Anekdote #17: From Sarah With Love

Wer mir auf Twitter folgt, hat es vermutlich mitbekommen:

Freitag war ich unterwegs und als wir gerade den Rückweg von Puxi antraten, schaltete der Fahrer eine CD an. Ich war etwas verwirrt. Das macht er nämlich sonst nicht. Ab und zu macht er mal das Radio an, aber ich bin immer ganz froh, wenn er das bleiben lässt. Er hört nämlich gerne eine Diskussions-Sendung, in der die Leute sich im Studio unterhalten und hin und wieder Leute anrufen.

Es wird euch nicht überraschen, dass diese Sendung komplett auf Chinesisch ist. Und auch nicht, dass diese mich daher überhaupt gar nicht interessiert.

Musikalisch sind wir auch nicht gerade auf einer Wellenlänge. Er mag chinesische Schnulzen. Ich nicht. Ich mag internationale Pop-Songs. Er nicht.

Also bleibt das Radio meist aus und ich dachte, damit haben wir einen guten Kompromiss gefunden.

Bis Freitag. Da startete er besagte CD und ich dachte bei den ersten Klängen noch „Ach, guck an, klingt wie From Sarah With Love.“ Nach ein paar Takten war klar: Es war besagtes Lied.  

Ja. Äh… Was ist denn hier los?

Im Anschluss daran folgte der Song noch mal in einer anderen Version. Puh. Also EIN MAL hätte dann auch gereicht.

Ich mag Sarah Connor und auch dieses Lied. So ist es nun nicht. Die fand ich auch schon gut, bevor sie bei „Sing meinen Song“ mitgemacht hat und das deutsche Album ‚rauskam. Viele ältere Songs sind nicht wirklich meins und das Image auch nicht, aber… Nun. „He’s Unbelievable“ oder auch „From Zero To Hero“ waren lange auf meinem mp3-Player.

(Jetzt ist meine Street Credibility dahin, ich weiß. Hilft auch nicht, dass ich nächste Woche zu Linkin Park *kreisch!!* gehe.)

 

 

Das Album rund um „From Sarah With Love“ ist größtenteils ziemlich schnulzig. Es kann nicht das Originale sein, denn da sind auch diese Songs mit Naturally 7 drauf. Und ich weiß noch, dass ich beim ersten gemeinsamen Video fassungslos vor dem Fernseher saß (ja, damals sah man noch Musikvideos im TV!) und ich rätselte, ob das nun ironischist oder nicht. Bis ich irgendwann erschüttert zu dem Schluss kam, dass es ernst gemeint ist. Als irgendwann die springenden Delfine eingeblendet wurde, war ich endgültig ‚raus. Es ist ähnlich schlimm wie das zu „Just One Last Dance“.

Äh, ja. Ihr seht, ich habe ein gespaltenes Verhältnis zu den englischsprachigen Werken Sarah Connors.

 

Da saß ich nun im Auto und es wurde immer schlimmer. Eine unerträgliche Schnulze jagte die nächste und ich musste mich teilweise sehr zusammenreißen, nicht zu lachen, weil es so absurd war.

Wie verhält man sich denn in so einer Situation? Hilfe!

Mein Mann und ich rätselten später, dass der Fahrer uns vielleicht eine Freude machen wollte und Musik einer deutschen Interpretin heraussuchte. Das ist eine nette Geste. Ich möchte ihn aber keinesfalls dazu ermutigen, dass er das nun als Ansporn versteht und bald Helene Fischer durchs Auto dudelt. Denn ich habe so im Gefühl, dass er eher weniger dem deutschen Rap oder den Ärzten zugetan ist.

Vielleicht lehnt er sich dann für seinen Musikgeschmack weit aus dem Fester und dann verfolgt mich „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen bis nach Shanghai. Denn die kommen ja auch aus DÜSSELDORF! Genau wie wir!

Lokalpatriotismus hin oder her, das kann ich nicht ertragen. Obwohl ich diesen Gitarren-Schlager prinzipiell schon irgendwie mag, wurde der einfach so oft rauf und runter genudelt, dass er mir aus den Ohren rauskommt. Wir haben bei der Arbeit immer Lokalradio gehört und wer das kennt, weiß, in welcher Hartnäckigkeit die einen Song kaputt machen konnten. Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als ich schwanger im Auto an der Ampel stand und der Moderator ganz stolz verkündete, dass die Hosen den Song nun ihren lateinamerikanischen Fans zuliebe auch auf Spanisch eingesungen hätten. Mein hysterisches Gelächter war filmreif. Und es kam, wie es kommen musste: Ab da riefen wieder vermehrt Leute an, die begeistert diese Variante verlangten. Seufz.

Aber zurück zu Sarah Connor. Heute liefen im Auto zwei Schnulzen von anderen Interpreten und dann „Cold As Ice“. Ich habe das recherchiert. Das ist definitiv nicht von derselben CD wie „From Sarah With Love“. Die Songs sind nämlich von 2010 beziehungsweise 2001. „Cold As Ice“ war mir persönlich nicht so präsent, aber anscheinend doch erfolgreich. Der Refrain ist super eingängig und davon gibt es auch coole Remixes. Das Lied mochte der Fahrer aber gar nicht, das konnte man ihm anmerken. Zum Skippen war er aber wohl zu höflich.

In der Hinsicht haben wir was gemeinsam: Ich bin nämlich zu höflich, ihm offen mitzuteilen, dass ich diese Musik nicht hören will.

Was mache ich denn nun? Ich fand unsere schweigende Übereinkunft eigentlich ganz schön. Wir finden eh keine  musikalischen gemeinsamen Nenner, so romantisch das auch als Symbol für die Völkerverständigung wäre. Eieiei.

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6 Gedanken zu “Anekdote #17: From Sarah With Love

  1. Hahaha! Vielleicht solltest du ihm eine CD schenken mit Songs eigens von dir zusammengestellt? Die muss er dann spielen, schon aus Höflichkeit ;-)

    PS: Ich glaube ja, Lokalradiosender sind das ultimative Böse.

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