2016/02/14: So’n Tag.

Gestern war so’n Tag. So einer, an dem es irgendwie nur geht so läuft. Und das ist noch nett ausgedrückt.

Vielleicht bin ich momentan einfach sehr frustriert.

Wir hatten uns auf eine entspannte Woche Chinese-New-Year-Ferien mit super Wetter und vor allem guter Luft gefreut. Felix hat ein neues Laufrad und wir wollten damit mal wieder zum Flussufer, mit anderen Familien Karneval feiern und es uns gut gehen lassen. Nach dem ganzen Stress der letzten Wochen hatten wir uns das mehr als verdient.

Leider kam es anders. Pascal und ich fingen uns eine hartnäckige Erkältung ein und lagen die gesamte Woche über nahezu vollständig flach. Also soweit man das mit Kleinkind kann. Das war scheiße. Da ich zwei Tage Vorsprung hatte, ging’s mir am Samstag aber soweit schon wieder ganz gut, ich dachte ich wäre nur ein bisschen wackelig auf den Beinen.

Sonntag – also gestern – dachte ich, ich mache meinem Mann das romantischste Geschenk, dass man sich so zum Valentinstag vorstellen kann und gönne ihm eine Extraportion Ruhe.

Felix und ich zogen alleine los und fuhren ins Kerry. Das ist eine Mall in Pudong, in der unter anderem ein Kinderfrisör ist. Da sitzen die Kiddies in kleinen Booten oder Autos und dürfen Filmchen gucken, während ihnen die Haare geschnitten werden. Er geht da super gerne hin und müsste auch mal wieder. Wie das so ist, kam aber immer was dazwischen. Am Wochenende ist es oft sehr voll und unter der Woche ist es nachmittags mitunter terminlich schwierig und dann war der Kleine krank und überhaupt, man kennt das. Haare schneiden ist bei seiner Frisur auch nicht unbedingt Priorität A, er hat Locken, da fällt das überhaupt nicht so auf, wenn er mal länger nicht war.

Gestern wollte ich die Gelegenheit beim Schopfe (*Wortspiel, hihi*) ergreifen und Felix war auch schon ganz begeistert. Er erzählte mir immer wieder, dass er danach mit dem Parkhaus spielen würde. In dem Laden kann man nämlich auch Spielzeug ausprobieren und kaufen. Wie man das als geschäftstüchtiger Kinderfrisör halt so macht.

Im Kerry war es super leer, das war ein bisschen komisch. Ich hatte eigentlich gedacht, dass alle aus ihrem Chinese-New-Year-Schlaf erwacht wären, aber nichts da. Es war aber auch noch relativ früh und „erst“ halb elf. Die Atmosphäre war angenehm, fühlte sich jedoch auch merkwürdig an und verschlimmerte meine träge Müdigkeit.

Beim Kinderfrisör war kein einziges Kind und drei Mitarbeiter standen an der Kasse und langweilten sich. Yeah! Ich frohlockte (*noch ein Wortspiel! Hihi*) allerdings umsonst. Der Chef bot mir einen Termin um vier Uhr an. Auf meine leicht verwirrte Nachfrage, was denn mit „now…?“ wäre, antwortete er ausweichend und ich schloss daraus, dass gerade noch kein Frisör da sei. Mir fiel ein, dass sich das für sie wahrscheinlich nicht lohnen würde. Ich meine, letztes Jahr gelesen zu haben, dass alle Chinesen vor CNY zum Haare schneiden gehen würden und dann eine Zeit lang nicht, weil das Unglück bringt. Oder irgendwie so. Vielleicht werfe ich da auch was durcheinander.

Half ja nix und ich vereinbarte einen Termin für den nächsten Tag (den wir übrigens nicht wahrnehmen konnten, aber nun ja) und wollte mit Felix frühstücken gehen. Ich wollte mit ihm zu Baker & Spice gehen, aber er wünschte sich Starbucks. Jut. Mir soll das egal sein. Selbst da war kaum was los und ich fand das sehr befremdlich. Da ist es eigentlich immer wuselig.

Felix suchte sich einen Kakao und einen Schokomuffin aus (und bevor einer moppert: Nein, das bekommt er nicht jeden Tag und selbst wenn, ginge euch das mal gar nichts an). Wir wählten die gemütlichen Sessel am Fenster aus und nachdem er ausgiebig bewundert und kommentiert hatte, dass jemand einen McDonald’s-Sticker an die Lehne geklebt hatte (das ist aber auch aufregend! Zumindest ein bisschen…), lümmelte er sich hin wie ein Großer und genoss den Muffin. Bei Starbucks gibt es die Hot Chocolate übrigens in einer Kindergröße. Wusste ihr das? Also ich nicht, das hab ich auch noch nicht auf der Karte gesehen, aber es scheint normal zu sein. Ich hatte diesen im Take-away-Becher geordert, weil ich das Trinktempo des Kindes kenne und der Kakao ja erstmal abkühlen muss. (Ein kalter Kakao wäre übrigens keine Option gewesen. Kleinkindlogik.) Als ich den Deckel abmachte, reagierte meine niedliche Begleitung mit einem angeekelten „Bäääääh!“, weil sich Milchschaum auf dem Heißgetränk befand. Klar, der ist ja auch meeeega widerlich. Deswegen habe ich schon seit zweieinhalb Jahren mehr keinen Milchschaum mehr auf einem Kaffee abgekriegt, wenn wir gemeinsam unterwegs waren. Den musste ER dann nämlich immer ablöffeln. Nun ja. Wie gesagt, Kleinkindlogik. Ich rollte mit den Augen, holte einen Löffel und schöpfte den Schaum auf meinen Kaffee. Mehr für mich! Hurra!

