Kindergeburtstag mit Hindernissen

spielplatzDies ist die Geschichte einer Expat-Mutter, die sich manchmal etwas dämlich anstellt. Und ja, ich meine mich. ;)

Vor ein paar Tagen kam ich nachmittags in die Kita, um Felix wie gewohnt abzuholen. Die Erzieherin wies mich darauf hin, dass er eine Einladung zum Kindergeburtstag im Rucksack hätte. Uuuuuuuh! Das war die erste Einladung hier. Um Ostern rum gab es zwar schon mal eine, aber da war der Kleine krank. Sie nannte einen Namen, der mir allerdings gar nichts sagte. Und entsprechend verunsichert guckte ich wohl auch. Sooo groß ist eine Kindergartengruppe eigentlich noch nicht und mittlerweile kenne ich alle. Dachte ich. Tja.

Ein anderes Kind, das so ähnlich heißt, war es nicht. Da hätte die Mutter das auch sicherlich mir gegenüber schon erwähnt. Also dachte ich, das wäre vielleicht eins aus der Nachbargruppe, mit der seine nachmittags zusammen gelegt ist. Man kann zwei verschiedene feste Abholzeiten buchen und bei der späteren sind eben nicht mehr so viele Kinder da, als dass sich zwei Gruppen lohnen würde. Meistens treffe ich deswegen immer nur dieselben Kinder und deren Eltern, Ayis oder sonstige Abholpersonen an. Morgens hat man ja auch meist ähnliche Zeiten, aber da bringt Pascal ihn alleine.

Felix war super stolz auf seine Einladung und wollte die zuhause gar nicht mehr aus der Hand gegeben. Ich bin ja zum Glück flexibel und gehe auch zu wildfremden Leuten auf Geburtstagsfeiern, aber ich hätte schon gerne wenigstens mal gewusst, wie besagter Junge aussieht. Ist auch sonst ein bisschen unangenehm, wenn man nicht weiß, wem man gratulieren soll.

Nach zwei Tagen und einer sehr subtilen Nachfrage bei einer anderen Mutter („Hä? Sach mal, wer is’n das?“) wusste ich dann auch endlich, wer das künftige Geburtstagkind ist. Ich hätte vielleicht auch von selbst drauf kommen können, dass es sich um den relativ neuen Jungen handelt, der bei mir auf dem kürzlich erworbenen Gruppenfoto ein Fragezeichen ins Gesicht zauberte. Ähem.

Zu meiner Verteidigung: Der sieht einem anderen neu zugezogenen Jungen, der bei uns im Haus wohnt, sehr ähnlich. Ehrlich! Ich dachte, ich hätte das nicht richtig mitbekommen und der wäre doch in derselben Gruppe wie Felix. Naja.

Damit ihr mich nicht für absolut bescheuert haltet, muss ich noch erwähnen, dass ich mir vorletztes Wochenende eine richtig üble Lebensmittelvergiftung zugezogen habe und besonders in der ersten Wochenhälfte noch ganz schön neben der Spur war. Aber mit Kind muss man ja trotzdem irgendwie funktionieren. Und in dem Zeitraum kam auch die Einladung. Wie man’s dreht und wendet, war es ziemlich peinlich. Aber jetzt wusste ich ja schon mal, wer das ist. Hurra!

Auf der Karte stand eine Nummer, unter der man Rückmeldung geben sollte. Wie der Zufall es so wollte, klappte das aber erst einen Tag vorher, dass ich endlich zusagte. Schön, dass ich das Geschenk aber schon Tage vorher gekauft hatte. Nun ja. Ich sag’s ja, manchmal läuft es einfach nicht so rund.

A propos „Geschenk“: Das war auch nicht so einfach. Ich kenne aus Deutschland die Faustregel, dass das etwa den Wert von 10 Euro hat. Es sei denn, man hat immer nur dieselben drei Freunde und ist entsprechend auch nur drei Mal im Jahr wo eingeladen, dann kann es mehr sein.

Jetzt sind wir aber nun mal nicht in Deutschland. Das merkt man unter anderem daran, dass in dem Alter nicht nach Hause eingeladen wird und man ein bisschen Kuchen und so hinstellt und die Kinder halt spielen lässt. Oder etwas später dann auch mal so typische Spiele veranstaltet, aber das kommt vielleicht so ab dem dritten oder vierten Geburtstag oder so.

