Eindrücke: Chinese New Year 2015

Die beiden Figuren haben die Deko etwas gruselig gemacht.

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So, die diesjährigen Chinese New Year-Feierlichkeiten hätten wir auch geschafft. Also eigentlich schon länger, aber ich habe es verpeilt, den Artikel zu schreiben. Eigentlich wollte ich euch so viel Wissenswertes übermitteln, aber das können andere so viel besser und deswegen gibt es nur ein paar Eindrücke. Also „ein paar viele”… ;)


wpid-photogrid_1426340778848.jpgIm Zuge der Integration hatten wir schon im Vorfeld (siehe Foto rechts) wunderschöne Deko aufgehangen und ich grübele noch, wann man die wohl wieder abnimmt und ob ich die nicht einfach lassen soll. Die Fische machen sich als Girlande nämlich sehr hübsch. Ich glaube, ich lasse die noch eine Weile und hänge vorerst nur die Schilder an der Tür ab.

Dekoration aller möglichen Varianten (alle möglichen Materialien wie Stoff, Pailetten, Glitzer, Holz, Filz, Fensterbilder, Handyanhänger, Girlanden, große Drachen und Lampions aus Papier und was der Krimskramsmarkt so hergibt) konnte man in Hülle und Fülle käuflich erwerben und ich sollte noch erwähnen, dass die meisten Verkaufsstände nicht so merkwürdig aussahen wie auf dem Foto oben. Aber das Bild ist so schön kurios und über den Witz von @drachenkatz, dass die da nicht mehr alle Latten am Zaun haben, muss ich jedes Mal lachen.


Die Feiertage an sich waren ruhig und entspannend, denn es war kaum einer da und man sah das Tumbleweed wie im Western durch die Straßen fliegen. Das war eine ganz eigene Atmosphäre und hatte was. So friedlich und ruhig und vor allem leer hatte ich Shanghai noch nicht gesehen.

Manchmal war es fast ein bisschen unheimlich.

Alles in allem waren es aber ein paar schöne Tage, denn Felix hatte anderthalb Wochen Kita-Ferien und Pascal auch ein paar Tage frei.


Es gab jede Menge Feuerwerk, aber vor allem an zwei Abenden und nicht an jedem Tag der immerhin zwei Wochen, so wie wir das im Vorfeld gehört hatten. Junge, das war wirklich eine Menge Raketen! Wir sahen uns das von unseren Fenstern aus an und es war ziemlich verrückt, dass wir uns das Spektakel VON OBEN ansehen konnten.

Ich hatte ziemlich Respekt vor den China-Böllern. Die heißen nicht umsonst so und sind hier sehr populär. Allerdings sind die nicht TÜV-geprüft, haben eine CE-Nummer oder sind sonst irgendwie in irgendeiner Hinsicht getestet, so dass mein deutsches Sicherheitsdenken sich damit anfreunden könnte. Deswegen waren wir abends auch gar nicht draußen. (Naja gut, das lag eigentlich daran, dass wir ein Kleinkind haben.)

Mein Highlight war übrigens eine Situation am zweiten Samstagmorgen gegen 10:00 Uhr. Wir stiegen aus dem Auto aus und ich sah noch, wie Männer links und rechts eine Brücke einen Feuerwehrschlauch ausrollten. Über eine Strecke über mehrere hundert Meter. Bis ich dann checkte, dass der rot war und verdächtig nach einer Würstchen-, äh, Böllerkette aussah. Während ich noch eins und eins zusammen zählte, wurden diese Dinger gezündet und es ging los. Alter Schwede!

Es war so laut, dass ich mein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte. Die meisten anderen – so auch Felix und Pascal – waren davon entweder eher unbeeindruckt oder staunten vielleicht ein wenig. Während ich innerlich tausend Tode starb und vor meinem inneren Auge sah, wie bei meinem Kind das Innere des Ohres unwiderruflich zerbröselte, über einen eigenen Hörsturz nachdachte und ich noch ein paar Schreckensvisionen hatte, wie diese Böllerkette außer Kontrolle gerät und uns alle in den Tod riss. Oder so. Letztlich ist zum Glück nichts passiert.


Das Chinesische Neujahr hat hier einen noch größeren Stellenwert als Weihnachten bei uns. In der Kita wurde dementsprechend eine große Party gefeiert, zu der die Eltern ebenfalls eingeladen waren. Leider war mein Mann verhindert und ich alleine da. Das machte aber nichts, es waren längst nicht alle Eltern da und auch meist nur ein Elternteil.

Rot steht in China für Glück, Freude und Wohlstand und ist DIE Farbe für Chinese New Year und einige hatten sich farblich angepasst oder sogar chinesisch gemusterte Kleidung an.

Alle trafen sich in den Gruppen und die Kinder waren ganz aufgeregt, dass wir da waren. Uns wurde schon in den Tagen davor verraten, dass sie etwas eingeübt hatten und ich war sehr gespannt. Die Kinder sind alle noch recht klein, unter zweieinhalb. In der Weihnachtsfeier der alten Kita wurde zum Beispiel was getrommelt und das war sehr niedlich.