Bis dahin war alles eigentlich ganz normal und business as usual. Auch, wenn es sich anders anhört, war das Kaffee-Date mit meinem Sohn lustig und entspannt. Mein Kreislauf war nicht der Beste und ich freute mich über das Koffein.

Wir gingen in den Supermarkt unten in der Mall und ich wollte eigentlich nur Eier und Apfelsaft kaufen. Apfelsaft ist in letzter Zeit bei unserem Online-Supermarkt und auch ansonsten oft ausverkauft oder es gibt nur noch die teuersten Varianten des Import-Safts. Ein Fall für Galileo Mystery. Felix freute sich, dass eines dieser Einkaufsautos für Kinder frei war, bei denen man oben eine Einkaufskorb dran hat und kletterte glücklich hinein. Hat halt Vorteile, wenn nichts los ist.

Normalerweise kaufe ich immer eine bestimmte Eier-Marke von „vegetarian fed hens“ und bei Olé (ich muss über den Namen der Supermarkte-Kette immer noch grinsen) gibt’s die immer super frisch im Sechserpack. Oft noch vom selben Tag. Online gibt’s die nur im Zwölferpack und so viele Eier brauche ich normalerweise nicht.

An dem Tag gab es aber nur die Zwölferpacks und die waren vom 31. Januar. Ich schiebe diesen Umstand in dem superteuren Supermarkt mal auf die Feiertage, aber: Zwei Wochen alte Eier? Nein danke. Tut mir leid, dann eben nicht.

Mir fiel wieder ein, dass ich noch Nudeln kaufen wollte und die fand ich auch. Fehlte nur noch der Apfelsaft. In dem Getränkebereich haben sie die Regale umgeräumt und verkleinert und es gab keinen. Traubensaft, Guavensaft, Birnensaft, Kirschsaft, Kokoswasser… Die Auswahl war breit gefächert, aber Apfel war nicht dabei. Ich grummelte ein wenig vor mich hin. Dafür gab es allerdings Orangina in kleinen Fläschchen und ich nahm zwei davon mit. Anstatt Eier und Apfelsaft hatte ich nun Nudeln und Limo. Tja, auch gut.

Im Laden merkte ich schon, dass mein schwacher Kreislauf trotz des Koffeins leider gar nicht besser geworden war, sich der Kaffee aber bemerkbar machte. Mir wurde ein wenig blümerant und ich musste mal die gekachelten Räume aufsuchen. Super. Ganz super. Langsam wurde ich echt nervös und scheuchte meinen armen Sohn aus dem Einkaufsauto in Richtung Toiletten. Auf dem Weg wurde mein Sichtfeld schon deutlich kleiner und ich machte mir nun ernsthaft Sorgen, dass ich umkippen könnte. Kennt ihr das, wenn die seitlichen Ränder eures Blickfeldes sich schwarz färben? Wenn nicht, freut euch, das ist nämlich äußerst beunruhigend. Ich kannte das bisher eigentlich nur vom Blutabnehmen oder ambulanten Operationen, in freier Wildbahn war das für mich neu.

Ich quetschte mich, Kind, seinen Roller und mich in eine Toilettenkabine. Er wollte unbedingt die Wände anpatschen und setzte sich dann auf das Trittbrett seines Rollers. Von da aus schielte er durch die Abtrennung zur nächsten Kabine und teilte mir interessiert mit, dass da eine andere Frau wäre. Das sind so Momente, in denen man hofft, dass diese kein Deutsch kann und sich nicht belästigt fühlt. ;)

Mir graute es vor dem Weg bis zum Auto und es war einer dieser Momente, in denen ich so dankbar bin, dass wir einen Fahrer haben und ich weder selbst fahren, noch ein Taxi bekommen musste. Irgendwie schafften der Kurze und ich es beide bis nach oben und als wir im Auto saßen, konnte ich erstmal aufatmen. Diese elendige Erkältung war schon anstrengend genug, aber mein geschwächter Körper hatte sich entschieden, dass ich trotzdem mal mit voller Wucht menstruieren sollte. Das ist einfach zu viel.

Ab da lief der Tag ziemlich ruhig und ich versuchte, mich so gut es ging, zu schonen. Eigentlich hatte ich für abends Backofengemüse geplant, da das ganze Geschnippel aber Arbeit bedeutet hätte und ich es auch nur für eine mittelgute Idee hielt, mit dem bisschen Kreislauf das scharfe Ikea-Messer (*klick*)  zu bedienen, entschlossen wir uns, stattdessen was zu bestellen. Wir kamen auf keinen gemeinsamen Nenner, bei dem wir alle drei glücklich geworden wären und so entschieden wir uns für eine Premiere und während die Herren Mini-Burger wählten, stöberte ich noch ein wenig herum und wollte was Neues ausprobieren.

