigkeit hoch und das kann ich nicht gut vertragen. Mein Kreislauf findet das nur so lala und ich hab das Gefühl, es ist dauernd alles klamm. Die Luftfeuchtigkeit ist nicht nur gefühlt, sondern auch in Zahlen abartig:

humidity

Dieses Jahr ist diese Phase relativ spät dran, letztes war die schon etwa einen Monat eher.

Seit Ende letzten Jahres bin ich körperlich nicht besonders fit und langsam schlägt es mir aufs Gemüt. Dieser Wetterwechsel ist da jetzt nicht sehr hilfreich. Dazu sind die Prognosen total unzuverlässig. Die ganze Woche schon waren Temperaturen über 20 Grad angesagt, gestern waren es aber „nur“ 18 oder so. Da weiß ich gar nicht, was ich Felix oder mir anziehen soll. Zwiebellook schön und gut, aber der ist ja nicht das einzige Kind in der Klasse, dem die Erzieherinnen die Sachen an- und ausziehen müssten und von selbst kommt der da irgendwie nicht drauf.

Vorgestern habe ich ihn ohne Jacke in den Kindergarten gebracht und das war eigentlich viel zu frisch dafür. Heute stand ich morgens vor einem Rätsel. Denn die Wetter-App sagte 24 Grad voraus und die Air-Quality-App nur 18. Hmmm. Das ist ja schon nicht ganz dasselbe, ’ne? Ich entschied mich also für „lieber zu warm, als zu kalt“ und beim Rausgehen merkte ich, dass es schwülwarm ist. Yay. Nicht.

Ich fühlte mich irgendwie bäh und sah auch irgendwie noch danach aus und wie das dann so ist, traf ich natürlich gefühlt erstmal alle Leute, die ich kenne. Wenn ich hübsch zurechtgemacht bin oder so treffe ich nie jemanden. Selbstredend.

Als ich auf dem Rückweg war, sah ich eine lange Diskussion in der WeChat-Gruppe. Vielleicht habe ich schon mal erzählt, dass es eine gibt, in der ganz viele Mütter unterschiedlichster Nationen aus dem Compound sind? Die meisten kenne ich gar nicht persönlich. Jedenfalls ging es darum, dass die große Wiese hinter unserem Haus schon wieder gesperrt ist und das zog eine unangenehme Diskussion mit sich: Pestizide.

Hier wird ordentlich gegen das ganze Viehzeug gesprüht und es ist ein schwieriges Thema. Denn einerseits habe ich weder Bock auf Kakerlaken (eeeeeeeeeeeeeekeeeeeelhaft!!!), noch auf Mücken. Letztere bescheren mir anscheinend eine allergische Reaktion. Mein extremer Monster-Stich, der sich so entzündet hatte und dem ich mir in der ersten Juliwoche zuzog, ist immer noch zu erkennen. Und von weiteren Insekten und sonstigen Tierchen will ich gar nicht erst anfangen.

Naja, jedenfalls wurden wegen des Frühlingsbeginns wohl harte Geschütze aufgefahren und es wurde auch ordentlich Rattengift ausgelegt. Auch auf den Futternäpfchen, die hier manche für herumstreunende Katzen aufstellen. Weil das halt auch Ratten und so anlockt. Wenig überraschend: Einige Katzen haben das mitgefressen und einige Familien haben nun diverse tote Tiere im Gebüsch entdeckt.

Dazu wurde über das Gift diskutiert und die Frage, ob die Wiese nun schon wieder gar nicht gesperrt ist, weil der Rasen ein bisschen kaputt ist, oder weil man  nicht möchte, dass die Leute mit Decken darauf sitzen und dort picknicken. Nicht des Picknicks wegen, sondern weil man dann zu nah an den ganzen gesprühten Mitteln sitzt und das einatmet und die Kinder das an den Händen haben und… Tja.

Ich versuche ja, viel zu verdrängen und da nicht weiter drüber nachzudenken. Gerade Dinge, die ich eh nicht ändern kann. Die Kontrolle über Pestizide und Schwermetalle in meinen Nahrungsmitteln zum Beispiel, besonders dem Obst und Gemüse. Die schlechte Luft. Und, und, und… Meistens klappt das ganz gut.

Aber manchmal, da bricht das kurz über meinem Kopf zusammen. Ich möchte mit Felix über den Compound laufen und dort in dem Garten herumstreunen. Ohne, dass uns irgendwelches Viehzeugs malträtiert, aber auch ohne giftige Dämpfe einzuatmen. Und ohne über tote Katzen zu stolpern.

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