Ich bin ein Gänseblümchen. Von vereisten Wasserleitungen. Teil 2.

EisLetzte Woche Dienstag schrieb ich über vereiste Wasserleitungen und wie ätzend das war. Das war aber noch nicht das ganze Drama im Gange. Nein. Es wurde nämlich noch schlimmer. Und zwar viel schlimmer!

Ich hoffe, ich habe nichts durcheinander gebracht, das Ganze ist ja nun schon ein paar Tage her, es ist ein leicht verschwommener Albtraum und sehr anstrengend.

Obwohl ich Vieles eigentlich nur angerissen habe, ist der Text daher echt lang geworden.

Erst einmal der Stand von letzter Woche zum Nachlesen oder wieder auffrischen: „2016/02/26: Ich bin ein Gänseblümchen. Von vereisten Wasserleitungen.“ – Nachreichen möchte ich hiermit noch ein Bild des pittoresk gefrorenen Wasserfalls an der Hausfassade. Da sieht man auch mal diese zweckmäßigen „Balkone“, auf denen die Geräte stehen.

Krass, oder? Das war auch ein Spaß, als das nachher alles abtaute.

Zuerst hatten wie Dienstag weiterhin „nur“ kein heißes Wasser. Ich hörte, dass in anderen Teilen des Compounds das Wasser für ein komplettes Gebäude und 24 Stunden abgestellt worden wäre und sonstige Horrormeldungen. Mittags stellte ich plötzlich fest, dass wir in Sachen Wasser nur noch ein kleines Rinnsal hatten. Zum Händewaschen ging es so gerade noch, für die Klospülung wurde es schon zum Problem, ging aber gerade noch so, wenn man zwischen zwei Nutzungen länger wartete.

Ich war not amused, um es mal so auszudrücken. Schon in diesem Stadium war ich ordentlich nervös. Und es war erst der Anfang!

Da ich für abends sowieso eine Verabredung hatte, nahm ich diese wahr. Mein Mann fand das alles zwar nervig, aber nicht so schlimm. Wir hatten ja noch das Wasser vom Vorabend in den beiden Eimern und der Wanne. Der Typ, der bei uns den Hausmeisterservice macht, schlug vor, wir sollten doch bitte bei Freunden oder im Clubhouse duschen.

Als ich nachts spätabends nach Hause kam, war mir komisch. Nachts stellte ich dann fest, dass ich irgendwas nicht vertragen hatte. Das hab ich schon mal. Große Freude! Nicht. Ich erspare euch die Details, aber es war nicht schön. Das ist noch milde ausgedrückt. Wenigstens war es aber was Einmaliges und ich hatte kein Magen-Darm. Dies war nämlich meine größte Angst. Magen-Darm und dann auch noch nur ein bisschen Wasser.

Mittwochs war soweit alles raus und ich litt immer noch und hing vor allem völlig erledigt im Bett. Abends hörte ich es plötzlich von oben her gluckern. Laut und anhaltend. Hmmm. Was sollte das bloß bedeuten? Ich schwankte zwischen Hoffnung à la „Über uns haben sie gerade wieder Wasser bekommen“ und Skepsis à la „Über uns braut sich gerade ein Rohrbruch zusammen und gleich haben wir wieder Wasser – nur leider überall und nicht so, wie gedacht“.

Ich rätselte und rätselte und Pascal sagte dann, das wäre die Klimaanlage und in anderen Räumen wäre das komische Geräusch auch schon gewesen. Da hätte er die besser mal ausgeschaltet. Dazu sollte man erwähnen, dass wir mit der Klimaanlage heizen. Mittlerweile war zwar schon wieder wärmer, aber vielleicht ein Grad oder so. Wir schrieben den Hausmeister-Typen an und der antwortete in Großbuchstaben „TURN THE A/C OFF!!“ und dass sie nachher noch mal vorbeischauen würden.

Das tat er dann auch. Die Anlage hängt anscheinend mit der Wasserversorgung zusammen und war nun auch kaputt. Dazu stellten die das Wasser komplett ab.

Tja.

Nun hatten wir also nicht mal mehr ein Rinnsal Wasser und auch keine Heizung mehr.

Wir hatten unseren Heizlüfter schon wiederbekommen und liehen uns zusätzlich einen weiteren Heizlüfter aus, den befreundete Nachbarn gerade selbst nicht mehr brauchten.

Der Hausmeister-Typ sagte, wir sollten doch am besten zu Freunden oder ins Clubhouse gehen, um zu duschen und die Toilette zu benutzen.

