Anekdote #41: Von Smog und Selbstironie

Quelle: Screenshot der App „Shanghai Air Quality“, http://aqicn.org

Naja, eigentlich ist es eher eine ganze Sammlung kleiner Anmerkungen, aber was soll’s. ;)

Die Air Quality ist, gelinde gesagt, beschissen. Es ist der höchste Wert seit vier Jahren oder so langem (Danke an Fledermama für die Korrektur). Wir hatten heute Werte im Bereich „300+“. Danach geht die Skala nicht mehr weiter (siehe Screenshot).

Im Laufe des Tages sank der Wert immerhin in den violetten Bereich, aber das ist immer noch miserabel. Normalerweise schränken wir unsere Aktivität draußen schon ab roten Werten stark ein. Die beginnen bei 150. Heute hatten wir über 300, also mehr als doppelt so schlecht. Die Luft ist gelbgrau und man kann sie wahrscheinlich wortwörtlich schneiden. Und von Luft und Liebe allein leben. Hahaha.

Ihr seht, der Galgenhumor ist mir noch erhalten geblieben. Das liegt aber auch daran, dass es über Weihnachten nach Hause geht und ich die Tage herunterzählen kann.

Da ist der belegte Geschmack auf der Zunge, als ob man letzte Nacht sehr lange in verrauchten Bars auf den Tischen getanzt und gesoffen hätte, noch erträglich. Den Brummschädel gibt’s – zumindest bei mir – gratis dazu. Bisschen doof ist es nur, das mir die Partynacht im Vorfeld fehlt. Und damit meine ich keine alkoholbedingte Erinnerungslücke. Buuuh!

Pascal hat übrigens dieses kleine stylische Gerät gekauft, dass die Luftqualität in Räumen messen kann. „Laser egg“  heißt das (*klick* für mehr Infos und Nein, leider ist es keine Werbung, ich krieg dafür nix), davon werde ich die Tage noch mal berichten. Oder auch nicht. Man kommt ja zu nix. Lasst es mich zusammenfassend so beschreiben: Geiles Teil. Und faszinierend noch dazu.

In der Wohnung könnte die Luft natürlich trotz laufender Air Purifier besser sein, aber sie ist absolut kein Vergleich zu draußen und bei den üblichen Werten, die ich als „nicht so gut“ oder „schlecht“ bezeichnen würde, echt beeindruckend gut.

Nun denn, ich war heute trotz der Werte vor der Tür, das Leben geht ja weiter. Dabei trug ich eine Maske mit Ventil. Unter der von 3M, die ich letzte Saison hatte, habe ich immer so geschwitzt und solch eine soll besser sein. Heute war quasi Jungfernfahrt und ich bin sehr angetan. Darunter ölt man tatsächlich nicht so, das ist sehr angenehm.

Die Tage bekomme ich nun auch endlich eine „Vogmask“ (*klick*), die hat dasselbe Prinzip, ist buntem Stoff überzogen und daher ganz stylomäßig. Die Firma wirbt sogar damit, dass die Masken  auf der „Hong Kong Fashionweek“ auf dem Laufsteg getragen wurden. Yay. Vor allem sehen sie aber nicht nur geil aus, sondern sind auch noch gut.

Ich trug also heute unterwegs Maske und war hochgradig verwirrt. Meist ziehe ich auch bei schlechten Werten keine auf und vermeide es einfach, draußen zu sein. Selbst bei orangen Werten sieht man in der Wintersaison oft Leute mit Masken herumlaufen. Noch mal zum Verständnis: Die heutigen Werte waren zwei bis drei Mal so hoch! Und ich habe den ganzen Vormittag über nur zwei Kinder und die dazugehörige Mutter gesehen, die welche trugen. Sonst keiner. KEINER! Im Kindergarten sehe ich so oft Masken, aber ausgerechnet heute nicht? Hä??? Was ist denn in den Köpfen der Leute bloß los…???

