Von einem anderen Alltag

Als wir das letzte Mal in Düsseldorf waren, waren wir unter anderem Tanken, in der Autowaschanlage und bei der Post.

Das klingt jetzt nur so mittelmäßig aufregend, aber für Felix war das alles ziemlich spannend. Als wir Deutschland verließen, war er gerade zwei. In den ersten zwei Jahren habe ich oben erwähnte Tätigkeiten oft gemacht und das Kind auch zwangsläufig dabei gehabt. Da war er ja noch nicht in der Kita und kam halt fast überall hin mit.

Dennoch gehört das alles mittlerweile nicht mehr zu seinem Alltag und daher fand er das faszinierend.

Es fing ja schon damit an, dass Papa Auto gefahren ist und kein Fahrer. (Ich übrigens deswegen nicht, weil es sich preislich nicht gelohnt hätte, mich auch als Fahrer bei dem Leihwagen eintragen zu lassen. Bevor einer fragt.)

Tanken macht der Fahrer immer ohne uns. Es ist übrigens ganz faszinierend, dass Tankstellen hier das Stadtbild kaum prägen. Das kenne ich aus Deutschland ganz anders. Ich weiß, dass hier um die Ecke eine ist, aber ansonsten sind die wohl schon mal öfter unten in Hochhäusern drin, hat man mir gesagt. In Deutschland undenkbar.

Das Auto waschen bekomme ich schon mal mit (*klick für eine schöne Anekdote dazu*) und außerdem ist in der Seitenstraße schräg gegenüber unserer Compound-Ausfahrt eine kleine Waschanlage, die Felix immer mal wieder mit Begeisterung ansieht. Das ist aber keine, wie man sie an deutschen Tankstellen oder „Mr. Wash“-Parks findet, sondern im Prinzip eine große Garage, und er einzelnen Autos abgespritzt und poliert werden. Kein automatisches Trallala, bei dem man teilweise mit im Auto sitzt.

Und dann die Post. Im Sommer war ich alleine da, weil ich dachte, das ist zu langweilig fürs Kind, da gehe ich ohne ihn hin. Nach Weihnachten „musste“ ich Felix jedoch mitnehmen und siehe da – er fand das toll! Das Schlange stehen natürlich nur bedingt, aber die war zum Glück nicht so lang und so konnte ich ihm alles erklären, was man sah. Im Kindergarten war das Thema „Post“ kurz davor Thema gewesen, das wusste ich noch aus dem Newsletter und kommentierte alles. Als ich unsere Paketaufkleber beschriftete genauso, als andere das machten. Oder ein Paket abholten. Oder, oder, oder.

Die anderen Leute fanden das wohl eher seltsam und fühlten sich beobachtet.

Ich habe den Erklärbär auch früher schon gemacht, aber mittlerweile ist es für mich total ungewohnt, dass die Leute ja alle dieselbe Sprache wie ich sprechen und verstehen, was ich da so von mir gebe. „Siehst du? Der Mann da vorne füllt jetzt einen Zettel aus. So wie wir das vorhin auch gemacht haben. Da schreibt er die Adresse von dem auf, der das Paket bekommen soll. Und seine eigenen, damit der Empfänger weiß, von wem das ist. Außerdem könnte das ja verloren gehen oder man könnte sich bei der Adresse vertun und dann weiß die Post, wo sie das im Zweifelsfall hin zurückschicken muss.“ – Mein Blablabla verstehen ja alle Umstehenden. Ups!

Zum Glück sage ich nie (ok. SELTEN!) so Sachen wie „Siehst du den dicken Mann da? Den mit dem hässlich gemusterten Schal?“, sondern eher sowas wie „Siehst du den Mann, der da vorne am Schalter steht? Nee, nicht der, der andere, der mit dem schwarzen Mantel und dem bunten Schal?“, aber trotzdem. Es ist komisch. Für die anderen Leute vielleicht auch nervig. Aber sorry, irgendeiner muss dem Kind ja die Welt erklären.

Einkaufen läuft hier prinzipiell ähnlich ab, allerdings kaufen wir größere Mengen immer online und nur haufenweise Kleinzeug im Laden. Einkäufe werden sehr oft geliefert. Außerdem bestellen wir viel Essen. Dazu gibt es auch eine schöne Anekdote: Wir wohnten ein paar Monate hier und abends klingelte es an der Tür. Das war der Paketbote. Felix rief aber begeistert „Essen!“. Tja. ;)

Wir haben eine Ayi, die unter der Woche jeden Nachmittag kommt und sauber macht, wäscht, bügelt, aufräumt und so weiter. Trotzdem wasche ich ja auch mal selbst Wäsche oder putze was oder räume auf. Für ihn ist eine Ayi gerade Alltag, aber für mich ja auch. Und er weiß genau genau, dass er nicht alles stehen und liegen lassen kann, wo er gerade ist. Egal, ob die Ayi das für ihn aufräumt. Oder auch, gerade WEIL die Ayi das sonst aufräumt. ;)

Denn nicht, dass wir uns falsch verstehen: Wir haben hier auch einen Alltag und der ist weitestgehend ganz normal. Ich schrieb anfangs mal (*klick*) darüber, dass es im Prinzip keinen großen Unterschied macht, ob das Kleinkind hier oder in Deutschland nicht ins Bett will oder ob man hier oder dort vergessen hat, Eier zu kaufen. Aber im Detail sind einige Dinge natürlich anders.

Als wir da in der Postfiliale standen und ich mir den Mund fusselig redete, da hatte ich einen kleinen Anfall von Sorge, ob ich ihm was vorenthalte. Dann überlegte ich aber, ob es wirklich so schlimm ist, dass der Junge so wenig Zeit damit verplempert, in der Postfiliale anzustehen. Und dann gingen wir gegenüber auf den Spielplatz und ich musste mir keinerlei Gedanken darüber machen, wie die Luftwerte wohl sind und wie lange wir draußen bleiben können.

Da machte sich dann der wirklich große Unterschied bemerkbar: Wie lange ich mich in Deutschland draußen aufhalte, mache ich nur vom Wetter, meiner Kleidung und (es war im Sommer wirklich schlimm!), ob ich die ganzen Wespen noch ertragen kann. Die einzige Luftverschmutzung, über die ich mir hätte Gedanken machen können, war, ob der Rauch von der Zigarette auf der Nachbarbank in meine Richtung weht. Welch Luxus!

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