Anekdote #17: From Sarah With Love

Wer mir auf Twitter folgt, hat es vermutlich mitbekommen:

Freitag war ich unterwegs und als wir gerade den Rückweg von Puxi antraten, schaltete der Fahrer eine CD an. Ich war etwas verwirrt. Das macht er nämlich sonst nicht. Ab und zu macht er mal das Radio an, aber ich bin immer ganz froh, wenn er das bleiben lässt. Er hört nämlich gerne eine Diskussions-Sendung, in der die Leute sich im Studio unterhalten und hin und wieder Leute anrufen.

Es wird euch nicht überraschen, dass diese Sendung komplett auf Chinesisch ist. Und auch nicht, dass diese mich daher überhaupt gar nicht interessiert.

Musikalisch sind wir auch nicht gerade auf einer Wellenlänge. Er mag chinesische Schnulzen. Ich nicht. Ich mag internationale Pop-Songs. Er nicht.

Also bleibt das Radio meist aus und ich dachte, damit haben wir einen guten Kompromiss gefunden.

Bis Freitag. Da startete er besagte CD und ich dachte bei den ersten Klängen noch „Ach, guck an, klingt wie From Sarah With Love.“ Nach ein paar Takten war klar: Es war besagtes Lied.   Weiterlesen

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Orkan „Ella“ und Taifun „Chan-Hom“

Ich hab eh Schiss vor Gewitter, aber seitdem Orkan Ella (*klick*) letztes Jahr den halben Baumbestand Düsseldorfs abgemäht hat (und das ist leider nicht übertrieben), bin ich leicht hysterisch. Während des Orkans war ich alleine mit dem damals nicht ganz anderthalbjährigen Kind zuhause, war komplett unvorbereitet und hatte schlicht und ergreifend Angst.

Gott sei Dank ist uns, unserer Familie und unseren Freunden nichts passiert und es gab in meinem näheren Umfeld auch eher wenige Schäden zu beklagen. Dennoch, die Wochen danach waren schlimm. Besonders die erste.

Damals ging der Kleine noch nicht in die Kita, er steckte in einer heuligen Phase, in der man es ihm nicht recht machen konnte – und ich sowieso nicht. Dazu stand ich am Anfang von zehn Tagen Strohwitwenzeit (Fun Fact: Mein Mann war unter anderem hier in Shanghai und da wussten wir noch nicht, dass wir herziehen würden) und ich war ziemlich aufgeschmissen.

Der Großteil der Verabredungen, die ich für die darauffolgenden Tage getroffen hatte, mussten wir absagen. Das Verkehrschaos war nicht schön, denn es waren nicht nur Äste und Bäume im Weg, sondern die Bahn war über größere Streckenabschnitte gesperrt und irgendwie mussten die Leute ja von A nach B kommen. Der Wald und nahezu alle Parks waren dicht und auch ansonsten musste man sehr gut aufpassen, wenn man unter Bäumen entlang ging, weil da immer noch was herunterkrachen konnte. Bei jedem Windzug blickte ich außerdem nervös nach oben, wenn wir unter Bäumen standen. Und das war ziemlich häufig.

Unsere üblichen Spazierstrecken in der Gegend boten ein Bild des Schreckens und waren teilweise auch natürlich nicht Prio 1 wie zum Beispiel der Hofgarten und brauchten Wochen, bis die halbwegs passierbar waren. Alle Orte, die man dann mit Kleinkindern so aufsuchen konnte, waren natürlich ziemlich voll. Der Alltag war also lange noch beschwerlich. So dankbar ich bin, dass uns nicht geschah – es war eine anstrengende Zeit.

Was das Thema „Unwetter“ angeht, bin ich also immer noch traumatisiert. Und ich schäme mich nicht dafür, da könnt ihr eure Witze machen, wie ihr lustig seid.

Soviel zur Vorgeschichte.

Ich hatte mich mal beim Auswärtigen Amt registriert und in den Mail-Verteiler aufnehmen lassen (und bin gefühlt die Einzige, aber das ist ein anderes Thema). Da bekam ich Freitag folgende Nachricht:

„…der tropische Wirbelsturm „Chan-hom“ , der derzeit immer noch an Stärke gewinnt, wird voraussichtlich am 10. oder 11. Juli (…) auf das chinesische Festland treffen und dann abgeschwächt nach Norden (über Shanghai) weiter ziehen. In den Provinzen Zhejiang, Shanghai und Jiangsu ist durch Starkregen, Überschwemmungen und hohen Wellengang mit starken Beeinträchtigungen sowohl entlang der Küste als auch weiter im Landesinneren zu rechnen. Die China Meteorological Administration hat für „Chan-Hom“ die zweithöchste Sturmwarnung „Orange“ herausgegeben. 

