Vom Messerkauf

Als wir „damals“ hier ankamen, mussten wir ja erst mal eine Küchen-Basis-Ausstattung erstehen. In diesem Zusammenhang kaufte ich auch ein Küchenmesser. Nicht, dass ich keins hätte, aber meine bescheidene Auswahl befand sich zu dem Zeitpunkt in der Seefracht. Und sowas wie Messer waren in der Luftfracht nicht enthalten, da diese ähnliche strenge Bestimmungen wie Handgepäck hat.

Besagtes Messer erstand ich bei Ikea und finde es überraschend gut. Obwohl es recht günstig war, ist es ihm auch völlig egal, dass die Ayis das ständig in die Spülmaschine packten oder packen und es auch eher unsanft gelagert wird.

Also beschloss ich schon vor Wochen, ach was, Monaten, dass ich mir davon mal ein zweites zulegen könnte.

Das gestaltete sich aber schwerer als gedacht. Normalerweise ist das hier in China genauso wie in Deutschland: Wenn man ein Messer kaufen möchte, geht man in eine Laden und kauft sich eins. Fertig. Es hat natürlich Vorteile, wenn man eine Geschäft auswählt, das sowas führt. Ein Teppichhändler ist da eher nicht so förderlich, genau wie eine Schneiderei oder auch ein Metzger. Obwohl gerade letzterer zwar oft welche da hat, aber nun mal keine verkauft.

So wäre es also auch von Vorteil, wenn man ein Ikea-Messer bei Ikea käuflich erwerben möchte. Soweit kein Problem. Es ist ja nicht so, als käme ich nie zu Ikea. Zwar nicht sooo oft, aber in den letzten Monaten war ich dann doch des Öfteren da und schleppte körbeweise Krempel nach Hause.

Mittwoch war ich mal wieder zugegen und da fiel mir besagtes Messer ein. Ich wunderte mich, dass das gar nicht auf meiner Einkaufsliste stand. (Später fiel mir ein, dass ich das schon mal beim Einkaufen abgehakt hatte, weil ich dieselbe Chose schon mal vor einiger Zeit erlebt hatte. Aber ich will nicht vorgreifen.)

Also arbeitete ich mich durch die entsprechende Abteilung und fand schließlich einen Schaukasten an der Wand hängen, in dem die verschiedenen Küchenmesser präsentiert werden. Selbstverständlich gab es genau das, was wir schon haben, mittlerweile nicht mehr. Das wäre ja auch wirklich zu einfach gewesen! Dafür hatten sie ein vergleichbares Modell. Knapp 40 RMB, also pi mal Daumen sechs Euro. Nehm ich!

Dieses war jedoch leider nirgendwo im Regal zu finden. Genauso wenig wie die anderen. Unter dem Schaukasten lagen nur Knoblauchpressen und sonstiges Zeug. In der hintersten Ecke meines Oberstübchens klingelte es und mir fiel ein, dass man diese ja – aus Gründen, die ich nicht kenne – über einen Mitarbeiter bestellen muss und dass ich das Objekt meiner Begierde das letzte Mal auch erst hinter der Kasse bekam.

Das Verwirrende ist, dass weder an dem Kasten noch sonst irgendwo ein Hinweis zu finden ist, dass man da erstmal mit einem Mitarbeiter sprechen muss. Es wird als selbstverständlich vorhergesetzt, dass man von selbst auf die Idee kommt.

Zum Glück waren drei Mitarbeiter frei und einer von denen sprach sogar Englisch. Hurra! Dieser wollte dann unbedingt wissen, ob meine Daten bereits im System wären: Bis ich verstanden habe, dass er meine Telefonnummer dafür haben wollte, dauerte das etwas. Ich widerholte mehrfach meinen Namen und buchstabierte ihn so deutlich wie möglich. Irgendwann hatten wir es dann. Mir fiel übrigens auf, dass ich bei denen gleich drei Mal im System stehe. Man brauchte übrigens unbedingt meine kompletten Daten. Kann ja auch nicht jeder kommen und einfach so ein Küchenmesser kaufen, nein, das muss man ja sicherheitshalber dokumentieren.

Er händigte mir also einen Zettel aus und ich hoffte, den unterwegs nicht zu verlieren. Nachdem ich etwa vierzig Millionen weitere Teile gekauft hatte und eine gefühlte Ewigkeit und realistische zwanzig Minuten an der Kasse stand*, hetzte ich zur Ausgabestation. Inzwischen hatte ich nämlich nicht mehr so viel Zeit, bis ich Felix aus der Kita holen musste.

Zum Glück stand an dem Tisch niemand. Außer zwei Mitarbeitern. Die mir allerdings freundlich zu verstehen gaben, dass ich ja nur einen Zettel mit der Artikelnummer in der Hand hielt und nicht den, wo ein Barcode drauf steht, den man an der Kasse scannen kann. Also hatte ich auch kein Messer bezahlt. Und bekam demnach auch keins ausgehändigt.

Das war mir zwar aufgefallen, aber über die Konsequenz hatte ich leider nicht nachgedacht, als ich die Fülle an Kleinteilen in den Taschen verstaute. Das ist hier nämlich auch noch mal so ne Sache. Hier grabbelt dir nämlich gerne mal der eine oder andere Kunde dazwischen und begutachtet das, was du gerade so gekauft hast. Mit Anfassen und so. Und als ob das nicht reichen würde, haben die dann auch noch Sehnsucht nach Körperkontakt und ziehen dabei ungefähr fünf Liter Rotze durch und… Ach, lassen wir das.)

Dieses Problem mit dem fehlenden Barcode hatte ich nun schon drei oder vier Mal. Dummerweise hat Frollein Oberschlau leider nur ein Gedächtnis von Zwölf bis Mittag und kriegt das vor lauter Hin und Her, das ein Gespräch mit chinesischen Ikea-Mitarbeitern so mit sich bringt, nicht gebacken, da mal drauf zu achten. Aaaaaaaaaaaaaaaaaaah!

Mittwoch war es aber leider keine Option, noch mal zurück zu gehen und mir diesen blöden Zettel korrigieren zu lassen. Dafür hätte ich mich noch mal anstellen müssen UND das endlose Hin und Her mit den Mitarbeitern einrechnen müssen. Für solche Aktionen war es definitiv schon zu spät.

Ich habe nämlich schon mal eine Dreiviertelstunde mit diversen Mitarbeitern diskutiert, dass ich diese Liste bitte in der Version mit Barcode bräuchte. Die Zeit, die ich an der Kasse anstehen musste selbstverständlich nicht mit eingerechnet. Da ist der legendäre Passagierschein A38 aus Asterix ein Klacks gegen! Und ich spüle das Messer halt von Hand ab. Pfffft!

021-0211-gruesse

*(Tatsächlich waren es 25. FÜNFUNDZWANZIG MINUTEN! Ey, ich sag’s euch, nirgendwo kann man so lange an der Kasse stehen wie in China. Darüber muss ich noch mal separat bloggen!)

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2 Gedanken zu “Vom Messerkauf

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