Sightseeing: Shanghai World Financial Center (Flaschenöffner)

wpid-photogrid_1423375235807.jpgNein, das Foto, das man links sehen kann, wurde nicht aus einem Flugzeug aufgenommen. Das ist da wirklich so hoch! Waaah!

Wir waren heute auf der Aussichtsplattform des „Shanghai World Financial Center“ (SWFC). Für alle – einschließlich mir – bei denen da auf Anhieb nichts zu einfällt: Das ist eines der markanten Hochhäuser aus der Shanghaier Skyline, der so genannte „Flaschenöffner“. (Und jetzt alle so: „Aaaaaaah, sag das doch gleich!“)

Gestern Abend sagte Pascal noch „Aber wenn morgen schönes Wetter und kein Smog ist, möchte ich endlich mal auf eins der Hochhäuser!“ und ich so „Jaja, machen wir.“ – Tatsächlich dachte ich nicht im Traum daran, dass es heute soweit sein könnte. Gestern waren die Luftwerte nämlich rot und bei knapp 200. Tja. Heute morgen war dann strahlendster Sonnenschein und die Werte von acht Uhr morgens waren sogar im grünen Bereich. Grün! Das kam seit unserer Ankunft bisher so gut wie nie vor.

Ich war ein wenig hin- und hergerissen, denn gute Luftwerte plus Sonnenschein schreien förmlich nach „sich im Freien aufhalten“. Anderseits ist so eine Aussichtsplattform bei Smog rausgeschmissenes Geld.

Also machten wir uns um kurz nach zehn auf den Weg zum SWFC. Die Chinesen sind mir in einer Hinsicht besonders sympathisch, denn anscheinend schlafen sie am Wochenende gerne aus oder lassen es zumindest langsam angehen. Morgens ist – unserer bisherigen Erfahrung nach – nix los. Wir hingegen sind dann schon öfters unterwegs, weil wir nun mal ein Kleinkind haben. Zum Glück schläft Felix im Vergleich zu manchen anderen Kindern trotzdem relativ lange. Dennoch ein Tipp für alle Frühaufsteher: Der Tower öffnet sogar schon um acht Uhr morgens. Da ist man am Wochenende vermutlich recht alleine.

Normalerweise muss man wohl recht lange warten, wir konnten aber überall durchgehen. Darüber war ich auch sehr froh, denn erstens ist es ziemlich ätzend, mit einem Kleinkind wo anzustehen und zweitens war es da überall dunkel und nur spärlich beleuchtet. Sowas mag ich nicht. Außerdem stank, äh, roch es penetrant nach Lack, der garantiert nicht auf besonders umweltverträglicher Wasserbasis hergestellt worden war. Läppische zwei Minuten standen wir vor dem Vorraum zu den Aufzügen. Dort wurde uns und ein paar anderen Leuten auf einer Panorama-Leinwand ein drei Minuten langes Video zum Tower präsentiert.

Ich formuliere es mal so: Es war nett. Aus Gründen, die ich nicht ganz nachvollziehen konnte, wirbelte immer so eine animierte Kugel durchs Bild, in der später unter anderem internationale Kindergesichter eingeblendet wurden. Joa. Felix fand es zumindest ganz toll. Am Schluss rief er anerkennend „Yeeeeeah“ und wollte wohl auch applaudieren, war dann aber irritiert, weil ansonsten keiner mitmachte. Die Kita hinterlässt bleibende Spuren. ;)

Im Aufzug gab es eine kleine Lightshow, auf die der Kleine ähnlich reagierte. Ich fühlte mich ein bisschen wie bei den Eingängen zu den Attraktionen in Movie World und ähnlichen Freizeitparks, bei denen die Wartezeit durch ähnliches Tamm-Tamm versüßt und bereits zum Erlebnis werden soll. Dafür, dass wir so hoch fuhren, war der Druck auf den Ohren erstaunlich gering.

Oben angekommen ging es direkt weiter auf den sogenannten „Skywalk“. Zum Glück waren der Boden nicht komplett durchsichtig, sondern nur einige Glasbausteine in der Mitte. Drumherum sind einige leicht durchsichtige Platten verlegt. Ich habe erst im Nachhinein verstanden, dass wir über die Öffnung des Flaschenöffners lang liefen und mir wird nachträglich ein bisschen flau im Magen, wenn ich daran denke. Die seitlichen Panorama-Fenster sind leicht schräg und davor gibt es zwei Stangen, damit man sich daran abstützen und sicher fühlen kann. Oder so. Felix nutzte diese erst einmal, um sich da dran zu hängen und ein wenig vor- und zurück zu baumeln. Ich konnte gar nicht richtig hinsehen.

Der Ausblick, der sich bietet, ist der helle Wahnsinn. Anders kann ich es nicht beschreiben. Man kann – zumindest bei so gutem wetter wie heute – so weit gucken! Wow!

