Ankedote #34: Eingesperrt

Ich bin es gewöhnt, hinter Schranken zu stehen und nicht weiterzukommen. Mein Sohn spielt momentan mit Vorliebe „Schranke“ und deswegen komme ich häufig nicht weiter. Egal, wo ich bin. Aber heute war es etwas seltsam.

Heute Morgen war ich verabredet. Auf demselben Compound, aber der ist nun mal echt groß. Und diejenige, die ich besuchen wollte, und ich wohnen an komplett entgegengesetzten Enden. Das ist erstaunlich weit. Da ich danach eigentlich noch weiter wollte, ich spät dran und die Air Quality echt schlecht war, ließ ich mich dorthin fahren. (Und ja, ich habe mich unter anderem wegen durch die Umweltverschmutzung schlechten Luft mit dem Auto fahren lassen. I see the irony.)

Wie dem auch sei, auf dem Rückweg wollten wir ganz normal das Gelände verlassen. Das Gelände ist eingezäunt und an den Zufahrten stehen immer Wachmänner. Gerade bei der Stammzufahrt kennt man sich da natürlich und normalerweise muss man da weder im Auto, noch zu Fuß auch nicht „swipen“, dann halten die Angestellten ihre Zugangskarten vor die Sensoren und es geht alles ganz easy.

Heute waren wir aber nun mal an einem ganz anderen Ende als sonst und dazu noch auf der anderen Hälfte des Compounds, der ist nämlich zweigeteilt. Eigentlich kein Thema, denn auch da funktioniert meine Karte, da wir die gesamte Anlage sowie die Features wie das Schwimmbad auch benutzen dürfen.

Der Fahrer rollte auf de Schranke zu, ließ das Fenster ‚runter und sagte was zu dem Wachmann. Dieser war aber irgendwie grantig und nahm seinen Job sehr ernst. Die beiden diskutierten und diskutierten und wurden immer lauter und auch angenervter und ich dachte mir nur, na super. Ich wollte eigentlich nur mal eben noch was besorgen, hatte nicht mehr viel Zeit und musste – natürlich, den sonst wäre es ja nicht dramatisch genug gewesen – mal Pipi. Gnaaah!

Kurz überlegte ich, ob ich einfach aussteigen und zu Fuß weitergehen sollte. Ich könnte ja swipen und die Fußgängerschranke nehmen. Allerdings war die Diskussion schon so weit fortgeschritten, dass ich das Gefühl hatte, der Typ hätte mich da auch nicht mehr durchgelassen und ich wollte nun auch nicht noch mehr Ärger. Sondern nur aufs Klo und überhaupt, ich wollte weiterkommen.

Inzwischen hatte ich so weit folgen können, dass es um Geld ging. Wir haben seit einigen Wochen ein neues Parksystem und wenn man nicht hier wohnt, muss man wohl zahlen. Das fand der Fahrer albern.

Während ich mich noch fragte, warum er nicht einfach zurücksetzte und einen anderen Ausgang nahm, kam mir eine Idee und ich holte meine Zugangskarte aus der Tasche, um sie demonstrativ vorzuzeigen.

Der Fahrer nahm diese in die Hand und hielt sie dem Wachmann entgegen. Das fand der aber wohl nicht so lustig, guckte mich an und stellte mir Fragen. Nun sind meine Chinesischkenntnisse sehr begrenzt und ich guckte ihn entsprechend ratlos an. Unabhängig davon, war es unschwer zu erkennen, dass er mir nun eine ernsthafte Standpauke hielt und unser Verhalten ungeheuerlich fand. Aber sowas von!

Ich verstand das Problem nach wie vor nicht und musste übrigens immer noch aufs Klo. Das war in dem Zusammenhang nicht sehr hilfreich. Anstatt zu helfen, hatte ich die Diskussion also noch weiter angefacht. Suuuuuuuuuper.

Nach einer Weile holte der Fahrer dann genervt zwanzig RMB (etwa drei Euro) aus der Hosentasche und wir durften passieren. Hurra! In der Zeit hätte ich auch zu Fuß gehen können. Mann, Mann, Mann…

021-0211-gruesse

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4 Gedanken zu “Ankedote #34: Eingesperrt

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