Die Idee ist ja ganz gut, aber ich kann doch nicht immer zu Freunden aufs Klo? Der Compound ist hier echt groß und man kann das Clubhouse zwar von hier aus sehen – aber bis ich da bin und den Aufzug geholt, ‚runtergefahren, zum Haus gelaufen bin und da das Klo erreicht habe, vergehen sicherlich zehn Minuten. Dazu muss der Aufzug direkt kommen. Den Weg muss ich ja nicht nur wieder zurück, nein, ich muss eventuell noch mit einkalkulieren, dass ich bei allem ein Kleinkind mitnehmen. Hahahahaha. Wenigstens hat das noch Windeln und dem ist es egal, wo es hinpieselt. Dennoch war die Idee eher so mittelgut und ich sah mich schon, mein Leben der Einfachheit halber ins Clubhouse verlegen.

Der Hausmeister-Typ entschuldigte sich, dass er leider nichts tun könne und verwies darauf, dass er seit Tagen kaum geschlafen hätte und selbst zuhause kein Wasser hat. Es gäbe außerdem nicht genügend verfügbare Leute, die sich mit der Reparatur auskennen würden, weil nicht nur unser Compound, sondern viele in Shanghai betroffen sind. Ich glaube ihm das auch. Er hat uns kurz seine Liste mit den betroffenen Appartements gezeigt und allein die aus unserem Haus war echt lang. Ihr habt das Foto oben ja gesehen. In seiner Haut hätte ich auch nicht stecken wollen. Wir waren wenigstens noch freundlich.

Da es mittlerweile schon spät war, gingen wir einfach ins Bett und hofften auf den nächsten Tag. Ich zerfloss vor Selbstmitleid und weinte mich zwar nicht in den Schlaf, aber ich war kurz davor.

Meine Überlegungen waren, in ein Hotel zu ziehen. Die Frage war aber: Für wieviele Nächte? Was würden die kosten? Würde irgendjemand einen Teil davon übernehmen? Würden wir überhaupt eins finden, dass nicht auch Probleme hatte, grob in der Nähe war, dazu vertrauenswürdig, bezahlbar und überhaupt Kapazitäten frei hatte? Wir waren ja schließlich nicht die Einzigen mit das in Betracht zogen, es war kurz vor Chinese New Year und die Preise schnellen bei sowas gern mal in die Höhe.

Der Aufwand war nicht zu verachten und die Kosten erst recht nicht. Ich hätte ja von außen betrachtet gesagt „Dann zieh ich halt ins Hotel, da kannste aber einen drauf lassen!“ – aber in der Situation ist es dann doch nicht so einfach. Gerade mit Kind.

Als ob das alles nicht schon genug gewesen wäre, hatte Pascal am Mittwochabend noch gesagt, Felix wäre irgendwie warm und ein bisschen ko. Ratet, wer Fieber bekam? Genau. Der arme kleine Felix. Das gefiel mir gar nicht und ich machte mir zusätzliche Sorgen, gerade wegen der fehlenden Heizung. Auch wenn der wie ein kleines Heizkissen glühte. Unsere Wohnung besteht hauptsächlich aus einem Flur-Esszimmer-Wohnzimmer-Bereich. Einerseits ist das cool und verleiht ihm eine gewisse Großzügigkeit, andererseits kühlt sie deswegen auch schnell aus. Felix wollte partout nicht ins Bett, sondern auf die Couch und fand die Heizlüfter laut und vor allem blöd.

Am nächsten Morgen hatte ich also zusätzlich noch ein Häufchen Elend aka krankes Kleinkind an der Backe auf der langen Liste meiner Sorgen. Wir schrieben dem Hausmeister-Typen noch mal und erwähnten auch, dass der Kleine nun krank sei.

Eine ganz liebe Twitterin suchte mir Hotels nach unseren Kriterien heraus und ich bin dafür sehr dankbar. Ich kenne mich mit sowas nämlich gar nicht aus und hatte tierisch Schiss, irgendwas Wichtiges zu vergessen oder versteckten Kosten zu unterschätzen. Ich fühlte mich zwar privilegiert, weil wir ins Hotel gekonnt hätten. Aber wir sind ja nun mal auch nicht reich und mir würden viele Dinge einfallen, die ich mit der Kohle stattdessen machen würde. Dazu macht das Packen und ein Aufenthalt in ungewohnter Umgebung mit krankem Kleinkind noch weniger Spaß.

