We’ll do it the chinese way #14: Von spiritueller Erleuchtung

Sonntag Abend stand ich in der Küche und bereitete gerade das Abendessen zu. Die Spülmaschine lief, die Dunstabzugshaube dröhnte und während es in der Pfanne brutzelte und ich an Dies und Jenes dachte, nahm ich plötzlich einen leichten Duft nach etwas wahr, das nicht in das Szenario passte.

Ich stutzte. Das kannte ich, aber was war das…? War das etwa… Weihrauch…???

Obwohl ich den Geruch direkt richtig eingeordnet hatte, weigerte mein Hirn sich, diese Information zu akzeptieren. Dann war er auch schon wieder verflogen und ich dachte an was anderes. Doch, hey, da war schon wieder dieser leichte… Was war denn da los?

Mir war das suspekt. Kurz dachte ich, vielleicht kündigt sich eine Engelserscheinung an. Aber das wäre ein wirklich kurioser Zeitpunkt und außerdem wird der von Rosenduft eingeleitet. Das habe ich zumindest gelesen. Ich grinste ein bisschen. „Jetzt drehst du völlig durch!“ murmelte ich und widmete mich wieder dem Essen.

Plötzlich roch es leicht verbrannt. „Na super!“ brummelte ich grimmig. Kurz zuvor war die Spülmaschine ausgelaufen und ich hatte Sorge, dass da was durchgeschmort war. Das war vor ziemlich genau einem Jahr nämlich schon mal so.

Da ich das Essen nicht anbrennen lassen wollte (der Gasherd und ich kämpften einen kleinen Machtkampf), mich der stärker werdende Geruch aber gleichzeitig nervös machte, rief ich meinen Mann herbei. Pascal kam in die Küche und stellte fest, dass es eindeutig nicht die Spülmaschine war. Das Essen war es aber auch nicht. Hmmm. 

Eine meiner größten Ängste ist, dass es brennt und wir aus unserer luftigen Höhe die ganzen Stufen nicht mehr rechtzeitig schaffen. Denn wenn es brennt, sollte man ja nicht mit dem Aufzug fahren und… Aaaaaaaaah!

Wir öffneten die Tür zum anliegenden Raum. Darin stehen Waschmaschine und Trockner und von da aus zweigt noch mal ein kleiner „Ayi-Raum“ ab und es geht zum Treppenhaus. Hier roch es definitiv nach Rauch.

Ich öffnete das Fenster. Draußen roch es wie immer. Hmmmmm. War das gut oder schlecht?

Zeitgleich öffnete Pascal die Tür zum Treppenhaus und der Rauchgeruch wurde schlagartig schlimmer. Verdammt! Also: VERDAMMT!

Mein Puls war auf 180 und ich schaffte es irgendwie, meine aufkeimende Panik sofort unter Kontrolle zu bringen. Kennt ihr solche „Zum Hysterisch werden ist jetzt keine Zeit, du kannst nachher zusammenbrechen!“-Momente? Das war so einer. Ihr mögt jetzt lachen, aber ihr wisst, dass das hier nur eine Anekdote ist und habt die harmlose Headline gelesen. Das konnte ich in dem Moment ja noch nicht ahnen.

Die Treppe ist im Brandfall unser einziger sinnvoller Fluchtweg und wenn es da brennt… Tja. Das wäre nicht so gut.

Pascal sah sich im Treppenhaus um. „Warte, da sind Leute.“ sagte er. „Die reden und klingen ganz ruhig. Ich geh mal gucken. Du wartest hier!“. Das beruhigte mich schon mal sehr, aber mein Herz pochte immer noch ganz schön schnell.

Gleichzeitig nahm ich aber wieder den Weihrauchgeruch wahr. Aha! Ich war also doch nicht so duschgeknallt, wie ich kurz vorher befürchtet hatte! Oder aber mir stand doch eine Engelserscheinung im Zuge meines nahenden Todes bevor und die Literatur hatte sich geirrt.

Naja. Oder so. Ihr wisst schon.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kam Pascal zurück, schüttelte den Kopf und guckte ungläubig.

Eine Etage unter uns hatte sich eine ältere chinesische Damen gedacht, so, es ist ja nun chinese new year, da müssen wir traditionsgemäß was abfackeln. Und weil man ja draußen kein Feuerwerk mehr machen darf und die alle dieses Jahr so empfindlich sind, können wir das nicht draußen machen. Und in der Bude qualmt ja dann alles voll, also machen wir das…. Na? Genau! Im Treppenhaus!

Dieses ist relativ offen, weil das in diese Balkone mit den Heißwasseranlagen übergeht, von denen ich kürzlich erzählte. Also zieht das alles schon irgendwie ab. Aber… äh…..? Das ist schon eine sehr chinesische Herangehensweise.

Ihr Sohn sprach gut Englisch, erklärte, dass es eine kleine Zeremonie wäre und wirkte auch ganz aufgeweckt. Die Schale, die sie verwendeten, war feuerfest.

Also nahmen wir das einfach so hin. Ich meine, mal ehrlich… Wir hätten eh nicht wirklich was machen können und sie schienen recht verantwortungsbewusst in ihrem Tun zu sein. Innerhalb der Rahmenbedingungen zumindest.

Anstatt mich aufzuregen, erfreute ich mich an dem Weihrauchduft und fühlte mich spirituell erleuchtet. The chinese way eben.

Vor allem war ich jedoch froh, dass der ganze Spuk auch schnell wieder vorbei war. Meine Nerven!!

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2 Gedanken zu “We’ll do it the chinese way #14: Von spiritueller Erleuchtung

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