Zu Ihrem eigenen Schutz informieren Sie sich regelmäßig in den Medien und folgen Sie den Anweisungen der lokalen Behörden. Aktuelle Informationen über die Entwicklung des Sturms finden Sie hier (…).“

Ok. Durchatmen. Zum Glück bin ich ja in solchen Situationen nicht hysterisch, sondern nur sehr besorgt. Oder so. Es war recht stürmisch, aber das war dann auch schon alles. Ansonsten war es an dem Tag erstaunlich warm und sonnig. Was in den letzten Wochen ja eher selten der Falls war.

Abends twitterte ich:

https://twitter.com/von0211nach021/status/619512370151342080 Weiterlesen

Es regnet, es regnet… Part #2

IMG_20150629_154112Vor einiger Zeit schrieb ich einen Beitrag namens „Es regnet, es regnet…“. Ich habe vorhin nachgesehen, wann das war. Das ist mittlerweile schon einen knappen Monat her! Und da hatte es schon einige Tage durchgeregnet.

Zu diesem Thema wollte ich gerne noch ein kurzes Update schreiben. Die gute Nachricht vorab: Inzwischen trägt Felix seine Gummistiefel gern und hüpft durch die Pfützen. Zumindest manchmal. Also ab und zu. Hin und wieder. Aber immerhin! Und dann sogar gerne!

Der aufmerksame Leser hat allerdings zwischen den Zeilen gelesen und erkannt, dass es anscheinend immer noch die Notwendigkeit für Gummistiefel gibt. Das bedeutet also, dass es immer noch regnet. Also schon etwa einen Monat lang.

Puh.

Ich bin echt kein Sonnenanbeter und mag Regen. Ehrlich. Aber nicht so gut wie jeden Tag!

Wie repräsentativ das aktuelle Wetter ist, vermag ich nicht zu beurteilen, aber ich würde sagen: Es gibt – zumindest dieses Jahr! – eine Regenzeit. Definitiv. Und wenn die Pflaumen nach diesem „Pflaumenregen“ nicht ganz fantastisch werden, nehme ich das persönlich! Weiterlesen

Anekdote #16: Von Spülmaschinentabs

Beginnen wir mit der dramatischen Nachricht: Unsere Ayi hat Urlaub. (Hier düsteres *tö-dö-dö* denken.)

Meistens spült sie per Hand und nutzt die Spülmaschine nur montags. Weil wir da am Wochenende das schmutzige Geschirr einräumen.

Ich habe bei Carrefour schon zwei Mal Spülmaschinentabs gekauft. Die sind (wahrscheinlich, ich habe nicht auf den Preis geguckt, weil das die Einzigen waren und ich keine Auswahl hatte) teuer und waren ein Importprodukt. Aber ganz gut. In der Seefracht hatten wir noch ein paar heimische Tabs und ich musste nun schon ewig keine mehr besorgen.

Neulich bemerkte ich allerdings, dass es sich bei einem Großteil der Tabs um Wasserenthärter handelt, den man auch in die Waschmaschine werfen kann. Die sehen genauso aus, machen aber das Geschirr eher nicht so sauber. ;) Die hat einer der Möbelpacker beim Einpacken anscheinend zusammen geworfen.

Richtige Reinigungstabs waren kaum darunter, aber ich überschlug, dass die Restlichen noch ein paar Wochen reichen dürften. Als ich am Wochenende dann aber die Spülmaschine anstellen wollte, bemerkte ich, dass die sich irgendwie verfärbt hatten und bräunlich geworden sind. Das hielt ich für ein schlechtes Zeichen und wollte neue kaufen.

Montag kam ich aber nicht dazu, Dienstag hatte ich morgens kein Auto und nachmittags keine Zeit und ich dachte mir, besorgste die Mittwoch im City Shop. Da wollte ich sowieso hin. Das würde zwar teurer als im Carrefour, aber die haben die garantiert. Wie ihr es oben vielleicht schon ‚rausgelesen habt, gibt’s hier nämlich nicht überall an jeder Ecke eine Auswahl an Spülmaschinentabs verschiedener Hersteller und Preiskategorien. Weiterlesen

Anekdote #15: Von Pflastern

Es gibt so Sachen, die ich nicht verstehe. Das ist kein chinesisches Ding, das habe ich schon zwei oder drei Mal in anderen Ländern festgestellt.

Ich habe „Aua“ am Bein, um es mit den Worten meines Sohnes zu formulieren. Und zwar doll. ;) Und weil ich da sonst immer dran komme und das noch mehr weh tut, brauche ich ein Pflaster. Aber das muss ich regelmäßig wechseln. Bisher hierher nicht so verrückt und erzählungswürdig.

Nun habe ich hier diverse Pflaster-Sets liegen, teilweise mit niedlichen Kindermotiven. Das Schöne daran: Die Wunde wird rundherum geschützt. Das Doofe daran: Die darf nur winzig sein. Wenn ich allerdings nur so ne winzipinzi-Verletzung und nun mal ansonsten Erwachsenenmaße habe, brauche ich auch ein Pflaster, das einen größeren Durchmesser als zwei popelige Zentimeter hat.

