Orkan „Ella“ und Taifun „Chan-Hom“

Ich hab eh Schiss vor Gewitter, aber seitdem Orkan Ella (*klick*) letztes Jahr den halben Baumbestand Düsseldorfs abgemäht hat (und das ist leider nicht übertrieben), bin ich leicht hysterisch. Während des Orkans war ich alleine mit dem damals nicht ganz anderthalbjährigen Kind zuhause, war komplett unvorbereitet und hatte schlicht und ergreifend Angst.

Gott sei Dank ist uns, unserer Familie und unseren Freunden nichts passiert und es gab in meinem näheren Umfeld auch eher wenige Schäden zu beklagen. Dennoch, die Wochen danach waren schlimm. Besonders die erste.

Damals ging der Kleine noch nicht in die Kita, er steckte in einer heuligen Phase, in der man es ihm nicht recht machen konnte – und ich sowieso nicht. Dazu stand ich am Anfang von zehn Tagen Strohwitwenzeit (Fun Fact: Mein Mann war unter anderem hier in Shanghai und da wussten wir noch nicht, dass wir herziehen würden) und ich war ziemlich aufgeschmissen.

Der Großteil der Verabredungen, die ich für die darauffolgenden Tage getroffen hatte, mussten wir absagen. Das Verkehrschaos war nicht schön, denn es waren nicht nur Äste und Bäume im Weg, sondern die Bahn war über größere Streckenabschnitte gesperrt und irgendwie mussten die Leute ja von A nach B kommen. Der Wald und nahezu alle Parks waren dicht und auch ansonsten musste man sehr gut aufpassen, wenn man unter Bäumen entlang ging, weil da immer noch was herunterkrachen konnte. Bei jedem Windzug blickte ich außerdem nervös nach oben, wenn wir unter Bäumen standen. Und das war ziemlich häufig.

Unsere üblichen Spazierstrecken in der Gegend boten ein Bild des Schreckens und waren teilweise auch natürlich nicht Prio 1 wie zum Beispiel der Hofgarten und brauchten Wochen, bis die halbwegs passierbar waren. Alle Orte, die man dann mit Kleinkindern so aufsuchen konnte, waren natürlich ziemlich voll. Der Alltag war also lange noch beschwerlich. So dankbar ich bin, dass uns nicht geschah – es war eine anstrengende Zeit.

Was das Thema „Unwetter“ angeht, bin ich also immer noch traumatisiert. Und ich schäme mich nicht dafür, da könnt ihr eure Witze machen, wie ihr lustig seid.

Soviel zur Vorgeschichte.

Ich hatte mich mal beim Auswärtigen Amt registriert und in den Mail-Verteiler aufnehmen lassen (und bin gefühlt die Einzige, aber das ist ein anderes Thema). Da bekam ich Freitag folgende Nachricht:

„…der tropische Wirbelsturm „Chan-hom“ , der derzeit immer noch an Stärke gewinnt, wird voraussichtlich am 10. oder 11. Juli (…) auf das chinesische Festland treffen und dann abgeschwächt nach Norden (über Shanghai) weiter ziehen. In den Provinzen Zhejiang, Shanghai und Jiangsu ist durch Starkregen, Überschwemmungen und hohen Wellengang mit starken Beeinträchtigungen sowohl entlang der Küste als auch weiter im Landesinneren zu rechnen. Die China Meteorological Administration hat für „Chan-Hom“ die zweithöchste Sturmwarnung „Orange“ herausgegeben. 

Zu Ihrem eigenen Schutz informieren Sie sich regelmäßig in den Medien und folgen Sie den Anweisungen der lokalen Behörden. Aktuelle Informationen über die Entwicklung des Sturms finden Sie hier (…).“

Ok. Durchatmen. Zum Glück bin ich ja in solchen Situationen nicht hysterisch, sondern nur sehr besorgt. Oder so. Es war recht stürmisch, aber das war dann auch schon alles. Ansonsten war es an dem Tag erstaunlich warm und sonnig. Was in den letzten Wochen ja eher selten der Falls war.

Abends twitterte ich:

https://twitter.com/von0211nach021/status/619512370151342080

Dazu muss ich sagen: In Deutschland gibt es wohl Apps, die das übernehmen. Zwei davon heißen „NINA“ und „KATWARN“. Die muss man aber aktiv installieren. Und auch eventuelle Durchsagen im Radio sind nicht dasselbe.

Die SMS auf dem Bild links (Screenshot aus der Übersetzungs-App) hat einfach jeder bekommen, der eine Telefonnummer in Shanghai registriert hat. Ich persönlich hatte die zugegebenermaßen ignoriert, weil die eben auf Chinesisch war und ich sonst nur Werbung bekomme. Aber ich fand es gut.

Es stürmte und schüttete ordentlich und da die Fenster nicht so dicht sind wie in Deutschland, wir jedoch schon relativ weit oben wohnen, pfiff der Wind ordentlich durch die Fenster. Das war schon gruselig, aber dieses Mal war ich ja nicht alleine mit Kind zu Hause, sondern mein Mann war auch da.

