I feel lonely…

„I feel lonely, lo-lo lo-lo- lonely…“ um es mit den Worten von Sasha zu singen. Der Rest des Textes passt schon gar nicht mehr. Und wenn man den Song kennt und wie das Zitat gesungen wird, weiß: Ganz so tieftraurig ist es eigentlich nicht, sondern eher locker-flockig. Dennoch. Einen gar nicht mal so kleinen Funken Wahrheit enthalten diese Zeilen.

Ich habe es gerade nachgelesen, den Beitrag „Hey, I just met you…“ verfasste ich nach nicht mal zwei Monaten hier. Darin beschrieb ich, wie unglaublich einfach es ist, hier andere Expats kennenzulernen und wie unglaublich schnell diese zart geknüpften Bande aber auch schon wieder gekappt werden.

Inzwischen sind wir nun über ein halbes Jahr hier und ach… *seufz* Mein Eindruck wurde bestätigt. Irgendwer kommt immer. Und irgendwer geht immer. Als ob Shanghai nur aus Drehtüren bestünde.

Die Frage nach unserer Aufenthaltsdauer beantworte grundsätzlich nur noch mit „voraussichtlich bis dann und dann“. Besonders unsere Familie hört das natürlich gar nicht gern. Das soll aber nicht heißen, dass wir da schon mehr wissen, als wir preisgeben wollen, sondern einfach nur: Wer weiß das schon?

In den vergangenen Monaten habe ich so viele ihre Pläne ändern sehen. Einige verlängerten. Einige gingen woanders hin. Einige gingen nach Hause. Bei den Meisten ging alles immer ganz schnell. Wie wir auch kamen die meisten recht spontan her. Und viele gehen auch genauso schnell wieder weg.

Das ist für die natürlich sehr anstrengend, aber für mich auch. Die Beweggründe sind vielfältig und ich schätze, es gehört zum Expat-Leben einfach dazu, dass man sich nie so ganz sicher sein kann, wie es denn nun weitergeht. Da aber auch im sonstigen Leben die Rahmenbedingungen nicht in Stein gemeißelt sind, finde ich es nicht so schlimm, wie man meinen könnte.

Vor drei Wochen erfuhr ich eher zufällig, dass die Familie eines Mädchens auf Felix Gruppe in Kürze mit ihrer Familie zurück in die Staaten ziehen würde. Da sind sie jetzt auch schon. Ist das verrückt? Keine Ahnung, wie lange die das schon wussten, ich hatte nur wenig Kontakt zu ihnen, weil unsere Abhol- beziehungsweise Bringzeiten sich selten überschnitten.

Eine andere Familie, mit der ich mich gerade in letzter Zeit angefreundet hatte, ging früher als erwartet. Ein Lichtblick ist aber, dass die nicht weit weg von unserer Heimatadresse wohnen. Das ist schon schön, denn wenn wir mal zu Besuch in Deutschland sind oder irgendwann zurückkehren, können wir uns sehen.

Der aufmerksame Leser hat es vielleicht bemerkt: Oben genannte Faktoren scheint sich hier langsam als Muster abzuzeichnen. Tja.

Kurz bevor die diese Stadt verließen – also vor mittlerweile fast einem Monat – kamen gleich zwei verheißungsvolle Neuzugänge her, die ich vorab schon mal kennengelernt hatte. Beide mag ich total gerne. Irgendwie traue ich mich aber gerade fast gar nicht, da zu viel zu investieren. Die sind doch eh bald wieder weg.

Zwar ist mir klar, dass ich mich davon frei machen sollte, aber… Ach Mann. Es fühlt sich blöd an.

