Kita-Alltag #1 – Vorgeschichte und Auswahlkriterien

Pascal und ich waren „damals“ alleine zum Look-and-See hier und sahen uns auch verschiedene Kitas an. Unser Plan war, dass Felix so schnell wie möglich hier in die Kita gehen kann und so einen festen Tagesablauf inklusive jeder Menge Spaß hat. Er hat sich in seiner Einrichtung in Deutschland sehr wohl gefühlt, endlich gut gegessen, so gerne mit anderen Kindern gespielt und vor allem jeden Tag etwas Neues gelernt. Wir waren uns sicher, dass er hier bald genauso gern in eine gehen würde und alles Fremde drumherum so für ihn gar nicht so komisch wäre. Außerdem darf man ja nicht vergessen, dass wir bis zum Eintreffen der Luftfracht nur wenig Spielzeug da hatten und ihm immer wieder klar wurde, dass ihm einiges fehlt.

Nicht, dass ich ihm keinen strukturierten Tag und Spaß bieten könnte, aber wenn Mama zum Beispiel durch chinesische Supermärkte tingelt und versucht, halbwegs sinnvoll einzukaufen, ist das für beide Seiten nicht so toll. Und sich jeden Tag zu Playdates zu verabreden, finde ich persönlich anstrengend. Er ist ja noch in einem Alter, indem die Mütter immer noch dabei sein müssen und so gerne ich auch mit anderen quatsche – ich muss das nicht den ganzen Tag haben. ;)

Ich wusste, dass uns die Kita helfen würde, so schnell wie möglich Normalität zu schaffen und ein ausgeglichenes fröhliches Kind zu haben.

Neben gefühlten vierhundert Wohnungen, sahen wir uns also noch ungefähr viertausend Kitas an. Hier gibt es einige internationale. Viele englische, viele englisch-chinesische, auch mindesten eine deutsche. Sogar einen Montessori-Kindergarten gibt es und wir sahen auch Werbung für eine Waldorf-Gruppe. Es ist wirklich nicht so, als gäbe es hier keine Auswahl.

Für alle kann man sich bewerben und wir hätten auch fast überall einen Platz bekommen können. Hier lief das völlig anders, als wir das in Düsseldorf kennengelernt hatten. Da haben wir nämlich ewig warten müssen und bekamen am Ende einen einzigen Platz „zur Auswahl“ angeboten. Diese Einrichtung war allerdings ein totaler Glücksgriff und ich hoffe sehr, dass Felix dort nach unserer Rückkehr in den Kindergarten gehen kann.

Ich war im Vorfeld unsicher, was die Betreuung in China angeht. Das Konzept der deutschen Kita war genauso, wie wir es kannten. Die internationalen Kindergärten nennen sich meist „Preschools“ und darin ist das Wort „school“ eben schon enthalten. Da Felix gerade mal zwei Jahre alt ist, finde ich, er soll bitte noch sehr lange Kind sein dürfen und muss in dem zarten Alter nicht schon in ein schulisches Umfeld gesteckt werden. Und das ist es. In den Preschools gibt es „art lessons“, „music lessons“, man lernt nicht nur die Farben, sondern auch das Zählen, das ABC und so weiter. Die ErzieherInnen heißen „teacher“, oft gibt es auch in dem Alter schon Schuluniformen – wenn auch meist in einer bequemeren Variante – und überhaupt.

Ich möchte ihm eine möglichst unbeschwerte Kindheit voller individueller Entfaltungsmöglichkeiten bieten und auf gar keinen Fall, dass er auf chinesische Art und Weise getrimmt wird und dann bitte ein Haus so malen soll wie auf der Vorlage. Und alles andere wäre nicht schön und „falsch“.

Selbstverständlich ist mir durchaus bewusst, dass Kinder in anderen Ländern auch glücklich aufwachsen, aber: Wenn ich die Wahl habe, sehe ich meinen Nachwuchs verständlicherweise am liebsten in einem (Betreuungs-)Umfeld, das mir am meisten zusagt. Und zu Beginn hatte gegenüber dem Preschool-Konzept Vorbehalte.

Als erstes sahen wir uns eine der deutschen Kitas an. Die war allerdings recht weit von Pascals Arbeit entfernt und das wäre logistisch daher eher unpraktisch. Auch wenn es, wie in den meisten Einrichtungen, einen Schulbus gibt – die kleinen Kinder müssen normalerweise begleitet werden und irgendwie muss ich ja auch wieder zurück- beziehungsweise weiterkommen. Ich wollte nicht, dass Felix und ich jeweils viel Zeit im Schulbus oder im Taxi und Pascal sehr lange bis zur Arbeit brauchen würde. Diese Thematik blendete ich bei der Besichtigung jedoch noch aus. Das war kein Kunststück, weil ich da noch gar kein Gefühl für Shanghaier Entfernungen und die Verkehrssituation hatte.