Es gibt Hochhäuser in verschiedensten Höhen, soweit das Auge reicht. Der Huangpu River schlängelt sich an unseren Füßen entlang. Die Aussicht ist relativ eintönig in hellem Beige gehalten, zumindest wirkt es auf mich so. Bunte Dächer oder Grünflächen fallen mir kaum noch auf.

Der benachbarte Shanghai Tower ist zwar noch nicht fertig, hat aber schon seine endgültige Höhe von 632 Metern erreicht. Obwohl das SWFC mit 492 Metern den Jin Mao Tower (421m) und auch den Oriental Pearl Tower (468m) noch mal um immerhin einige Meter überragt, ist der Shanghai Tower einfach noch mal ne ganze Ecke höher. Genauer gesagt 140 Meter! Zum internationalen Vergleich: Das Empire State Building in New York ist 381 Meter hoch. Der Burji Khalifa in Dubai, der aktuell das höchste Gebäude der Welt ist, misst 829 Meter. Ich empfand das SWFC schon als irrwitzig. Die Vorstellung, dass man ein Gebäude bauen kann, was noch mal 337 Meter höher ist, erscheint mir als völlig bizarr.

Wir konnten unseren Compound entdecken und obwohl dessen Hochhäuser sich alle über fünfzig Stockwerke erstrecken, fallen die gar nicht besonders auf. Das ist so faszinierend und erstaunt mich immer noch.

Normalerweise interessiere ich mich herzlich wenig dafür, wie hoch ein Gebäude genau ist aber heute musste ich das bei den signifikanten Teilen der Skyline nachschlagen, um meine inzwischen völlig aus den Fugen geratenes Verständnis von Größenverhältnissen wiederherzustellen.

Für mich fühlt es sich völlig surreal an, dass wir uns wirklich so weit oben befanden. Wie ich in der Bildunterschrift schon erwähnte – es wirkte auf mich eher, als würde ich die Landschaft aus einem Flugzeug im Landeanflug betrachten und nicht, als ob ich auf einem Turm stünde. Dass das überhaupt möglich ist!

Ich muss gestehen, dass ich mir im Vorfeld kaum etwas über den Tower durchlas und einfach nur die Aussicht auf mich wirken ließ. Das kleine Café plus Souvenirverkauf plus mietbare Ausstellungsfläche müsste sich unterhalb der Flaschenöffner-Öffnung befinden. Gefühlt fuhren wir aber mit dem Aufzug nach oben, um dann mit Rolltreppen wieder herunterzufahren. Oder so. Ich sag ja, diese Höhe hat mich völlig verwirrt. Und der penetrante Geruch nach lösungsmittelhaltigem Lack, der durch alle Bereiche rund um die Aufzüge waberte, tat sein Übriges. Wahrscheinlich war ich die ganze Zeit im Erdgeschoss und habe nur auf einer LED-Leinwand einen Film über die Aussicht gesehen und war nur durch die Dämpfe in mehrfacher Hinsicht „high“. ;)

Jedenfalls begaben wir uns anschließend in einen kleinen abgetrennten Bereich, in dem wir es uns auf einem kleinen Sofa gemütlich machen und die Aussicht genießen konnten. Ich machte meinem Namen als „Macchiato Mom“ alle Ehre und trank einen Milchkaffee. Zwischenzeitlich wurde ich von meinem Sohn löffelchenweise damit gefüttert und er hatte einen Riesenspaß dabei. Nach und nach wurde es merklich voller und es kamen immer mehr Leute auf den Tower.

Nach einer Weile ging es dann wieder nach unten und wir aßen im deutschen Restaurant „Brotzeit“ zu Mittag. Das ist übrigens sehr zu empfehlen. Dazu folgt die Tage noch einen separater Eintrag.

Der Ausflug war toll und wenn wir Besuch bekommen, lasse ich es mir bestimmt nicht nehmen, mit denen noch einmal auf den Tower zu fahren. Ich stelle mir die Aussicht in der Dämmerung beziehungsweise bei Dunkelheit auch sensationell vor. Die ganzen Lichter inklusive der Animationen sehen garantiert spektakulär aus. Wahrscheinlich ist es dann jedoch wesentlich voller. Wir haben das übliche Gedrängel jedenfalls nicht vermisst und fanden es sehr angenehm, dass wir immer einen guten Überblick hatten und nicht immer zwischen vielen Köpfen nach draußen schielen mussten. Die Aussicht wurde von der strahlend hellen, winterlichen Vormittagssonne wunderschön in Szene gesetzt und war ein tolles Erlebnis! Zumindest, wenn man nicht weiter darüber nachdenkt, in welcher Höhe man sich gerade befand. ;)

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