Nein. Hier wird meistens eine Indoor-Spielplatz gemietet und die ganze Meute eingeladen. Diese oft angewandte, aber beknackte (sorry!) „so-viele-Gäste-wie-das-Geburtstagskind-alt-wird“-Regel greift hier nicht. Ich finde das vom Konzept her auch sinnlos. Ich meine, er hat jeden Tag zehn andere Kinder in seiner Gruppe um sich, in den verschiedenen Nachmittags-Gruppen sind mehrere Kinder… Warum sollte er an seinem Geburtstag dann mit mehr als zwei Gästen überfordert sein? Versteh ich nicht. Wirklich nicht. Wenn man dafür keinen Platz hat, auswärts feiern zu teuer findet oder einfach keinen Bock auf so viel Trubel hat, ist das doch völlig in Ordnung. Da muss man sich nicht hinter so ner albernen Regel verschanzen.

So, äh, kleiner Exkurs.

Also hier wird wohl oft ein Indoor-Spielplatz gemietet und dann gibt’s Kuchen und so. Das sind so Pakete, die man dazu buchen kann. Danach werden oft mehr oder wenige große und teure Gift bags verteilt und insgesamt sind wir hier bei einem stattlichen Sümmchen, das für jedes Kind anfällt. Wie läuft das dann also? Verschenkt man was Größeres? Oder vielleicht auch was besonders Kleines, weil man auf so vielen Geburtstagen eingeladen wird, dass es in Summe einfach zu teuer würde?

Da der Ort des Geschehens die „adventure zone“ des Kerry Parkside sein sollte, wusste ich, dass das ein teurer Spaß werden würde. Ich war ratlos.

Dank einer anderen Mutter, die nachgefragt hatte, wusste ich, dass das Geburtstagskind sich kleine Autos wünschte und wir sprachen über einen ungefähr passenden Preis. Dann wären wir beide schon mal wenigstens gleich auf.

Also kämpfte ich mich letzte Woche in das leider sehr schlecht gekühlte Toys ‚r us und schwitzte mich kaputt, um ein Geschenk zu ergattern. Ich hatte mir ein Budget von bis zu 100 RMB gesetzt, (was momentan knapp 15 Euro entspricht) und fand einen coolen Laster für 80 RMB (also grob 11,50 Euro) und fand das angemessen.

Bevor ich loszog, packte ich den noch schnell ein. Geschenkpapier haben wir aus Deutschland mitgebracht, das kriegt man hier nicht so gut. Man kann die Sachen wohl im Laden verpacken lassen, aber da war es so ekelhaft heiß und schwül, dass ich keine Nerven dazu hatte. Hätte ich aber besser mal gemacht. Leider bin ich eine schlechte Einpackerin, bei mir wird das nie so akkurat. Vor allem sorgte die hohe Luftfeuchtigkeit für Probleme. Dadurch war das Papier nämlich ganz weich und riss dauernd ein. Also schlug ich die Seiten nur grob ein. Das sah entsprechend aus und ich hoffte, dass jemand vielleicht denken würde, ich hätte das mit dem Kind zusammen gemacht. Dann wäre es niedlich. Hach ja.

Ich wollte zwischendurch ganz tricky sein und stattdessen eine Geschenktüte nutzen, die genau die richtige Größe gehabt hätte. Leider zerfetzte ich diese, als ich die aus dem Depot holte. Eben auch wegen der Luftfeuchtigkeit. Gnaaaaah! Die macht mich noch wahnsinnig!

Dann stellte ich fest, dass die Möbelpacker die Box mit den Grußkarten und die mit den Geschenkbändern leider versehentlich eingelagert haben und fluchte noch mal vor mich hin. Da ahnte ich schon, dass es gerade nicht so lief, wie erhofft. Also hoffte ich, dass wir die Geschenke persönlich übergeben würden. Denn ohne Karte… Tja.

Wie geplant holte ich Felix ab. Da ich zwischen Kita-Ende und Partybeginn nur eine halbe Stunde Zeit hatte, war es eh schon knapp bemessen. NATÜRLICH wollte der kleine Herr ausgerechnet heute so gar nicht die Schuhe anziehen, ich musste noch mal schnell Pipi (zuhause war das Wasser wegen einer Reparatur abgestellt) und zu allem Überfluss schüttete es wie aus Kübeln. In Shanghai bedeutet das, man braucht nicht nur Jahr von A nach B, sondern gleich JAHRHUNDERTE.