Gemeinsam fanden wir dann auch endlich die große und helle Taschenlampe. Morgens hatte mir jemand aus einem anderen Gebäude nämlich noch erzählt, dass es relativ schnell zu Stromausfall kommen kann. Ich hatte mein Handy die ganze Zeit am Strom und auch die Akku-Packs waren geladen.

Irgendwann gingen wir einfach ins Bett, weil wir so müde waren und schliefen alle drei erstaunlich gut. Die orangene Warnung galt bis zum nächsten Mittag um 12:00 Uhr und witziger Weise brach um 11:57 Uhr die Sonne durch die Wolken. Zumindest für kurze Zeit. Es war immer noch gut stürmisch und regnerisch und wir blieben weiterhin daheim und waren erstmal erleichtert.

Auf dem Fluss waren keine Schiffe unterwegs. Das war ein wenig gespenstisch, da dort ansonsten viel los ist. Auf der Straße fuhren aber schon diverse Autos. Da war an Chinese New Year weniger los. Auf dem Compound-Gelände und dem nebenan konnten wir ein paar umgeknickte Bäume erkennen. Das war aber auch schon alles.

Ich buk einen Kuchen und wir luden uns Besuch aus demselben Haus ein. Die wohnen im selben Gebäude, allerdings ist das so groß, dass sie auch einen anderen Aufgang haben. Da sie aber nicht wirklich vor die Tür gehen mussten, war das also mehr als praktisch. Wir verbrachten einen gemütlichen Nachmittag zusammen, während der Wind pfiff und der Regen peitschte.

Allerdings war ich immer noch etwas nervös. Die Angaben widersprechen sich nämlich ziemlich. Einerseits war es das wohl, andererseits sollte das dicke Ende noch kommen. Auf den Satellitenbildern, die ich finden konnte, sah ich immer nur die Taifun-Verschwurbelung an sich und konnte leider überhaupt nicht abschätzen, was das für uns bedeutete. Ich bin ja schon froh, wenn ich auf der Karte so grob unseren Standort anzeigen kann. Dazu las ich, was der Taifun schon in Japan angerichtete hatte und dass in Deutschland wohl schon thematisierte wurde, dass da was auf Shanghai zusteuern würde. Daher bekamen wir einige besorgte Nachfragen.

Meine beiden Wetter-Apps hatten seit dem Vorabend nur von Regen und Wind gesprochen. Was mich überraschte, denn die eine App hatte mich doch vor nicht allzu langer Zeit vor „gelbem Nebel“ gewarnt. Zum Taifun schwieg sie sich jedoch aus. Hmmm. Was denn nun? War es das jetzt oder kam das dicke Ende noch?

Die Anzeichen verdichteten sich, dass es wohl noch erst losgehen sollte und nachdem ich noch auf Twitter plauderte (unter anderem mit Fräulein Null.Zwo, Frau Zeitlos und Shaoshi), beschloss ich, dass ich jetzt sowieso nichts machen und genauso gut ins Bett gehen konnte.

Ich sah es pragmatisch: Sollte es Überflutungen geben, würde da uns erstmal nur indirekt betreffen, dafür wohnen wir zu weit oben. Für umstürzende Bäume auch.

Die Taschenlampen lagen parat, die Handys waren am Strom, die Akkupacks waren geladen. Und wo die Ausgänge waren, wussten wir ja sowieso.

Meine größte Sorge war, dass die Fenster beziehungsweise die Rahmen bersten könnten. Die mussten schon viel aushalten und teilweise knackten die gruselig, wenn der Wind frontal drauf knallte. Falls da also was brechen sollte oder irgendwas durch die Fenster flöge, wäre das nicht so gut, da unsere Wohnung eher offen ist. Da wir aber auch diverse geschlossene Räume haben, fühlte ich mich soweit sicher.

Ich nötigte meinen Mann noch, den Tipp umzusetzen, zwei Eimer mit Wasser zu füllen, damit wir bei einem längeren Stromausfall die Toilette nachspülen konnten. Ja, das mag für Einige too much information sein, aber ich meine ja nur.

Erstaunlicherweise schliefen wir alle drei wieder ziemlich gut und am nächsten Morgen stellten wir fest, dass es jetzt wohl tatsächlich vorbei war. Wir haben echt Glück gehabt, dass der Taifun sich dazu entschloss, doch besser einen kleinen Haken zu schlagen. Gott sei Dank. Bei Bildern aus anderen Orten wird mir nämlich ganz anders. Besonders aus Vororten, wo die Leute in eher unsichereren Gebäuden wohnen.

Wahrscheinlich klingen meine Vorkehrungen für den Einen oder Anderen bekloppt. Das ist mir aber ziemlich egal. Ich bin dann halt die mit der Taschenlampe, auf die sich die anderen im Notfall verlassen können. Was soll’s.

Wir haben zu unserem großen Glück nur die Ausläufer des Taifuns mitbekommen und es uns an dem Wochenende zuhause gemütlich gemacht. Das war auch mal schön. Sonntagnachmittag schien sogar wieder die Sonne und alle Leute waren buchstäblich aus dem Häuschen.

Das nächste chillige Wochenende hätte ich dann allerdings gerne ohne den Nervenkitzel eines Taifuns. :)

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