In der U-Bahn #1

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Geduld, Geduld… Die Erläuterung folgt weiter unten.

Wir sind nun schon ein paar Mal mit der U-Bahn gefahren. Das ist spottbillig und geht gut, weil die Bahnen in kurzen Abständen kommen und man nicht lange warten muss. Also zumindest war das so, als wir unterwegs waren. In der von uns aus nächstgelegenen Station habe ich jedoch ein Schild gesehen, dass die letzte dort abends um 22:45 Uhr ankommt. Das ist jetzt nicht so komfortabel. Außerdem ist diese Haltestelle für uns relativ weit weg und von dort aus fahren auch nicht so viele Linien.

Beim ersten Mal nutzten wir den schnellsten Weg. Mit Kleinkind war der aber sehr beschwerlich und machte nicht gerade Lust auf mehr. Der Buggy ruckelte auf dem relativ holperigen Weg und war entsprechend schwer zu schieben und nach ein paar hundert Metern kam die erste Brücke. Allerdings keine, über die man mehr oder weniger steil ansteigend einen Buggy hätte hochschieben können, sondern eine mit Stufen. Einigen Stufen. Dazu sollte auch erwähnt werden, dass die Stufen nicht gleichmäßig hoch waren und es nicht geeignetes gab, wo sich der Kleine dran hätte festhalten können. Hrmpf.

Zum Glück waren wir ja zwei Erwachsene, also trug einer von uns das Kind hinauf und der andere den Kinderwagen. Und auf der anderen Seite das gleiche Spiel zurück. Soweit, so machbar. Alleine wäre das aber schon ganz schön tricky geworden. Denn ich hätte das Kind aus Sicherheits- und Gewichtsgründen nicht gleichzeitig mit dem Wagen hieven können (oder wollen) und dieser Widerwillen galt auch bezüglich der Anwesenheit eines gerade mal zwei Jahre alten Kindes an einer viel befahrenen Straße.

Nachdem ich gerade wieder meinen Atem normalisiert hatte, kam schon die nächste Hürde: Wir mussten eine insgesamt sechsspurige Straße überqueren. Dies geschieht mit Hilfe einer sehr hübsch anzusehenden Fußgängerbrücke. Die ist mindestens zwei Stockwerke hoch und das bedeutete noch einmal Schlepperei. Dabei ist Hoch und Runter ähnlich ätzend, da tut sich nix. So hatte ich mir den Ausflug ja nun nicht vorgestellt. Wir waren noch nicht mal in der U-Bahn, geschweige denn am Ziel. Doch ich hatte schon keinen Bock mehr.

Ich fragte mich, was ich alleine mit Kind gemacht hätte. Am besten mit Kombikinderwagen. Oh, und im Regen, wenn die Stufen auch noch rutschig sind. Oder wenn ich alt und gebrechlich wäre. Oder im Rollstuhl säße. Grummelnd hatten wir auch diese Hürde überwunden.

Metro-Stationen haben es so an sich, dass sie meist unterirdisch sind und das bedeutet…? Na…? Genau, dass man nochmal runter muss. Wir entdeckten frohlockend einen Aufzug. Unsere Vermutung, dass der allerdings leider „vorübergehend“ außer Betrieb war bestätigte sich bald, als uns eine Lautsprecher-Stimme auf chinesisch anblaffte. Nicht, dass wir das von den Vokabeln her verstanden hätten, aber das war doch recht international. Also schleppten wir wieder. Seufz.

Der Weg war von typischen U-Bahn-Haltestellen-Shops gesäumt, wie man sie auch von Deutschland kennt: Fast Food, Essen, Fast Food, Handyladen, Laden mit Krimskrams, Kiosk, irgendwas, das mal irgendwas war und nun verrammelt wurde und irgendwas, das gammelig aussieht und hoffentlich dauerhaft geschlossen ist.

Der eigentliche Bahnhof war dann erstaunlich hell. Aber wieder nur Treppen und Rolltreppen, die von unten nach oben führen. Prinzipiell super, aber wenn man runter möchte, bedeutet das eben wieder: Genau. Schleppen. (An dieser Stelle möchte ich gerne erwähnen, dass mir durchaus bewusst ist, dass man in Deutschland nicht mit goldenen Sänften zur U-Bahn und den Bahnsteigen getragen wird, sondern ähnliche Bedingungen herrschen.)

Vor den Drehkreuzen gibt es einen Röntgenscanner für größere Taschen, an dem mehrere Uniformierte stehen. Aber bisher habe ich keinen, wirklich KEINEN gesehen, der da was durchschiebt. Vielleicht sind die Geräte auch nur Attrappe? Ich weiß es nicht.