Im Kerry stellte ich mich selten dämlich an, weil ich eine Abkürzung nehmen wollte (ahahahahahahaha!) und latschte mit Kind aufm Arm und Tüte mit Geschenk, Wickelzeug und Trallala durch die Gegend. Uff. Das war dämlich, anstrengend und kostet bestimmt weitere zehn Minuten.

Nachdem wir als letzte Kita-Gäste ankamen, sagten wir nett Hallo und ich war schon völlig erledigt. Felix hat gerade so eine Phase, in der er sich wegen jedem Kleinscheiß aufregt und auch immer wieder meine Nähe sucht. Zuhause kann er stundenlang alleine spielen, aber wenn andere Kids dabei sind, will er aufn Arm, kämpft um Spielzeuge und so weiter. Seufz. Anstatt auf das super coole Klettergerüst zu gehen, wollte er mit Tretautos fahren. Natürlich gab es nicht für jeden eins und als er dann eins hatte, sollte ich ihn anschieben. Is klar. Hab ich ihm auch mehrfach so gesagt, half aber nix.

Die anderen Mütter hatten mir ungefähr beschrieben, wo es zu dem Raum ging, wo ich meine Sachen und das Geschenk abstellen konnte. Da Felix aber eben so nölig war, ließ ich das einfach bei mir.

Gegen vier Uhr wurden alle in besagten Raum gerufen. Wie der Zufall es so wollte, waren wir schon wieder die letzten und alle plötzlich weg. Ich hatte die Info „da den Gang rein und dann die Treppe runter“ bekommen. Die Treppe fand ich bei so nem Indoor-Kinderspielplatz schon eher suboptimal gelöst.

In dem bunt bemalten Gang war links eine Tür, auf der „to the party rooms“ oder sowas stand. Dort ging es in ein sehr graues Treppenhaus. Ich stutze, weil es doch irgendwie sehr nach internem Treppenhaus aussah und auch gar nicht zu dem hochwertigen Ambiente des Kerry passte. Andererseits ist es nun mal China und ich habe mich schon an einiges gewöhnt. Während ich mit Sack und Pack und Kind vier Treppen herunter geklettert war, sah ich eine Tür. Da stand nichts drauf und mir war das alles sehr suspekt und ich dachte mir, wer bucht denn bitte so einen scheißteuren Spielplatz für Kleinkinder, wo man durch so’n funzeliges Treppenhaus muss?

Ich öffnete die Tür und war definitiv in irgendwelchen Katakomben. Direkt dort befand sich ein Büro (also ehrlich, da möchte ich auch nicht arbeiten!) und eine überraschte Chinesin guckte uns an. Meine vorsichtige Frage nach der „adventure zone“ nahm sie aber zum Anlass, uns durch die düsteren Gänge zurück auf einen schicken Hotelflur zu geleiten und in den Aufzug zu weisen.

Wir fuhren wieder also eine Etage höher und befanden uns am Eingang des Spielbereichs wieder. Zum Glück mussten wir nicht mit dem Personal diskutieren, die ließen uns einfach wieder rein. Und vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich dabei die ganze Zeit auf Socken war, weil man darin keine Schuhe tragen darf.

Ich war ein klitzekleines bisschen ko und fragte noch mal auf dem Weg zum „party room“. Die Aussage war aber sehr ungenau und deswegen ging ich an dem Gang von vorher vorbei und die Treppe weiter hinten runter. Da hatte ich nämlich ein paar andere Mütter lang gehen sehen. Dort ging es aber nur zu einem Spielbereich für größere Kinder und ich stieg die Stufen wieder zurück.

Übrigens trug ich immer noch Kind und Kegel und so doll klimatisiert ist das da nicht. Gnaaah!

Der bunte Gang endet in einer T-Kreuzung, links ging es zum „pirate room“ und rechts zum „jungle room“. Die Tür davor hatte damit gar nichts zu tun. Gut, der Gang war kurz und man hätte das erkenne können, aber mal ehrlich: WELCHER DEPP KOMMT DENN AUF DIE IDEE, DEN HINWEIS „TO THE PARTY ROOMS“ AUSGERECHNET ÜBER DEN EINGANG ZUM TREPPEN-NOTAUSGANG ZU SCHREIBEN??? Only in China, ey…

Und mir wurde wieder klar, warum man solche Einrichtungen in Deutschland auch gerne „Indoor-Spielhölle“ nennt.