Vor einigen Wochen kam außerdem „Frischfleisch“. Eine vierköpfige Familie, die bei uns im Haus einzog und die ich halt noch gar nicht kannte. Fremde eben. Eines der Kinder geht in dieselbe Kita wie Felix, stellte ich schnell fest. Ich habe die Eltern ermutigt, Fragen zu stellen, ihnen meine Tipps und meine Telefonnummer aufgedrängt. Sowie eine Einladung zu unserer Spielgruppe ausgesprochen, ohne auch nur einen Namen meines Gegenüber überhaupt zu kennen. Schließlich wollte ich dieses Gefühl, nicht alleine mit diesem Schicksal zu sein, weitergeben und was soll ich sagen? Lief gut. :)

Bei den anderen beiden Fällen, die ich davor erwähnte, ist das etwas anders. Dem neu zugezogenen, wahnsinnig Kollegen-Paar meines Mannes versuchen wir, ein bisschen unter die Arme zu greifen. Da beide wahnsinnig nett sind und besonders er die auch schon vorher kannte, ist das aber nicht so wie das Aufgabeln des „Frischfleischs“.

Zusätzlich hatte ich online eine Familie kennengelernt, der ich im Vorfeld zu deren Ankunft Bettzeug und so organisierte habe. Damit der erste Tag im neuen Zuhause so stressfrei wie möglich läuft und die nicht auch noch sowas erledigen müssen. Denn das fand ich an unserem ersten Tag hier furchtbar. Aber das ist beides eine andere Geschichte.

Es ist sehr schön, mein ganzes Wissen weitergeben zu können sowie das Gefühl, willkommen und nicht mit den typischen Probleme alleine zu sein, weitergeben zu können. Ich behaupte, es gelingt mir auch ganz gut. Das wird auch nicht das letzte Mal sein. Dennoch schleicht sich ein bisschen dieses „Investier aber besser mal nicht so viel Herzblut. Die gehen eh bald wieder…“-Gefühl ein.

Zu diesem Dilemma kommt, dass die meisten anderen Familien, die ich hier so kenne und die eben noch nicht schon wieder weggezogen sind, nun nach und nach doch für längere Zeit nach Deutschland und beziehungsweise oder zusätzlich noch im ausgedehnten Urlaub sind. Das ist irgendwie doof. Nicht, dass ich mich täglich verabrede würde, aber trotzdem. Allein, dass ich deutlich seltener auch mal zufällig wen treffe, ist schon komisch.

Und als ob das Ganze nicht noch genug wäre, weiß ich auch nicht, ob mir das mit dem Kontakt zu deutschen Freunden halten so richtig gelingt. Das ist halt etwas schwer mit der Distanz und vor allem der Zeitverschiebung.

Die bisherige Zeit in China war dazu so unglaublich intensiv und ich habe das Gefühl, es sind bereits Jahre vergangen, seit wir weg sind. Ich habe das Gefühl, ich habe mich dadurch verändert und in Deutschland hat ja auch keine die Stopp-Taste gedrückt, als wir gingen. Demnächst kehren wir für ein paar Tage zurück und ich bin damit auf mehreren Ebenen überfordert. Davon will ich aber gar nicht erst anfangen. Wen treffe ich wann? Wie wird das alles klappen? Wie wird der Kleien das alles mitmachen? Wem sollte ich was mitbringen? Was soll ich an Klamotten einpacken? Was muss ich dort unbedingt besorgen und mit nach Shanghai bringen? Ich könnte stundenlang so weiterfragen.

Momentan sitze ich also zwischen den Stühlen und generell ist bei mir gerade einfach die Luft raus. Zu allem Überfluss geht mir das schwülwarme Wetter auf die Nerven und zehrt an meinen Kräften, aber dazu an andere Stelle mal mehr. Und auch sonst läuft Vieles einfach nur geht so. Es ist nichts Schlimmes passiert, doch momentan sind es so viele Kleinigkeiten, die ich als anstrengend empfinde. Sagen wir es mal so: „Kleinvieh macht auch Mist“.

