2016/01/30: Ich habe endlich ein Messer gekauft!!!

Ich weiß, ich habe ganze drei Ausrufezeichen in der Überschrift verwendet. Doch glaubt mir – ich hätte vor lauter Aufregung fast noch mehr verwendet!

Vor einiger Zeit schrieb ich einen Text mit dem Titel „Vom Messerkauf“ (*klick* um den noch mal zu lesen). Seit Monaten scheiterte ich immer wieder daran, ein Küchenmesser bei Ikea zu kaufen. Weil das erstaunlich schwierig ist.

Heute habe ich es endlich geschafft und ich bin ein bisschen stolzer, als es angebracht wäre.

Seit etwa zwei Wochen oder so, musste bereits ich zu Ikea, um was zu besorgen. Ja, „musste“. Ich brauchte einen Hocker und wollte ein paar Sachen ordentlicher verstauen und brauche dazu bestimmte Kisten, damit die zum Rest passen. Ach, ich will euch nicht mit Details dazu langweilen, das ist hier ja kein Interieur-Blog. (Wenn, wäre der echt öde!)

Jedenfalls kam ich nicht dazu und es war auch schon klar, dass es nächste Woche auch nichts werden würde und dann steht auch schon Chinese New Year vor der Tür und alles hat ein paar Tage zu – und überhaupt, wenn ich schon mal unbedingt was aufräumen will, sollte ich die Gelegenheit beim Schopfe packen.

Also tuckerte ich heute Nachmittag zu Ikea. Alleine. Ich wollte ja nur „mal eben“ ein paar Kleinigkeiten kaufen.

Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Nicht, dass ich nicht gerne zu Ikea ginge. Ich gehe da gerne hin. Und da die „meine“ Filiale in Pudong in den letzten Monaten immer wieder aufgehübscht haben, inzwischen sogar wirklich gerne. Unter der Woche ist da auch gar nicht so viel los und man kann da ganz in Ruhe shoppen.

Heute ist allerdings nicht unter der Woche, sondern Samstag. Dö-dö-dö-dööööööö *bedeutungsvoller Tusch*.

Samstags gehen alle zu Ikea, die in der Woche nicht dazu kommen und nur mal „bummeln“ wollen. Und so Leute wie ich, die es anders nicht auf die Kette gekriegt haben. Dazu kommt die Besonderheit, dass wir hier in China sind.

Also ich fühle mich hier wirklich wohl und möchte das nicht Verallgemeinern, doch gerade bei Ikea treffe ich immer auf sehr seltsame Zeitgenossen. Vor einigen Monaten ging es weltweit durch die Presse, dass Leute in chinesischen Ikea-Filialen gerne mal die Betten ausprobieren und tatsächlich darin schlafen, auf den Sofas schlafen, an den Tischen ihr Essen auspacken und sich besonders am Wochenende gerne mal hässlich in den Ausstellungen niederlassen. Weil’s schöner ist als zuhause.

Irgendwie kann ich das ja auch verstehen. Ihr wiederum versteht vielleicht ein bisschen mehr, wie ich meinen nächsten Absatz meine.

Es waren sehr viele Leute da und ich weiß, das sagt man nicht, aber: Das roch man. Es war muffig und warm. Dieser Mief bestand aus Körpergerüchen und Mundgeruch. Was ich generell schon nicht haben kann, aber unangenehmerweise ist es dazu noch „this time of the month“ und dann bin ich leider besonders geruchsempfindlich. Die Kombination mit der fehlenden Distanz ist ein bisschen viel für mein zartes Gemüt.

Gestern stand ich wo an der Kasse und die hinter mir rückte mir von hinten so dicht auf die Pelle, dass ich die Beckenknochen der Frau an meinem Bein gespürt habe. Das fand ich befremdlich. Vorhin bin ich beim ganz normalen geradeaus-Laufen von einem, der mir entgegen kam (und mich also eigentlich gesehen haben MUSS), plötzlich so doll in die Seite gerempelt worden, dass ich fast das Gleichgewicht verloren habe. Kein Witz, ich habe geschwankt und ich bekomme garantiert einen blauen Fleck am Arm. Letztes Mal hat mir einer im leeren Gang einer schwungvoll seinen Einkaufswagen in die Hacken gerammt und mich dann böse angefunkelt, weil ich ihm anscheinend im Weg stand.

Naja. Ich schweife ab. Nachdem ich mich durch die Möbelausstellung gekämpft hatte, ging es eigentlich. In der Küchenabteilung fand ich die Messer und tadaaaaaaaa, Ikea hat sich was für das Messer-Problem ausgedacht und so kleine Zettelchen mit Barcode für die einzelnen Varianten angefertigt, die man einfach mitnehmen kann OHNE einen Mitarbeiter dafür in Beschlag nehmen zu müssen.

Fast hätte ich laut „Hurra!“ gebrüllt und ein bisschen herumgetanzt, aber ich beherrschte mich. Da hatte ich ja noch kein Produkt in der Hand und die Erfahrung lehrte mich, vorsichtig zu sein. ;)

Sicherheitshalber las ich noch mal die Instruktionen, die netterweise zweisprachig angeschlagen sind. Welches war denn die zweite Etage…? Bei meinem allerersten chinesischen Ikea-Besuch musste ich das Messer auch hinter der Kasse abholen, wo man Ersatzteile bekommt und so und ich hoffte einfach, dass es dieses Mal auch so sein würde.

Dass ich ein offizielles Ausweisdokument vorlegen müsste, irritierte mich nach wie vor, aber nun ja, eigentlich wunderte mich langsam gar nichts mehr. Tatsächlich fragte ich mich, ob man vielleicht ein Beweisfoto von mir mit meiner neuen Errungenschaft haben wollte. Ob man da wohl lächeln darf oder besser einen biometrischen Gesichtsausdruck zeigt…?

Ich muss unbedingt mal recherchieren, was hinter diesem bürokratischen Küchenmesser-Ding steckt.

Ab da konzentrierte ich mich auf meine weiteren Einkäufe und wurde langsam entspannter. Es war zwar immer noch voll, aber erträglich.

An der Kasse erlebte ich eine Überraschung: Es ging total schnell! Normalerweise dauert es dort eeeeewig.

Beim Aufladen auf das Band war es wieder ein wenig seltsam, weil andere Kunden sehr interessiert an meinen Einkäufen waren. Ein älterer Herr beugte sich an mir vorbei und begutachtete alles. Seine Erkenntnisse musste er natürlich direkt laut an seine Frau und die weiteren Umstehenden weitergeben. Man gewöhnt sich an alles, jedoch finde ich das nach wie vor skurril.

In solchen Situationen muss ich immer (IMMER!) daran denken, was die bezaubernde Shaoshi mal in ihrem Blog schrieb (*klick*):

»Ey, der Ausländer isst Eis!«, schreit ein alter Mann voller Begeisterung seiner Begleitung am anderen Ende des Boots zu. Für ihn hat sich der Eintrittspreis von 110 RMB offensichtlich gelohnt.

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11 Gedanken zu “2016/01/30: Ich habe endlich ein Messer gekauft!!!

  1. ich glaube, man kommt in China am besten durch, indem man sich über gar nichts mehr wundert…Danke für die schöne Geschichte!
    Ich wünsche Dir schon mal ein schönes Frühlingsfest
    Liebe Grüße
    Ulrike

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  2. Ich konnte die IKEA Messer nur mit Hilfe eines Chin. Kollegen kaufen.

    Die Messer sind allerdings super,sauscharf und schneiden auch Fingernaegel.

    Aufpassen angesagt.

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