Tipps und Tricks: Registrierung in Krankenhaus etc.

Heute mal ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt: Das Pre-Registrieren im Krankenhaus und beim Arzt. Als wir hierherzogen, bekamen wir das als Tipp und ich möchte behaupte, dass es sich hierbei um den Wichtigsten von allen handelt.

Ich kann nicht garantieren, dass alle Informationen hundertprozentig korrekt sind. Falls euch Fehler auffallen oder ihr Ergänzungen habt: Ich freue mich ehrlich und korrigiere beziehungsweise erweitere gern. Schreibt mir einfach unten in die Kommentare.


Wichtigste Info vorab: In Shanghai kommt kein Krankenwagen. Punkt. Diese Info musste ich erstmal sacken lassen. Ihr könnt zwar einen rufen und werdet mal ab und zu einem im Straßenverkehr begegnen… ABER! Es gibt nur wenige und die sind nicht mit denen in Deutschland vergleichbar! Falls irgendwann mal einer kommen sollte, handelt es sich hierbei lediglich um eine Art besseres Taxi, in dem der Patient liegen kann und in dem sich ein bisschen gekümmert wird. Es sind keine Notärzte oder sonstig gut ausgebildete Personen an Bord.

Schleppt euch also in ein Taxi und hofft, dass ihr nicht im Stau steht.


Ansonsten habt ihr in Shanghai den großen Vorteil, dass ihr viele Anlaufstellen finden werdet, in denen Englisch gesprochen wird. Außerdem sind viele andere Sprachen verbreitet. Als meine Freundin in die Notaufnahme musste, traf sie auf eine österreichische Ärztin. Manchmal hat man Glück.

Gleichzeitig müsst ihr bedenken, dass zwei Nicht-Muttersprachler miteinander versuchen, teilweise schwierig zu erklärende Symptome zu durchschauen. „Da, wo der Stich ist, kribbelt die Haut ganz komisch, wird heiß und brennt. Manchmal fühlt es ich taub an.“, „Ich glaube, ich habe eine Bindehautentzündung und ich bin allergisch gegen Medikament XY.“, „Es fühlt sich an wie eine Sehnenscheidenentzündung, aber irgendwie auch nicht.“ – um mal ein paar Beispiele zu nennen.

Falls es ein geplanter Termin und kein Notfall ist, guckt vorher ein paar Begriffe nach und macht euch Notizen. Oder versucht gegebenenfalls, jemand mitzunehmen, der gut Englisch spricht. Pascal und ich gehen nach Möglichkeit gemeinsam. Denn ihr seid ja wahrscheinlich da, weil ihr krank seid und dann eben nicht ganz auf der Höhe. Das solltet ihr nicht unterschätzen.

Aber auch hier gilt: Keine Panik! Im Notfall geht das schon. Es gibt noch Hände und Füße, mit denen sich was erklären lässt. Irgendeiner kennt immer wen zum Übersetzen und es gibt Telefone. Das Kinderkrankenhaus ist wohl nicht so international, aber wie sagte man mir neulich so schön: Ein gebrochenes Bein ist in jeder Sprache gebrochen und Kinder können ihre Symptome eh nicht so gut schildern.


Es lohnt sich allein deswegen, sich vorzeitig zu registrieren, weil ihr die Krankenhäuser/Arztpraxen dann schon mal von innen gesehen habt und den Eingang kennt.

Beim SEIMC (siehe unten) kann man zum Beispiel in einem Notaufnahme-Raum landen, in dem alle möglichen Leute am Tropf hängen – da hätte mein Kreislauf sich schon mal verabschiedet. So oder so landet man aber in einer Halle, die wie ein Bahnhof anmutet. Da sind zig Schalter, zig Gänge und vor allem zig blinkende Schilder und durcheinander wuselnde und brüllende Chinesen – das ist Reizüberflutung pur. Es gibt zwar auf den Boden geklebte lilafarbene Pfeile, die einem den Weg weisen, aber von deren Existenz muss man erstmal wissen.

Das Parkway Health in Pudong ist im Jin Mao Tower, einem der großen Wolkenkratzer. Bei Angabe der Adresse werdet ihr normalerweise vor einem Hotel abgesetzt und müsst euch da erstmal durchwurschteln, bis ihr auf der Rückseite des Gebäudes kurz raus und dann wieder rein gehen könnt.

Das ist alles machbar. Solange man gesund ist. Ich kenne jemanden (*hüstel*), der Fieber hatte, nach einem Umzug einen neuen Hausarzt aufsuchte und „in das Wartezimmer eine Etage tiefer“ geschickt wurde. Dummerweise entschied sich diese Person spontan, im Aufzug mitzufahren, landete ZWEI Etagen tiefer und wartete brav eine halbe Stunde beim Orthopäden, bis die freundlichen Sprechstundenhilfen das Problem klärten. Ich mein‘ ja nur. ;)


Die Anmeldeformulare sind meist auf Englisch und Chinesisch. Das ist im Notfall schlecht auszufüllen. Ich konnte bis vor Kurzem meine chinesische Handynummer nicht auswendig und die Adresse bisher nur so halb. Die steht zwar in meinem Handy, aber man kennt das – dann ist gerade der Akku leer, das Telefonbuch lädt nicht, oder was auch immer. Außerdem braucht ihr euren Pass sowie die Versicherungskarte. Oder zumindest eine Kopie des Passes. Habe ICH selten dabei.

Es GEHT natürlich alles, aber wir hatten den Fehler gemacht, Felix nicht bei Parkway Health zu registrieren und ich musste das mit ihm gemeinsam erledigen, als er krank, unausgeschlafen und nölig war. Und ich mich genauso gefühlt habe. Yay! Es gibt wahrlich Schöneres!

