Anekdote #27: Wenn man Schnürsenkel als anstößig empfindet

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Leider konnte ich kein Foto machen, deswegen muss eine Beschreibung reichen. Denn obwohl Chinesen schon mal schnell den halben Handyspeicher voller Fotos von fremden blondgelockten Kindern haben, sind die etwas empfindlich, wenn man im Laden etwas fotografiert. Man könnte es ja billig nachproduzieren lassen wollen.

Eigentlich mutete die Szene heute Mittag ganz harmlos an. In einem Schuhgeschäft hatte man anscheinend die Sonderfläche umgeräumt und Birkenstocks gegen Doc Martens ausgetauscht. Bei immer noch durchschnittlich dreißig Grad kann man ja auch schon mal an Herbstgarderobe denken. ;)

Da Schwarzweiß immer noch Thema ist, stehen da also schwarze und weiße Modelle herum. Eins ist schwarzweiß gemustert. Eins ist knallweiß und hat schwarze Schnürsenkeln. Eins schwarz mit weißen Schnürsenkeln. Also ein ganz normaler Weg, den Trend aufzugreifen. Denkt man.

Ich gucke mir die hübsch drapierten Schuhe noch mal an. Mein Blick bleibt an einem speziellen Paar hängen. Und das nicht, weil ich die so toll finde. (Wobei ich tatsächlich mit welchen liebäugele, aber in anderen Farben und das ist eine andere Geschichte.)

Mein Hirn braucht einen Moment, um zu erkennen, was mich daran stört. Schwarze Doc Martens mit weißen Schnürsenkeln. Schwarze Docs mit weiße Schnürsenkeln. Weiße Schnürsenkel in schwarzen D…

Äh… Moment? Bitte was?

In Deutschland würde man das wohl eher nicht so ausstellen. Falls doch, dann nur in einschlägigen Läden, um die ich einen großen Bogen machen würde.

Ich hoffe sehr, dass sich dieser Trend hier im modebewussten Shanghai nicht durchsetzt. Einige Herren haben hier sehr kurz rasierte Haare und auch, wenn es Asiaten sind… Bei dem Anblick würde ich mich sehr unwohl fühlen.

Für alle, die jetzt etwas verständnislos gucken, hier die Erklärung: Weiße Schnürsenkel in schwarzen Boots – wie zum Beispiel von oben erwähnter Marke – sind ein Erkennungszeichen von Skinheads.

Und Nein, das habe ich mir nicht ausgedacht. Ich habe das gerade extra noch mal gegoogelt. Zwar habe ich in dem Zusammenhang öfters gelesen, es handele sich angeblich um eine urbane Legende, doch das halte ich für Quatsch. Dafür habe ich das schon zu oft in Kombination mit kahlrasierten Schädeln, Hosen mit Tarnfarben und Bomberjacken gesehen.

Wie dem auch sei: Ich hoffe, es wird kein Trend.

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Das Schildkröten-Rätsel ist gelöst. Eventuell zumindest.

Also wirklich nur eventuell. ;)

Ich beschrieb vor einiger Zeit mal ein paar Typen, die anscheinend mit ihrer Schildkröte Gassi gingen. Hier geht’s zu dem Artikel. Es war bizarr.

An derselben Straßenecke sah ich seitdem öfters Chinesen mit Schildkröten stehen oder sitzen. Allerdings waren diese nicht angeleint, sondern sie hielten sie in der Hand.

Die Tage standen wir an besagter Stelle an der Ampel und plötzlich kam ein Kerl in der typischen Straßenreiniger/Gärtner-Kluft ans Fenster gerannt und schrie uns an.

Dazu muss man sagen, dass das nicht allzu ungewöhnlich ist. Hier stehen oft Leute an der Straße, um etwas zu verkaufen. Interessanterweise auch oft Männer und Frauen in Anzügen, die auf an Ampeln haltende Autos zustürmen und den Leuten schlechte Kopien in die Hand drücken oder durch das Fenster schieben wollen, wenn das nur einen Spalt weit geöffnet ist. Oder sie stehen einfach so da und halten bemalte Zettel oder Kartons in die Luft, auf denen Schriftzeichen und Zahlen stehen.

Ich würde gerne betonen, wie super unprofessionell die Dinger wirken. Ich meine, wenn man so Pappkarton-Stücke schon selbst bemalt, dann doch bitte gerade. Oder wenn ich den mit diversen A4-Ausdrucken beklebe, dann doch ebenfalls bitte gerade und ohne, dass sich das Papier wellt. Vielleicht auch ohne unregelmäßige Lücken dazwischen.

Trotzdem wollen die damit sogar Luxuswohnungen verkaufen. LUXUSWOHNUNGEN! Und aus Gründen, die mir wohl ewig verborgen bleiben, scheint das ja zu funktionieren, sonst würden die das nicht immer wieder so hartnäckig versuchen.

Doch zurück zur eigentlichen Geschichte: Der Typ, der uns anbrüllte, wollte etwas feilbieten und drückte eine (für meinen Geschmack viel zu große) Schildkröte gegen das Fenster. Waaaaaaaaaaaaaah! Zum Glück war das geschlossen und die Türe auch. Das war ein wenig gruselig und gleichzeitig auch lustig. Wie in so ’ner Komödie.

Das arme Tier war sicherlich verängstigt oder vielleicht auch schon ganz schön sauer und Schildkröten können ganz schön zubeißen.

Dieses Erlebnis erzählte ich neulich einer anderen Mutter und die sagte, dass man die Schildkröten zum Essen verkaufen würde. Tadaaa! Da haben wir das Rätsel also gelöst. Wahrscheinlich.