Hier kann man zum Beispiel über „Sherpas“ ordern. Ich glaube, das ist dasselbe Prinzip wie bei Lieferheld oder so. Da hat man auf einer Webseite verschiedene Restaurants zur Auswahl, die eine abgespeckte Variante ihrer Karte anbieten. Das wird dann von einem Herrn geliefert, der das auf einem Motorroller ausliefert. Normalerweise klappt das prima, das haben wir schon tausende Male gemacht. Die Lieferzeit beträgt normalerweise bis zu 45 Minuten, man muss sich das also im Vorfeld überlegen. Bei Regen oder generell hohem Bestellaufkommen muss man mit einer längeren Lieferzeit rechnen. Das wird einem aber sehr transparent angezeigt und da wir das ja mittlerweile wissen, ist das auch kein Problem.

Da ich durch mein Hin- und Herüberlegen getrödelt hatte, schickte ich meine Bestellung eine halbe Stunde später ab als die beiden Männer. Ich liebäugelte mit einer Pizza mit diversen Käsesorten und haderte noch mit dem Preis. Zum Abschluss des eher doofen Tages wollt ich mir dann aber mal was gönnen.

Die beiden Männer bekamen ihr Essen ziemlich schnell. Ich war durch mein Trödeln zeitlich schon in die „alle Leute haben Hunger“-Phase gerutscht und mittlerweile war das Delay schon bei 20 Minuten extra. Als ich tatsächlich endlich „Senden“ klickte, waren es sogar 45. Fünfundvierzig Minuten mal zwei! Das hatten wir noch nie. Aber es war eben der Sonntag nach Chinese New Year. Spätestens jetzt waren alle wieder aus dem Urlaub zurückgekehrt und hatten keine Lust, zu kochen oder zum Essen ‚rauszugehen. Gleichzeitig hatten aber sicherlich viele Sherpas noch frei. Blöde Kombination.

Egal, dachte ich mir. Ich hatte um sechs Uhr bestellt, meine Pizza wäre also demnach gegen halb acht da. Ich war sehr gespannt, weil ich so richtig Bock auf diese Neuentdeckung hatte. Die Burger der Jungs kamen ziemlich früh und ich merkte, dass ich nicht nur Appetit, sondern Hunger verspürte.

Es wurde sieben. Es wurde halb acht. Es wurde acht. Mein Magen hing in den Kniekehlen und mein Kreislauf fand das auch nicht so gut. Pascal schlug zwischenzeitlich vor, dass ich was anderes essen solle. Aber dann hätte ich die Käsepizza ja nicht mehr geschafft. Um acht entschied ich mich, doch mal nachzuhaken, mittlerweile waren ja zwei Stunden seit meiner Bestellung vergangen.

Ich startete den Kundenservice-Chat. Nach einer Weile hatte die Mitarbeiterin den Lieferanten am Telefon gehabt und sagte, es wäre leider etwas schief gelaufen und es würde noch mal 30 bis 40 Minuten dauern. Ich vergewisserte mich, dass wir hier von ZUSÄTZLICHEN 30 bis 40 Minuten sprachen. Gnaaaaaaaaaaaaaaaaaaah!!! Es war mir dann auch egal, dass ich die schweineteure Pizza umsonst bekommen hätte. Und cancelte meine Bestellung. Zwar bekam ich später noch mal einen Gutschein als Entschädigung, aber das war ein schwacher Trost.

Frustriert aß ich Haferflocken mit Joghurt und Obst. Das war wirklich lecker und obendrein natürlich viel gesünder, aber… Naja. Erstens hätte ich die auch schon viel eher haben können und zweitens ist das nun wirklich kein Ersatz für eine Käsepizza. Grummel.

Ein würdiger Abschluss einer beschissenen Woche. Aber ab jetzt geht’s aufwärts. Und wehe, wenn nicht! ;)

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11 Gedanken zu “2016/02/14: So’n Tag.

    • Hahaha, das ist ja auch mal geil! Wir hatten ein ähnliches Spielchen mit Wagas befürchtet. Das Bestellen klappte, dann rief man uns aber an, dass die geschlossen hätten. Die hatten den einen Tag wohl nur mittags geöffnet und wir waren schon zu spät. Dann haben wir nach CNY geordert und zufällig auch jeweils dasselbe. Und weil das so super schnell kam, hatten wir erst Angst, dass wir das nun doppelt bekommen, weil das erste die alte Bestellung war. ;)

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  1. Oh ja. Kenne ich auch vom Lieferdienst hier. Und bei Hunger werde ich grantig. Gerade und erst recht, wenn mein Mann dann lapidar sagt, ich solle halt schonmal was essen.
    Neulich hatte der Lieferdienst von 5 Pizzen meine vergessen, gnaaah!

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