Mit der aufladbaren Karte (die man übrigens wohl auch als Zahlungsmittel in Taxen verwenden kann) kann man dann durch ein Drehkreuz. Ich dachte, da kann ich mit dem Buggy so durch und den drunter weg schieben, während mein Mann das Kind auf dem Arm hält. Naja. Theoretisch geht das auch ohne, dass man sich selbst fast die Beine bricht. Aber dann ist man auch nicht so ungeschickt wie ich. EIGENTLICH steht dann auch immer jemand an breiten Türen für Kinderwägen und Rollstühle, der einem diese aufhält. Nur an der ersten Haltestelle irgendwie nicht und ich hatte nicht gesehen, dass neben den Drehkreuzen noch eine Tür ist. Das ist teilweise nämlich eher chinesisch gelöst. Erstens erkennt man nicht unbedingt, dass eines der Zaunstücke eine Tür ist und zweitens mündet die auch schon mal vor einer dicken Säule, an der man sich mit Buggy gerade noch so vorbei quetschen kann. Mit einem Rollstuhl wäre das aber wohl nicht gegangen. Äh…?

Das Schienennetz wächst und wächst und wächst und die Linien sind farblich und zusätzlich mit Nummer gekennzeichnet. Fürs Umsteigen sind die Wege entsprechend markiert und das ist echt praktisch.

wpid-img_20150102_214648.jpgDie Bahnsteige, die ich bisher gesehen habe, wiesen eine freudige Überraschung auf. Es ist wohl so, dass das Feature, das ich euch gleich beschreibe und auf den Bilder zu sehen ist, hauptsächlich die meist genutzten Bahnhöfe in der Innenstadt betrifft. Aber das ist ja wohl mal cool!

Dort gibt es nämlich halb hohe Absperrungen oder sogar welche, die den kompletten Schienenbereich absperren. Die Türen öffnen sich erst dann automatisch, wenn der Zug schon Sekunden steht. Das finde ich super! Erstmal ist es viel sicherer, man braucht keine Angst mehr Schubsern oder der Sogwirkung des Fahrtwindes zu haben und außerdem weiß man schon, auf welcher Höhe sich die Tür befinden wird.

wpid-img_20150102_214618.jpgAuf den Scheiben befinden sich unter anderem niedlich gezeichnete Figuren, die schätzungsweise darauf hinweisen, dass man seinen Sitzplatz überdenken und vielleicht an andere weitergeben sollte, die ihn dringender brauchen. Bisher rätseln wir an der Entschlüsselung. Man sieht nämlich einen älteren Mann (ok, logisch), ein kleines Kind (ok, logisch), eine Frau mit einem Baby auf dem Arm (ok, logisch), einen Jungen mit einem verbundenen Arm (ok, logisch) und einen Mann im Anzug (äh…?). Falls uns das jemand erläutern könnte, wäre das toll!

(Hinweis: Ich habe leider kein Foto davon, auf dem unteren Bild weist das Maskottchen nur auf die Tür hin.)

Drinnen warten auch ein paar kleine technische Schmankerl. So läuft die Werbung innerhalb der Tunnel teilweise streckenweise als LED-Band mit und bei der Werbung für den Zoo sieht das natürlich super cool aus, wenn da ein Leopard lang läuft.

Auf dem Rückweg lief dann alles ziemlich easy und wir erwischten auch immer Rolltreppen nach oben. Wir entschieden uns für den alternativen Fußweg, der laut Karte nur drei Minuten länger dauern sollte, dafür aber ohne Brücken auskam. Die Zeit hätten wir durch das Herumgehieve mit dem Buggy eigentlich locker wieder drin gehabt. Irgendwie zog sich der Weg aber ganz schön und wir waren auch ganz schön ko vom Tag und hatten noch ein paar Einkäufe zu schleppen. Insgesamt brauchten wir daher etwas länger.

Zwei Tage später brauchten wir für den Hinweg auf dieser Strecke sogar noch länger, weil wir ständig irgendwem ausweichen mussten, Ampeln rot waren, der Kleine Apfel essen wollte, den man ihm anreichen musste und ich körperlich nicht so fit war. Anstatt der von Google veranschlagten 20 Minuten Fußweg, brauchten wir fast 40. Plus die Wege innerhalb der Metro-Station. Das war besonders ätzend, weil wir verabredet waren und viel zu spät kamen.

Tja.

Mein Fazit: Ohne Buggy beziehungsweise generell ohne Nachwuchs wäre das sicherlich eher was, aber auch da schreckt der ewig lange Weg zur Haltestelle ab. Die Verbindung ist zwar gut, jedoch fährt man eigentlich einen ziemlich großen Bogen, um dorthin zu gelangen, wo wir normalerweise hin wollen würden. Wir werden vielleicht noch mal am Wochenende U-Bahn fahren, aber da wir nun doch schon einen Fahrer haben, wird das vermutlich erstmal seltener. Die Schwierigkeiten auf dem Weg könnten uns in Deutschland genauso begegnen. Trotzdem ein Grund, warum öffentliche Verkehrsmittel mich tendenziell eher nerven. Die geringen Kosten, die erhöhte Sicherheit am Bahnsteig und vor allem die Taktung der Züge lassen den Punkt allerdings ganz klar an Shanghai gehen.

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