Ein wahrer Meilenstein. Kulinarisch betrachtet.

Wir sind inzwischen ein Jahr hier, vor kurzem war Jahrestag. Und nun ist ein wahrer Meilenstein passiert: Gestern wollten wir Deutsch essen gehen und waren stattdessen in einem chinesischen Restaurant.

Oh ja!

So war es wirklich!

Und ja, ihr seid im richtigen Blog und es schreibt dieselbe Person wie sonst. ;)

Das kam so: Pascal schlug vor, wir könnten ja mal wieder ins Paulaner oder ins Brotzeit gehen. Übers „Brotzeit“ wollte ich seit Monaten bloggen, das ist nämlich eine deutsch-österreichische Kette, die hier im asiatischen Raum vertreten ist. Und hier gab es die in Puxi, aber auch im Flaschenöffner. Das ist für uns ja nicht weit. Da das Essen dort viel besser – leider jedoch auch noch mal etwas teurer – als im Paulaner ist, waren wir da schon des Öfteren.

Ich jubilierte also und freute mich, denn ich hatte echt Hunger. Vor einiger Zeit habe ich entdeckt, dass die da die supergute Käsespätzle haben. Die kann ich aber leider nicht immer nehmen. Aus Gründen, wie Twitterer sagen. Aber was soll’s, die haben ja noch andere gute Sachen. Zum Beispiel gebackene Camembert-Ecken und leicht gewürzte Pommes. Hmmmmm! Vorfreude lief mir schon das Wasser im Mund zusammen.

Seit gestern ist es hier ziemlich frisch und ich war eher dünn angezogen, weil wir vorher ein Playdate hatten und mir da erfahrungsgemäß immer schnell warm wird. Im Brotzeit ist es im Winter recht kühl. Das liegt daran, dass die Fenster unten schlecht isoliert sind und das Restaurant eine Fensterfront hat und zusätzlich so halboffen gebaut ist. Aber ich kann ja erstmal meine Jacke anlassen, dachte ich mir.

Als wir auf das Restaurant zusteuerten, waren wir vom Umfeld abgelenkt. Das Gegenüberliegende hat nämlich geschlossen (was uns nicht weiter wunderte) und direkt daneben ist nun ein Schuhladen. Im Lokal selbst hatten sie große künstliche Kirschblüten aufgestellt und deswegen fiel mir auch erstmal nichts weiter auf. Außer, dass das gebrüllte „Servus“ der versammelten Kellner fehlte. Da habe ich mich damals beim ersten Mal voll erschrocken und danach fanden wir das immer lustig. Im Rheinland sagt halt keiner „Servus“, für uns ist das gar nicht typisch Heimat.

Stattdessen murmelte eine Kellnerin eine Begrüßung und führte uns zu einem Tisch am Fenster. Der war aber unter der Klimaanlage, die kalte Luft pustete. Kann man bei vier Grad Außentemperatur natürlich mal machen. Wir entschieden uns für einen anderen Platz, der ebenfalls ganz schön kühl war und ich dachte mir weiterhin, ach, was soll’s, wir wollen hier ja nicht ewig sitzen.

Als dann die Karte kam, waren Pascal und ich überrascht. Die waren auf einmal dunkel und es gab ein neues Logo. Innen war das Design aber dasselbe und wir nahmen an, dass sich nur der Name geändert hat. Jetzt heißen sie „Haxnhuber“. Oder „Haxnstadl“. Ich hab’s schon wieder vergessen, jedenfalls rollte ich mit den Augen, weil der einfach so bayrisch klingt und ich mich da eben nicht mit identifizieren kann. Und auch will. Deutschland besteht nun mal nicht nur aus Bayern. Nicht, dass ich was gegen dieses Bundesland hätte, aber das ist für mich nun mal ne ganz andere Welt.

Ich wollte wie so oft einen „Kaisergspritzten“ bestellen. Kannte ich vorher auch nicht, dafür musste ich erst nach Shanghai ziehen. Das ist Weißweinschorle mit einem Schuss Holunderblütensirup. Den muss ich auf der Karte immer zeigen. Daneben standen zwei Preise, einer für normale Gäste und einer für Member. Das war ein immenser Unterschied von 20 RMB oder so, das sind immerhin knapp drei Euro. Prinzipiell freue ich mich ja immer, wenn ich was günstiger kriegen kann, aber ich kann das überhaupt nicht leiden, wenn ich von irgendwas Member werden soll und die Rahmenbedingungen nicht klar sind. Dazu fand ich nämlich nirgendwo eine Angabe. Außerdem ärgerte ich mich über die in meinen Augen fehlende Logik dahinter. Es waren nur ein paar Getränke, das Schnitzel und noch zwei oder drei Sachen damit ausgezeichnet. Hä? Wer denkt sich denn sowas aus? Also entweder bekommt man pauschal einen Rabatt, oder auf alle Getränke oder alle alkoholischen Getränke und nicht nur auf einige…? Dann kann man doch einfach was anderes nehmen?

Ich grummelte vor mich hin und suchte den Camembert. Den gab’s aber nicht mehr, da konnte ich die Seiten alle tausend Mal durchwälzen. Na toll. Ja, ich hatte Hunger, war müde und hatte dazu noch PMS, aber. ABER! Sowas macht mich total fuchsig. Was soll denn das? Die Tage davor hatte ich ein ähnliches Erlebnis mit Baker & Spice. Doch das ist eine andere Geschichte.

Missmutig blätterte ich also in der Karte herum und da ich nicht so der Fleisch-Fan bin (nicht mal von haufenweise Würstchen – und schon gar nicht von Haxen!), hätte ich Salat essen können. Oder Beilagen. Oder Fladen, das ist eine Art Pizza. Die ist zwar ganz lecker, aber sowas wollte ich eigentlich nicht. Zwar hatte ich mich auf die Pommes gefreut, doch etwas mehr wäre schon nett gewesen.

Hrmpf.

Dazu war es immer noch kalt und wir (ja, wir, nicht nur ich) hatten die Nase voll und wir gingen woanders hin. Tja. Und anstatt das Element Fresh oder was anderes zu wählen, entschieden wir uns für Dumplings im „Din Tai Fung“. Die waren sensationell wie immer, der Laden war normal temperiert und viel gemütlicher und wir waren alle glücklich mit dem Essen. Außer Felix, der spontan beschloss, die Frühlingszwiebeln im Eier-Reis fortan eklig zu finden. Ich buhlte die ihm also des lieben Frieden willens raus. Ein Erlebnis aus der Reihe „Dinge, die ich vor meinem Elterndasein kategorisch ausgeschlossen habe“. ;)

So kam es, dass wir eigentlich Deutsch essen gehen wollten, stattdessen in einem chinesischen Restaurant gelandet sind und trotzdem alle zufrieden waren. Dass das mal passieren würde! Es geschehen noch Zeichen und Wunder. :D

Viele Grüße aus Shanghai,
Mareike

P.S.: Online habe ich zu dem Wechsel bisher nichts gefunden. Auf der Brotzeit-Webseite gibt es offiziell keine Filialen in Shanghai mehr. Das heißt also, dass ich auch nicht alternativ in die nach Puxi fahren kann. Pffffffffft!

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