Völlig kaputt landeten wir also endlich am Ort des Geschehens und ich konnte zumindest das Geschenk abgeben. Auf den Tischen standen schon gefüllte Teller für die Kinder parat. Darauf befanden sich ein Hot Dog, eine kleine Pizza, Nudeln mit Soße und zwei Mini-Rösti. Daneben stand ein Apfelsaft-Trinkpäckchen.

Ich guckte sicherheitshalber auf die Uhr. Es war tatsächlich erst kurz nach vier, trotz unseres unfreiwilligen Ausflugs. Mein Essverhalten ist flexibel, aber ich hätte das nun nicht unbedingt serviert. Daneben stand das alles noch mal einzeln plus sehr appetitlich arrangierter Mini-Hamburger plus drei Metallkannen und Pappbechern. In den typischen Kaffee- und Teekannen, die man bei uns häufig von Seminaren kennt, war aber weder Kaffee, noch Tee oder heißes Wasser. Dafür aber Cola, Fanta und Sprite.

Inzwischen waren alle schon wieder soweit fertig und gingen wieder zurück nach oben. Nur ich war noch da, der Kleine und eine andere deutsche Mutter plus Geschwisterbaby, mit der ich befreundet bin.

Zum Glück war sie ähnlich verwirrt wegen des Menüs und ich aß eine (leckere!) Mini-Pizza und trank Cola.

Dann gingen auch wir wieder in die Haupthalle und Felix beschloss, nun nicht mehr an meinem nicht vorhandenen Rockzipfel zu hängen und mit den anderen Kindern das große Klettergerüst vom Foto oben unsicher zu machen. Während er ausgiebig tobte, konnte ich mich sogar unterhalten.

Doch als es gerade richtig schön harmonisch lief, wurden alle Gäste wieder in diesen Raum gerufen. Felix und einer seiner besten Kumpels waren aber ganz oben auf dem Klettergerüst und hatten nicht mal ansatzweise Interesse daran, herunterzukommen. Nach ein paar halbherzigen Animationsversuchen, wurden wir etwas strenger. Half aber alles nix. Irgendwann bewegten die zwei sich Richtung Ausgang, kletterten aber immer wieder hin und her. Mittlerweile waren wir schon wieder die letzten. Ich glaube, die Gastmutter hielt uns langsam für völlig irre.

Wenig war er ja nicht das einzige Kind. Letzten Endes entschied sich die andere Mutter, selbst reinzuklettern und die beiden zu holen. Ich hielt das Geschwisterbaby auf dem Arm, alberte ein bisschen mit dem herum und fand diese Arbeitsteilung super. Ich bin nämlich nicht nur relativ groß und relativ dick, sondern auch wahnsinnig ungelenk und das Klettergerüst ist nicht für meine Maße und mein mangelndes Talent ausgelegt.

Nach einer gefühlten Ewigkeit folgten wir dann alle in den Partyraum und nun gab es Kuchen. Warum auch immer. Mittlerweile war es nämlich schon kurz nach fünf. Zum Abschluss bekamen alle Kinder noch ziemlich große und teure gift bags und beim Gehen wollte der Kleine natürlich wieder das Klettergerüst unsicher machen.

Zum Glück holte Pascal uns auf dem Nachhauseweg dort ab und stand bereit. Denn die Aussicht auf „Papa!!“ animierte Felix dann doch, Richtung Ausgang zu laufen.

Ich fand die Location an sich eigentlich echt schön, abwechslungsreich und sauber. Die Partyräume waren dagegen irgendwie komisch und die Essensauswahl empfand ich als seltsam. Die Größe des Ganzen (also die gift bags und sowas) schüchterten mich ein bisschen ein. Ich meine, das war ein zweiter Geburtstag…? Ein anderes Mädchen aus der Gruppe war anlässlich dessen mit ihren Eltern in Disney World. Hmmm. Aber da sind die Maßstäbe hier wohl einfach anders.

Gerne hätte ich mich noch mehr mit anderen unterhalten, aber an dem Nachmittag war irgendwie der Wurm drin und alles sehr anstrengend.

Naja, die nächste Geburtstagsparty wird bestimmt besser! Dafür war ich auch schon alleine auf einer für Erwachsene und hatte richtig Spaß. :)

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2 Gedanken zu “Kindergeburtstag mit Hindernissen

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