Normalität.

Manchmal habe ich das Gefühl, die Leute zu enttäuschen. Ich führe hier ein relativ normales Leben. Es ist nicht immer so aufregend, wie viele denken. Klar, das ist jetzt in China und das ist verdammt weit weg von der Heimat. Das wird mir aber eigentlich nur dann immer so richtig bewusst, wenn ich die immense Zeitverschiebung bedenke.

Natürlich sind hier viele Dinge ganz anders, aber im Großen und Ganzen ist das hier jetzt auch nicht so verrückt, wie man meinen könnte.

Felix will abends nicht einschlafen. Ich verschütte nur ein paar Tropfen Wasser, aber gleich ein halbes Glas klebrigen Apfelsaft. Endlich gönne ich mir ein Paar Turnschuhe, mit denen ich bequem herumlaufen kann. Das Shirt, was ich gerne hätte, ist in der entsprechenden Größe ausverkauft. Im Supermarkt entdecke ich eine leckere Limo, die ich noch nicht kannte. Latte Macchiato ist im Café unglaublich teuer. Ich trinke ihn trotzdem. Und esse gerne auch was dazu. In der Baustelle nebenan wird viel gehämmert. Wir gehen Pizza essen. Zuhause kochen wir oft Nudeln mit Soße, ich streue viel Parmesan darüber und die Männer essen außerdem Würstchen. Ich lerne total nette Leute kennen, die mir auf Anhieb sympathisch sind. Und ich lerne Leute kennen, mit denen ich auf Anhieb nichts anfangen kann. Felix regt sich über irgendwas auf und ich rege mich über Felix auf worüber der sich wieder aufregt. ;) Ich beschäftige mich gerne mit meinem Smartphone. Ausflüge und Termine müssen nach dem Rhythmus des Kleinen geplant werden. Für eine Tüte im Supermarkt muss man Geld bezahlen. Bio-Obst und Bio-Gemüse sind teurer als anderes. Es gibt viel Stau und viele Baustellen. Mal habe ich gute Laune, mal habe ich schlechte Laune.

Alltag ist und bleibt Alltag. Das könnte alles genauso in Deutschland stattfinden.

Doch vieles ist anders. Felix redet in der Kita Englisch und Chinesisch. Die Omas und Opas sind weit weg und wir können uns nicht mehr so oft sehen. Wenn ich im Supermarkt was konkretes kaufen will, suche ich mir oft nen Wolf. Oder stehe ratlos vor dem Toastbrot-Regal und weiß nicht, was der Unterschied zwischen den einzelnen Sorten sein soll. Oft werden die noch mit einer englischen Zeile erklärt. Im Carrefour stehen bei einem Regal sogar noch die Inhaltsstoffe übersetzt daneben. das „Sugarfree Toast“ enthält jedoch Zucker, das daneben aber nicht. Äh, ja. Und überhaupt ist das Thema „Einkaufen“ ein ziemlich großes Ding für mich.

Aktivitäten sind nicht nur wetterabhängig, sondern vor allem von der Luftqualität. Und die kann man kaum vorhersagen. Außerdem legt sich deswegen in der Wohnung ständig ein Staubfilm nieder und ich verstehe langsam, warum viele täglich oder zumindest alle zwei Tage wischen (lassen). Wir haben einen Fahrer, das wäre uns in Deutschland vermutlich niemals passiert. Mobil online zu sein, ist oft langsam und raubt viel Akku und Traffic, weil viele Webseiten wie zum Beispiel Twitter nur über VPN erreichbar sind. Wir wohnen in einem Hochhaus und da sogar ziemlich weit oben. Hier sind überhaupt viele Hochhäuser, aber im Gegensatz zu Deutschland ist das nicht schnell ein Zeichen für eine, wie man so schön sagt, „sozial schwache Gegend“. Gekocht wird mit Gas (aaah!) und Wasser aus der Flasche. Denn obwohl unser Wasser hier für örtliche Verhältnisse sehr gut gefiltert ist, enthält das wohl viele Schwermetalle und ich bin da halt pingelig. Die Waschmaschine hat für mich völlig unverständliche Programme, die mit chinesischen Schriftzeichen gekennzeichnet sind. Unser Kind wird ständig und hemmungslos von wildfremden Leuten angestarrt, bewunken und fotografiert. (Wobei… Halt, das war auch in Deutschland schon so. Nur wesentlich weniger.) Die Sprachbarriere ist definitiv vorhanden, aber beide Seiten verständigen sich am Ende doch irgendwie.