Ich fühle mich hier grundsätzlich nach wie vor sehr wohl und ich würde es als allgemeinen Durchhänger bezeichnen. Der nicht unbedingt mit Shanghai zu tun hat, aber eben auch aus dem Umzug hierher verwoben ist.

Hach ja, Ich könnte noch so viel mehr dazu schreiben, aber eigentlich will ich auf die Details momentan nicht weiter eingehen. Ich finde, das war jetzt auch genug #mimimi.

Vielleicht war das alles ein bisschen wirr, aber ich bin müde und wollte das unbedingt noch erzählen. Ich gehe jetzt ins Bett und kuschele mich an den kleinen und den großen Mann. So lonely bin ich ja nun auch wieder nicht. <3

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14 Gedanken zu “I feel lonely…

  1. Ein bisschen mimimi muss sein, bloß nicht in sich hinein fressen. Ich stelle es mir auch schwierig vor, die immer wechselnden Beziehungen, ggf das schnelle Abschiednehmen. So zwischen allen Stühlen.
    Toll, dass du anderen bei der Ankunft hilfst. Das fand ich damals das Schlimmste, der erste Abend, müde von dr Reise, sich zurechtfinden müssen. Wenn dann jemand ansprechbar ist – super.
    LG aus dem Rheinland
    Rosa

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    • Es ist so schnellebig. Das ist schon verrückt. Kaum ist raus, dass jemand geht, dann sind die quasi auch schon weg, ohne dass ich mich an den Gedanken gewöhnt habe.

      Dankeschön. Wir waren damals am ersten tag bei Ikea und bei Carrefour. und nicht nur selbst ganz schön erledigt, sondern auch noch mit Kleinkind. Puh. das muss doch nicht sein, die erste Zeit ist anstrengend genug.

      Viele liebe Grüße zurück ins Rheinland!

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  2. Ich fühle mit dir! Das ist wirklich hart! Nicht wirklich zu vergleichen, aber mit geht’s mit Mutti-Kind-Freundschaften ähnlich: während der Elternzeit baue ich sie auf und dann zerbrechen viel/verlaufen viele im Sand, weil die Mädels das Wochenende für ihre Männer reservieren und ich arbeitend natürlich meist nur dann Zeit habe. Daher bin ich da gerade auch sehr zögerlich und richtig entmutigt. 😞

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    • Ich finde, das kann man schon vergleichen. Vielleicht ist das sogar noch ein bisschen doofer. Hier sind die Gründe dafür ja sozusagen „höhere Gewalt“, wenn da nach dem Wegzug was zerbricht, dann wundert das keinen so richtig. In deinem Fall hätte es vielleicht doch geklappt, wenn man sich Mühe gebe würde. Oder doch nicht? Das ist ja im Prinzip eine ähnliche Frage, die da zugrunde liegt – freunden wir uns nur an, weil die Umstände das begünstigen oder weil ich den anderen so nett finde?

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    • Genau so geht es mir auch und da habe ich aus der ersten Elternzeit „gelernt in der ich mich zu sehr auf andere eingelassen habe. Total traurig.

      Hast du denn nur Kontakt zu Expats ,oder auch zu einheimischen Familien? Weil die würden ja nicht direkt wieder gehen.

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      • Das kann man so wohl leider nicht sagen, die Fluktuation bei den Einheimischen ist auch nicht ohne. Also zumindest bei denen, mit denen ich Kontakt komme. Die haben einen internationalen Hintergrund. Drei Mütter aus der Kita sind zum Beispiel Chinesinnen. Die eine hat aber jahrelang in Deutschland gelebt und ist jetzt trotzdem Expat. Die andere hat als Kind mit ihrer Familie jahrelang in Kanada gelebt. Und bei der dritten weiß ich das nicht so genau, die spricht aber fließend Englisch und ich glaube, die hat schon mal in Amerika gelebt.

