Warum ich den Sommer nicht in Deutschland verbringe

Ich habe diesen Text schon vor Wochen geschrieben und als ich fast fertig war, ergab es sich spontan, dass wir doch für ein paar Tage nach Deutschland fliegen werden. (Allgemein gesehen: „Hurra!“. In Hinsicht auf diesen Text: „Gnaaaaah!“)

Da wir allerdings nur kurz in die Heimat zurückkehren, passt der Text trotzdem. Denn hauptsächlich geht es ja darum, warum ich nicht den ganzen Sommer in Deutschland verbringe wie so viele andere.

Es wird wärmer und wärmer und die Schulen und Kindergärten haben bald (beziehungsweise jetzt inzwischen schon seit über zwei Wochen) Sommerferien. Die sind hier ganz schön ausufernd, in unserem Fall sind es neuneinhalb Wochen. (Und haben nichts mit dem gleichnamigen Film zu tun. Sie sind nur ewig lang. Hihi.)

Zum Glück findet acht Wochen davon ein „Summer Camp“ statt. Nein, das bedeutet NICHT, dass die Kinder wegfahren, sondern da gibt es extra Gruppen. Diese sind anders zusammengewürfelt als sonst und man kann sie wochenweise buchen. Jede Woche wird ein anderes Thema behandelt. Ich bin dafür so unendlich dankbar, denn ohne Kita ist der Kleine absolut nicht ausgelastet. Egal, was wir unternehmen und wie viele Stunden am Stück er Laufrad fährt und überhaupt. In den letzten Wochen hat er noch mal einen Schub gemacht und ist seitdem wie ein kleines Duracell-Häschen. Unglaublich. Ich bin etwas neidisch. So viel Kaffee könnte ich gar nicht trinken, als dass ich da mithalten könnte!

Naja, wie dem auch sei, die heiße Sommerzeit hält ganz langsam Einzug. Meine Begeisterung hält sich arg in Grenzen und ausnahmsweise teilen auch mal viele andere meine Meinung, dass Hitze doof ist und schwitzen solidarisch mit. Das ist ein schönes Gefühl. Kenne ich sonst nur wenig.

Die meisten Expat-Frauen packen ihre Kinder und ihre Siebensachen und fliegen nach Hause. Für mindestens vier Wochen, die meisten aber für sechs oder acht oder sogar mehr. Und im Anschluss hängen sie noch einen gemeinsamen Urlaub mit dem Vater dran.

Das ist natürlich insofern blöd, dass es hier wahrscheinlich ziemlich ausgestorben sein wird. An Chinese New Year war es hier teilweise so ruhig wie in einer Geisterstadt (*klick*). Das war krass. Es kommen aber auch einige Neue, weil im August die Schule anfängt und der Sommer für den Umzug und die Umgewöhnung genutzt wird.

Wir sind dann genau ein halbes Jahr hier und da würde es sich natürlich anbieten, in die Heimat zu fahren. Bisher sträube ich mich aber sehr dagegen. Warum das so ist, möchte ich euch das erklären.

In Deutschland wartet keine Wohnung auf uns. Eine Hotel oder eine Pension bedeutet extra Kosten und trotzdem ist es kein richtiges Zuhause. Viele wohnen bei den Eltern, Schwiegereltern oder Freunden. Das geht aber größtenteils nicht beziehungsweise ich bin da nicht so recht der Typ für. Ich möchte abends auch mal meine Ruhe haben können, gerade wenn es nicht nur um ein paar Tage geht. Wir haben vor der Abreise zwei Wochen bei meinen Schwiegereltern auf der Schlafcouch im ehemaligen Zimmer meines Mannes gewohnt. Klar ging das. Ich mag die auch immer noch. Und die uns auch. Aber es ist einfach nicht mein Ding.