Der Alltag stellt mich täglich vor Herausforderungen, die sind nur andere als in der Heimat. Aber bisher komme ich damit wesentlich besser zurecht, als befürchtet.

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Ausprobiert: „Sweet Potato Latte“

„Holly’s Coffee“ ist eine Kaffee-Kette wie Starbucks und so weiter. Heute morgen beschloss ich, dass ein Käffchen vor dem Einkaufen nicht schaden könnte und wollte mal neue Wege gehen.

Als ich in dem Laden drin war, musste ich erst einmal etwas über mich selbst lachen:

Auf der Karte gab es unter anderem „Sweet Potato Latte“ und das wäre hier ein „Signature Drink“. Och, dachte ich, den probierste mal. Ich mag Süßkartoffeln. Das könnte schmecken.

Während ich auf die Bestellung wartete (ganz funky mit so Dingern, die leuchten und vibrieren, wenn man fertig ist), war ich mir nicht so sicher, ob das ne gute Idee war. Und ob es sich hierbei überhaupt um Kaffee handelt? Oder vielleicht mehr so was wie Getreidekaffee? Oder ist das wie der Pumpkin Latte von Starbucks, den ich gar nicht so mag, der aber schon noch „richtiger“ Kaffee ist? Oder wie Chai Latte, auf den ich stehe, der Gewürzmilch und kein Kaffee ist?

Egal, ich wartete ab. Probierte und dachte erst „OK, ungewöhnlich“ und dann „Hmmm“. Ein wenig wie Chai, milchig und mit würzigem Aroma. Die Süßkartoffeln schmeckt man zwar raus, aber es ist wie bei Carrot Cake oder so gar nicht richtig „gemüsig“.

Im Anschluss an den ersten Schluck und während des weiteren Genusses recherchierte ich online, was das überhaupt ist, was ich da gerade süffel. Meine Suche ergab folgendes: Das Zeug (wie auch die Kette) hat seinen Ursprung in Korea. Und es besteht tatsächlich aus Süßkartoffeln (wohl meist getrocknet), die mit Milch, ein wenig Honig und Gewürzen aufgekocht werden. Anschließend kommen dann ein paar geröstete Mandeln oben drauf. Bei mir auf dem Foto ist das nicht mehr ganz so schön, weil ich da schon von getrunken hatte. (So wird aus mir kein Foodblogger, hihi.) Ursprünglich nimmt man dafür auch Mandelmilch, aber bei Holly’s scheint es normale zu sein.

Es ist also kein Kaffee enthalten, wach werden muss ich nun anderweitig. Schmeckt aber total lecker und ist genau das Richtige, wenn es kalt ist. Besonders im Winter werde ich mir den sicherlich öfters bestellen. Und behaupte, wer Chai Latte mag, wird den hier auch mögen. 

Vom Preis her wie Starbucks, die tun sich da alle nichts. Ich war kurz versucht, auszurechnen, wie viele Litchi-Trinkpäckchen ich dafür wohl bekomme, aber das wäre ja wie Äpfel und Birnen vergleichen.

Fazit
Name: Sweet Potato Latte
Firma: Holly’s Coffee
Preis:
32 RMB (4,44 EUR)
Menge: „Regular“, wie viel das ist, weiß ich leider nicht
Behälter: Tasse oder To-Go-Becher
Quelle: Holly’s Coffee
Note: 1–

Ausprobiert: „Chivalry Litchi Drink“

Mein Mann steht total auf Lychees – beziehungsweise Litschis – und ist damit hier an der Quelle. Yeah! Dieses Getränk hier hatte er die Tage schon probiert und ich habe es noch mal gekauft. Daraus kann man also schon ableiten, dass es nicht so schlimm gewesen sein kann. ;)

Ich mag die Frucht an sich irgendwie nicht, mich erinnert die immer an Augäpfel. Deswegen zählt sie zu den Obstsorten, die in meinem kleinen Köpfchen immer wieder in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht! Denn geschmacklich ist die was für mich.

