Anekdote #44: Von Kirche und Kindergarten

Zwar gibt es auch hier Kirchen, aber Gottesdienste der deutschen christlichen Gemeinde finden meist in anderen Lokalitäten statt. Ich war bisher bei keinem, bekomme jedoch den Newsletter. Immerhin. ;) Zu einem Gottesdienst in Shanghai möchte ich gern noch gehen, mal sehen, ob ich das dieses Jahr auf die Reihe bekomme.

In Deutschland waren wir selten in der Kirche, obwohl Felix getauft ist. Als ich ihn als alt genug empfand, Spaß am Kindergottesdienst zu haben, war klar, dass wir bald wegziehen würden. Es fühlte sich falsch an, dann noch mal was Neues aufzubauen und auch ansonsten hatte ich genug Baustellen. Wenn wir wieder in Deutschland sind, wird sich das definitiv ändern.  Als Kind und sogar als Teenager bin ich gerne in die Kirche gegangen und irgendwann wurde das dann weniger. Auch, weil ich im Laufe der Jahre ein paar Mal umzog und ich weder ans andere Ende der Stadt fahren wollte und mich in einer neuen Gemeinde nicht so heimisch fühlte.

Wie dem auch sei, Heiligabend besuchten wir den Kindergottesdienst. Der bestand „nur“ aus einem Krippenspiel und dauerte eine gute Dreiviertelstunde. Das war wirklich toll, stellenweise sogar witzig und insgesamt rührend. Mir geht das Herz auf, wenn ich sehe, wie Kinder endlich das vorführen können, wofür sie monatelang geübt haben. Ich bin leider nah am Wasser gebaut und musste eh schon ordentlich schlucken. Dabei kannte ich die Kinder alle nicht mal! Sonst wäre das noch schlimmer gewesen. Vor allem, als der Teil kam, an dem Maria und Josef von den Herbergen abgewiesen wurden, musste ich ein paar Tränchen aus den Augen wischen. Uiuiui! Weihnachten macht mich echt besonders sentimental!

Felix fand das alles sehr spannend und guckte gerne zu. Zwischendurch war das natürlich auch mal nicht ganz so, aber der ist ja gerade erst drei geworden, da ist das normal.

Der Nikolaus, das Christkind und die Bräuche rund um Weihnachten sind ihm inzwischen relativ geläufig, das Konzept „Kirche“ hingegen noch nicht so. (Deswegen auch meine lange Einleitung.) Hier prägen Kirchen auch nicht das Stadtbild, das ist in Düsseldorf anders.

Als wir kürzlich über Weihnachten sprachen, sagte Felix, wir wären da ja auch im Kindergarten gewesen und wie cool das war. Wir reagierten etwas ratlos. Kindergarten…? Wir waren doch überhaupt nicht im Kindergarten…? Bis dann der Groschen fiel: Er meinte das Krippenspiel!

In unserer Kita hier wurde zu Chinese New Year, vor den Sommerferien, dem Lantern Festival und auch zu Weihnachten in der Aula etwas aufgeführt. Da sind auch immer viele Kinder mit ihren Eltern und sonstigen Begleitern im Publikum. Nur logisch, dass er denkt, zu Weihnachten wären wir deswegen in einen anderen Kindergarten gegangen, um uns das zur Feier des Tages anzugucken. :D

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2 Gedanken zu “Anekdote #44: Von Kirche und Kindergarten

  1. Oh, dass mit den Tränchen aus den Augen wischen beim Krippenspiel kenne ich nur zu gut… Die Kinder sind so ernsthaft bei der Sache, die Lieder, die Stimmung… Und seit ich eigene Kinder habe, reagiere ich viel stärker, auch wenn ich die Kinder nicht kenne.
    Ich finde Deinen Blog sehr spannend und lese schon eine ganze Weile mit. Danke fürs Schreiben, liebe Grüße

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