Da ich immer noch nicht wieder geduscht hatte, hoffte ich, dass ich mich danach wenigstens weniger elend fühlen würde und ging ein befreundete Nachbarn besuchen. Die Kinder durften sicherheitshalber nicht miteinander spielen, weil Felix ja aus bisher unbekannten Gründen krank war.

Frisch geduscht fühlte ich mich aber auch nicht so viel besser, wie erhofft. Ich war fix und fertig. Unsere befreundete Nachbarsfamilie bot uns an, dass wir bei ihnen ins Gästezimmer ziehen. Das hat sogar ein eigenes Bad. Eigentlich wäre diese Lösung optimal gewesen, weil wir damit massenweise Probleme umschifft hätten. Da es dasselbe Haus ist, hätten wir für alles eben ‚rübergehen können, wenn wir was vermissten.

So richtig wohl war mir bei der Sache jedoch nicht. Ich kann gut um Hilfe bitten und welche annehmen. Da Felix aber nun mal krank war, hatte ich Hemmungen. Man weiß bei hohem Fieber ja anfangs nie so recht, was der Grund dafür ist und ich da ihre Kinder gerade krank gewesen waren, wollte ich die auch nicht wieder anstecken. Außerdem war es im Haus nun schon seit Tagen so, dass  sich viele Parteien darin abwechselten, mindestens eine Sache nicht zu haben und es hätte auch sie noch mal treffen können.

Ich grübelte noch ein wenig herum und wir planten, den Umzug für den frühen Abend anzusetzen. Derweil kuschelte ich mich mit Felix aufs Sofa und wir schauten etwa vierzig Milliarden Filmchen auf dem iPad.

Mittags bekamen wir die Info, dass „später“ noch mal jemand vorbeikommen würde, aber ich machte mir schon gar keine Hoffnungen mehr. Gegen drei Uhr nachmittags geschah dann ein Wunder: Es kamen plötzlich vier Leute angerückt, die gekommen waren, um alles zu fixen.

Da das am Vorabend noch ganz anders geklungen hatte, war ich erstaunt. Pascal verriet mir später, woran das lag: Er hatte bei unserer Relocation-Agentur angerufen, was wir tun könnten und ob uns da irgendeine Entschädigung zustünde. Anscheinend hat das gewirkt und wir hatten Glück im Unglück. Die müssen wohl beim Vermieter oder so ordentlich Druck gemacht haben, denn plötzlich kam Schwung in die Sache.

Ich war so nervös, dass die Männer nichts ausrichten könnten und es nicht klappen würde. Sie werkelten und werkelten und werkelten und etwa zwei Stunden später hatten wir tatsächlich wieder Wasser, warmes Wasser und eine funktionierende Klimaanlage.

HURRA!!!

Ich habe ein paar Freudentränen vergossen und habe jetzt auch feuchte Augen, wenn ich daran denken. In dem Moment ist mir echt ein tonnenschwerer Stein vom Herzen gefallen und ich war so erleichtert wie lange nicht. Nur Felix hatten sie nicht reparieren können, der war immer noch schlimm krank und fieberte hoch.

Felix ist mittlerweile wieder gesund. Im Rückblick weiß ich gar nicht, wie wir das ausgehalten haben. Interessant finde ich, dass Pascal und ich verschiedene Ansichten haben, was denn nun das Furchtbarste war. Ich fand das fehlende Wasser am Schlimmsten. Pascal hingegen, dass es so kalt war und die Heizung nicht mehr ging. Ich bin der Meinung, Letzteres könne man doch mit den Heizstrahlern, warmen Klamotten, Heizdecken, normalen Decken und Kirschkernkissen überbrücken. Er hingegen fand das mit dem Wasser halb so wild, da können man ja mit Wasser nachspülen oder woanders aufs Klo beziehungsweise Duschen.

In einer Sache sind wir uns aber einig: Das brauchen wir so bitte nicht noch mal!

Uff.

Wisst ihr eigentlich, wie toll sich das anfühlt, nach ein paar Tagen wieder im geheizten Badezimmer Pipi machen zu können? Ich schon. Es sind die vermeintlich kleinen Dinge, die so wichtig sind und für dich ich nun ganz anders dankbar bin.

Und zum Schluss noch ein kleiner Tipp, den wir leider erst zu spät bekamen: Sollten mal ein paar überdurchschnittlich kalte Tag angesagt werden, lasst einfach permanent ein bisschen heißes Wasser laufen, damit die Rohre und das gesamte System drumherum nicht auskühlen. Bei vielen Freunden hat das sehr gut funktioniert.

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2 Gedanken zu “Ich bin ein Gänseblümchen. Von vereisten Wasserleitungen. Teil 2.

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