Schätzungsweise ist das Zeug hier im Trinkpäckchen eine Fruchtnektar-Plörre. Allein die Formulierung „Litchi Drink“ klingt danach, sonst würde es wohl „Litchi JuiceW heißen. Ich hoffe, es ist überhaupt echter Saft enthalten.

In Deutschland kauften wir öfters Litschis aus der Dose und dieser „Saft“, in dem die liegen, schmeckt genauso wie das hier. Ich find’s gut!

Fazit
Name: Litchi Drink
Firma: Chivalry 
Preis:
1 RMB (0,14 EUR)
Menge: 250ml
Behälter: Tetrapack
Quelle: Tesco (Online)
Note: 2

Ausprobiert: „Schweppes Dry Ginger Ale“

Ich habe mich kürzlich beschwert, dass mir Limo fehlt. Am Folgetag bin ich dann morgens alleine in den eher lokalen chinesischen Supermarkt schräg gegenüber getapert und mich einmal quer durchs Getränke-Sortiment geshoppt. Außerdem habe ich mich mittags noch durch einen Online-Shop geklickt, in dem wir eigentlich nur Wasser bestellen wollten. Da die aber eine tolle Auswahl UND in der Überschrift eine englische Übersetzung der Produkte stehen hatten, klickte ich mich euphorisch durchs Sortiment und äh, nun ja, bestellte sehr viele Getränke. Vielleicht sieht es gar nicht so wild aus, aber auf der linken Seite der zweiten Etage stehen erstaunlich viele.

In der Zwischenzeit trank ich noch mal Mirinda, Coca Cola und Pepsi Cola. Es schmeckt alles irgendwie merkwürdig. Süßer. Die beiden Colas schmecken irgendwie so wie diese billige Cola, die es früher mal bei Aldi gab. Ist einfach nicht meins.

wpid-photogrid_1421495044825.jpgNun ist es also soweit und ich habe das erste, gut gekühlte Getränk meiner Test-Reihe geöffnet. Jetzt, da ich ja ganz offensichtlich unter die Food-Blogger gehe, hätte ich die nun mit einer Spiegelreflex knipsen und toll arrangieren müssen. Hab ich aber nicht. Stattdessen nahm ich mein Handy und es hat auch nur für schummeriges, aber gemütliches Licht gereicht. ;) Hier ist es schließlich schon Abend. Und dazu noch ein Samstag!

Die Dose ist zweisprachig, die von euch aus rechte sieht natürlich wesentlich cooler und exotischer aus.

Wie der Titel schon verraten hat, macht „Dry Ginger Ale“ von Schweppes den Anfang. Ja, ich habe mich todesmutig für etwas ganz verrücktes entschieden, damit ich die Reihe nicht vorzeitig bereue.

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Was doch nicht fehlt: Windeln. Und über Preise im Allgemeinen.

Ich las und hörte im Vorfeld immer wieder, es gäbe in China im Allgemeinen und auch in Shanghai im Speziellen schlecht Windeln zu kaufen. Die Chinesen würden nur den ganz kleinen Babys welche anlegen und dann früh windelfrei praktizieren. Spätestens ab Größe 4 und aufwärts wären Windeln hier deswegen ganz schwer zu bekommen. Und wenn, dann unheimlich teuer. Beim Look and See guckte ich mal schnell in ein paar Läden. Da gab es jede Menge Windeln diverser Marken, aber da funktionierte meine Umrechnungs-App nicht und ich hatte kein mobiles Internet . Ich überschlug den Preis aber mit mindestens doppelt (und teilweise fast dreifach) so hoch wie bei uns. Jetzt war ich da aber auch in teuren Geschäften und ich fand nur importierte Marken aus Italien und aller Herren Länder.

Da Felix Größe 4+ trägt und damit keine kleine Babygröße mehr, machten wir uns auf was gefasst. Und luden sicherheitshalber vier Pakete Windeln mit in die Seefracht. Ich sah mich schon Marken durchtesten, in der Hoffnung, dass sie gut sitzen.

Tja. Keine Ahnung, wo und wann diese Leute mit diesen Tipps hier in Shanghai wohnen oder wohnten, aber das kann ich bisher gar nicht bestätigen.

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Was fehlt: Limo

Ernsthaft. Mir fehlt Limo!