Ihr dürft auch nicht vergessen, dass ihr euch vielleicht mal als Rechtshänder das rechte Handgelenk verstaucht und dann da steht. Oder nen Blinddarm-Durchbruch habt. Ich will keine Horror-Szenarien ausmalen, aber bitte denkt daran: China ist nicht Deutschland.

Also registriert euch. Macht es so schnell wie möglich! Schiebt es nicht auf! Noch mal sage ich es nicht! ;)


Das Abrechnen ist manchmal etwas kompliziert, aber da schreibe ich vielleicht noch mal gesondert was zu. Das ist auch wohl bei allen Krankenkassen unterschiedlich. Wir müssen alle Rechnungen unter 200 Dollar selbst bezahlen und dann einreichen, alles andere wird mit der Kasse direkt abgerechnet. Aber auch nur, wenn das im Vorfeld bewilligt wurde.


Wen ihr Medikamente verschrieben bekommt, gibt es vor Ort eine integrierte Apotheke, die euch diese aushändigt und etwas zur Einnahme erklärt.


Nachfolgend beschreibe ich euch ein paar Anlaufstellen, bei denen ich selbst schon war oder von denen ich Gutes gehört habe.

Ich habe mir die Adressen und Telefonnummern der ersten drei in meinem Smartphone abgespeichert. Mit einem Unterstrich davor, damit ich sie im Notfall schnell finde und nicht überlegen muss, wie verdammt noch mal das eine Krankenhaus heißt. Das nur als Tipp am Rande.


Parkway Health (verschiedene Stadtteile):
www.parkwayhealth.cn

Das Parkway Health ist eine Kette an Gemeinschaftspraxen. Es gibt auch eine Zahnklinik. Ich war schon mehrfach in Pudong und Puxi. Das Schöne ist, dass man bei einer zentralen Nummer anrufen und nach dem nächsten freien Termin beziehungsweise den anwesenden Ärzten fragen kann. So kam es, dass ich bisher schon in zwei verschiedenen Dependancen war. Es ist nicht immer jede Fachrichtung anwesend und manche sind auch nur in Teilzeit da. So kann es vorkommen, dass man jedes Mal jemand anderes hat. Das kann je nach Krankheitsbild ein bisschen nerven. Ich war mit Felix schon bei einem „family doctor“ und einer Kinderärztin. Von ihr war ich sehr angetan, zu ihm würde ich ehrlich gesagt nicht noch mal gehen, wenn es nicht sein muss. Das ist aber mein subjektiver Eindruck.


SEIMC – Shanghai East International Medical Center (Pudong):
www.seimc.com.cn/general/tours.htm

Über den Link kommt ihr direkt zur Pre-Registration-Seite und könnt euch dort die Dokumente herunterladen und eine Tour buchen. Kann ich nur wärmstens empfehlen. In dem Krankenhaus könnt ihr normale Arzttermine wahrnehmen, aber euch auch röntgen oder operieren lassen, entbinden… Was man in Krankenhäusern so macht. ;)

Wie weiter oben beschrieben: Nicht vom Eingangsbereich abschrecken lassen! So kommt ihr zum internationalen Bereich: Haupteingang – durch die große Halle durch – wenn es nicht mehr weiter geht, rechts in den Flur und direkt links rein. Immer den lila Pfeilen am Boden folgen!

Die Notaufnahme hat 24 Stunden geöffnet, nach 20:00 Uhr muss man in den 12. Stock!

In dem Krankenhaus hat eine deutsche Freundin schon zwei Mal gelegen (fragt nicht…) und war sehr zufrieden. Für Expats gibt’s ne eigene Etage, dort sprechen alle sehr gut Englisch. In dem Part gibt es zum Mittag- und Abendessen sogar eine abgespeckte Karte von „element fresh“, anhand derer man sich was aussuchen kann. Ich habe gesehen, was der Rest so bekommt, das ist definitiv ein erwähnenswertes Feature. Zum Frühstück kann man völlig überteuertes Toastbrot plus Joghurt und Saft auswählen, aber hey, es ist Toastbrot.


Shanghai Children’s Medical Center (Pudong):
www.scmc.com.cn/english/about.asp

In der Kinderklinik bin ich bisher Gott sei Dank noch nicht gewesen und ich habe auch kein Verlangen, das näher kennenzulernen. Den Tipp bekam ich erst vor Kurzem. Da werde ich die Tage noch hin, um mir eben alles anzusehen und Felix zu registrieren.


Shanghai Redleaf Women’s Hospital (French Concession):
www.redleafhospital.com/en/about

Ein beliebtes Krankenhaus zur allgemeinen Frauen-Vorsorge, Schwangerschaftsvorsorge und Entbindung, noch relativ neu. Ich war da noch nicht, aber kenne mehrere, die dort zur Vorsorge gingen und/oder gehen sowie entbunden haben und sehr zufrieden sind.


Ich hoffe, ich habe euch nun nicht zu sehr abgeschreckt und konnte euch ein wenig helfen. Die medizinische Versorgung in Shanghai ist prima! Und die internationalen Möglichkeiten super! Ich glaube nicht, dass es in Düsseldorf so einfach ist, zu einem englischsprachigen Arzt zu gehen oder ein Krankenhaus zu finden, in dem die Krankenschwestern so gut Englisch sprechen. Auch wenn ich weiß, dass der Medizin-Tourismus immer populärer wird.

Wie gesagt, ich freue mich auf eure hilfreichen Ergänzungen! Und bleibt am besten gesund! :)

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