Nach einer Weile sammelten die Kleinen sich vorn bei den Erziehern und natürlich wollten die meisten – so auch Felix – dann plötzlich auf Mamas Schoß. Auch, wenn sie sonst in der Kita ganz selbständig sind. :) Alles sangen ein „Happy New Year“-Lied und die Teacher verteilten die aufwändigen Karten, die die Kinder alle für die Eltern gebastelt hatten. Wow, die waren echt toll!

Danach wurde wieder gesungen und der chinesische Weihnachtsmann, äh, der God of Wealth (Cai Shen / Cáishén / 財神), hatte seinen Auftritt. Er war in chinesisch gemusterte Gewänder gehüllt und trug einen langen schwarzen Bart. Der hat mit dem weißen Rauschebart nichts gemein, sondern es waren – zumindest hier – lange glatte Haare, die gar keinen echten Bart vortäuschen sollten, sondern von einem runden Bambusstab mit Abstand zum Mund gehalten wurden. An dieser Stelle wäre vielleicht ein Foto ganz hilfreich. Tja.

Die Kinder waren schwer beeindruckt und wurden einzeln aufgerufen, zu ihm nach vorne zu kommen. Das klingt weit, doch wir reden hier von maximal drei Schritten. Jeder bekam ein kleines Geschenk, das natürlich direkt mit Begeisterung ausgepackt wurde.

Danach ging es auf einen „red envelope treasure hunt“. Das erinnerte an die Eiersuche an Ostern. Die traditionellen roten Umschläge, in denen man andere mit Weihnachts-Geld beschenkt, wurden im Raum versteckt und jedes Kind sollte einen ergattern. Das war sehr witzig, weil die Kinder das Prinzip teilweise noch nicht ganz verstanden, aber trotzdem unbedingt einen haben wollten, wenn sie ihn sahen. In den Umschlägen befand sich jeweils eine große goldenen Schokoladenmünze. Felix war im Himmel. ;)

Freud und Leid liegen aber bekanntlich dicht beieinander und dann ging es daran, dass die Kleinen ihre Kostüme für ihren Auftritt in der Aula anziehen sollten. Da waren schon die Kinder und Eltern der Nachbargruppe versammelt. Sie wollten zu „Five little monkeys“ singen und tanzen. Ich hatte es mir schon gedacht, weil Felix das – soweit nachvollziehbar – seit Tagen unermüdlich sang.

Es klappte alles so semigut. Die meisten Kinder wollten plötzlich nicht mehr mitmachen und lieber wieder zu Mama oder Papa oder einfach ganz woanders hin und entsprechend war das Wirrwarr groß. Dennoch war es lustig und ein schönes Fest. Aber leider auch für alle recht anstregend.


„Das chinesische Neujahr ist ein (…) Familienfest. Da (…) immer mehr Familienmitglieder von ihren Familien getrennt leben, setzt jedes Jahr (…) die größte regelmäßige Migrationsbewegung der Welt ein. Die abseits ihrer Heimatgebiete arbeitenden Chinesen sparen in der Regel ihren gesamten Jahres-Urlaubsanspruch, um (…) mindestens zwei (…) Wochen der Arbeit fernbleiben zu können.

Da in der Heimat (…) teils auch andere Arbeitsmöglichkeiten angeboten werden, ist ein Nebeneffekt dieser Migration, dass oftmals bis zu einem Drittel der urlaubenden Chinesen ihre alte Arbeit nicht wieder aufnehmen. Dies ist ein fester Kalkulationsfaktor z.B. bei Baustellen im gesamten südostasiatischen Raum.“

Quelle: wikipedia.org/wiki/Chinesisches_Neujahrsfest

Vor Letzterem hatte ich tatsächlich ein bisschen Angst, aber es sind alle danach wieder zur Arbeit gekommen. Juchuu!


Frohes Neues! :D

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2 Gedanken zu “Eindrücke: Chinese New Year 2015

  1. Die Veranstaltungen im Kindergarten sind ja nett. Und wie Shanghai so ohne Menschen ist, würde ich auch gerne mal erleben. Ich bin da ja immer in Nanjing und da wird leider schon jeden Tag geböllert – direkt vor dem Fenster. Dieses Jahr war es aber tatsächlich nicht ganz so schlimm.

    Ich habe auch im Fernsehen gesehen, dass an immer mehr Stellen das Böllern verboten ist und die Polizei in Shanghai da inzwischen nachgeht. Vielleicht seid ihr deshalb von dem großen Lärm verschont geblieben?

    PS: Mein Fisch hängt auch noch. Ich glaube, den lasse ich auch hängen ;-)

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    • Nachdem ich bei dir gelernt habe, wofür der steht, kann das ja auch nicht schaden. :D Das ist übrigens eine Kette aus mehreren Fischen übereinander.

      Ja, die Kita ist einfach super, die lassen sich immer was einfallen. Einige machen aber auch schon zuviel, ich glaube, da ist es echt schwer, die Balance zu finden.

      In Pudong war es teilweise echt wie ausgestorben. Ich hätte nicht gedacht, dass dennoch so viel geknallt wird. Uns ist aber auch aufgefallen, dass es immer an denselben Stellen war.

      Wir waren einen Tag aus Versehen (es ist eine lange Geschichte… Hihi.) am Bund und da war tatsächlich mal ein bisschen was los. Das war’s aber auch schon.

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