Andere Länder, andere Fragen – vom Stillen in China

Milchpulver ist hier in China ein begehrtes Gut, gerade das aus Deutschland. Was mit ein Grund dafür ist, dass dort die Regale oft leer sind. Über die Hintergründe möchte ich an dieser Stelle aber nicht weiter eingehen, denn das ist ein Thema für sich.

Daher war ich bisher immer davon ausgegangen, dass es sich bei dem Thema „Stillen“ in China eher um ein tabuisiertes handelt und verpönt ist. Oder einfach nicht angesagt. Ehrlich gesagt, hatte ich mir aber insgesamt keine allzu großen Gedanken zu gemacht.

Seit ich hier bin, habe ich gesundheitsmäßig einen eher weniger guten Lauf und war schon mehrfach beim Arzt. Da man hier normalerweise in Gemeinschaftspraxen oder Krankenhäuser geht, haben die behandelnden Ärzte meist keine große Ahnung von der Vorgeschichte des Patienten und fragen alles noch mal ab. (Wobei man sagen muss, dass auch die deutschen Ärzte mich auch oft wieder und wieder gefragt haben, was eigentlich deutlich in meiner Kartei stehen müsste. Aber auch das ist ein anderes Thema.)

So kam es, dass ich jedes Mal routiniert gefragt wurde „Are you currently breastfeeding?“. Besonders beim ersten Mal war ich darüber verwundert. Da ging es im Gespräch darum, wann ich denn das letzte Mal diese Beschwerden gehabt hätte. Ich antwortete, das wäre in der Schwangerschaft gewesen und da mein Kind inzwischen schon zwei sei, wohl schon… *rechne*… *äh*… 2012 gewesen und damit eine ganze Weile her. Daraufhin wurde ich gefragt, ob ich Stillen würde und ich musste schief in mich hinein grinsen. Als Mutter eines zwei Jahre alten Kind gefragt werden, ob dies gestillt werde? Beim Allgemeinmediziner? In Deutschland wäre mir das wohl nicht passiert.

Ich bin viel in der Mamablog-Szene unterwegs und demnach in einer kleinen Filter-Bubble gefangen. Da stillen viele relativ lange. Aber bei Ärzten und auch Apothekern ist das anscheinend nicht so bekannt, denn sobald ein Baby älter als ein halbes Jahr ist, geht man meistens davon aus, dass sich das Thema erledigt hat. Oder es wird einem sogar geraten, „es“ nun doch mal „endlich“ sein zu lassen.

Während ich die Frage verneinte, amüsierte ich mich weiterhin. An dem Tag hatte ich nämlich ein Kleidchen an, dass mich immer etwas öko wirken lässt und tat ich diese Aussage unter „Diese verrückten Europäer!“ ab.

Dann erzählte Pascal aber einige Tage später von einer chinesischen Kollegin, die nicht an einem Seminar teilnähme, weil sie da über Nacht bleiben müsse und das wegen des Stillens nicht wolle. Ich sagte noch „Oh, ich wusste gar nicht, dass die ein Baby bekommen hat?“, da ihr Kind ungefähr so alt ist wie Felix. Tatsächlich aber ging es um besagte Tochter und es wäre wohl sehr üblich, dass Chinesinnen ihre Kinder so lange stillen würden, wie es nur geht. Oft wird der Nachwuchs tagsüber von Familie betreut, aber abends und nachts wäre das die Regel.

Das passte auch dazu, dass ich bei jedem weiteren Arztbesuch wieder sehr routiniert gefragt wurde, ob ich den meinem Kind die Brust gäbe und mindestens zwei von der verneinenden Antwort völlig überrascht waren.

Andererseits habe ich aber auch schon mehrfach gehört oder gelesen, dass Ayis völlig verwirrt seien, wenn ein unter einjähriges Kind keine Flasche, sondern die Brust bekäme.

Was hier „üblich“ ist, kann ich nicht beurteilen. Das maße ich mir aber auch in Deutschland nicht an, da die diesbezügliche Wahrnehmung meiner Meinung nach sehr subjektiv ist. Dennoch finde ich es bemerkenswert, dass die Ärzte hier alle explizit fragen und finde das toll. Da können sich die Deutschen mal ne ordentliche Scheibe von abschneiden!

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3 Gedanken zu “Andere Länder, andere Fragen – vom Stillen in China

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