Ich trinke gerne mal Cola (Coca Cola oder Pepsi und jeweils die Knallharte ohne Süßungsmittel), Mezzo Mix oder Fanta. (Am liebsten übrigens die Fanta aus den Niederlanden, aber naja, die krieg ich auch in Deutschland nicht.) Genauso diverse Sorten „die Limo“ von Granini. Die Orangen-Limo von St. Pellegrino oder Gerolsteiner. Ginger Ale. Bitter Lemon. Mirinda. Sowas halt.

Seufz. Nach dem letzten Absatz ist meine Schmacht noch größer.

Schon beim Look and See-Trip merkte ich, dass die Coca Cola hier anders schmeckt. Irgendwie süßer. Und komisch. Das ist nichts Ungewöhnliches, Cola schmeckt aus diversen Behältern schon anders und auch nicht in jedem Land gleich. Ist so. Da war ich schon ein wenig traurig. Aber ich erhoffte mir genügend Alternativen.

Letzte Woche freute ich mich total, in einem Expat-Supermarkt „Canada Dry“ zu finden. Das ist Ginger Ale und ich liebte es bei den bisherigen USA-Aufenthalten. Die kleine Dose kostet jedoch einen Haufen Geld. Die genaue Summe müsste ich nachsehen, aber die Dose ist etwa 150ml groß und kostet umgerechnet über drei Euro. Werde ich mir also mal gönnen, aber nun ja.

Fanta und Mirinda sind hier viel dunkler, sehen noch unnatürlicher aus und sind wesentlich süßer. ( Ich könnte nun noch sagen, dass der orange Farbstoff mir kurz etwas Angst einjagte, weil der den Körper so durchläuft. Aber sowas sagt man ja nicht, geschweige denn schreibt man darüber.) Mezzo Mix oder Spezi gibt’s nicht. Coca Cola schmeckt anders. Die Zero ist laut meinem Mann gleich, aber ich trinke lieber eine halbe Dose verflüssigten Zuckers anstatt Süßstoff. Sprite und ähnliche Varianten gibt es öfters, aber die mag ich nicht sonderlich. Der hatte sich übrigens über „Mountain Dew“ gefreut, aber auch das ist etwas anders und süßer, lässt er ausrichten. Coca Cola hat eine Reihe mit so Fruchtnektar-Plörren, aber das ist auch nicht meins. Ich habe nun eine Flasche Pepsi gekauft und hoffe, die taugt wenigstens was.

Die Läden sind zwar super auf Expats eingestellt und man bekommt hier tolle Sachen (mehr dazu in einem separaten Beitrag), aber alles haben die natürlich auch nicht. Bei Cola-Fanta-Sprite sind die meisten da wohl einfach nicht so kritisch.

Jetzt gibt’s hier eine breite Auswahl an Säften und so, aber das ist halt nicht dasselbe. Und dass die es hier nicht so mit Kohlensäure haben, kann ich ebenfalls verschmerzen.

Mir war schon klar, dass ich die Granini-Limo nicht bekommen würde und die Fanta sicherlich anders ist, aber dass ich bisher so gar nichts in die Richtung gefunden habe, stört mich. Da muss es doch was geben?

I am a pizza…

Ich bin sehr anfällig für Ohrwürmer. Und weil ich diesen Song seit Tagen nicht aus dem Kopf bekomme, müsst ihr da nun auch drunter leiden. Muahaha!

In der Kita läuft morgens oft Musik. Die Kita ist bilingual und dort wird Englisch und Chinesisch gesprochen. Also gibt es auch dementsprechendes Lehrmaterial. Und ja, bei der Google-Suche habe ich das Video dazu tatsächlich oft auf Lehrer-Webseiten gefunden. Anscheinend ist der Pizza-Song dort sehr populär. Der pädagogische Hintergrund bleibt mir jedoch verborgen. Vielleicht kann mich da jemand aufklären?

Diesen Song gibt es auf Englisch und Französisch, die kombinierte Variante aus dem Kindergarten habe ich leider nicht als Video gefunden. Da wird auch am Anfang dieses doch eher künstlerische Intro weggelassen und die Dame trällert auch nicht so unerträglich. (Nachtrag: Felix LIEBT dieses Intro und singt das immer nach. Da MUSS ich einfach mit einstimmen!)

Seit Tagen hab ich voll Bock auf Pizza und diesen schrecklichen Song im Kopf. Aaaaaah!