Anekdote #2: Sprachverwirrung hoch drei

Es wird jetzt ein bisschen kompliziert, aber ich versuche, es so gut wie möglich niederzuschreiben.

Felix wächst momentan dreisprachig auf. Das war so nie geplant, hat sich aber nun aufgrund unseres Auslandsaufenthaltes so ergeben. Ob ihr das bemitleidenswert oder supergeil findet, dürft ihr selbst entscheiden. ;)

In der Kita wird Chinesisch und Englisch gesprochen. Zuhause – beziehungsweise natürlich auch, wenn wir als Familie unterwegs sind – kommunizieren wir auf Deutsch. Mit der Ayi (*klick*) spricht Felix zuhause Chinesisch und wenn wir alle drei miteinander reden, wechseln wir zu Englisch. Mama kann halt kaum Chinesisch.

Der Kurze redet prinzipiell noch nicht sooo viel, dafür plappert er fröhlich vor sich hin und versteht alle drei Sprachen soweit gut.

So viel zur Vorgeschichte. Manchmal machen besagte Sprachen auch einen flotten Dreier. Und ich sage bewusst nicht „Ménage-à-trois„, um nicht noch eine weitere mit ins Spiel zu bringen.

Eines der Worte, die Felix schon lange und gerne exzessiv verwendet ist das deutsche „mehr„. Ich denke, es spricht für sich, warum. Das ist im Alltag sehr vielseitig einsetzbar. ;)

Ausgesprochen klingt es bei ihm ungefähr so: „mee-ah„.

Im Chinesischen gibt es ein Wort, das sich wie folgt schreibt (ich habe das für euch investegativ herausgefunden): 没有 beziehungsweise „méiyǒu„. Deutsch ausgesprochen klingt es etwa wie „mee-juh„. Sinngemäß bedeutet es so viel wie „weg“ oder „nicht (mehr) da„.

Vielleicht habt ihr es bemerkt: „mee-ah“ und „mee-juh“ ist nicht sooo weit von einander entfernt, aber man kann es gut trennen. Finde ich. Die Ayi hingegen korrigiert ihn oft, weil sie glaubt, dass er das nicht deutlich genug ausspricht.

Es wird aber NOCH komplizierter: Manchmal möchte Felix gerne „mee-ah ju„.

ju“ steht für „juice„. Und Hurra, da haben wir noch eine dritte Sprache, die mitmischt.

Normalerweise ist „apple ju“ der Sammelbegriff“ für jede Sorte Saft oder auch Limo. Obwohl er genau weiß, dass es teilweise weder Saft ist, noch aus Äpfeln besteht. Nur in der Kombination mit „mehr“ macht er eine Ausnahme.

Warum er ausgerechnet „apple juice“ und nicht „Apfelsaft“ sagt, ist uns noch nicht ganz klar. Essen wir auswärts, bestellen wir für ihn „apple juice„, daheim sagen wir aber „Apfelsaft„. Und selbst wenn wir am Wochenende zwei Mal unterwegs speisen, unter der Woche sind wir dafür meist zuhause. Die Verteilung ist also recht eindeutig. Und in der Kita trinken alle nur Wasser, da gibt es nie Saft.

Dazu frage ich mich auch warum er – zumindest in meiner Gegenwart, in der Kita ist das vielleicht anders – nicht „more“ verwendet.

Aber die Wege des (in dem Fall kleinen) Herrn sind ja bekanntlich unergründlich. ;)

mee-ah„, „mee-ah ju“ und „mee-juh“ sind also drei Ausdrücke, die im ungeübten Ohr zwar recht ähnlich klingen, aber dennoch drei verschiedene Bedeutungen haben:

  1.  „mee-ah“ = mehr
  2. mee-juh“ = „weg„, „nicht (mehr) da„, „alle
  3.  „mee-ah ju“ = mehr ju = mehr Saft

Er unterscheidet also bewusst zwischen dem Wunsch nach „mehr“ und der Feststellung „oh, nichts mehr da“ und ich finde das faszinierend. Aber es hätte mir auch gereicht, wenn das nur auf eine Sprache reduziert wäre. ;)

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5 Gedanken zu “Anekdote #2: Sprachverwirrung hoch drei

  1. Achja, das Sprach-Chaos…“meine“ Kinder in der Au Pair Zeit sind zweisprachig aufgewachen (französisch und spanisch), mit Brocken von Deutsch und Englisch, was bei vielen Au Pairs eben mal vorkommen kann. Die drei großen (6.10) hatten die Sprachen ganz gut unter Kontrolle, aber bei der Kleinen (2) konnte es vor allem in Kombination mit Müdigkeit gerne mal schief gehen. Und dann wurde ich auf Spanisch angequatscht, und das endete mehr als einmal in Tränen. Auch, wenn man die Sprachen klar trennt, kann es sein, dass in den kleinen Köpfen manchmal was durcheinander geht, und das ist ja auch verständlich, wird aber später besser. :)

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  2. Hallo! Unsere Kinder wachsen ebenfalls dreisprachig auf. Der Papa spricht Russisch und ich nicht. Unsere Unterhaltung daheim erfolgt daher in Englisch- Im Kindergarten und bei der Oma sprechen sie Deutsch. Der 2,5 Jährige ist so weit, dass er als Übersetzer zwischen Papa und Oma fungiert….. Alle 3 Sprachen werden problemlos auseinander gehalten und fast fehlerfrei gesprochen.

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