Hürden beim Lebensmitteleinkauf #1 – Schriftzeichen

Über dieses Thema könnte ich in epischer Breite schwadronieren. Wahrscheinlich werde ich mich auch nicht daran hindern lassen. Schließlich ist das hier mein Blog. Muahaha. ;)

Teilweise ist Einkaufen recht einfach. Wenn man vor einem Regal voller Saft steht, kann man normalerweise davon ausgehen, dass wenn auf der Verpackung ein Apfel abgebildet ist, Apfelsaft drin ist. Und wenn man eine Zeichnung von einer oder mehreren Orangen drauf hat, ist das Orangensaft. Bei Trauben…. Genau. Und wenn Guave, Mango, Orange und Kiwi eine Verpackung im Saftregal zieren, wird es wohl ein Saft aus eben diesen Früchten sein.

Das Design hilft auch gut weiter. Besonders Getränkedosen wie beispielsweise die der großen beiden Cola-Anbieter und deren Limos sehen ähnlich aus wie in anderen Ländern auch und sind meist zweisprachig. „syoss“ zum Beispiel sieht genauso aus wie bei uns und ist nur eben in anderer Sprache bedruckt. Generell ist bei vielen Produkten zumindest eine englische Zeile dabei. Die hilft teilweise aber nicht. Mein Englisch ist zwar ganz gut, aber ich bin nun mal kein Native Speaker und das nötige Abstrahieren von eher eigenwilligen Bezeichnungen ist manchmal etwas schwierig.

Hier gibt’s beispielsweise oft „Mellow Milk Toast“. Weder Google, noch das Wörterbuch können mir das so richtig definieren. Es ist… *Trommelwirbel*…. Nun ja. Toastbrot. Es ist zwar im Verhältnis ein bisschen weicher und saftiger als 08/15-Toast, aber der Begriff „Mellow Milk Toast“ scheint im Englischen nicht geläufig zu sein.

Ich wusste vorher auch nicht, dass „detergent“ die englische Bezeichnung für „Waschmittel“ ist. „dish(washing) detergent“ kann aber zum Beispiel auch Spülmittel beziehungsweise Spülmaschinen-Reiniger sein. Also wäre es schon gut, wenn man sicherheitshalber nach „laundry detergent“ Ausschau hält. Dieser Ausdruck wird am meisten verwendet.

Bei meinem gefühlt tausendsten Besuch bei „Carrefour“ stellte ich übrigens fest, dass auf den Preisschildern vorne am Regal oft noch mal der englische Begriff für das Angebotene steht. Zumindest in begrenzter Zeichenanzahl. Das mal so als Tipp. Es hätte mir alles in allem sicherlich schon ein paar Stunden Zeit eingespart. Ähem.

Das hilft selbstverständlich nicht in allen Fällen, aber es ist eine gute Orientierung. Zwar ist es recht leicht, Toilettenpapier, Reis, Nudeln, Gurken und Zahnbürsten von einander zu unterscheiden, aber bei Waschmittel, Weichspüler und Wäschedesinfektion (hier ein ganz großes Ding) wird es schon schwierig. Die stehen nämlich gerne alle im selben Regal und sind auch nicht unbedingt so sortiert, dass man sagen könnte, ach, da links das ist alles dies und das da rechts ist alles jenes. Genauso gibt es Waschmittel im 500ml-Pack sowie Weichspüler in der 3,5l-Flasche. In diesem Gang bin ich schon zwei Mal fast in Tränen ausgebrochen, weil ich mich so überfordert gefühlt habe. Und wahrscheinlich bin ich das nächste Mal wieder kurz davor. Wenn ihr im Carrefour in Pudong mal ein leises Weinen zwischen den Regalen vernehmt – guckt doch bitte, ob ich das bin. Und wenn ja, tröstet mich bitte. ;)

Mal davon abgesehen, dass ich weder Zeit noch Lust dazu habe, bei jeder Packung die Schriftzeichen per Smartphone zu analysieren, bringt das auch einige Probleme mit sich. Man muss ein Foto machen. Das darf nicht verwackelt sein. Es dauert seine Zeit, bis die App das analysiert, man die entsprechenden Zeilen markiert hat und so weiter. Ich habe dann zwischendurch auch gerne mal kein Netz mehr. Oder keinen Akku. Oder der rödelt sich stundenlang einen zusammen, weil die Schrift einen Schatten hat oder sowas. Oder das Handy stürzt ab, weil ich schon das tausendste Bild gemacht habe und die Kamera-Software dann gerne mal einfriert.

