Andekdote #47: Von Gurken. Oder: Warum ich beim Gurken schneiden immer an meine Schwiegeroma denken muss

Hier seht ihr ein Foto von zwei Gurken und einem Tomatenmesser. Letzteres kann übrigens auch Gurken schneiden und ich habe es einfach so für wenig Geld im Laden gekauft. Ohne komplizierte Anschaffung. Dafür schneidet es aber auch nicht ganz so sensationell gut wie die von Ikea.

Der aufmerksame Beobachter hat sich eventuell nicht nur von der Schönheit des Messers sowie der fröhlichen Schneideunterlage ablenken lassen und sich auch die Gurken angesehen.

Diese sind nämlich relativ dünn und vor allem stachelig.

Gurken zählen zu dem Gemüse, was hier ein bisschen anders ist.

In den Supermärkten, in die ich in Deutschland so gehe, bekommt man eigentlich immer Schlangengurken. Meistens sind die aus den Niederlanden. Die sehen halt aus wie Schlangen- oder Salatgurken so aussehen und sind eher selten dünn, sondern meistens etwas dicker. Deren Oberfläche ist relativ glatt und leicht gerillt.

Die Exemplare wie hier kannte ich auch. Eine Freundin (beziehungsweise sie und ihre Mutter, das ist schon einige Jahre her), hat die in ihrem Garten angepflanzt und mir eine geschenkt. Ich fand die sehr aromatisch und vor allem sehr kurios, weil diese so stachelig war. Das kannte ich bis dahin gar nicht. Auf dem Foto sieht man die pieksigen Auswüchse nicht, die sind hier vor dem Verkauf schon entfernt worden.

Im Online-Supermarkt werden die hier „Asian Cucumbers“, also „asiatische Gurken“ genannt. Im Gegensatz dazu gibt es „Dutch Cucumbers“, also niederländische Gurken. Diese sehen dann aus wie ich sie kenne, allerdings mit dem Unterschied, dass sie ziemlich klein sind. Vielleicht halb so groß wie eine Schlangengurke oder so wie eine große Gewürzgurke. Davon habe ich leider gerade kein Bild, die muss ich erstmal wieder kaufen.

Im Gegensatz zu Deutschland werden die auch nur sehr selten einzeln verkauft, sondern meist im Mehrfach-Pack. So bekommt man üblicherweise zwei bis drei große oder drei bis fünf kleine auf einmal. Da bei den kurzen aber eigentlich mindestens eine immer irgendwie angematscht ist, geht es eigentlich von der Menge her.

A apropos Menge: Dass man immer mehrere auf einmal kauft, ist eigentlich ganz praktisch. Denn durch das Schälen geht viel verloren. Bei den großen ist die Haut recht dick. Und bei beiden Varianten muss man ja noch großzügig die Enden abschneiden.

Dazu muss ich immer an eine Anekdote denken, die ich vorletztes Jahr mit meiner Schwiegeroma erlebte. Ich schnippelte gerade Gurken für einen Salat und sie rief plötzlich „Aber du muss doch die Enden viel großzügiger abschneiden!“. Verwirrt antwortete ich „Aber wieso denn…?“. „Die sind doch bitter!“ sagte sie. „Ja….? Das ist mir noch nie aufgefallen.“ gab ich verunsichert zurück und fügte „Und ich esse ja nun auch schon seit über dreißig Jahren welche.“ hinzu. Wir haben uns nicht gestritten, auch wenn das nun aufgeschrieben so klingen könnte. Es war ein ganz normaler Meinungsaustausch und wir probierten gemeinsam eine Scheibe vom Ende und eins aus der Mitte und kamen zu dem Schluss, dass die ziemlich gleich schmeckten. „Komisch.“ sagte sie, „Das habe ich damals so gelernt, dass man das muss. Aber das ist ja auch schon lange her.“.

Tja, was soll ich sagen? Bei den mittlerweile stark gezüchteten Gurken aus den Niederlanden ist das auch wirklich nicht nötig. Hier hingegen schon. Die Enden schmecken sehr intensiv und oft auch bitter. Auch der Rest der Gurke hat einen viel intensiveren Eigengeschmack. So ein bisschen, als hätte man Extrakt daraus hergestellt. Am besten kann man das wahrscheinlich mit einer Fleisch- und einer Kirschtomate vergleichen. Wobei ich die wässrige Version gar nicht mag und meistens überall herauspuhle.

Bei der Gurke ist das genau andersherum. Ich mag dieses Gemüse sehr, aber hier schmeckt es ganz anders und ich musste mich da sehr dran gewöhnen. Anfangs mochte ich das gar nicht, mittlerweile habe ich mich dran gewöhnt. Während ein Stückchen Gurke beim Salat essen in der Heimat eher einen frischen knackigen Kick gibt und ansonsten geschmacklich recht dezent ist, ist die hier viel eigenständiger.

Außerdem hat man beim Schälen viel mehr Verlust. Aber das hat auch einen Vorteil: Fürs Abendessen oder so brauche ich in Deutschland oft nur eine halbe Gurke und hier dann eine ganze. Dann muss ich trotz Abdecken der Schnittstelle am nächsten Tag nicht eine dicke Scheibe vertrocknetes Ende abschnippeln. ;)

Viele Grüße aus Shanghai sendet euch
Mareike


Ich entschuldige mich hiermit für den überaus häufigen Gebrauch des Wortes „Gurke“. Zumindest ein bisschen.

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2 Gedanken zu “Andekdote #47: Von Gurken. Oder: Warum ich beim Gurken schneiden immer an meine Schwiegeroma denken muss

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