        Bisher habe ich also nur Kontakt zu Expats, ich denke, alles andere ist auch eher unrealistisch. Die kann man aber auch nicht verallgemeinern, einige sind zum Beispiel seit sechs Jahren oder so da und die werden aber auch nicht für immer bleiben, sondern über kurz oder lang in ihre Heimat zurückkehren.

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  3. Ich kann Dich so verstehen! Der Zauber und die Aufregung des Neuen ist weg und so langsam kommt der Alltag und die Realität durch ((( )))
    Natürlich dreht sich die Welt hier und auch bei Dir weiter… Aber genau das macht das Ganze doch auch so reizvoll: du erlebst gerade Dinge, die Dich verändern. Auch andere Menschen verändern sich. Nacher sieht man, ob es noch passt. Wenn nicht, dann wird es seinen Grund haben.
    Komm mach Deutschland und mach dir nicht so einen Kopf. Du wirst sowieso was vergessen mitzubringen, Du wirst sowieso nicht alles erledigen können und nicht alles nachholen können ;) Aber es wird trotzdem schön werden <3

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    • Nee, werde ich auch nicht. Ich werde ungefähr drölftausend Mal erzählen, wie es hier ist und hinterher weiß ich immer noch nicht, wie es den anderen geht. ;) Aber darauf bin ich mental soweit vorbereitet, das wird schon. Ich freue mich auch schon sehr, aber die Sorge überwiegt zwischendurch immer mal wieder.

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  4. Klingt ja fast so, als ob du langsam in die zweite Phase vom Kulturschock rutscht ;-)

    Kann ich alles gut nachvollziehen was du da schreibst. Meine letzte Konstante, die ich noch aus meiner Anfangszeit hier kenne, ist vor ein paar Wochen auch zurückgegangen (nachdem monatelang vorher nicht ganz klar war, ob sie vielleicht doch noch mal verlängern würden). Das war schon sehr schade. Klar, man hat längst wieder neue Bekanntschaften geknüpft, aber es ist schon sehr anstrengend, ständig neue Leute kennen zu lernen: der blöde Smalltalk am Anfang, das Ausloten, ob man sich überhaupt mag … Und wofür das alles? Für ein paar Monate?

    Ach ja: Man kann natürlich nie wissen, was passiert, aber wir als Nicht-Expats werden nicht spontan irgendwo hingeschickt und wir sind mit open-end hier, also … ;-) *hint hint*

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    • Ich hatte nach dem Lesen deines Beitrags lange darüber nachgedacht, ob das diese zweite Phase ist. Auf die war ich soweit vorbereitet, weil ich wusste, dass es die gibt. Bei mir passt das aber irgendwie nicht so richtig, finde ich. Schließlich bin ich ja nicht super enthusiastisch hergekommen, weil ich unbedingt nach China wollte, sondern habe mich eher positiv überraschen lassen. Und diese Sommer-Situation (waaaaaarm, viele ausgeflogen), spielt da einfach ne große Rolle. Das hätte theoretisch auch über Weihnachten oder Chinese New Year sein können, aber da ist der Zeitraum kürzer.

      Genau, diese paar Monate, das hast du schon treffend beschrieben. Wobei ich ja zur Verteidigung sagen muss, dass diese Zeit immer intensiv war und ich das mit sonstigen Kontakten nicht vergleichen kann. Das hat mehr was von Klassenfahrt.

      Oh! Ich kann dich mit dem Zaunpfahl winken sehen! :D Wir sollten unbedingt noch mal was machen, ich schreib dir gleich mal.

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  5. Kann deine Worte gut nachvollziehen. Ich bin ja immer nur eine begrenzte Zeit in Suzhou. Aber mit jedem Abschied weiß ich auch, dass es bei manchen ein Abschied für immer ist und dass der ein oder andere obwohl wir eigentlich uns mit den Worten „wir sehen uns dann ja in 3 Monaten wieder“, dann doch weg ist.
    lǎowài lái – lǎowài qù…so ist das halt im Expat-Leben…und auch Durchhänger gehören dazu.

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