Und wenn alles mal einwandfrei geklappt hat und ich eine Übersetzung angezeigt bekomme, heißt das noch lange nicht, dass ich danach schlauer bin, als vorher. Hahaha. Nein. Das wäre ja zu einfach!

Nachdem ich gerne wissen wollte, was das für Kräuter in einem Tee sind, bekam ich an prominenter Stelle die Info, der Tee wäre für LOHAS (die pflegen den „Lifestyle of Health and Sustainability“ – kein Witz. Die gibt’s wirklich!) bestens geeignet. Aha. Wie, äh, schön. Ich wusste dann auch, wie lange ich den ziehen lassen muss und so weiter, blablabla. Aber woraus bestand der Tee denn nun…? Bei einem fertigen Tee-Getränk las ich, dass es „Oolong-Tee“ wäre. Diese Wissenslücke musste ich erstmal schließen. Das ist nämlich ein Mittelding aus Grünem und Schwarzem Tee. Ihr seht schon, vieles zieht einen Rattenschwanz mit sich.

Ein anderes Produkt war hatte als Hauptinformation „Traditionell handgemacht“ drauf stehen. Dazu gab es dann den Zusatz „mit Liebe“. Ach so und „mit Ehrfurcht vor dem hochwertigen Rohstoff“. Aha. Das ist ja toll. Das schmeckt man sicher raus. Half mir aber leider nicht weiter. Ich wollte wissen, ob das Glas- oder Reisnudeln sind. Zwar gab es in der Packung ein winziges Sichtfenster, doch das half mir leider gar nicht. Weiße Nudeln in einer weißen Packung sind übrigens nicht sehr hilfreich, liebe Verpackungsdesigner.

Jetzt ist mir durchaus bewusst, dass man in Deutschland auch keine Packungen hat, wo plakativ „Nudeln“, „Reis“ oder auch „Mehl“ drauf steht und man erst in der Erläuterung Details bekommt. Nichtsdestotrotz wird es dadurch mühsam. Und im Zweifelsfall probiert man es eben einfach aus.

Gott sei Dank hat von uns keiner eine Lebensmittel-Allergie. Das stelle ich mir eh schon unglaublich aufwändig vor, aber hier erst recht.

Wenn alle Stricke reißen, kann man hier übrigens sehr gut im Online-Supermarkt einkaufen. Das erleichtert sehr, dass die Produktbeschreibungen auf Englisch oder teilweise sogar auf Deutsch sind. Die Auswahl ist gar nicht schlecht und die Lieferung klappt super. Wir bestellen Wasser und sonstige Getränke gerne in größeren Mengen, so müssen wir die nicht schleppen. Aber auch (tief-)gekühlte Ware kommt gut an. Teilweise muss man aufpassen, da die Preise – zumindest bei einigen Produkten – wesentlich höher sind als im Laden. So zahlte ich kürzlich denselben Preis für das Toilettenpapier einer bestimmten Marke, aber genau dieselbe die Küchenrolle, die es auch bei Carrfour gibt, kostete online das Doppelte.

Dafür wusste ich bei den Brötchen, die ich mitbestellt hatte, dass sie wirklich Schokoladenmasse gefüllt sind und nicht mit einer Paste aus roten Bohnen. Das sieht nämlich teilweise recht ähnlich aus und zum Glück habe ich es bisher nicht verwechselt. ;)

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2 Gedanken zu “Hürden beim Lebensmitteleinkauf #1 – Schriftzeichen

  1. Oh ja, das Waschmittel-Weichspüler-Dilemma! Noch schlimmer ist nur die Auswahl bei Mehl (und warum befindet sich das bei den Instant-Nudeln und nicht bei Zucker und Stärke?) und die Shampoo/Spülung-Fraktion.

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    • Mehl! Aaaah! Eins meiner Reizworte hier! Nachdem ich einen Supermarkt komplett durchkämmt hatte und meine Pläne damit schon fast verworfen hatte, fand ich zwei Packungen. Eine davon mit roter und einer mit blauer Schrift. Ich hab dann einfach eine genommen und die hat ihren Dienst getan – aber ich weiß nicht mehr, welches das war. ;)

      Duschgel war auch so ein Drama! Und dann wollte ich och Gesichtswasser und was, um mir die Augen abzuschminken. Da hab ich bei dem eigentlich internationalen Watson’s zwar was erstanden – aber ich bin immer noch unsicher, ob das nicht was anderes ist. Und obwohl da groß „oil-free“ drauf steht, ist das irgendwie ölig. Es ist…. Bizarr.

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