Da kommen dann normalerweise diese einen Meter langen Pflasterstreifen ins Spiel, bei denen man sich dann entsprechend was abschneiden kann. Davon habe ich nun noch ein bisschen was, aber wenn mein „Aua“ nicht innerhalb der nächsten zwanzig Zentimeter abheilt, wird es tricky.

Hier gibt’s irgendwie immer nur diese Mini-Pflaster-Dinger zu kaufen oder gleich nen Verband. Aber man kann’s auch übertreiben. Wie machen Leute in anderen Ländern das? Decken die das nie ab? Haben die keine Schürfwunden? Ich bin verwirrt. Und werde also beim nächsten Deutschlandbesuch Pflaster auf Vorrat kaufen.

Anekdote #14: You too can be a survivor!

Den Namen „Manny Pacquiao“ hatte ich bis vor einem guten halben Jahr zwar schon mal gehört, sagte mir aber nichts. Ich habe aber auch keine große Ahnung vom Boxsport. Inzwischen sehe ich ihn des Öfteren im Fernsehen. Nicht, weil ich mich plötzlich fürs Boxen interessiere, sondern weil er dort mit Werbespots für „Safe Steps“ zu sehen ist.

SAFE STEPS is a pan-Asian public service initiative aimed at providing people with key educational messages on how to prepare for natural disasters. (Quelle: safesteps.com)

Unter safesteps.com könnt ihr euch weiter informieren und euch die anderen Filme ansehen, wie zum Beispiel diesen hier:

Die Spots sind super cool gemacht und dadurch nerven die mich gar nicht. Allerdings sind mein Mann und ich leider ein bisschen anfällig für Akzente und ahmen den manchmal nach.

Ich hoffe inständig, dass ich niemals wissen muss, wie man sich bei Taifunen, Erdbeben, Flut oder Feuer verhält und was ich für den Notfall einpacken sollte. Gerade ersteres scheint in Shanghai aber in der sehr heißen Sommerzeit schon mal vorzukommen. (Waaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah!)

Warum ich den Sommer nicht in Deutschland verbringe

Ich habe diesen Text schon vor Wochen geschrieben und als ich fast fertig war, ergab es sich spontan, dass wir doch für ein paar Tage nach Deutschland fliegen werden. (Allgemein gesehen: „Hurra!“. In Hinsicht auf diesen Text: „Gnaaaaah!“)

Da wir allerdings nur kurz in die Heimat zurückkehren, passt der Text trotzdem. Denn hauptsächlich geht es ja darum, warum ich nicht den ganzen Sommer in Deutschland verbringe wie so viele andere.

Es wird wärmer und wärmer und die Schulen und Kindergärten haben bald (beziehungsweise jetzt inzwischen schon seit über zwei Wochen) Sommerferien. Die sind hier ganz schön ausufernd, in unserem Fall sind es neuneinhalb Wochen. (Und haben nichts mit dem gleichnamigen Film zu tun. Sie sind nur ewig lang. Hihi.)

Zum Glück findet acht Wochen davon ein „Summer Camp“ statt. Nein, das bedeutet NICHT, dass die Kinder wegfahren, sondern da gibt es extra Gruppen. Diese sind anders zusammengewürfelt als sonst und man kann sie wochenweise buchen. Jede Woche wird ein anderes Thema behandelt. Ich bin dafür so unendlich dankbar, denn ohne Kita ist der Kleine absolut nicht ausgelastet. Egal, was wir unternehmen und wie viele Stunden am Stück er Laufrad fährt und überhaupt. In den letzten Wochen hat er noch mal einen Schub gemacht und ist seitdem wie ein kleines Duracell-Häschen. Unglaublich. Ich bin etwas neidisch. So viel Kaffee könnte ich gar nicht trinken, als dass ich da mithalten könnte!

Naja, wie dem auch sei, die heiße Sommerzeit hält ganz langsam Einzug. Meine Begeisterung hält sich arg in Grenzen und ausnahmsweise teilen auch mal viele andere meine Meinung, dass Hitze doof ist und schwitzen solidarisch mit. Das ist ein schönes Gefühl. Kenne ich sonst nur wenig.

Die meisten Expat-Frauen packen ihre Kinder und ihre Siebensachen und fliegen nach Hause. Für mindestens vier Wochen, die meisten aber für sechs oder acht oder sogar mehr. Und im Anschluss hängen sie noch einen gemeinsamen Urlaub mit dem Vater dran.

Das ist natürlich insofern blöd, dass es hier wahrscheinlich ziemlich ausgestorben sein wird. An Chinese New Year war es hier teilweise so ruhig wie in einer Geisterstadt (*klick*). Das war krass. Es kommen aber auch einige Neue, weil im August die Schule anfängt und der Sommer für den Umzug und die Umgewöhnung genutzt wird. Weiterlesen