Schnell wurden wir uns unabhängig davon einig, dass diese Kita zwar wirklich schön sei und alle einen netten Eindruck machten, wir unser Kind dort gut aufgehoben wüssten…….. Aber. Wir haben hier ein außergewöhnlich internationales Umfeld, wäre es nicht schade, wenn wir Felix die Chance verwehren würden, dieses auch als solches zu erleben? Und ihn stattdessen in einem deutschen Kokon aufwachsen zu lassen? Da er vier Jahre alt sein wird, wenn wir zurückkehren, wird es bis zur Einschulung noch dauern, wir sahen also keinen Grund, lieber auf „Nummer sicher“ zu gehen.

Er versteht alles, sprach aber im Entscheidungszeitraum noch eher wenig. Das Alter ist ideal, um ihn eine andere Sprache lernen zu lassen. Da er nonverbale Kommunikation gewohnt ist, kann er sich auch sprachübergreifend verständigen. Bisher hatte er auch nicht mit der Wimper gezuckt, wenn wir ihm mal ein Spiel oder ein Filmchen auf Englisch zeigten. Ich werde an dieser Stelle nicht weiter drauf eingehen, doch ich hielt (und halte) die Voraussetzungen für ideal, ihn in eine mehrsprachige Betreuung zu geben.

Als nächstes sahen wir eine Preschool, die uns ebenfalls zusagte. Einiges war toll, einiges nicht so, aber im Großen und Ganzen waren wir angetan. Im Laufe der Führung stellte sich jedoch heraus, dass Felix erst zum neuen Schuljahr im Spätsommer würde beginnen können, weil man vor der „Einschulung“ zwei geworden sein muss. Ja, äh… Das passte nicht. Außerdem wäre es um gerade mal drei Stunden pro Tag gegangen. Damit war diese Schule vorerst raus.

Die nächsten beiden Preschools waren beide Bilingual Englisch-Chinesisch, gefielen uns beide sehr und wir mochten sowohl Räumlichkeiten als auch Konzepte. Beide Direktoren waren uns sympathisch und beide Einrichtungen hatten jeweile tolle Merkmale, die uns sehr gefielen. Die entscheidenden Faktoren für unsere Wahl waren dann, dass die eine Schule uns von Pascals Kollegin empfohlen worden war, deren Kind ebenfalls dorthin geht. Die Kollegin hatte ich am Vorabend persönlich kennengelernt und fand (und finde) sie sehr nett und aufgeschlossen. Außerdem stimmte das Bauchgefühl dort einfach und das ist ja das Wichtigste. Witziger Weise war das auch die Einrichtung, deren Webseite ich mir als allererstes angesehen hatte.

Wir meldeten Felix noch während des Look and Sees für nach unserer finalen Ankunft an und die Formalitäten nahmen ihren Lauf.

Ich bin sehr glücklich mit unserer Entscheidung und ich weiß, dass der Kleine sich dort sehr wohl fühlt. das ist auch ein ganz entscheidender Punkt für mich gewesen, warum ich mich hier so schnell eingelebt habe und mich bereits angekommen fühle.

Hier geht es zum zweiten Teil: „Kita-Alltag #2 – Eingewöhnung und Alltag“.

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2 Gedanken zu “Kita-Alltag #1 – Vorgeschichte und Auswahlkriterien

  1. Es ist sooo spannend, Euren Weg, die Entscheidungen und all das Drumherum mit zu verfolgen. Ich glaube – nein, ich bin mir sicher! – ich wäre damit völlig überfordert!

    Schön ist ja, dass Ihr so eine freie Wahl hattet, das kennt man von hier ja nicht so. Und ich glaube, ich hätte mich da auch gegen eine deutsche Einrichtung entschieden, aus genau den genannten Gründen.
    Total klasse, dass es dem Kleinen da so gut gefällt und Ihr auch jetzt noch hinter der Entscheidung steht und stehen könnt – alles richtig gemacht also, hm? :)

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    • Ich war – äh, bin! – damit auch eigentlich ziemlich überfordert, aber man wächst ja an seinen Aufgaben. ;)

      Dass überall noch Plätze frei waren, war glücklicher Zufall. Dafür hatten wir auch die Qual der Wahl. Man muss bei allem allerdings bedenken, dass die internationalen Kitas/Schulen alle privat sind und einen Haufen Geld kosten.

      Ja, definitiv alles richtig gemacht! :)

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