Anekdote #21: Papierkram auf Chinesisch, Teil II

Nachbarn von uns sind im Urlaub und ich gieße deren Blumen und sehe nach dem Rechten. Das ist eigentlich keine besonders aufregende oder zeitintensive Tätigkeit. Könnte man annehmen. Weil ich aber nun mal ich bin, ist dem natürlich nicht so.

Als ich die Tage da war, entdeckte ich eher zufällig, dass man ihnen diverse Zettel unter der Tür durchgeschoben hatte. Zettel Nummer eins war eine typische Werbung, die wir auch oft bekommen und damit Müll. Zettel Nummer zwei und drei waren allerdings Post vom Stromanbieter. Hoch offiziell mit Stempel und allem Pipapo. Einer davon war auf Chinesisch, der andere auf Englisch verfasst.

Darauf stand, dass die Juni-Rechnung nicht bezahlt worden wäre und man ihnen diesen innerhalb der nächsten 44 Stunden abschalten würde, wenn man das nicht nachholt. Huch! Das könne man aber in einer der nachfolgend aufgelisteten elf Geschäftsstellen tun.

Na schön. Als ob mich mein eigener Papierkram schon nicht genug auf die Nerven gehen würde.

Ich chattete mit den Wohnungseigentümern. Die hatten natürlich gar keine Juni-Rechnung bekommen. Man kennt das. Scheint hier irgendwie ’ne never ending Story zu sein. Aber Hauptsache, die ganzen Anbieter machen erstmal ordentlich Druck.

Besagte 44 Stunden waren mittlerweile schon rum (man muss ja auch bei 38 Grad nicht jeden Tag gießen) und so erlaubte ich mir, erst am nächsten Vormittag dort hinzufahren. Zum Glück ist eines der Büros nur zwei Häuserblöcke weiter. Ich war dennoch mit dem Auto da. Erstens konnte ich so sicher sein, dass ich bei der richtigen Adresse lande, zweitens hatte ich keine Lust, bei 38 Grad so weit zu laufen und drittens hatte ich nicht sooo viel Zeit und keine Ahnung, wie lange das wohl dauern würde.

Als ich dann so auf das Gebäude zulief, dachte ich mir, dass es vielleicht auch eher ein suboptimaler Plan ist, sowas ohne nennenswerte Kenntnisse der Landessprache regeln zu wollen. Andererseits wollte ich schließlich was bezahlen und hatte den entsprechenden Zettel mit, also so schwer dürfte das ja dann wohl nicht werden.

Auf dem Papier stand auch, dass man eine bestimmte Nummer anrufen müsse, wenn der Strom dennoch abgestellt werden würde. Ich ließ mir von der App noch schnell übersetzen, ob das damit erledigt wäre oder ich da dennoch anrufen müsse. Nachdem die Rückübersetzung, die ich zur Gegenprobe immer mache, mir allerdings „electricity or work?“ anzeigte, erschien mir diese Frage zu heikel.

Ich war ein bisschen nervös. Nicht, dass ich das völlig verbocke, vielleicht versehentlich wen beleidige und unsere Nachbarn keinen Strom mehr haben, wenn sie nach Hause kommen.

Drinnen erwartete mich eine klimatisierte Halle mit großzügigem Wartebereich. Und zum Glück nur mit wenig Leuten. Am Eingang stand ein Wachmann, der mit ein paar anderen Leuten diskutierte, sah mich, zog eine Wartenummer und wedelte damit in meine Richtung.

Och, das ist aber ein Service! Ich bedankte mich brav mit einem fröhlichen „Xièxie“ und wartete darauf, dass meine Nummer aufgerufen werden würde.

Das ging dann auch ziemlich flott. Meine Sachbearbeiterin war sehr nett und mit dem Zeigen zweier Dokumente, ein paar Brocken Englisch, einer Zahl auf einem Display sowie Händen und Füßen klappte das alles ganz schnell und nach insgesamt vielleicht zehn Minuten war ich auch schon fertig.

Eigentlich hatte die Frau nur den Zettel genommen, mir eine völlig andere Zahl auf dem Display gezeigt, mir klar gemacht, dass ich direkt für Juni und Juli zahlen sollte und ich hatte ihr Geld gegeben und sie mir das Wechselgeld sowie die Quittungen.

Das war’s auch schon. Puh! Eigentlich also völlig unspektakulär.

Die Mahnungen sind übrigens Lückentexte, die mit den jeweiligen Details gefüllt werden. Beim erneuten Betrachten stellte ich fest, dass man bei der englischen Version innerhalb von 44 Stunden zahlen müssen. In der chinesischen Variante hätte ich aber noch bis zu einem Stichtag im August Zeit gehabt. Das wären insgesamt neun Tage gewesen. Soso. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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3 Gedanken zu “Anekdote #21: Papierkram auf Chinesisch, Teil II

  1. ?! Strom abschalten? Ernsthaft? Unsere beste Freundin hier hat mal fast 1/2 Jahr lang vergessen, ihren Strom zu zahlen (Künstlerin und Studentin… ;-) ) und das „schlimmste“ was ihr passierte war, dass der Stromanbieter jemanden vorbeischickte, bei dem sie dann direkt an der Wohnungstür zahlen durfte.

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    • Wir waren auch überrascht, aber die Zettel klangen schon sehr ernst und wir wollten es nicht ausprobieren. ;) Aber das die vor der Tür stehen, hatten die auch schon, allerdings mit Gas. Und einer Rechnung der Vormieter, das die natürlich nicht übernehmen wollten.

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