Dasselbe gilt für ein Auto. Wir müssten uns einen Mietwagen nehmen oder uns privat eins leihen. Letzteres gibt nur Ärger, das mag ich nicht. So oder so ist es mein Auto. Vom Preis her ganz zu schweigen. Wenn ich das dann mal ein oder zwei Tage nicht brauche, ärgere ich mich wegen der verschwendeten Kosten. Und alles mit Bus und Bahn zu erledigen, ist in Düsseldorf eher suboptimal. Und Taxen kann man auf Dauer nicht bezahlen. Kein Vergleich zu hier. :D

Die Reise wird beschwerlich. Der lange Flug mit allem Drum und Dran ist für Erwachsene eine Sache und würde mich nicht abschrecken, aber mit Kleinkind noch mal eine ganz andere Nummer. Also ich alleine plus Kind. Und da hilft es auch nicht, zu wissen, dass manche das mit zwei oder drei oder mehr Kindern machen. Mein Hauptproblem liegt darin nicht mal in dem Flug an sich, aber dem ganzen Drumherum. Allein der Gedanke ans Gepäckband mit Kind, Handgepäck des Kindes, dem eigenem Handgepäck und den beiden Koffern erzeugt schon Schweißperlen auf meiner Stirn.

Von den Kosten für den Flug will ich nicht mal anfangen. Die Strecke ist auch als Economy-Flug gar nicht mal so günstig. Das ist aber nicht mein Hauptproblem, wenn es mir das wert wäre, ginge das. Ist es mir aber eben nicht. Und dann fallen mir natürlich sieben Millionen Dinge ein, für die ich das Geld besser gebrauchen könnte.

Die Option, dass wir zu dritt nach Deutschland fliegen und mein Mann eher zurückkehrt oder der Kleinen und ich zuerst reisen und Pascal dann nachkommt, besteht, ja. Aber da habe ich trotzdem keinen Bock drauf.

Dann folgt das Problem mit der Zeitumstellung. Auch hier gilt: Für mich ist das eine Sache, aber ich habe da noch ein Kleinkind, dem man das alles rational nur schwer beibringen kann. Es ist ja nicht so, als wäre der doof oder ein besonders schwerer Fall. Er ist ein ganz bezaubernder kleiner Kerl und sehr charmant. (Wenn er will.). Aber für ihn ist das nun mal was anderes als für mich. Dazu kommt die Kombination mit einer fremden Umgebung beziehungsweise Wiedererkennen bekannter Orte und Personen, so viele Leute, alle wollen ständig was und zerren an ihm herum. Dazu ein anderer Tagesablauf, andere Routinen und vor allem keine Kita. Wenig und nicht das eigene Spielzeug, kein Laufrad und dann noch nicht mal das eigene Bett. Und zur Krönung ohne Papa. Und er ist einfach ein Papa-Kind, da gibt es nichts dran zu rütteln. Er mag mich auch, aber ich bin einfach nur zweite Wahl.

Freunde und Familie vermisse ich (zumindest teilweise) sehr, da hilft auch Telefonieren und Skypen nicht. Nicht mal Social Media. Man darf die immense Zeitverschiebung einfach nicht unterschätzen. Und dass ein richtiges Gespräch im selben Raum nun mal was anderes ist.

Gerade wegen der Uroma tut es mir sehr leid, da sie sich einen Besuch bei uns nicht zutraut und eben nicht mehr die Jüngste ist. Dennoch…

Es ist ja nicht so, als würden wir nicht kommen. Im Winter sind wir in Deutschland, das haben wir schon gebucht. Da hier in dem Zeitraum aber überhaupt keine Feiertage sind (wir erinnern uns: Es wird kein Weihnachten oder Silvester gefeiert), muss mein Mann über zwei Wochen Urlaub dafür verwenden. Er hat nicht so viele Urlaubstage und wir würden gerne hier noch mal was ansehen und so, also müssen wir gut damit haushalten.

Und last but not least: Ich mag meinen Mann. Das scheint viele zu überraschen, aber: Ich hab den ja nicht geheiratet, damit ich „unter der Haube“ bin. Er ist zwar öfters mal auf Reisen und muss teilweise auch lange arbeiten, daheim noch mal an Telefonkonferenzen teilnehmen oder sonstwie was tun, aber im Großen und Ganzen führen wir am Abend und am Wochenende ein sehr schönes Familienleben. Und das möchte ich nicht missen. Er auch nicht.

Vier oder gar acht Wochen am Stück ist ne ganz schön lange Zeit, ich möchte das nicht in Erwägung ziehen, so lange getrennt zu sein. Das wäre für uns alle drei das Schlimmste an der ganzen Sache, also warum sollten wir das machen…?

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2 Gedanken zu “Warum ich den Sommer nicht in Deutschland verbringe

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