Last but not least wollte ich noch mal zum Thema „Selbstironie“ zurückkehren und kann euch das Bild rechts nicht vorenthalten. Da unser Auto (wie fast alle, aber das ist ein anderes Thema), kein Air-Purifying-System hat, trug ich sie bei den katastrophalen Werten auch im Auto.

Für den Weg erstand ich noch ein Käffchen. Wie sich das für so ein echtes Expat-Mutti-Klischee gehört. So’n Coffee to go ist mit Atemschutzmaske jedoch… Ja…. Suboptimal. Ich musste sehr lachen.

Und ich weiß jetzt endgültig, warum Sido und Cro sich keine derartige Maske als Markenzeichen ausgesucht haben, sondern nur eine, welche die Augenpartie bedeckt. ;)

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11 Gedanken zu “Anekdote #41: Von Smog und Selbstironie

  1. Nee, nicht seit 4 Jahren. 2013 hatten wir im Dezember Werte von über 500. DAS war krass. Da konntest du nicht einmal mehr auf die andere Straßenseite schauen.

    Und wegen „was ist mit den Leuten los“ – ja, das habe ich mich insbesondere letztes Jahr oft gefragt… Da musste ich im Büro ständig rumrennen und die Fenster wieder schließen, die die Kollegen aufgerissen haben (bei ähnlichen Luftwerten) und habe einer ebenfalls schwangeren Chinesischen Kollegin immer wieder aufs Neue die Luftwerte genannt und sie daran erinnert, eine Maske aufzusetzen. Sie war jedes mal aufs Neue baff erstaunt und dankbar…

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    • Ah, ok – danke für den Hinweis!

      Ich verstehe die Logik in Bezug auf die Masken weder bei Chinesen, noch bei Expats. Aber wahrscheinlich muss ich das auch nicht. Einige Kinder waren wohl wegen der Luft gar nicht erst im Kindergarten. Die super vorsichtigen Eltern haben sie dann gar nicht geschickt und lieber ganz zu Hause gelassen.

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  2. Schön, dass du dir deinen Galgenhumor bewahrst. Ich bin von einem Deutschen direkt mal angegangen worden, weil ich gesagt habe „solange man die Luft noch nicht beißen kann, geht’s noch“…

    Ich habe die letzten Tage übrigens auch keine Maske getragen, habe es irgendwie auch gar nicht mitgekriegt, dass die Luft so schlecht war (normalerweise spüre ich das auch immer gleich mit Kopfweh, im Hals usw.), und habe es erst später gelesen.

    Was Fledermama schreibt, kann ich bestätigen. Das war damals wirklich krass.

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    • Ohne den Galgenhumor wäre ich auch am Arsch. ;) Als die Air Quality nachts plötzlich bei 301 war, konnte ich erstmal nicht mehr schlafen und habe mir Sorgen gemacht. Ich habe sogar vor lauter schlechtem Gewissen weinen müssen. Felix ist doch noch so klein und will natürlich keine Maske tragen und zwingen ist auch schwer. Schließlich kann ich nur mit Engelszungen auf ihn einreden, ein Vorbild sein und ihm das nicht festtackern. Wenn ich meine Lunge und den ganzen Rest Drumherum kaputt mache, dann ist das eine Sache. Aber Kinder sind einfach noch mal ganz anders gefährdet.

      Die Luft war Montag erst noch gar nicht so krass, aber obwohl ich immer nur superkurz draußen war, ist mir die voll auf den Hals und den Kreislauf geschlagen. Anscheinend war da irgendwas, auf das ich anspringe. Der Ozonwert war laut App relativ hoch, das hab ich allerdings erst im Nachhinein gesehen. Und wenn der im Sommer in Deutschland mal hochklettert, werde ich auch immer heiser. :/

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  3. Am besten war die „Vogmask“. Wenn du schaust, welche Länder bei „select your country“ stehen, muss man sich nichtmehr fragen! Deutschland und andere europ. Staaten können dort scheinbar gar nichts kaufen – wahrscheinlich auch nicht die Zielgruppe…

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